Flugzeugwrack von Sauðanes nach Südisland umgezogen

Das Flugzeugwrack, das seit seiner Bruchlandung im Jahr 1969 auf dem alten Flugplatz Sauðanesflugvellir in Langanes gelegen hatte, ist verkauft worden. Am letzten Freitag wurde es seinem neuen Besitzer im Süden des Landes geliefert, berichtet mbl.is. Das Flugzeug vom Typ Douglas R4D-S stammte aus der Zeit der US-Besatzung am Heiðarfjall.

Schon vor 20 Jahren waren die Tragflächen der Maschine an einen Besitzer am Eyjafjall verkauft worden, erzählt der ehemalige Wrackhüter und Bauer auf Sauðanes, Ágúst Marinó Ágústsson. Das Wrack wurde nun in die gleiche Region geliefert, auf den Hof Eyvindarholt am Eyjafjall. Die Verkaufsgeschichte des Wracks reicht lange zurück. Als Ágúst das Flugzeug zum ersten Mal inserierte, wollte die Gemeinde Langanesbyggð sich das Vorkaufsrecht sichern. Am Ende schied man im Streit voneinander und das Wrack ging nach Süden.

Denkwürdiger Transport
Der Transport war, so Ágúst, eine Sache für sich. Der neue Besitzer sei mit drei starken Männern angereist und habe das Wrack transportfähig gemacht. Am letzten Freitag kamen dann zwei riesige Anhänger samt Zugmaschine aus dem Süden angereist. „Ich habe zwei Traktoren mit Schaufeln und einen Gabelstapler.” erzählt Ágúst. “Wir sind mit zwei Fahrzeugen jeweils ans Ende des Wracks gefahren und haben Schlaufen darunter gespannt, und konnte das Wrack so anheben und den Querträger darunter ziehen. Dann konnten wir das Heck anheben und das Auto rückwärts unterfahren lassen. Dann musste das Flügelstück so aufgestellt werden, sodass das, was aus den Triebwerken herausragte, nach unten zeigte.“
Mit einer Sondergenehmigung für die sechs Meter hohe Fracht ging es nach Süden. „Über den Öxi-Pass konnten sie nicht fahren, weil dort die Stromleitung so niedrig hängt. Sie mussten also einen vorher ausgesuchten Weg fahren, und alles in Abstimmung mit Rarik (dem Stromversorger) und der Strassenverwaltung,“ so Ágúst.

Zuviele Touristen auf den Äckern
Als Grund für den Verkauf gab Ágúst die vielen Touristen an, die in den letzten Jahren in immer grösserer Zahl auf seinem Land herumgelaufen seien, um das Flugzeugwrack anzuschauen. An grossen Tagen hätten bis zu 80 Mann auf der Wiese gestanden. “Da war ich bei der Heumahd und konnte das Wrack gut sehen. Da waren das ganze Jahr über Leute. Oftmals sind Gruppen auf der Suche nach einem Weg zum Wrack über halb bewachsene Felder und grüne Futterfelder gelaufen.“ beklagt der Bauer sich.
Verboten habe man den Besuch des Wracks nicht, und ein Eintrittsgeld habe er auch nicht verlangt. „Wir haben ein Schild aufgestellt, um ihnen den Weg zu weisen. Wir haben auch Schilder mit ‘private road’ am Hof zum Schafstall aufgestellt, und damit wurde der Touristenbetrieb dann viel besser.“

Stute mit neugeborenem Fohlen gestört
Die Wiese, auf der das Wrack stand, hatte Ágúst für seine tragenden Stuten zum Abfohlen genutzt, das Wrack bot ihnen einen guten Wetterschutz.
“Eine Stute fohlte am 13. Mai ab, als noch kein Gras gewachsen war. Als das Fohlen zwei Tage alt war, kamen 30 Touristen zum Wrack, und die Stute stand den ganzen Tag in Habetachtstellung vor ihrem Fohlen und frass kein Heu.” Erst Abends habe die Stute sich ans Heu gewagt, und da sei für ihn Schluss gewesen.
“Alle die Augen im Kopf haben, konnten sehen, dass das mit meinem Betrieb nicht zusammengeht, deshalb bin ich das Ding losgeworden.”
Ein bisschen vermisse er das Wrack aber schon, immerhin habe es sein ganzes Leben dort gestanden, und als Junge habe er dort gespielt. “Meine Mutter war heilfroh, wenn wir Kinder dort spielen gingen und hat uns Butterbrote geschmiert, wenn wir auf Abenteuerfahrt dorthin gingen, damit wir auch ja den ganzen Tag dort verbrachten.”

Gedenktafel gestohlen
Im September 2016 war das amerikanische Ehepaar JoAnne und Russ Sims zu Besuch nach Sauðanes gekommen. Russ’ Vater war der Bruchpilot des Wracks, damals hatten zwei Mann in der Maschine gesessen, und beide hatten die Bruchlandung überlebt.
Das Ehepaar befestigte eine Gedenktafel an dem Wrack, um an des Vaters Verdienste während des Kalten Krieges zu erinnern. “Wir haben das gut befestigt, das konnte man ohne Brechstange nicht abmachen. Ein Jahr hing die Gedenktafel dort, dann hatten Touristen sie abgebastelt und mitgenommen,” sagt Ágúst.

“Das Wrack wird jetzt im Süden ausgestellt, und manche sagen, da gibt es dann nicht viel zu sehen, weil die Geschichte des Wracks ja hier oben zuhause ist. Ich sag nur, die Geschichte ist nicht vorbei, sie hat jetzt ein neues Leben bekommen. Der Transport quer durchs Land ist ja viel mehr Leistung als die Ungeschicklichkeit der Piloten, das Flugzeug damals bruchzulanden.”