Isländisch ab Ende 2024 im Flughafen Keflavík an erster Stelle

Die Unternehmensleitung von Flughafenbetreiber Isavia hat entschieden, der isländischen Sprache Vorrang auf sämtlichen Informationstafeln im Internationalen Flughafen Keflavík zu gewähren. Bis Ende 2024 sollen alle notwendigen Änderungen fertiggestellt sein, berichtet Vísir. Die Aktion geht auf den Tag der isländischen Sprache zurück, wo das Motto „Höldum íslenskunni á lofti“ geschaffen wurde (dt.: Isländische Sprache nach vorn).

In einer Unternehmensmitteilung heisst es, dass die Sichtbarkeit der isländischen Begriffe einen wichtigen Anteil am Erlebnis des Flughafengastes habe. Damit wolle man schon am Flughafen eine Verbindung zu isländischer Natur, Kultur und Gesellschaft schaffen.
Unter anderem will das Unternehmen auch kaum noch gebräuchliche isländische Versionen von Städtenamen  wie Nýja-Jórvík, Málmhaugar, Meilansborg benutzen.
Damit es zu keinen Missverständnissen komme, müssten sämtliche Schilder auf einmal ausgetauscht werden. An dem Projekt arbeite man bereits.

Grindavík: Weiterhin gesperrt, finanzielle Unterstützung unterwegs

Grindavík earthquakes crevasse

Im evakuierten Grindavík ist die Lage unverändert. Die Zahl der Erdbeben ging etwas zurück und kein Beben erreichte mehr eine Stärke über M3. Allerdings besteht auch weiterhin die Gefahr eines Vulkanausbruchs, bestätigte die Katastrophenschutzexpertin beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir RÚV gegenüber. Diesbezüglich hat sich der Fokus auf den Berg Hagafell gerichtet, wo zuletzt die stärksten Beben aufgezeichnet wurden. Andere Mutmassungen gingen dahin, ob es sich bei der Grabenbildung durch den Ort nicht um einen rein tektonischen Prozess gehandelt haben könnte.

Weiterhin Zutritt nur in Begleitung
Grindavík bleibt weiterhin aus Sicherheitsgründen gesperrt. Heute erhielten zuvor kontaktierte Bewohner aus der roten Zone Gelegenheit, in Begleitung von Einsatzkräften Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Das Viertel ist von der Grabenbildung besonders stark betroffen.
Nachdem gestern das Stadtarchiv fortgebracht werden konnte, war heute Landsbanki an der Reihe, hier wurden sämtliche Safes in den Hauptsitz nach Reykjavík transportiert.
Das Erdwärmekraftwerk Svartsengi wird seit heute vom Kraftwerk Reykjanesvirkjun ferngesteuert. Von der Blauen Lagune verlautete, dass man die Schliessung des Bades bis zum 30. November verlängere.

Währenddessen war noch gestern Abend der grösste Bagger Islands von der Sandmine am Ingólfsfall nach Svartsengi gefahren, um sich an den Bauarbeiten für den Schutzwall rund um das Kraftwerk zu beteiligen. Das vom isländischen Parlament abgesegnete Bauwerk soll durch eine Steuererhöhung für Hausbesitzer finanziert werden. Weder der Svartsengi betreibende Energiekonzern HS Orka noch die dem Kraftwerk angeschlossene Blaue Lagune gelten als Hausbesitzer, die sich an der Finanzierung beteiligen müssen.

Unterstützung für Betroffene
Am Vormittag hat Sozialminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson ausserdem einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem finanzielle Unterstützung für die ortsansässigen Unternehmen bereitgestellt werden soll, die zur Zeit weder Einnahmen haben noch ihre Mitarebiter beschäftigen oder bezahlen können. Die Unterstützung soll nach einem Vorbild aus Pandemiezeiten gestaltet werden, über Gestaltung und Summen wird das Parlament morgen diskutieren.

Immer mehr Hörbücher, immer mehr Nichtleser

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Immer mehr Leser in Island lassen sich von Hörbüchern in andere Welten entführen, seit dem Jahr 2018 ist der Anteil stark angestiegen, als noch 11% der Bevölkerung einmal wöchentlich oder einem öfter einem Hörbuch lauschte. Heute liegt der Anteil bei 27%. Im gleichen Zeitraum ist die wöchentliche Lektüre von normalen Büchern aus Papier um 17% zurückgegangen, im Jahr 2018 waren es noch 36% gewesen, in diesem Jahr liegt der Anteil bei 30%.

Mehr junge Leser, mehr Nichtleser
Umfragedaten des Zentrums für isländische Literatur in Zusammenarbeit mit sechs weiteren Beteiligten aus dem Herbst brachten zutage, dass das Hörbuch am eifrigsten von der Gruppe der 35 bis 54-Jährigen genutzt wird. Die durchschnittliche Zahl der gelesenen Bücher pro Monat liegt derzeit bei 2,4 Titeln, und daran hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig geändert. Die jüngste Gruppe der Befragten liest mehr als letztes Jahr, die älteste Gruppe liest weniger.
Im gleichen Zeitraum wuchs die Gruppe der Isländer, die wenig bis gar nichts lesen, um die 14 % aller Landsleute verbringt weder Zeit mit Lesen noch mit dem Hören von Hörbüchern.
Ein Drittel der Landsleute verbringt 30 bis 60 Minuten pro Tag mit einem Buch, 24% widmen ihm zwei Stunden pro Tag oder mehr. Frauen lesen oder hören mehr als Männer.

Beliebtester Lesestoff ist der Roman, bei allen Altersgruppen. Die überwiegende Mehrheit der Isländer (77%) hält es für wichtig, dass die isländische Literatur Zugang zu öffentlicher Unterstützung erhält, das sind drei Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.
Zwischen dem 10. und dem 27. Oktober waren 2500 Personen über 18 Jahren befragt worden, 51% waren zu einer Antwort bereit gewesen. Ähnliche Befragungen werden seit dem Jahr 2017 jährlich durchgeführt.

Hörbuch bringt geringeres Autorenhonorar
Auf der anderen Seite der Hörbuchmedaille stehen die geringeren Einnahmen für Autoren. Vor einigen Tagen berichtete mbl.is, dass isländische Schriftsteller mit den vom Streamingdienst Storytel ausgezahlten Honoraren ausgesprochen unzufrieden sind. Ausserdem hätten die Hörbücher Auswirkungen auf den Verkauf von normalen Büchern. Sie verlangen daher Vertragsänderungen, unter anderem möchten sie, dass die Hörfassung von Büchern noch später erscheint als bisher.

50 Kronen für ein Hörbuch
Der Autor und Leiter des isländischen Schriftstellerverbandes, Sverr­ir Nor­land, meinte, die Hörbuchrevolution sei durchaus zu begrüssen, allerdings seien die Einnahmemöglichkeiten in den letzten Jahren dadurch gesunken. Der Hörbuchriese Storytel habe in der gleichen Zeit seinen Marktanteil ausbauen können.
“Wenn ich meinen Roman im Laden verkaufe, erhalte ich 1000 Kronen,” erklärt Sverrir. “Wenn du das Buch als Hörbuch bei Storytel kaufst, bekomme ich nur 50 Kronen. Es müssen als 20 Leute das Buch hören, damit ich die gleiche Summe wie für das gedruckte Buch erhalte.”
Er halte die Summen für lächerlich, niemand könne davon leben, falls so die Zukunft aussehen solle. Eine gesamte Branche werde da in Grund und Boden gerichtet, und am Ende habe niemand was davon. Nicht mal der Hörbuchriese, so Sverrir, denn der bekäme auch keine Bücher mehr.