Fischzucht: Verbraucherschützer wollen kranken Zuchtlachs kennzeichnen

Der isländische Verbraucherschutzverband (Neytendasamtökin) zeigt Interesse daran, Zuchtfische aus Meeresgehegen speziell zu kennzeichnen. Ähnliches verlautete auch aus Norwegen. In den vergangenen Monaten hatte die Flucht von Zuchtlachsen in die freie Natur Kritik an der Umweltverträglichkeit der Branche laut werden lassen. Eine Kennzeichnung des Zuchtfisches würde seinen Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Schlachtung festhalten.

Norwegen könnte Vorbild sein
In Norwegen könnte der Verbraucher schon bald eine Art medizinische Geschichte auf der Verpackung von Zuchtlachs finden. Inger Lise Blyverket, die Leiterin des norwegischen Verbraucherschutzverbands, sagte kürzlich der staatlichen Sendeanstalt NRK, sie glaube, “viele Verbraucher würden ein Kennzeichnungssystem für Lachs begrüssen.”
Obwohl Lachs als Premium Produkt vermarktet wird, findet sich auf der Verpackung kein Hinweis darauf, dass der Fisch krank gewesen sein könnte, sagt Inger. Dabei leiden Fische an so manchen Erkrankungen, wie Parasitenbefall oder Herzkrankheiten, und werden trotzdem für den menschlichen Verzehr geschlachtet.
Inger kündigte an, dass der Verbraucherschutzverband diese Praktik beenden wolle. Es sei an der Zeit, dass die Fischzuchtindustrie in Norwegen den Gesundheitszustand des Lachses zum Zeitpunkt der Schlachtung auf der Verpackung angebe.
“Norwegische Lachsproduzenten und andere Lebensmittelhersteller müssen sich klarmachen, dass der Verbraucher mehr über die Herstellungsbedingungen und über Tierwohl wissen möchte,” sagte Inger NRK gegenüber.

Unnötig und undurchführbar, finden Gegner
Ähnlich wie in Island gibt es auch in Norwegen eine öffentliche Debatte über die industrielle Fischzucht. Und auch dort ereignete sich erst kürzlich ein Massensterben bei Norwegens grösstem Fischkonzern.
Die Idee findet natürlich nicht nur Anhänger. Jon Arne Grøttum, der Aquakulturdirektor bei der Norwegian Seafood Federation etwa sagte in einem Interview mit NRK, er halte eine solche Kennzeichnung für unnötig, weil die Fischkrankheiten sich nicht auf den Menschen übertragen.

“Alles um uns herum ist voller Bakterien und Viren, die sind überall, aber das hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit,” sagte Jon. “Ich sehe nicht, dass das irgendeinen Zweck hat. Zweitens ist die Durchführung sehr schwierig: man würde jeden Fisch einzeln untersuchen müssen, selbst wenn man den Grund kennt. Drittens ist es ein bisschen seltsam, diese Art der Kennzeichnung für Lachs einzuführen, aber nicht für andere Fleischsorten.”

Erkrankte Fische gelangen in den Verkauf
In Island findet man die Idee hingegen gar nicht so abwegig. Breki Karlsson, der Vorsitzende des isländischen Verbraucherschutzverbandes, befürwortet eine Kennzeichnung. Verbraucher hätten ein Recht, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren, erst recht nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate bezüglich Lachsflucht und Lachslaus.
Die MAST-Tierärztin Berglind Harpa Bergsdóttir, die auf Gesundheit und Tierwohl von Zuchtfischen spezialisiert ist, sagte RÚV gegenüber, in Island würden viele erkrankte Fische für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Sie erwähnte die Infektiöse Fischanämie (ISA) aus dem Jahr 2021, die der Öffentlichkeit mitgeteilt worden war. Damals hatte es gehiessen dass der infizierte Fisch durchaus verzehrt werden könne. Berglind betont dass solche Virusinfektionen sich nicht auf den Menschen übertragen.

 

Pferdenamensausschuss: Pocahontas und Ritalín sind nicht erlaubt

Seit 2017 gelten für die Islandpferdedatenbank World Fengur strenge Regeln für Pferdenamen, berichtet RÚV.
Elsa Albertsdóttir, die im Namensausschuss sitzt, erzählt, dass um 2005 herum vor allem aus dem Ausland der Ruf danach kam, Islandpferden auch traditionelle isländische Namen zu geben, immerhin sei dies eine Art „Warenzeichen“ für die Pferderasse. Dabei sind die Regeln sind recht einfach: Ein Pferd darf maximal zwei Namen tragen, der Name muss den isländischen Schreib- und Grammatikregeln entsprechen und entweder weiblich (für Stuten) oder männlich (für Hengste und Wallache) sein. Adverbien als Namen sind daher nicht gestattet. Und natürlich dürfen Namen weder obszön noch ordinär sein. Dies einzuschätzen kann manchmal schwierig sein, sagt Elsa.

In der Datenbank sind um die 11.000 Namen registriert, jeder neue Name muss genehmigt werden. In den vergangenen fünf Jahren sind 3000 neue Namen hinzugekommen, 1000 davon wurden abgelehnt. Im Durchschnitt kommen pro Monat 50 neue Namen zusammen, von denen etwa 17 keine Erlaubnis erhalten.

Elsa erzählt, im vergangenen Monat sei der Name Lesbía als Stutenname beantragt worden. Der Ausschuss habe sich bei der LGTBQ+ Organisation Samtökin ’78 erkundigt, und gemeinsam sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Begriff allzuoft im negativen Sinn benutzt werde, daher gab es für den Pferdenamen keine Genehmigung.

Da die Regeln erst im Jahr 2017 in Kraft traten, findet man immer noch Islandpferde mit eigenartigen Namen, die heute ganz sicher kein grünes Licht mehr bekämen. Der Ausschuss wünscht sich, dass isländische Namen mit korrekter Schreibweise gewählt werden, die das Pferd beschreiben.
Beispiele für abgelehnte Namen, weil zu ausländisch, unangemessen oder nicht nach isländischen Regeln geschrieben sind Pocahontas und Pasodoble, Vertu sólin mín Hjördís, SSSól, Ritalín, Frú Sjúss, Stelpamín (in einem Wort), Skál í botn, Hommi und Kóvid. Am beliebtesten sind immer noch die guten alten Pferdenamen Perla, Stjarna, Blesi und Jarpur.