Neue Wasserleitung für Westmännerinseln mit staatlichem Zuschuss

Gestern haben Staat und die Kommune der Westmännerinseln eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der der Staatshaushalt sich an der Verlegung einer neuen Wasserleitung auf die Inseln finanziell beteiligt. Bislang gibt es nur eine Wasserleitung, die Frischwasser vom Festland nach Heimaey pumpt. Doch ist die in die Jahre gekommen und reparaturbedürftig. Nun steht die Verlegung einer neuen Leitung an, um die Sicherheit der Inselbewohner zu gewährleisten.

Bürgermeisterin Íris Róbertsdóttir sagt, die staatliche Unterstützung habe eine grosse Bedeutung. “Das ist eine Zivilschutzoperation. Das ist ein grosser Schritt, eine neue Wasserleitung zu verlegen und den Leuten auf den Westmännerinseln entgegenzukommen.” Dabei gehe es darum, sicherzustellen, dass es auf der Insel nicht zu einer Notlage der öffentlichen Sicherheit komme.
Auf den Westmännerinseln gibt es kein Trinkwasser, das für die Versorgung der Bevölkerung genutzt werden kann, das gesamte Wasser muss vom Festland herübergepumpt werden.

Der Staat will bis zu 80% der Kosten tragen, die die veranschlagte Gesamtsumme von 1,2 Mrd. ISK übersteigen, jedoch nicht mehr als 800 Mio. ISK. Dieser staatliche Zuschuss war seit etwa einem Jahr geprüft worden. Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson sagte RÚV gegenüber: “Natürlich sind die Gemeinden für die Wasserversorgung von Bewohnern und Unternehmen verantwortlich, aber am Ende wird dann der Staat mit einer Unterstützung von etwa 80% der Mehrkosten dazukommen.”

Wortwettbewerb: Isländer wütend über “Grosseltern”

Crowds gathered at Austurvöllur to show solidarity with Norway.

Die nationale Queer Organisation Samtökin ’78 bittet die Öffentlichkeit darum, neue isländische Begriffe für das Wort “Grosseltern” zu finden, welches im Deutschen und Englischen so existiert, nicht aber in der isländischen Sprache.
Ein entsprechender Wettbewerb wird zum dritten Mal abgehalten, und weckt gleichzeitig Kritik, weil viele Landsleute glauben, man wolle die isländischen Worte Grossmutter und Grossvater durch einen geschlechtsneutralen Begriff ersetzen. Die nationale Sendeanstalt RÚV war für ihre Berichterstattung über die Kontroverse kritisiert worden, die das Missverständnis nicht gerade aufklärt und damit Wasser auf die Mühlen von Queer-Gegnern spült.

Worte, die in anderen Sprachen schon existieren
Die deutsche Sprache verfügt ebenso wie die englische und auch das dem isländischen verwandte Dänisch bereits über den geschlechtsneutralen Begriff ‘Grosseltern’. Im Isländischen gibt es einen Allgemeinbegriff für andere Familienmitglieder, wie foreldri (Eltern) und systkini (Geschwister), aber die Einzelbezeichnungen afi (Grossvater) und amma (Grossmutter) sind nicht in geschlechtsneutraler Form vorhanden.
Bei dem Wettbewerb geht es also um die Findung von Begriffen, die die gelebte Realität von Mitgliedern der LGBTQ+ Community spiegeln.

Oma und Opa sollen nicht ersetzt werden
Ein Onlineartikel des konservativ geprägten Morgunblaðið zog mehr als 1000 Kommentare in den sozialen Medien nach sich, viele Schreiber äusserten Protest. Bei genauerer Betrachtung wurde klar, dass der Wettbewerb von ihnen offenbar falsch verstanden worden war und sie glaubten, die Worte afi und amma sollten ersetzt werden.
“Hier geht es nicht darum, die Art und Weise zu ändern, wie Leute reden,” erklärte Ásta Kristín Benediktsdóttir, eine der Juroren des Wettbewerbs und Professorin für isländische Literatur an der Universität Island, RÚV gegenüber. “Da geht es darum, dass die Sprache mehr Worte braucht.” Sie vermute, die negative Reaktion werde durch eine Art Furcht verursacht, dass da jemand die Sprache verändern wolle, ohne dass die Leute mitentscheiden können.

RÚV habe Missverständnis nicht aufgeklärt
Ásta kritisierte später, dass RÚV ihr Interview zensiert und die Schlüsselaussagen zum Thema gestrichen habe. Andere Mitglieder der Queer Community kritisierten RÚVs Berichterstattung zum Thema dahingehend, dass die Redaktion offenbar lieber Leute auf der Strasse nach ihrer Meinung befragt habe als zu erklären, um was es da eigentlich gehe und Experten an den Tisch zu holen.
“Das ist nicht besonders verantwortungsvoll, vor allem jetzt, wo es einen Rückschlag gegen queere Rechte gibt, den Tagesnachrichtenraum zu benutzen, um über die Reaktionen zu sprechen, statt die Gelegenheit zu nutzen, ein Missverständnis aufzuklären, das offenbar eine Menge Leute ziemlich aufgeregt hat,” kommentierte die Vizevorsitzende der Samtökin ’78, Bjarndís Helga Tómasdóttir.