Kein Touristenausbruch, keine Erschliessung geplant

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Die Polizeidirektion von Suðurnes hat das Betreten der Ortschaft Grindavík bis zum 28. Dezember untersagt. Der Ort gilt als gefährlicher Aufenthaltsort. Einsatzkräfte hätten einfach keine Zeit, sich um Wanderer zu kümmern, die sich in Gefahr begeben, hiess es bei der Polizei. Die Vollsperrung des Ortes basiert auf einem neuen Gefahrengutachten des isländischen Wetterdienstes, den dieser gestern veröffentlicht hatte. Polizeichef Úlfar Lúðvikson ist entschlossen, dieser Einschätzung zu folgen.

Svartsengi und Grindavík gefährliche Aufenthaltsorte
Auch rund um das Erdwärmekraftwerk Svartsengi sei es gefährlich, und nur wenige befinden sich noch dort, um den Schutzwall um das Kraftwerk fertigzustellen. Im Kraftwerk selbst läuft der Betrieb ferngesteuert. Úlfar sagt, es sei in den vergangenen Wochen schwierig gewesen, die Schichten für den Dienst im Erdbebengebiet zu bemannen, und er hofft dass das in den kommenden Tagen etwas besser läuft, vor allem angesichts der Tatsache, dass Grindavík nun vollständig gesperrt sei.

Wanderer am Litli Hrútur gerettet
Doch sind es nicht mehr die Erdspalten im Asphalt, die Neugierige anlocken, sondern die Eruption mitten in der Einöde der Halbinsel. In den ersten Stunden nach dem Ausbruch in der Montagsnacht hatte die Autoschlange auf der Reykjanesbraut bis fast in de Hauptstadt gereicht, und auch danach hatten viele Schaulustige versucht, einfach irgendwo anzuhalten, um das Spektakel zu sehen oder ihre Drohne loszuschicken. Bislang, so Úlfar sei es immer gelungen, die Leute zum Umdrehen und Weiterfahren zu bewegen, gestern Abend aber hatte es einen Einsatz gegeben, der auch schlecht hätte ausgehen können. Ein ausgekühlter und erschöpfter Wanderer war per Zufall am Litli Hrútur gefunden worden und hatte aus der Luft gerettet werden müssen.
„Da musste der Hubschrauber losfliegen und Rettungsleute mussten ausrücken, aber das ist gut gegangen. Der Mann hätte die Nacht im Freien verbringen müssen, wenn man ihn nicht gerettet hätte.“

Keine touristische Erschliessung geplant
Ein derart grosses Gelände sei kaum zu sichern, und immer versuchten einige, trotzdem an den Sperrungen vorbeizugelangen. Úlfar findet deutliche Worte: „Allerdings ist das heute ein sehr unzugänglicher Ort, und eigentlich vollkommen bescheuert, von der Reykjanesbraut aus ins Eruptionsgebiet laufen zu wollen. Das sind locker 20 Kilometer hin und zurück.“
Für eine touristische Erschliessung oder Wanderwegebau gebe es derzeit keine Kapazitäten, man beobachte zwar, wie die Lage sich entwickle, doch sei die Eruption ohnehin kein „Touristenausbruch“. Aber grundsätzlich hätten die Einsatzkräfte auch einfach keine Zeit, sich um Touristen zu kümmern, man sei an die Grenzen des Machbaren gestossen und konzentriere sich jetzt darauf, den Bewohnern von Grindavík bei der Wahrung ihrer Interessen zur Seite zu stehen.

 

 

Eruption könnte nur wenige Tage andauern, meint Vulkanologe

Reykjanes eruption Iceland eruption

Ein Vulkanologe hat den Ausbruch auf der Halbinsel Reykjanes als typisch für flache Magmakammerausbrüche bezeichnet, wo aufgebauter Druck zu einem schnellen Magmaaufstieg und anschließendem schnellen Rückgang der Intensität führt. Dies alles seien Hinweise darauf, dass es sich hier um einen kurzen Ausbruch handeln könnte.

Grindavík nicht in Gefahr
In einem Interview mit dem Radiosender Rás2 heute morgen charakterisierte der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson die seit Montagnacht aktive Eruption nördlich von Grindavík als flachen Magmakammerausbruch, wo Magma über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg in eine Kammer gedrückt worden sei. Dies habe zu einem Druckaufbau geführt.
“Sobald dieser Druck so groß wird, dass er die Schwelle des Kammerdachs erreicht oder überschreitet, bricht das Dach und die Magma steigt mit hohem Tempo auf. Dieser zusätzliche Druck durch die Magmaansammlung nimmt aber auch schnell wieder ab, was dazu führt, dass die Eruption nicht lange andauert. Dies ist tatsächlich ein klassisches Beispiel für solche Ausbrüche.“

Noch vor dem Wochenende Schluss?
Die Wahrscheinlichkeit dass sich neue Schlote in der Spalte öffnen, hält Þorvaldur für eher gering. Auch einen Ausbruch in der unmittelbaren Ortsnähe von Grindavík hält er für nicht wahrscheinlich, eher noch dass sich alte Krater am Nordende der Kraterreihe wieder öffnen.
Ebenfalls für denkbar hält er das Szenario, dass die Region von der Eldvörp zum Fagradalsfjall in den kommenden Jahren weitere Ausbrüche erleben könnte, dann entweder entlang der alten Kraterreihe Sundhnúkagígar, am Fagradalsfjall, oder weiter westlich davon.
Die derzeit aktive Eruption betrachtet er als eher nicht langlebig, obwohl solche Prognosen immer schwierig seien, so Þorvaldur. “Aber vieles weist darauf hin dass das ein kurzer Ausbruch wird, der innerhalb der kommenden Tage zum Erliegen kommt. Möglicheweise sogar noch vor dem Wochenende.”

MAST hätte Guðmundas Hühner und Pferde nicht schlachten dürfen

Die Entscheidung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST, im vergangenen Winter alle Tiere der Landwirtin Guðmunda Tyrfingsdóttir zu beschlagnahmen und sie unverzüglich schlachten zu lassen, ist vom Ministerium für Landwirtschaft als gesetzeswidrig eingestuft worden, berichtet Vísir. Guðmundas Anwalt sagt, seine Mandantin sei mit diesem Urteil zufrieden, obwohl ihre Tiere nie mehr zurückkommen.

Beschlagnahmung in Abwesenheit
Die 90-Jährige vom Hof Lækjartún im südisländischen Ásahreppur hatte sich im Dezember letzten Jahres die Schulter ausgerenkt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Im Anschluss an den Unfall beschlagnahmte MAST sämtliche Tiere auf dem Hof, da sich nach Einschätzung der Behörde niemand fand, der sich in Guðmundas Abwesenheit um die Tiere kümmerte.
Guðmunda ist die Überlebende von zehn Geschwistern, die jahrzehntelang alleine mit ihren Tieren auf Lækjartún gelebt hatte. Vor einigen Jahren hatte sie die Milchwirtschaft aufgegeben und ihre Kühe verkauft, behielt jedoch einige Schafe, Kälber, Hühner und ein paar Pferde.
Bekannte und Nachbarn der alten Dame hatten angegeben, ihr helfen zu wollen und die Tiere zu versorgen, seien jedoch von den Verwandten per Telefon davon abgehalten worden. Im Januar hatte Vísir berichtet, einige hilfsbereite Nachbarn seien gar vom Hof gejagt worden.
Anfang des Jahres liess MAST dann den gesamten Tierbestand, Hühner und Pferde inklusive, schlachten, weil die Bäuerin nicht zuhause war.

Kein Spielraum für derart endgültige Massnahme
Das Landwirtschaftsministerium hat nun geurteilt, dass MAST keinen rechtlichen Spielraum gehabt habe, auf diese Weise über die Tiere zu verfügen. MAST habe nach Guðmundas Einlieferung ins Krankenhaus am 22. Dezember und erneut am 2. Januar, bevor sie nach Hause zurückkehrte, Einwände zum Tierwohl auf dem Hof erhoben. In den Einwänden der Behörde ging es vor allem darum, dass es auf dem Hof Tiere gebe, um die sich niemand kümmere.
Auf Bitten von MAST habe Guðmunda Personen genannt, die sich um das Vieh kümmern sollten, doch sei nach Angaben der Behörde niemand bereit gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. Daraufhin habe man die Tiere geschlachtet.

In den behördlichen Daten finde sich jedoch keine Bestätigung dafür, dass sich die Tiere wegen Futtermangel, Unfall oder maroder Stalleinrichtung in einem dauerhaft schlechten Zustand befunden hätten. Der Zustand der Tiere – Pferde, Kälber, Schafe und Hühner – sei vielmehr gut gewesen, als die Entscheidung getroffen wurde, das Vieh zu beschlagnahmen und zu schlachten, heisst es in dem Urteil des Ministeriums. Auch sei der Zustand nicht derart gewesen, dass man die Massnahmen so schnell und final hätte treffen müssen, ohne der Klägerin Gelegenheit zu einer Äusserung oder zum Ergreifen eigener Massnahmen zu geben. Guðmunda war von der blitzschnellen Aktion von MAST im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelt worden.
Es sei daher Ansicht des Ministeriums, dass bei der Bearbeitung des Falles die Verfahrensregeln des Verwaltungsrechts und die Bestimmungen des Informationsrechts nicht beachtet wurden. Auch die Voraussetzungen des Tierschutzgesetzes, auf das man sich berufen habe, seien von der Behörde nicht eingehalten worden.

Behörde unter Kritik
Guðmundas Anwalt gab an, die alte Dame habe sich damit zufriedengegeben. Sie wolle einfach nur anerkannt haben, dass die Aktion mit Gewalt durchgeführt worden sei. Die Tiere seien ihr Ein und Alles gewesen. Einst hatte Guðmunda 18 Kühe gehalten und zu den Höfen mit dem höchsten Milchertrag im ganzen Land gehört.

Im vergangenen Jahr war MAST mehrfach in die Kritik geraten, nachdem bei Tierhaltern im Westen des Landes über Jahre tierschutzwidrige Zustände dokumentiert wurden, ohne dass von Behördenseite etwas passierte. Privatpersonen hatten sich für die hungernden Pferde und Rinder starkgemacht und sogar Pflegeplätze organisiert, doch erst geschah monatelang nichts, der Zustand der Tiere verschlechterte sich, dann hatte MAST in einer Blitzaktion 13 Pferde beschlagnahmt und schlachten lassen, obwohl das Tierschutzgesetz den Spielraum erlaubt hätte, diese Tiere in Pflege zu geben oder zu verkaufen.