ICE-SAR: Rettungsorganisation rüstet Flotte auf

Jóhannes Briem ICE-SAR ship search and rescue

Die isländische Rettungsorganisation Landsbjörg hat drei neue Rettungsschiffe erhalten, eins davon ist die Jóhannes Briem mit Heimathafen Reykjavík. Dort wurde sie am vergangenen Samstag der Ortsvereinigung Ársæll übergeben. Landsbjörg arbeitet zur Zeit an der Erneuerung seiner Flotte, um die Rettungsmöglichkeiten und die Unfallverhütung in Island zu verbessern.

Die Jóhannes Briem war in Finnland auf der Kewatec-Werft gebaut worden. Sie schafft bis zu 30 Seemeilen und wird von zwei leistungsstarken Dieselmotoren angetrieben. An Bord gibt es modernste Ausrüstung, darunter eine Wärmebildkamera und ein Sonar, und auch die Besatzung ist besser ausgerüstet als an Bord der älteren Rettungsschiffe.
Die beiden anderen neuen Schiffe sind in den Westfjorden und in Húsavík stationiert. Ein viertes Schiff für den Standort Snæfellsnes ist nach Angaben von Landsbjörg bereits bestellt.

Islands Rettungsorganisation Landsbjörg baut traditionell auf den Einsatz von Freiwilligen und ist ausschliesslich auf Spenden sowie die Erlöse vom Feuerwerksverkauf am Jahreswechsel angewiesen. Gegründet worden war die Gemeinschaft im Jahr 1928 nach einem Schiffsunglück bei Stafnes, bei dem von 35 Seeleuten nur zehn gerettet werden konnten. Gleich nach Vereinsgründung wurden sämtliche Ortsvereine systematisch mit Rettungswurfleinen ausgestattet, mit denen man Seeleute von gestrandeten Schiffe sicher an Land bringen konnte. Dieser Wurfleine haben an die 3000 in- und ausländische Seeleute ihr Leben zu verdanken.
Das erste Rettungsboot kam von der britischen Royal National Lifeboat Institution (RNLI) im Jahr 1929 nach Island, der erste Rettungshubschrauber wurde 1968 zusammen mit dem Staat angeschafft.

 

Abschiebung: Zum zweiten Mal abgeschoben obwohl Gerichtsurteil aussteht

deportation iceland

Ein im Rollstuhl sitzender kranker irakischer Asylbewerber soll zusammen mit seinen minderjährigen Geschwistern und seiner Mutter zum zweiten Mal aus Island abgeschoben werden.

Die Familie war im November letzten Jahres nach Griechenland abgeschoben worden, während sie auf ihren Gerichtstermin für ein Wiederaufnahmeverfahren wartete. Die Abschiebung hatte öffentliche Empörung hervorgerufen, nachdem Videoaufnahmen zeigten, wie der Rollstuhlfahrer unter Gewaltanwendung aus seinem Rollstuhl in ein Polizeifahrzeug gezerrt worden war. Die beiden Schwestern waren an ihrer Schule abgefangen und zu einem Hotel am Flughafen gebracht worden, ohne noch einmal nach Hause zu dürfen.
In Griechenland hatte die Familie buchstäblich auf der Strasse gestanden. Lehrer und Eltern der Reykjavíker Schule hatten Geld für eine Unterkunft gesammelt, damit der schwerkranke Bruder nicht draussen schlafen musste.

Neues Leben, jäh zuende
Die Abschiebung war vom Gericht schliesslich annulliert worden und die Familie konnte nach Island zurückkommen. Husseins Schwestern Zahraa und Yasameen kehrten an ihre alte Schule zurück, wo sie zu Pflegehelferinnen ausgebildet werden, der Bruder arbeitet in der Behindertenfürsorge. Der Vater der Familie war im Jahr 2017 im Irak ermordet worden.
Nun hat der Staat gegen die Entscheidung des Bezirksgerichtes vom letzten Jahr Berufung beim Nationalgericht eingelegt, das sein Urteil noch nicht verkündet hat. Der Berufungsausschuss der Einwanderungsbehörde hat aber bereits seine Entscheidung getroffen, dass die Familie das Land erneut verlassen muss.

Dafür hat sie sieben Tage Zeit, so der Anwalt der Familie, Albert Björn Lúðvígsson. Eine sehr kurze Zeit für einen Kranken im Rollstuhl, und Albert befürchtet, dass auch dieses Mal ein Polizeikommando die Abschiebung notfalls mit Gewalt durchsetzen wird. Er hält die Entscheidung für einen Fehler, weil die Familie ihren Fall gegen den Berufungsausschuss im letzten Jahr gewonnen habe und die Entscheidung des Landesgerichts genau wie im November 2022 noch ausstehe. Eine Verschiebung der Deportation ist beantragt.
Die Abschiebung in letzten Jahr war von der damaligen Anwältin beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angezeigt worden, weil die Rechte eines körperbehinderten Menschen missachtet worden waren.

Ein Toter nach Brand in Gewerbegebäude

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Beim Brand in einem Gewerbegebäude in Reykjavík ist gestern ein Bewohner ums Leben gekommen. Der aus Polen stammende 61-Jährige hatte sich in seinem Zimmer befunden, als das Feuer im Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes ausbrach. Zwei weitere Bewohner wurden verletzt, die Brandursache ist bislang nicht bekannt.
Die Polizei ermittelt und prüft zur Zeit Bildmaterial von ausserhalb und aus dem Inneren des Hauses, allerdings wurden die Kameras durch das Feuer beschädigt. Man arbeite jedoch an der Datenrettung.

Von Wohnhaus in Gewerbegebäude umgewandelt
In dem als Büro- und Gewerbegebäude registriertem Haus in Funahöfði 7 wohnten vor allem polnische Arbeiter, aber auch Russen und Venezolaner.
Ein Sprecher der Hauseigentümer hatte RÚV gegenüber angegeben, die Behörden hätten erst kürzlich entschieden, den Teil des Gebäudes, wo die drei Personen lebten, von Wohngebäude in Gewerbegebäude umzuwandeln. Die Eigentümer verlangten, dass diese Entscheidung revidiert werde. Nach Angaben des Sprechers habe die Feuerwehr das Gebäude erst am 13. Oktober auf Brandschutz untersucht und nur das Fehlen einer Feuerleiter bemängelt. Dafür hatte es eine Frist gegeben. Die fehlende Feuerleiter wäre bei dem Brand gestern jedoch nicht zum Einsatz gekommen, da das Feuer im Erdgeschoss ausgebrochen war.

Zimmervermietung war den Behörden bekannt
RÚV berichtet, das Gebäude, in dem etwa 30 Personen gemeldet sind, werde schon lange für die Zimmervermietung genutzt. Das Investigativmagazin Kveikur hatte RÚV zufolge dem Haus vor Jahren einen Besuch abgestattet und 13 Quadratmeter grosse Zimmer mit gemeinsamer Küche und Sanitäranlage, Mäuse, unvorstellbaren Schmutz und Spuren von Gewalttätigkeiten vorgefunden. Schon damals kostete die Zimmermiete 70.000 Kronen. Im Jahr 2016 habe sich RÚV zufolge ein Mieter in seiner Not an die polnische Botschaft in Reykjavík gewendet, nachdem die Stadtwerke wegen Zahlungsrückstand des Eigentümers den Strom abgedreht hatten. Bei einer Hausbegehung habe man verängstigte frierende Menschen vorgefunden, die so hungrig waren, dass man ihnen erst mal habe Essen geben müssen.

7000 lebten 2021 in Gewerbegebäuden
Dies ist innerhalb von zwei Monaten der zweite Brand in einem als Wohnhaus genutzten Gewerbegebäude in Reykjavík. Am 20. August war in Hafnarfjörður Feuer in einem Industriegebäude ausgebrochen, wo mindestens 17 Personen dauerhaft lebten. Zum Glück war niemand verletzt worden. Sechs Personen, die schliefen, als das Feuer ausbrach, konnten vor den Flammen gerettet werden.
“In einem Gewerbe- oder Industriegebäude zu wohnen ist immer noch nicht erlaubt, auch wenn das im Hauptstadtbereich oft praktiziert wird,” hatte der Reykjavíker Feuerwehrchef Birgir Finsson seinerzeit angegeben.

Im Juni 2020 waren bei einem Brand im Bræðraborgarstígur zwei Personen um Leben gekommen. Im Jahr 2021 hatten isländische Behörden im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden, dass bis zu 7000 Personen in Island in Gebäuden lebten, die als Gewerbe- oder Industriegebäude registriert waren.

Im Juli diesen Jahres hatte der Minister für Infrastruktur eine Änderung der Brandschutzverordnung vorgelegt, um sicherzustellen, dass mehr Menschen ihren tatsächlichen Wohnsitz korrekt angeben. Die Verordnung soll es den Behörden auch erleichtern, Wohnungen zu betreten, in denen die Brandschutzmaßnahmen möglicherweise unzureichend sind.