Finnafjörður: isländischer Wind erzeugt Kraftstoff für deutsche Stahlindustrie

Im ostisländischen Finnafjörður hat sich der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung offenbar von der Idee eines Containerumschlaghafens auf die Kraftstoffproduktion mit isländischer Windenergie verlagert. Der Bauherr, die deutsche Bremenport, arbeitet weiter an dem Projekt, obwohl die isländische Regierung sich derzeit zurückhält, berichtet austurfrett.
Bremenport hatte vor 10 Jahren angekündigt, im Finnafjörður einen Industriehafen bauen zu wollen, der zum Tragen kommen würde, sobald die Nordwestpassage am Nordpol entlang eisfrei und ganzjährig befahrbar wäre. Dabei war es unter anderem um die Verschiffung von Erzen und anderen Rohstoffen aus Minen eines dann eisfreien Grönand gegangen.

Windenergie statt Container
Doch nun schaut man mehr auf die Windenergie, mit der Wasserstoff erzeugt werden kann, den man wiederum für industrielle Zwecke ins Ausland exportieren kann. Dabei ist Arcelor Mittal zu nennen, der zweitgrösste Stahlhersteller der Welt, der in Bremen ein Werk betreibt und grosses Interesse am isländischen Wind hegt. Der Stahlmulti plant offenbar eine entsprechende Produktion im abgeschiedenen Finnafjörður, um grüne Energie statt Kohle nutzen zu können.

Bei Bremenport ist man allerdings der Ansicht, mit all den Plänen in Island vor verschlossenen Türen zu stehen. Nach einer Absichtserklärung aus dem Jahr 2016 hatte man gehofft, dass es nun konkret weitergehe, aber Islands Regierung meint, allen Pflichten aus der Erklärung nachgekommen zu sein.
Im Jahr 2019 war der Entwicklungsverein Finnafjörður gegründet worden, in dem Vopnafjarðarhreppur, Langanesbyggð, Bremenport und das Ingenieurbüro Efla je einen Sitz halten. COVID verzögerte die ganze Sache, aber im vergangenen Jahr war die Bremer Senatorin für Wissenschaft und Häfen nach Island gereist, um das Projekt wiederzubeleben. Ein Echo hätte kaum geringer ausfallen können.

Wenig Interesse bei Regierung und Kommunen
Begraben ist das Projekt damit zwar keineswegs. Allerdings hat Islands Regierung mit genug anderen schwierigen Themen zu kämpfen, darunter auch die Kontroverse bei der Windenergie. Das Interesse an einem weiteren Thema dieses Ausmasses ist daher eher dünn, obwohl eine Großindustrie im Finnafjörður der Region wirtschaftlich gut tun würde. Hinzu kommt, dass die regionalen Kommunen alle sehr klein sind und genug mit dem Tagesgeschäft zu tun haben.
In diesen Tagen wird daher schon mal von hinten gearbeitet –  Verträge mit Landbesitzern im Finnafjörður sollen geschlossen werden. Das könnte dann so aussehen, dass am Ende isländische Pensionskassen mit ausländischen Grossinvestoren im Hintergrund das Land besitzen.
Von Bremenport hiess es, man hoffe, die Verhandlungen noch in diesem Jahr abschliessen zu können. Danach könne man den nächsten Schritt tun und versuchen, den Staat wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen.
„Das ist ein langwieriger Prozess und wir arbeiten weiter an dem Projekt,“ gab Sprecher Holger Bruns austurfrétt gegenüber an

 

Autovermieter rüstet mit GPS-Trackern auf

Der Autovermieter Höldur hat seine Mietwagen mit einer einer GPS-Ortung ausgestattet, mit der die Fahrt des Mietwagens überwacht werden kann. Damit will man eingreifen können, wenn der Fahrer sich auf Strassen begibt, für die sein Mietwagen nicht ausgelegt ist, berichtet mbl.is.

Alle vermieteten Fahrzeuge des Unternehmens werden damit per Tracker von der Zentrale aus überwacht. Ist auf dem Bildschirm zu erkennen, dass ein Fahrer einen für das Fahrzeug ungeeigneten Weg einschlägt, wird er vom Mietwagenunternehmen telefonisch kontaktiert und gewarnt. Vor allem ausländische Touristen wählen immer wieder Strassen, für die ihr Mietwagen nicht ausgerüstet ist. Hochlandpisten wie Kjölur, Sprengisandur oder auch die Pisten nach Landmannalaugar oder Þórsmörk haben schon viele Urlauber in Bedrängnis gebracht, und die Bergung eines im Fluss versunkenen oder auf der Piste beschädigten Fahrzeuges aus dem Hochland kann extrem teuer werden. Höldur-Chef Steingrímur Birgisson ist mit der neuen Technologie und auch mit dem Kundenecho zufrieden.

Auf dem Titelfoto ist eine Rettung aus der Krossá zu sehen, das Fahrzeug scheint zwar geeignet, aber der Fluss führt viel zu viel Wasser für eine Querung.

 

Anzeige wegen Kayak-Trip ins Naturschutzgebiet Surtsey

Der Mann, der mit seinem Kayak auf die Insel Surtsey gerudert und ein Video auf der Plattform Tiktok veröffentlicht hatte, ist von der isländischen Umweltbehörde bei der Polizei angezeigt worden. Das hat Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir RÚV gegenüber bestätigt. Die Angelegenheit sei bei der Polizei auf den Westmännerinseln in Bearbeitung.
Der Einheimische aus Heimaey hatte behauptet, er sei mit seinem Kayak in Seenot geraten und habe sich auf die Insel retten können, wo ihn sein Vater abholte.

Die Insel Surtsey ist seit ihrer vulkanischen Entstehung vor 60 Jahren streng geschützt. Sie darf nur mit schriftlicher Erlaubnis der Umweltbehörde betreten werden. Diese Erlaubnis wird in der Regel auch nur Wissenschaftlern erteilt, und in wenigen Ausnahmen Kameraleuten für die Produktion von wissenschaftlichem Filmmaterial. In diesem Sommer durften auch Journalisten von Iceland Review mit auf die Insel reisen, und aus Anlass des Inselgeburtstages hat RÚV eine Dokumentation gedreht.
„Normalerweise sind Leute in Naturschutzgebieten willkommen, aber das da wird eher ungewöhnlich streng gehandhabt.“ erklärt Sigrún. „Gleich zu Beginn des Naturschutzes von Surtsey, als der Vulkan dort in 1963 ausbrach, ist das so entschieden worden, dass man überwacht, wie Leben die Insel ohne menschliche Störung erobert.“

Die bei einem Unterseeausbruch entstandene Insel war gleich im Jahr 1965 unter strengen Schutz gestellt worden und befindet sich seit dem 8. Juli 2008 auf der UNESCO Welterbeliste. Jedes Jahr fahren Geologen und Biologen nach Surtsey, um nachzuvollziehen, wie Leben in vulkanischer Asche entsteht, wie Vögel sich niederlassen, wie Pflanzen aus Vogelkot wachsen und Wurzeln fassen. Es gibt eine Hütte für die Wissenschaftler, aber weder Trinkwasser auf der Insel, noch sanitäre Anlagen, entsprechende Bedürfnissse müssen am Strand verrichtet werden.
In seinem Video brüstet sich der Ruderer Ágúst Hall damit, der „Erste auf der Welt zu sein, der mit einem Kayak nach Surtsey rudert“. Musikalisch unterlegt wird das Video vom Song „I wanna be adored.“