Jagdverbot für Papageietaucher vorgeschlagen

Die südisländische Naturbehörde schlägt in einem neuen Bericht, einmal mehr, ein völliges Verbot der Jagd auf Papageitaucher vor. Der Bestand liegt schon lange unter der Grenze, wo eine Jagd noch nachhaltig bezeichnet werden kann, und die Aussichten seien schlecht.
Im Bericht der Naturbehörde heisst es, dass das durchschnittliche Wachstum des Bestandes schon seit 1995 aller Wahrscheinlichkeit nach unter der Nachhaltigkeitsgrenze gelegen habe. Prognosen gehen davon aus, dass der Gesamtbestand auch mit einem Jagdverbot im nächsten Jahrzehnt um 10% zurückgehen werde. Bei unveränderter Jagd wird hingegen mit einem Rückgang um 30% gerechnet. Wenn die Jagd auf Papageitaucher doppelt so hoch ausfällt wie bisher, ist damit zu rechnen, dass der Bestand in den kommnden zehn Jahren um die Hälfte zurückgehen wird. Die Behörde schlägt daher vor, die Jagd auf die bunten Vögel solange einzustellen, bis der Bestand über die Zahl der Vögel hinausgewachsen ist, die eines natürlichen Todes sterben.

Futtermangel und Temperaturschwankungen
Wahrscheinlicher Hauptgrund für den Rückgang ist der Futtermangel: Man geht davon aus, dass das Nahrungsangebot in den Überwinterungsgebieten der Papageitaucher um bis zu 50% geschrumpft ist. Im Süden und Westen des Landes gab es kaum noch Sandaal, Hauptnahrungsquelle der Papageitaucher, und ausschliessliches Futter für die Jungen in der Aufzucht. Hinzu kam die Jagd auf die Vögel.
Zählungen zufolge liegt der Bestand bei etwa drei Millionen Paaren. Der Direktor der Naturbehörde und promovierte Biologe Erpur Snær Hansen sagte RÚV gegenüber, man müsse jetzt nicht zwingend alle Vögel zählen, die Zahlen seien nicht exakt, aber in etwa stimmig. Obwohl die Zahl der Papageitaucher in Island in den Jahren 2020 bis 2022 vermutlich zum ersten Mal seitdem Jahr 2000 gestiegen seien, ändere das nichts an der Tatsache, dass das durchschnittliche Wachstum des Bestandes unter dem Grenzwert liege.

Der Bestand folge natürlichen langfristigen Temperaturschwankungen im Ozean: ein 70-jähriger Wechsel mit Kalt- und Warmperioden von etwa 35 Jahren. „Die letzte Warmperiode begann im Jahr 1995, sie dauert immer noch an und dürfte bis etwa 2030 laufen. In Kaltperioden nimmt der Bestand zu, in Warmperioden nimmt er ab.“ erklärt Erpur Snær. Der Futtermangel hingegen ist ein neues Phänomen, das die Situation in der aktuellen warmen Jahreszeit deutlich verschlimmert.

Jagdverbot und fehlender politischer Wille
Erpur Snær erwartet, dass das Naturwissenschaftliche Institut ein Jagdverbot vorschlägt. „Es ist eine Frage von Zukunftssicht und ganz normalem Jagdmanagement. Wie man gerade beim Fischfang sehen können: Die Leute zerstören Bestände ja nicht nur aus Spaß an der Freud.“
Ein Jagdverbot durchzusetzen ist nicht so einfach wie es klingt, weil die Jagd auf Papageitaucher eine Art Naturaleinkommen aus eigenem Land ist, ähnlich wie Angelrechte, da geht es also um Geld und Rechte für den Landbesitzer, beides in Island eine heilige Kuh. Der Umweltminister müsste nicht nur eine Verordnung, sondern gleich das ganze Gesetz ändern, um die Jagd auf Papageitaucher per Naturalbefugnis zu beenden – eine Änderung, die grossen Mut erfordert, und vielleicht, so mutmasst Erpur Snær, sei bislang der politische Wille nicht stark genug gewesen, oder der Druck seitens der Jagdlobby war grösser. „Das ist so als ob sie sich nicht trauen, das Gesetz zu ändern. Das endet ja ganz klar in Ärger und Krach.“

Man weise auch nicht zum ersten Mal auf die ernste Lage hin. Selbst ein Sonderausschuss für nachhaltige Jagd hat den Papageitaucher schon auf der Tagesordnung gehabt, doch ohne Erfolg. „Die haben ihren Job einfach nicht gemacht,“ meint Erpur. Das müsse sich ändern.

Zweifel zugunsten der Tiere
Immerhin wird das Jagdkartensystem überarbeitet. Das Naturwissenschaftliche Institut leitet diese Arbeit, mit neuen Schwerpunkten, sowie Jagd- und Schutzplänen für die Arten, die gejagt werden. Bei der Papageitaucherjagd sei allerdings vielerorts der Topf bereits zerbrochen.
„Das ist keine nachhaltige Jagd. Das Wildtiergesetz besagt aber eindeutig, dass dies der Fall sein muss.“ Da könnten sich die Leute auf den Kopf stellen, Erpur findet, sie müssten den Tatsachen ins Auge sehen.
Allein den Westmännerinseln seien in diesem Jahr 50% mehr Papageitaucher gefangen worden als im Südland angegeben waren. Erpur bezeichnet dies als Mindestzahl, und wenn man sie auf das ganze Land beziehe, sehe die Lage noch viel düsterer aus, nicht zuletzt, weil bei den Jagdkarten ein ziemliches Durcheinander herrsche.

Ganz gleich wie die Bestandszahlen nun wirklich aussehen, der Zweifel sollte Erpurs Ansicht zufolge immer zugunsten der Tiere ausfallen und nicht der Interessensvertretern.
Papageitaucher gelten in der feinen Küche und bei Touristen als Delikatesse, wobei in der Regel nur die Vogelbrust verwendet wird. Für einen Abend im vollbesetzten Restaurant benötigt der Koch also mehr als nur ein paar Vögel.

 

Häfen tragen Verantwortung für Kreuzfahrtverschmutzung

cruiseship, skemmtiferðaskip

Der isländische Hafenverband hat die Geldervergabe des isländischen Energiefonds scharf kritisiert. Der Energiefonds hatte angegeben, Projekte, die die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe reduzieren, finanziell eher nicht zu unterstützen, da diese nicht in die direkte Verantwortung Islands fallen berichtet RÚV.

Der Energiefonds befindet sich im Besitz des isländischen Staates. Per Geldvergabe hält er zu einer Reduzierung des fossilen Brennstoffverbrauchs an. Gerade erst sind 58 Projekte mit 914 Mio ISK aus dem Staatssäckel unterstützt worden. Vom Hafenverband kam am Vormittag harsche Kritik und die Forderung, die Vergaberegeln zu überprüfen. Vier Häfen war nämlich die finanzielle Unterstützung für eine Stromversorgung von Kreuzfahrtschiffen vom Land aus versagt worden.

Auf Nachfrage von RÚV hiess es vom Energiefonds, da die Schiffe zumeist unter ausländischer Flagge unterwegs seien und damit nicht in die direkte Verantwortung Islands fielen, hätten sie keine Priorität. Sollte mehr Geld vom Staat zur Verfügung gestellt werden, könnte es möglicherweise Spielraum dafür geben, die Stromversorgung von Kreuzfahrtschiffen vom Land aus finanziell zu unterstützen. In erster Linie liege es aber am Mangel an Kapital, der die Priorisierung von Projekten bestimme, da die Nachfrage nach dem zur Verfügung stehenden begrenzten Kapital mehr als achtmal höher sei.

Die Energiewendeprojekte der Häfen seien bewundernswert und ganz im Geiste dessen, was der Energiefonds unterstütze. Man kümmere sich da um die Umweltverschmutzung, vor allem der Kreuzfahrtschiffe, die sich negativ auf Umwelt und Luftqualität der Hafenstädte auswirke.
Allerdings seien diese Schiffe zumeist im Ausland registriert, und ihr Kraftstoffverbrauch liege daher nicht in direkter Verantwortung Islands, aber ganz klar in der Verantwortung der Häfen.

Erneut seismische Unruhe auf der Halbinsel Reykjanes

Keilir

Auf der Halbinsel Reykjanes gibt es seit gestern Mittag wieder eine erhebliche Erdbebenaktivität. Das heftigste Erdbeben wurde mit einer Stärke von 3,9 nördlich von Grindavík aufgezeichnet, weitere Beben der Stärke zwei und drei folgten. Letzte Nacht gegen 23 Uhr bebte die Erde auch im Vulkan Bárðarbunga, dort wurden 4,9 aufgezeichnet.

Einar Hjörleifsson, der diensthabende Spezialist für Naturkatastrophen in der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst, sagte RÚV heute morgen, die seismische Aktivität auf der Halbinsel habe sich nach Mitternacht verstärkt. Er sehe keine Anzeichen für vulkanische Unruhe, allerdings überwache man die Lage engmaschig.

In einem Interview mit Vísir im September hatte Benedikt Gunnar Ófeigsson von der Erdbebenabteilung erklärt, dass sich auf der Halbinsel das Land erneut hebe und dass man in den kommenden Monaten mit einem weiteren Vulkanausbruch dort rechnen müsse. Dabei sei dies das erste Mal, dass sich die Landhebung so früh nach dem Ende des letzten Ausbruchs zeige. Der Vulkanausbruch am Litli Hrútur hatte am 10. Juli begonnen und nur einen Monat angedauert. Wissenschaftler sind sich einig, dass auf der Halbinsel eine neue vulkanische Ära eingesetzt hat und dass die Region in naher Zukunt mit häufigen Ausbrüchen rechnen kann.
Auch in der Bárðarbunga hat es gestern gebebt, in dem aktiven Stratovulkan unter dem Eis des Vatnajökull wurde in der letzten Nacht ein Beben der Stärke 4,9 aufgezeichnet. Beben in dieser Stärke seien für die Region nicht ungewöhnlich. Eine Stunde später bebte es erneut mit einer Stärke von 2,2.

 

Frauenstreiktag mit Rekordteilnahme

Arnarhóll hill

Bei der gestrigen Streikversammlung der Frauen, die in Anlehnung an den berühmten Streik von 1975 auf dem Hügel Arnarhóll in Reykjavík stattfand, haben sich nach Angaben der Polizei soviele Menschen wie noch nie zuvor versammelt.
Ziel des Streiks der Frauen und geschlechtsfreien Personen war es, auf die Abwertung von sogenannten Frauenberufen und auf geschlechtsbezogene Gewalt aufmerksam zu machen. Immer noch werden Frauen in Island schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, und immer noch landen fast ausschliesslich Frauen in den am schlechtesten bezahlten Jobs wie in der Pflege, beim Putzen und in der Gastronomie. Auch die sogenannte “dritte Schicht”, in der Frauen daheim noch alles rund um Haushalt und Kinder erledigen, wird immer lauter kritisiert.

Land im halben Ausnahmezustand
Ásgeir Þór Ásgeirsson von der Hauptstadtpolizei der in den vergangenen Jahrzehnten schon so manche Massenversammlung in Reykjavík erlebt hat, sagte Vísir gegenüber, eine solche Menge habe er in der Innenstadt noch nie gesehen, noch nicht einmal während der Kulturnacht.
Genaue Zahlen sind bislang nicht erhältlich. Die Polizei, die die Veranstaltung per Kamera überwachte, schätzte die Versammelten auf 70.000 bis 100.000 Menschen. In jedem Fall eine Zahl, die alle Erwartungen übertraf.
In den klassischen Frauenberufen wie Pflege und Bildung war der Streik wohl am deutlichsten zu spüren, in den Kliniken befand sich nur eine Notbesetzung im Dienst, und gekocht wurde nur für bettlägerige Patienten. Alle Schulen und Kindergärten waren geschlossen, bis auf eine Ausnahme sämtliche Schwimmbäder der Hauptstadt, sowie fast alle Banken. Gemeindebüros hatten entweder geschlossen oder verkürzte Öffnungszeiten, und bei den Fluggesellschaften sprangen männliche Kollegen ein, damit der Luftverkehr störungsfrei verlaufen konnte.
Veranstaltungen hatte es im ganzen Land gegeben, und überall übertrafen die Teilnehmerzahlen alle Erwartungen.

Mit Strickzeug im Dienst
Nicht jeder Arbeitgeber war mit dem Streik einverstanden, und so mancher weigerte sich, den Lohn zu zahlen. Der Fischereikonzern Samherji etwa zahlte nicht, weil der Frauenstreik das Unternehmen daran hindere, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch die Buchladenkette Eymundsson Penninn erlaubte seinen Mitarbeitern zwar, am Streik teilzunehmen, Lohn gab es jedoch nicht. Die Buchhändlerinnen in Akranes fanden dafür ihre eigene Lösung: da keine von ihnen auf den Lohn verzichten konnte, kamen sie mit Strickzeug in den Dienst: sie bedienten zwar Kunden, aber statt sonstiger Tätigkeiten verbrachten sie den Kampftag um Frauenrechte mit Stricken. Die Kund(innen) fanden’s toll, im Laden habe so ein rechter Kampfgeist geherrscht, so eine der Strickstreikenden RÚV gegenüber.