Kreuzfahrtschiffe sorgen für Luftverschmutzung in Akureyri

cruiseship, skemmtiferðaskip

Gestern war dicker blauer Qualm aus dem holländischen Kreuzfahrtschiff Zuiderdam aufgestiegen, das in Akureyri vor Anker lag. Der Qualm hatte sich über die Stadt gelegt und war in den Eyjafjörður hineingewabert, stundenlang. Fragen nach Ursache des Qualms blieben ebenfalls stundenlang unbeantwortet, berichtet RÚV.
Am Abend endlich ging die Antwort eines Pressesprechers der Reederei ein, wonach der Qualm harmloser Wasserdampf sei, von dem ein wenig mehr als sonst ausgestossen worden sei, weil es im Heizsystem des Schiffes einen Schaden gegeben habe. Heute Morgen informierte Akureyris Bürgermeisterin Ásthildur Sturludóttir, die Reederei habe sich für den Vorfall entschuldigt.

Abgasdusche möglicherweise defekt
Der Experte für Luftverschmutzung beim Umweltamt, Þorsteinn Jóhannsson, sagte, er glaube keinesfalls, dass da nur Wasserdampf aufgestiegen sei, selbst wenn dieser den grösseren Anteil an dem Qualm gehabt habe. Da seien auch noch andere Schadstoffe im Spiel gewesen.
“Das sind natürlich sehr grosse Dieselmaschinen, die da viele Megawatt Strom produzieren, und das bringt die üblichen Schadstoffe, die aus grossen Dieselmaschinen in diesen Schiffe entstehen.” Die Zuiderdam habe höchstwahrscheinlich einen sogenannten scrubber genutzt, um ihren Diesel zu reinigen.
“Das funktioniert wie eine Dusche. Da wird das Abgas durch eine Wasserdusche gepumpt, und dieses Wasser wäscht einen Teil der Verschmutzungspartikel heraus.” Diese Ausrüstung werde vor allem dazu genutzt, Schwefel auszuwaschen, und ein wenig reduziere sie auch die anderen Schadstoffe.

“Aber da gibt es niemals keine Verschmutzung, solche Schiffe bringen immer Verschmutzung, selbst wenn ihr Reinigungssystem läuft.” Der Qualm sei daher Wasserdampf mit Schadstoffen gewesen. “Wie etwa Russ und NO2. Manchmal auch unverbrannte Kraftstoffanteile, die im Rauch mitschweben, wenn die Maschine nicht richtig austariert ist.”

Für regelmässige Kontrollen fehlt Geld
Die Umweltbehörde kontrolliert Schiffe und das an Bord befindliche Reinigungssystem, sowie die Ölverbrennung. Allerdings verfügt die Behörde nur über beschränkte finanzielle Mittel und zuwenig Personal, um diese Kontrollgänge regelmässig durchzuführen. Viel mehr als Stichproben seien da nicht drin, so Þorsteinn. Die Zuiderdam hingegen soll unter die Lupe genommen werden. Das Kreuzfahrtschiff befindet sich zur Zeit in Ísafjörður und fährt dann weiter nach Reykjavík, wo Mitarbeiter der Umweltbehörde an Bord gehen werden, um herauszufinden, was da los ist.
In Akureyri hatten sich zahlreiche Bürger bei RÚV gemeldet und über den Qualm vom Kai geklagt. Þorsteinn sagt, grosse Kreuzfahrtschiffe brächten immer erhebliche Luftverschmutzung mit. “Und die ist oft ein grösseres Problem in solchen engen und tiefen Fjorden, vor allem bei gutem Wetter. Mehr Kreuzfahrtschiffe bedeuten dann mehr Luftverschmutzung.”

Messstation misst keine Schiffe
In Akureyri befindet sich die einzige Messtation für Luftqualität am Kulturzentrum Hof in der Strandagata. Dieser Standort sei vor vielen Jahren im Hinblick auf den Strassenverkehr gewählt worden, so Þorsteinn, für den Schiffeverkehr nutze er herzlich wenig.
“Die Messstation ist so positioniert, dass die Verschmutzung vom Hafen, wo die Kreuzfahrtschiffe liegen, nicht unbedingt bis zur Messstation kommt. Der Wind weht entweder in den Fjord hinein oder hinaus, es bräuchte aber Ostwind, damit die Verschmutzung an die Messstation heranlangt. Was wir in Akureyri sehr selten haben.” Man könne durchaus mehrere Messstationen aufstellen, aber bislang sei da nichts entschieden.

Schweröl-Verbot gilt nur im ECA-Gebiet
Vor drei Jahren war die Bestimmung zur Verwendung von Schweröl an den Küsten Islands geändert worden. Seitdem ist es verboten, das umweltschädliche Schweröl in isländischen Hohheitsgewässern zu verbrennen. Zuvor durften die Schiffe diesen Kraftstoff nutzen, bis sie am Kai anlegten.
Jetzt dürfen sie innerhalb der 12-Meilenzone kein Schweröl mehr benutzen, ausser im Schiff sind entsprechende Vorkehrungen im Reinigungssystem vorhanden. Der Schwefelausstoss muss vergleichbar sein wie wenn der Schwefelgehalt im Öl weniger als 0,1 Prozent betragen würde. In allen sogenannten ECA-Gebieten gelten die gleichen Bestimmungen und Grenzwerte. Da Island formal kein ECA-Gebiet sei, könne es sein, dass so mancher Kapitän sich nicht klar mache, die diese Regel trotzdem hier gilt. Es sei möglicherweise notwendig, die Schiffe besser zu instruieren, meint Þorsteinn.
Im Jahr 2019 war die Anfrage einer Sozialdemokratin an den damaligen Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson, wie die Regierung mit der Umweltverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe umgehen wolle, unbeantwortet geblieben.

Am heutigen Abend waberte wieder dicker blauer Qualm über Akureyri, diesmal aus den Schornsteinen der Norwegian Prima.

 

Hornafjörður: Elfenkirche muss Schnellstrasse weichen

Im Hornafjörður wird derzeit eine neue Schnellstrasse über den Hornafjarðarfljót gebaut, die nicht nur eine Verkehrsberuhigung für die Stadt Höfn bringt, sondern auch eine infrastrukturelle Verbesserung für die gesamte Region. An einer Stelle im Fjord liegt ein Hügel, der den Namen Topphóll trägt. Dieser Hügel soll der neuen Schnellstrasse weichen, und am Montag hatte sich ein Bagger sich daran gemacht, das Erdreich abzugraben, damit das darunterliegende Gestein gesprengt werden kann. Nicht alle sind mit dem Projekt einverstanden.

Elfenkirche der Kindheit
Der ortsansässige Geologe Snævarr Guðmundsson etwa hätte den Hügel gerne bewahrt. “Ich weiss dass viele Leute aus dem Hornafjörður beunruhigt sind, dass dieser Hügel gesprengt werden soll. In ihrer Kindheitserinnerung handelt es sich hier nämlich um eine Elfenkirche. Und im isländischen Ortsnamensverzeichnis ist Topphóll auch als Elfenkirche registriert.” erklärt Snævarr RÚV gegenüber.
In dem Hügel befinden sich überdies Basaltsäulen, die in der Region ausgesprochen selten vorkommen. Sie zeigen wie die Eiszeitgletscher das Land gerodet und den Hügel geformt haben.
“Wenn wir hier über den Platz blicken, dann sehen wir, dass man die Strasse gar nicht so weit verlegen müsste, um den Hügel zu bewahren. Man müsste sie vielleicht um nicht mehr als 20 Meter verlegen,” meint Snævarr.

Emotionale Bedeutung, aber kein Denkmal
Die Kommune Hornafjörður hatte zuletzt versucht, ihren Einfluss geltend zu machen, um den Hügel zu retten, aber Islands Strassenverwaltung sagt, das sei zu teuer, es würde weitere Enteignung und Verzögerungen nach sich ziehen.
Im Umweltgutachten zu der Schnellstrasse aus dem Jahr 2009 steht nichts über die besondere Bedeutung des Hügels als Naturdenkmal, aber zu Jahresbeginn hatten Leute aus Höfn das Amt für Denkmalschutz über die Sprengpläne informiert. Die Behörde gab an, es sei klar dass der Hügel Topphóll eine emotionale Bedeutung habe. Eine mündliche Erzähltradition über eine Elfenkirche könnte durchaus 100 Jahre alt sein, aber es sei unmöglich, dies zu bestätigen.
Weil das Alter der Denkmals nicht bekannt ist, und weil es auch nicht als Denkmal registriert worden war, und überdies auch die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten sind, gestattete das Amt für Denkmalschutz die Beseitigung des Hügels zugunsten der Schnellstrasse.

 

Reykjanes: Seismische Aktivität wie vor dem Ausbruch 2022

Meradalir

Neusten Daten zufolge sammelt sich Magma in weniger als einem Kilometer Tiefe zwischen den Bergen Keilir und Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes. Der Magmafluss wurde als “erheblich” bezeichnet. Es gebe inzwischen starke Anzeichen dafür, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorstehen könnte, sagte ein Experte für Naturkatatrophen RÚV gegenüber.

Die seismische Aktivität in dem Gebiet zwischen Keilir und Fagradalsfjall geht weiter zurück. Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, eine Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, vergleicht die Aktivität mit der vom letzten Jahr kurz vor dem Ausbruch.
“Die seismische Aktivität lässt weiter nach, und die Magma hat sich in einer Tiefe von einem Kilometer angesammelt. Falls die Magma die Oberfläche erreicht, dann können wir das in den kommenden Stunden oder Tagen erwarten. Wir sind in Habachtstellung und überwachen sämtliche verfügbaren Daten sehr sorgfältig.”

Ähnliches Muster wie beim Ausbruch 2022
Bislang sei keine Verformung der Erdoberfläche beobachtet worden. “Die Erdbeben werden schwächer. Das ist sehr ähnlich wie beim Ausbruch im letzten Jahr, als die Aktivität auf diese Weise zurückging. Die Erdbeben kamen auch aus einer ähnlichen Tiefe. Wir können also erwarten, dass das in naher Zukunft passieren wird.”
Die Vorwarnzeit werde voraussichtlich sehr kurz sein, so Lovísa. Nun gehe es darum, anhand der vorliegenden Daten und Ereignisse herauszufinden, wo die Magma möglicherweise an die Oberfläche brechen könnte.
Seit Beginn des Bebenschwarms auf der Halbinsel haben sich etwa 6500 Erdbeben dort ereignet, das schwerste wurde am Dienstag mit 4,8 aufgezeichnet.
Islands Zivilschutz hatte die Ungewissheitsstufe für die Region ausgerufen, und für den Flugverkehr gilt der orangefarbene Code.
Touristen wird unbedingt davon abgeraten, das Gebiet zu betreten.
Für Interessierte steht aber die RÚV- Webcams bereit. 
Hier finden sich die Webcams des Morgunblaðið.

Abgeordnete der Piratenpartei veröffentlicht Lindarhvoll Dokument

Alþingi Icelandic parliament

Auf der Webseite der Piratenpartei ist gestern überraschend ein aus dem Jahr 2018 stammender Report des ehemaligen staatlichen Rechnungsprüfers Sigurður Þórðarson zum sogenannten Lindarhvoll Fall veröffentlicht worden.
In dem Report geht es um den Verkauf von öffentlichem Eigentum und mögliche Korruption. Der Report hatte jahrelang unter Verschluss gelegen, obwohl seine Veröffentlichung von Medien und Parlamentariern mehrfach gefordert worden war. Zuletzt hatte der amtierende Parlamentspräsident eine Veröffentlichung abgelehnt, obwohl der zuständige Ausschuss sich dafür aussprach und drei vorliegende juristische Einschätzungen es ebenfalls befürworteten.

Lindarhvoll ehf. war ein Unternehmen innerhalb des Finanzministeriums unter Minister Bjarni Benediktsson, dessen Aufgabe es war, Eigentum zu verwalteten, welches nach dem wirtschaftlichen Kollaps im Jahr 2008 in den Besitz des Staates gekommen war. Die in dem Report aufgelisteten Vorwürfe besagen unter anderem, dass Lindarhvoll seine Vermögenswerte möglicherweise nicht zum Marktpreis verkauft habe und dass Staatsvermögen zur persönlichen Bereicherung verwendet worden sei. Um den Report hatte es bereits zuvor juristische Auseinandersetzungen gegeben, sowie Versuche, das Ausmaß der Korruption aufzuklären.

Rapport verschwindet in der Schublade
Der Autor des Reports, Sigurður Þorðarsson, hatte seinerzeit als staatlicher Rechnungsprüfer das Unternehmen beaufsichtigen sollen. Seine Ermittlungen erstreckten sich über zwei Jahre, im Jahr 2018 wollte dann sein Amtsnachfolger, Skúli Eggert Þórðarsson, den Fall aus Sigurðurs Händen nehmen, zu dem Zeitpunkt hatte letzterer seine Untersuchung fast abgeschlossen.
Eine Veröffentlichung des Reports hingegen verzögerte sich wegen mangelnder Zusammenarbeit mit dem Management von Lindarhvoll. Sigurður gibt an, den Report seinerzeit an den damaligen Parlamentspräsidenten Steingrímur J. Sigfússon gesendet zu haben.

Seitdem waren mehrere Versuche unternommen worden, den brisanten Report öffentlich zu machen, doch ohne Erfolg. Diese Geheimniskrämerei war im Parlament heftig debattiert worden, zuletzt hatte Parlamentspräsident Birgur Ármannsson sich geweigert, das Dokument aus der Schublade zu holen. Ende Juni hatte der ehemalige Rechungsprüfer Sigurður sich mit einem Brief an die Staatsanwaltschaft gewandt und die Aufnahme von Ermittlungen gefordert.

Abgeordnete der Piraten bringt Ball ins Rollen
Gestern nun hat die Abgeordnete der Piratenpartei, Þórhildur Sunna Ævarsdóttir den 74 Seiten langen Report auf der Webseite der Piratenpartei hochgeladen. Sie habe dies, so Þórhildur, im Hinblick auf Transparenz und Informationsfreiheit getan. Þórhildur sitzt im parlamentarischen Kontrollausschuss und hatte ihren Ausschusskollegen gestern Morgen das ausgedruckte Dokument in verschlossenem Briefumschlag ins Postfach gelegt.

Vorwürfen, vertrauliche Dokumente veröffentlicht zu haben, entgegenete sie: “Ich habe es in meine Hände bekommen, und es war mir wichtig, dass das der Öffentlichkeit präsentiert wird. Es ist klar, dass der staatliche Rechnungsprüfer immer der Meinung gewesen ist, dass dies ein öffentliches Dokument sein sollte, und das Parlament sollte dies bei der Erörterung des Lindarhvoll Falles berücksichtigen.” Der Ausschuss habe sich gewünscht, den Lindarhvoll Fall mit dem Rechnungsprüfer in einer öffentlichen Sitzung zu besprechen, was aber natürlich nur möglich sei, wenn auch der Rapport öffentlich zugänglich sei.