Reitturnier wegen grosser Hitze verschoben

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Das Turnier des Reitvereins Freyfaxi im Osten Islands ist heute wetterbedingt verschoben worden, berichtet RÚV. Eigentlich sollte es um 11 Uhr beginnen, doch die Vereinsmitglieder entschieden, die Austragungen auf später am Tag zu verschieben, wenn die grösste Hitze vorbei ist. Am Flughafen von Egilstaðir war das Thermometer am Morgen nämlich auf ganze 26 Grad gestiegen.
Vereinsvorsitzende Guðrún Agnarsdóttir sagte RÚV gegenüber, da man die Wahl habe, sei es einfach nicht richtig, den Pferden zur heisstesten Zeit des Tages auf der Ovalbahn volle Leistung abzuverlangen.

“Hier ist es so unglaublich heiss gewesen, und wir fanden das einfach nicht pferdefreundlich und haben es daher auf später am Tag verschoben.” erklärte Guðrún. Vermutlich geht es gegen vier Uhr auf der Ovalbahn in Stekkhólmar los.
“Dann kommt hoffentlich eine kleine Brise und es wird ein bischen kühler. Das ist richtiges Teneriffa-Wetter.” Die Nase voll davon habe man noch nicht, aber so langsam dürfe es doch mal regnen, es sei nämlich ziemlich trocken.

Schon gestern war es ganz schön heiss im Osten gewesen, als in Hallormsstaður 27,8 Grad gemessen wurden. Den Hitzerekord hat das jedoch nicht gebrochen, der wurde vor fast 100 Jahren, am 22. Juni 1929, in Teigarhorn im Ostland mit 30,5 Grad gemessen.

Mýrdalssandur: Ein Gutachten und ein Tycoon mit russischem Hintergrund

Mýrdalssandur

Die isländische Planungsbehörde hat den Sandtransport vom Mýrdalssandur in ihrem gerade erschienen Gutachten als “sehr negativ” beurteilt. Die Besitzverhältnisse des Antragstellers und seine Verbindungen zu Russland, sowie sein Ruf als Umweltverschmutzer sind im Gemeinderat des Mýrdalshreppur jedoch nicht zur Sprache gekommen, berichtet Vísir.
In der vergangenen Woche war das Gutachten veröffentlicht worden. Bislang, so Bürgermeister Einar Freyr Elínarsson, sei von dem Unternehmen noch keine Betriebserlaubnis beantragt worden. „Einwände und Gutachten der Planungsbehörde werden behandelt, wenn die Angelegenheit wieder auf dem Tisch des Gemeindesrates liegt.“ Ob das noch in diesem Sommer passiere, wisse man nicht.

Deutsches Unternehmen ist eigentlich tschechisch
Das Gutachten vom 6. Juni gesellt sich zur grossen Anzahl ausgesprochen negativer Einwände zu dem Projekt, dass das Unternehmen EP Power Minerals an der Hafalda im Mýrdalssandur plant. Dort soll eine gigantische Menge vulkanischen Sandes abgebaut und im Viertelstundentakt ganzjährig durch sieben Gemeinden nach Þorlákshöfn im Westen der Insel zur Verschiffung transportiert werden. Der Sand wird zur Zementherstellung exportiert.

Zu den Gegnern, die sich per offiziellen Einwand zu Wort gemeldet hatten, gehören die sieben betroffenen Gemeinden im Südland, die Umweltbehörde und die Strassenverwaltung. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass der Sandabbau seine negativen Auswirkungen über 100 bis 200 Jahre nach sich ziehen werde. Nicht nur führe er zu massiver Luftverschmutzung, auch die Kosten der durch den Schwertransport zerstörten Strassen würden auf den Schultern Islands landen.  “Bei einer Umsetzung der Planungen werden viele Menschen über Generationen hinweg mit diesem Betrieb leben“, heißt es in der Stellungnahme der Planungsbehörde. „In Anbetracht der Größe des Einflussbereichs des Projekts, der Anzahl der betroffenen Personen und der Dauer der Auswirkungen geht die Planungsbehörde davon aus, dass die Gesamtwirkung des Projekts erheblich negativ sein wird.“
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Möchten Hafen am Mýrdalssandur
Der Gemeinderat des Mýrdalshreppur hat sich nicht gegen den Sandabbau selbst ausgesprochen, hält aber die Auswirkungen des Schwerlastverkehrs nach Þorlákshöfn für schlecht. Man stehe jedoch sofort für Gespräche um den Bau einer Hafenanlage südlich des Mýrdalssandur bereit. Indem man den Sand auf kürzestem Wege durch Tunnel unter der Ringstrasse transportiere, könne die negative Auswirkung auf den Verkehr, auf Lärmübertragung und den Tourismus verhindert werden, heisst es in einem Protokoll des Gemeinderats. Damit stelle man auch sicher, dass in der Gemeinde ein Arbeitsmarkt aufgebaut werde, sowie Wertschöpfung im Grubengebiet entstehe. Und das ganze Projekt wäre gleich noch viel umweltfreundlicher.

Energie-Tycoon mit Verbindungen nach Russland
Neuigkeiten zu den Besitzverhältnissen des potentiellen Sandgräbers gibt es allerdings auch. Im letzten Sommer hatte es gehiessen, die EP Power Minerals sei ein deutsches Unternehmen. Das ist zwar richtig, aber das Unternehmen befindet sich im Besitz des tschechischen Konzerns EPH, der international tätig ist und zu 94% dem tschechischen Milliardär und Energie-Tycoon Daniel Kretinsky gehört. Kretinsky war vor allem über den Handel mit russischem Gas reich geworden, und damit will er auch nicht aufhören.  Unter anderem ist er in Deutschland Hauptaktionär der Metro, die auch nach dem Angriff auf die Ukraine ihren Handel mit Russland nicht einstellen will.

Vor allem aber ist Kretinsky bekannt als internationaler Umweltverschmutzer: sein Konzern EPH entlässt die europaweit grösste Menge an klimaschädlichen Gasen in die Atmosphäre. Der Konzern des „Kohlebarons“ ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das auch nach dem Jahr 2030 noch Kohle verbrennen will. Auch Kretinskys Müllkonzern AVE CZ ist für Umweltskandale berüchtigt.

„Mir ist nicht bekannt, wer Daniel Kretinsky ist, oder wie seine Besitzverhältnisse aussehen,“ kommentierte Bürgermeister Einar Freyr die Frage, ob Kretinskis Eignerschaft, sein Ruf als Umweltverschmutzer und seine Verbindungen zu Russland irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung von Mýrdalssandur hätten.

Walfang: Jagdsaison beginnt am Mittwoch, alle Lizenzen liegen vor

Am Mittwoch hat die westisländische Gesundheitsbehörde eine zeitlich befristete Betriebsgenehmigung für das Walfangunternehmen Hvalur hf. ausgestellt. Die Verlängerung der am 1. Mai abgelaufenen Genehmigung gilt bis zum 12. Juli und wurde auf der Grundlage des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gewährt.
Die diesjährige Jagdsaison beginnt am kommenden Mittwoch.

Tauziehen um Erlaubnis
Am 3. Juni 2022 hatte Hvalur hf. – das einzige Unternehmen in Island, welches kommerziellen Walfang betreibt – bei der Gesundheitsbehörde eine neue Betriebserlaubnis für die Walfangstation an Land beantragt, sowie eine befristete Verlängerung, die bis zum 1. Mai 2023 galt, während die dauerhafte Genehmigung in Arbeit war.  Ein Vorschlag für die dauerhafte Lizenz war am 12. Mai veröffentlicht worden, dort konnten bis zum 9. Juni auch Einwände erhoben werden. Eine Fülle solcher Einwände ist bei der Behörde eingegangen, ihre Bearbeitung ist noch im Gange.
Da die dauerhafte Erlaubnis ausstand, die Saison aber Mitte Juni bginnt, hatte Hvalur-Chef Kristján Loftsson um eine befristete Erlaubnis ersucht, und diese war am Montag und Mittwoch beim zuständigen Ausschuss zur Sprache gekommen.
Im Sitzungsprotokoll heisst es, dass der Ausschuss dem Gesetz zufolge berechtigt ist, den Gültigkeitszeitraum einer Betriebserlaubnis zu verlängern, während eine neue in Arbeit ist. Im letzten Jahr hatte der Ausschuss die befristete Erlaubnis bis zum 1. Mai verlängert, das sind neun Monate, weil man davon ausgegangen war, dass innerhalb dieser Zeit eine dauerhafte Erlaubnis ausgestellt werden kann.

Mängel auf dem Betriebsgelände behoben
“Während des Bearbeitungszeitraums wurden von der Gesundheitsinspektion verschiedene Verbesserungen im Zusammenhang mit der aktuellen Betriebserlaubnis gefordert, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Umweltverschmutzung. Nach den Informationen, die der Ausschuss erhalten hat, hat Hvalur daran gearbeitet, diese Mängel zu beheben, wobei die Verbesserungen entweder abgeschlossen sind oder sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden.“
Hvalur hf. will Informationen zufolge diese Verbesserungen bis zum 19. Juni abschliessen. Der Ausschuss hat daher entschieden, die befristete Betriebserlaubnis noch einmal zu verlängern: „Unter Verweis auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz des Verwaltungsrechts ist der Ausschuss der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine vorübergehende Verlängerung der Betriebsgenehmigung von Hvalur bis zur Erteilung einer neuen Genehmigung gegeben sind, jedoch niemals länger als bis zum 12. Juli 2023, wenn die gesetzliche Höchstverlängerung erreicht ist.“

Jagdsaison beginnt am Mittwoch
Fiskifréttir berichtete gestern dass der Beginn der Walfangsaison von der Zerteilstation im Hvalfjörður bestätigt worden sei.
Nach Angaben von Betriebsleiter Gunnlaugur Fjólar Gunnlaugsson beginne die Jagd auf Finnwale am kommenden Mittwoch. Alle benötigten Genehmigungen für die Jagd und für die Verarbeitung an Land lägen vor.

Im vergangenen Jahr hatte Hvalur hf. insgesamt 148 Finnwale erbeutet. Videos von Tierschutzbeauftragten der Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatten vor zwei Monaten ans Licht gebracht, dass rund ein Drittel aller Wale mehrfach harpuniert werden muss und der Todeskampf der Meeressäuger bis zu zwei Stunden dauert.
Die Jagdlizenz des Unternehmens gilt noch für dieses Jahr, dann läuft sie aus. Die zuständige Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte angegeben, sie verfüge nach Information ihrer Juristen im Ministerium über keine rechtliche Handhabe, die Lizenz aufgrund der dokumentierten Tierquälereien widerrufen. Ihre Weigerung hatte öffentlichen Protest im In- und Ausland hervorgerufen. Bei Petitionen waren über 250.000 Unterschriften zusammengekommen.
Gestern berichtete Vísir, dass sich die Sea Shepard, das Schiff des Walfanggegners Paul Watson, auf dem Weg nach Island befinde.

Stein mit eingeritztem Schiff älteste bildliche Darstellung in Island

Viking ship carving stone Stöð archaeology

Archäologen in Island haben einen Sandstein gefunden, in den ein Wikingerschiff eingeritzt ist. Dieser Stein könnte die älteste bildliche Darstellung sein, die je in Island gefunden wurde. Der Stein wurde am Ausgrabungsort Stöð im Stöðvarfjörður in einem Langhaus gefunden, das möglicherweise noch vor der Besiedelung errichtet worden sein könnte, berichtet RÚV.

Reich bestücktes Langhaus
Die ersten Erkundungsgrabungen in Stöð waren im Jahr 2015 unternommen worden. Seitdem sind Archäologen jeden Sommer an den Ort zurückgekehrt, um an der Freilegung eines Langhauses aus der Besiedlungszeit zu arbeiten. “Das Langhaus gehört zu den grössten, die je in Island gefunden wurden, es misst 31,4 Meter. In Skandinavien waren nur die Häuser der Anführer länger als 28 Meter. Es ist auch das am reichsten bestückte Langhaus, das in Island je ausgegraben wurde. Wir haben 92 Perlen und 29 Silbergegenstände gefunden, darunter römische Münzen und Münzen aus dem Mittleren Osten.” hatte der Archäologe Bjarni F. Einarsson Iceland Review im Jahr 2020 erklärt.

Ältestes Gebäude von vor der Besiedlung
Doch die Geschichte von Stöð geht noch weiter, denn unter dem Langhaus aus der Siedlerzeit fanden Archäologen dann ein noch älteres Langhaus, welches auf das Jahr 800 n.Chr. zurückdatiert wird, also 75 Jahre vor der offiziellen Besiedelung des Landes. Hier fehlten interessanterweise jegliche Hinweise auf Tierknochen. Doch nicht etwa weil die Bewohner frühe Vegetarier waren, sondern ganz im Gegenteil: “Meine Theorie ist dass das ältere Langhaus ein saisonales Jagdcamp war, betrieben durch einen norwegischen Häuptling, der Reisen nach Island ausstattete, um Werte zu sammeln und sie übers Meer nach Norwegen zu bringen.” erklärte Bjarni. Einer dieser Werte könnte Elfenbein von Walrössern gewesen sein: im Jahr 2019 konnten Untersuchungen und C14-Datierungen bestätigen, dass es in Island einmal eine heute ausgestorbene nordatlantische Walrossart gegeben hat.

Erster in Island gefundener geritzter Stein
Der kleine, aber bemerkenswerte Sandstein mit dem eingeritzten Wikingerschiff unter vollen Segeln war in den Wänden des älteren Langhaus gefunden worden. Solche in Knochen, Holz und Stein eingeritzten Schiffszeichnungen sind recht häufige Funde in den nordischen Ländern, doch dies war der erste Fund in Island und sehr wahrscheinlich die älteste bildliche Darstellung, die je auf der Insel aufgetaucht ist.
In diesem Frühjahr hatten die Archäologen ein grösseres Gebiet in Stöð per Geoskop untersucht und Hinweise auf noch mehr bauliche Strukturen und Bootsgräber gefunden. Viel ist nicht bekannt über die frühe Besiedelung des Landes, aber die Anzahl von in Stöð gefundenen Perlen, Münzen und Silber weisen auf einen bemerkenswerten Reichtum und Handel hin.