Grindavík: Ausbruch in Ortsnähe ist weiter wahrscheinlich

grindavík evacuation

Auch weiterhin gilt ein Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes als wahrscheinlich, heisst es in einer Mitteilung des isländischen Wetterdienstes. Das Land hebt sich weiter in der Region um Svartsengi, es liegt dort inzwischen höher als noch Anfang November, als sich unter dem Küstenort Grindavík eine unterirdische Magmaintrusion bildete. Damals waren die rund 3000 Bewohner evakuiert worden. Die Evakuierung besteht immer noch, nachdem die seismische Aktivität weiter anhält und eine Grabenbildung innerhalb der Stadt zu massiven Schäden an Häusern, Strassen und Infrastruktur geführt hatte.

Magma könnte den Tunnel vom 10. November nutzen
Am Wochenende hatte die Landhebung etwas nachgelassen, sie ist nach Angaben des Wetterdienstes aber weiterhin hoch. „Solange sich Magma weiter bei Svartsengi ansammelt, bleibt die Wahrscheinlickeit eines neuen Magmaausbreitung und eines Ausbruchs,“ heisst es in der Mitteilung.
„Wenn ein Magmafluss aufkommt, dann sieht das wahrscheinlichste Szenario so aus, dass die Magma von Svartsengi aus in den Tunnel vom 10. November fliessen wird. Der wahrscheinlichste Ort für einen Ausbruch wäre dann nördlich von Grindavík, in Richtung des Berges Hagafell und der Region um die Kraterreihe Sundhnjúksgígar. Die seismische Aktivität ist in den vergangenen Tagen stabil und gering geblieben und hat sich auf den Hagafell beschränkt.“

Schäden in Höhe von 66 Mio EUR
Die Schäden an Wohngebäuden und Infrastruktur könnten bis zu 10 Mrd ISK (66,3 Mio EUR) betragen, schätzt die Leiterin der isländischen Katastrophenschutzversicherung, Hulda Ragnheiður Árnadóttir. Bevor es jedoch zu Auszahlungen kommen kann, müssen die Behörden den Stadtplan prüfen und entscheiden, ob bestimmte Stadtviertel nicht mehr bewohnbar sind. Bislang sind 230 Gebäude als beschädigt gemeldet worden.

Die Blaue Lagune hatte am Freitag angekündigt, bis zum Donnerstag geschlossen zu bleiben und dann die Lage erneut zu prüfen. Es gibt auch weiterhin keine offizielle Einschätzung dazu, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen könnte. Daher ist auch nicht klar, wann es für die Bewohner von Grindavík sicher genug ist, nach Hause zurückzukehren.

 

Scrapie: 100 Schafe mit schützendem Gengut bleiben am Leben

Auf dem Hof Stórhóll in der Vestur-Húnavatnssýsla war im Oktober bei einem zweijährigen Schaf die tödliche Krankheit Scrapie gefunden worden. Der Diagnose folgte wochenlanges Bangen, ob wie bisher üblich der gesamte Schafbestand gekeult werden muss, oder ob die Schafe, bei denen gegen Scrapie schützende Genotypen gefunden worden waren, am Leben bleiben dürfen. Nun wurde bekanntgegeben, dass 100 Schafe von der Keulung ausgenommen werden, berichtet RÚV.

Den alten Bestimmungen nach hätten alle 600 Schafe des Bestandes gekeult werden müssen. Zwei Höfe im Nordwesten, die das gleiche Schicksal im September ereilte, hatten noch den gesamten Bestand vernichten müssen, obwohl sich nachweislich Dutzende von Jungeschafen mit schützendem Erbgut im Bestand befanden. Die Vorgehensweise der Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit scharf kritisiert worden. In der Folge hatte Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir die Regelung dahingehend geändert, dass Schafe mit nachgewiesenen schützenden Genotypen von der Keulung ausgenommen werden.

100 Schafe als Neubeginn
Bei einer Reihenuntersuchung auf Stórhóll stellte sich heraus, dass um die 100 Schafe in der Herde mit mehr oder weniger schützendem Genotyp ausgestattet waren. Diese 100 Schafe sind die ersten in Island, die nach der neuen Bestimmung trotz einer Scrapie-Infektion im Zuchtbetrieb am Leben bleiben dürfen. Sie stellen die Grundlage für einen neuen Bestand, der mit einem Schutz gegen die Krankheit ausgestattet ist.

Für die 100 jungen Auen gelten allerdings scharfe Bestimmungen. Unter anderem ist der gesamte Bestand für sieben Jahre in Isolation zu halten. Nur reinerbige ARR-Schafe dürfen nach zwei Jahren auf die Sommerweide ins Hochland. Es besteht ausserdem die Verpflichtung, sich züchterisch ausschliesslich auf den Scrapieschutz zu konzentrieren.

Erster Schritt zu scrapiefreiem Bestand
Stórhóll ist damit der erste Schafzuchtbetrieb in Island, für den es nach der Scrapie-Diagnose weitergeht.
Bislang waren Keulung, Desinfektion und Brachliegen die einzigen Waffen gegen die ansteckende Nervenerkrankung gewesen, gegen die es kein Mittel gibt. Über Jahrzehnte waren der Scrapie abertausende von Schafen – erkrankte wie gesunde, zum Opfer gefallen, ein hilfloser Versuch, die Seuche auszurotten. Doch der Prion hielt sich hartnäckig und tauchte in bestimmten Gebieten immer wieder auf.
Im vergangenen Jahr hatte dann auf Initiative der Schafzüchterin Karólína Elísabetardóttir und des isländischen Zuchtbüros eine grossangelegte Diagnostikaktion begonnen, um vor Scrapie schützende Genvarianten zu finden, die bei ausländischen Schafrassen durchaus vorhanden sind. Dazu wurden auf allen Höfen des Landes Zuchtlämmern Hautstanzen aus dem Ohr entnommen und genetisch untersucht. Auf dem Hof Þernunes wurde man schliesslich fündig, dort gab es einen alten Bestand mit der schützenden ARR-Variante. Inzwischen konnten mehr Höfe mit solchen Beständen und weitere Genvarianten ausgemacht werden, die ähnlich bis gleichwertig vor der Krankheit schützen.
Mit der neuen Bestimmung, nach der Jungschafe mit schützendem Erbgut von der Keulung ausgenommen sind, kann nun das Projekt in Angriff genommen werden, in Island einen scrapiefreien Schafbestand aufzubauen.

 

Lachszucht: Gesetzentwurf legitimiert 20% Verlust bei Zuchtfisch

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Der Gesetzentwurf von Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir zur Fischzucht, der seit gestern im Beratungsportal der Regierung vorliegt und von Bürgern und Interessensparteien kommentiert werden kann, kalkuliert „Verluste“ von 20% des Fischbesatzes ein. Das bedeutet, dass jeder fünfte Fisch in isländischen Meereszuchtnetzen verenden kann. Laut Entwurf zählen zu „Verluste“ nicht nur von selbst verendete Fische, sondern auch solche, die wegen Krankheiten oder Parasitenbefall gekeult werden. Bei solchen Keulungsaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit bis zu einer Million Fische getötet worden.

Trotz höchster Verluste noch mehr erlauben
„Die Verluste sind hier im Land noch nie zuvor so hoch gewesen. Sie lagen bei 19,1% im letzten Jahr, und waren nie höher. Warum will das Ministerium den Unternehmen erlauben, noch mehr verenden zu lassen?“ hinterfragt Jón Kaldal vom isländischen Naturschutzfonds den Gesetzesentwurf.
Wiederholt sei während der Planungsarbeit darauf hingewiesen worden, so Jón, dass sich die Praktiken hierzulande an den besten Bedingungen in anderen Ländern orientieren sollten. Leider muss man sagen, dass die Fischzuchtpraktiken nigendwo wirklich gut sind.

“Aber eine Messlatte von 20% im Entwurf ist genauso schlecht oder sogar  schlechter als dort, wo es in den Nachbarländern am schlimmsten ist. Im Jahr 2022 lagen die Verluste in Norwegen bei 16,1%, mit 58 Millionen toten Lachsen.” Der norwegische Fischereiminister habe im März bekräftigt, dass das so nicht weitergehen könne. Doch die Litanei höre man seit vielen Jahren, so Jón. Im Jahr 2018 gab es in Norwegen 53 Millionen (15%) tote Zuchtlachse. Der vormalige Fischereiminister habe damals angegeben, das dringendste Projekt der norwegischen Lachszucht liege darin, gegen den Lachstod vorzugehen, der Zustand sei unhaltbar. Passiert sei allerdings nichts.

Nicht im Interese des Tierwohls
“Das ist gelinde gesagt eigenartig, dass die isländische Ministerin vorschlagen will, Aquazuchtkonzernen den Segen der Regierung dafür zu erteilen, dass ein 33% höherer Anteil an Zuchtlachsen in hiesigen Meeresgehegen verenden darf, als der norwegische Minister als ‘untragbar’ bezeichnet hatte, und ‘das gehe so nicht weiter’.” In Norwegen liegt Vísir zufolge der einkalkulierte Verlust bei durchschnittlich 15%, in einigen Regionen bei 10%, im Nordwesten allerdings auch bei 27%. Island hingegen will 20% Verlust legitimieren.
Jón meint, die Tatsache dass die hohen Verlustzahlen mit Segen der Regierung erlaubt werden sollen, sei ein klares Beispiel dafür, wie die Regierung ihre Gesetzgebung nach Konzerninteressen gestalte, aber nicht im Interesse des Tierwohls. Das sei untragbar.

Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen fischzuchtfrei
Der Gesetzentwurf sieht neben einer stärkeren Aufsichtsführung der Veterinärbehörde MAST auch strengere Bestimmungen für die Maximalbelastungen in Zuchtgebieten und Besatzstärke in Meeresgehegen sowie zur Haltung von geschlechtsreifen Fischen vor, immerhin stellen letztere eine besondere Gefahr dar, wenn sie in die freie Natur entkommen. Das Meeresforschungsinstitut soll die Erlaubnis erhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Freilassungsversuche u.ä. mit Zuchtlachsen durchzuführen.
Auch sollen Infektionsschutzgrenzen zwischen Zuchtgebieten gezogen werden, mit dazugehörigen Bestimmungen zu Transport von Fisch und Ausrüstung, ähnlich wie in der Schafzucht, um die Übertragung von Erregern und Parasiten zwischen Zuchtgebieten einzudämmen.
Für den Zuchtfisch gilt dem Entwurf nach das Gesetz zum Tierwohl 55/2013.

Ausserdem will die Ministerin Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen für die kommerzielle Fischzucht sperren, um den Wildlachsbestand zu schützen. Allerdings geht es dabei wie im Faxaflói, Breiðafjörður, Húnaflói, Skagafjörður, Skjálfandi und im Nordosten des Landes jeweils nur um einzelne Gebiete und nicht um den gesamten Fjord.
Mbl.is schreibt, dass 40% aller eingesandten Einwände im Vorfeld des Entwurfs ein endgültiges Verbot der kommerziellen Fischzucht gefordert hatten.