Blutstutenhaltung: Neuer Verbotsversuch, neues Tierschutzvideo

Zum vierten Mal liegt dem isländischen Parlament in diesem Herbst ein Vorschlag zum Verbot der Blutstutenhaltung vor, berichtet Vísir. Der Vorschlag kommt einmal mehr von der Vorsitzenden der Volkspartei, Inga Sæland.  Vísir gegenüber gab sie an, sie hoffe dass die neue EU-Regelung dazu führe, dass sie den Vorschlag zum letzten Mal einreichen müsse.

Neue Verordnung nach ESA-Mahnung
Die zuletzt geltende Bestimmung für die Durchführung der kommerziellen Blutgewinnung aus tragenden Stuten war am 1. November ausser Kraft getreten, nachdem die europäische Regulierungsbehörde ESA dem isländischen Landwirtschaftsministerium vorgeworfen hatte, gegen europäisches Recht zum Schutz von Tieren zu verstossen, die für Versuchszwecke benutzt werden. Das Mahnschreiben war vom Ministerium erst kommentiert worden, so schreibt Heimildin, als die Blutsaison 2023 auf isländischen Höfen fast vorüber war.
Ende vom Lied ist, dass die Blutstutenhaltung seit dem 1. November unter eine Verordnung aus dem Jahr 2017 zum Schutz von Versuchstieren fällt, mit entsprechenden verschärften Anforderungen für die Branche. Unter anderem muss die Blutmenge aus jeder Stute radikal reduziert werden. In Island werden über acht Wochen lang um die 40 Liter aus jeder tragenden und laktierenden Blutstute gewonnen, das entspricht etwa der Menge ihres Gesamtblutvolumens. Ausländische Tierschützer und Tierärzte hatten diese Menge und Häufigkeit scharf kritisiert, isländische Tierschutzorganisationen hatten sich schliesslich mit einer Beschwerde an die ESA gewandt. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass älteren Bluttests zufolge diese Mengen keine Belastung für die Stuten darstellten. Die Fohlen gehen nach dem Sommer ohnehin in die Schlachtung.

Tierschützer: Quälereien gehen weiter
Dieser Tage erschien ein weiterer Aufklärungsfilm der deutschen und Schweizer Tierschutzorganisationen AWF/TSB, zum Teil geht es da um die deutsche Schweinezuchtindustrie, die auf dem in Island gewonnenen Stutenhormon PMSG zur Zyklusmanipulation der Zuchtsauen basiert, sowie um Betriebe, die gangbare Alternativen gefunden haben und weniger Todesfälle bei den Ferkeln verzeichnen – es geht aber einmal mehr auch um die Blutstuten in Island. Dort hat sich offenbar trotz der Verordnung aus 2022 und trotz vorgeblich vermehrter Aufsichtsführung des staatlichen Tierschutzes sowie besserer Schulung der Veterinäre für die Stuten offenbar nicht viel geändert. Ausser dass auf vielen Höfen jetzt im geschlossenen Stall Blut abgenommen wird.

In dem mit versteckter Kamera aufgenommenen Film sieht man, wie Stuten in der Fixierbox drangsaliert, an den Kopf getreten und geschlagen werden, man sieht erfolglose Punktionsversuche, man sieht lahme Pferde und Fohlen auf drei Beinen, um die sich niemand kümmert, und man sieht wie Hunde verängstigte Pferde jagen. Man sieht durch häufige Punktionen vernarbte Hälse und verängstigte, gestresste Tiere.
Der Film ist hier zu finden und nichts für sensible Gemüter.

Belastung von Blutstuten niedriger als von Reitpferden
Zur Vorlage des Blutstutenhaltungsverbotes im Parlament hat das einzige in Island blutverarbeitende Pharmaunternehmen, Ísteka, eine Kommentierung eingereicht, nach der man hoffe dass die Vorlage zum Verbot der Blutstutenhaltung nicht zur „alljährlichen Tradition“ werde.
Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson schreibt, die Wiedervorlage verschwende die Zeit aller, die mit der Sache zu tun hätten und baue auf „ganz besonders vielen Vorurteilen gegenüber einer kleinen Gruppe in der Gesellschaft.“  Er bezeichnete die Debatte als vorurteilsbeladen und unausgewogen und von Parlamentariern vorangetrieben. Ísteka zufolge hätten die Blutfarmer Kontrollbesuche nach höchsten Vorgaben über sich ergehen lassen müssen, seit die Branche vor zwei Jahren “im Auge des Sturms” gelandet sei, mit dem Ergebnis dass Vorfälle und Todesfälle in diesem landwirtschaftlichen Zweig besonders niedrig ausfielen und die Belastung der Tiere geringer sei als bei anderen Nutztieren, darunter auch bei Reitpferden.

Acht tote Stuten nach Blutgewinnung
Im Sommer hatte Heimildin berichtet dass es im Jahr 2022 mindestens acht registrierte Todesfälle von Stuten unmittelbar nach der Blutgewinnung gegeben habe, eine davon sei noch während des Eingriffs im Beisein des Tierarztes verblutet. Von der Fachtierärztin für Pferde bei MAST war damals verlautet, das sei “keine Katastrophe”. Die Schuld wurde auf ausländische Veterinäre geschoben, die in der Blutabnahme nicht ausreichend ausgebildet seien. Ausländische Veterinäre waren vermehrt zum Einsatz gekommen, weil sich isländische Tierärzte immer öfter weigerten, den Job zu übernehmen. Nach den Bestimmungen aus 2022 hatten alle im Sommer eingesetzten Blutsammler einen Kurs in der Blutabnahme besuchen müssen. Die Kanüle, mit der die grosse Halsvene punktiert wird, ist etwa so dick wie ein Bleistift.

Braucht es PSMG?
Nach Ansicht der Tierschützer muss die Veterinäraufsichtsbehörde nun prüfen, ob es andere Medikamente zur Steigerung der Fruchtbarkeit gibt, bei denen keine lebenden Tiere zum Einsatz kommen. Der Schaden und das Leid, das die Blutgewinnung als Tierversuch verursachen könnte, müsse unter Berücksichtigung ethischer Gesichtspunkte, sowie seines Nutzens für Mensch, Tier und Umwelt bewertet werden.
In Island gab es im Jahr 2022 auf 90 Höfen um die 4800 Stuten, die zur kommerziellen Blutgewinnung genutzt werden. Grösster Stutenbesitzer ist das Pharmaunternehmen Ísteka, das im letzten Jahr auch angekündigt hatte, Pferde mit einer grösseren Blutmenge züchten zu wollen. Die Stuten werden jedes Jahr gedeckt und haben ein Saugfohlen bei Fuss, wenn sie in die Blutgewinnung gehen. Aus dem Blut wird das Trächtigkeitshormon PMSG extrahiert, das in Europa zu Medikamenten für die Zuchtindustrie verarbeitet wird. Hauptabnehmer solcher Medikamente ist Deutschland.


 

Flugverbindung zwischen Húsavík und Reykjavík für den Winter gesichert

Die Flugverbindung zwischen der nordisländischen Stadt Húsavík und Reykjavík wird auch den Winter über aufrecht erhalten, nachdem ein Vertrag zwischen der Fluggsesllschaft Ernir und der isländischen Strassenverwaltung zustandegekommen ist. berichtet RÚV.
In einer Mitteilung der Fluggesellschaft heisst es, dass pro Woche fünf Flüge in die Hauptstadt angeboten werden. Buchungen stehen mindestens bis Ende Februar zur Verfügung. In den kommenden Wochen soll sich dann entscheiden, ob es auch nach dieser Zeit Linienflüge geben wird.
Ernir zufolge gibt es für die Flugverbindung einen hohen Bedarf, sowohl für die Allgemeinheit, als auch für Unternehmen, Insitutionen oder den Tourismus.

Húsavík ist für den gesamten Nordosten Islands infrastrukturelles Zentrum mit eigenem Krankenhaus. In Island dient der Inlandsflugverkehr als eine Art Taxi, vor allem in den Wintermonaten, wenn eine Autofahrt in die Hauptstadt noch zeitaufwändiger, schwieriger und bisweilen unmöglich ist. Man kann bequem an einem Tag und hin und zurückfliegen, ohne eine Übernachtung in Reykjavík buchen und Urlaubstage nehmen zu müssen.
Viele Einheimische nutzen daher die Flüge für wichtige Termine wie Arztbesuche oder ähnliches. Der nächste Flughafen für Tagesflugverbindungen befindet sich in Akureyri. Für Einheimische mit registriertem Wohnsitz auf dem Land subventioniert der Staat drei Hin-und Rückflüge in die Hautstadt pro Jahr.