Walfang: Isländischer Naturschutzbund meldet Jagdlizenz an EFTA

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Der isländische Naturschutzbund hat die Jagdlizenz für das Walfangunternehmen Hvalur hf an die Aufsichtsbehörde der EFTA gemeldet. Die Anwältin des Naturschutzbundes ist der Ansicht, dass diese Lizenz gegen geltende Bestimmungen in Europa verstösst und hofft auf eine schnelle Reaktion.
Hvalur hf hält für diese Saison noch eine gültige Jagdlizenz. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte geäussert, es müsse schon viel passieren, damit diese Lizenz nach der Saison erneuert werde. Die derzeitige Jagdlizenz war im Jahr 2019 vom damaligen Minister Kristján Þór Júlíusson ausgestellt worden. Nachdem vor zwei Wochen brisante Fakten aus den Jagden im letzten Sommer veröffentlicht worden waren, hatte die Ministerin angegeben, ein sofortiger Lizenzentzug sei nicht möglich.

Klage wegen Tatenlosigkeit der Regierung
Nun also soll die EFTA prüfen, ob diese Jagdlizenz europäischen Bestimmungen entspricht. Mit der Meldung protestiert der Naturschutzbund gegen die Tatenlosigkeit der Regierung, die diese Jagd weiter erlaubt, obwohl Daten für eine Verletzung des Tierschutzgesetzes vorliegen, gab die Anwältin des Naturschutzbundes, Védís Eva Guðmundsdóttir, Vísir gegenüber an. Man gehe davon aus, dass die Lizenzerteilung nicht den europäischen Bestimmungen zu Tierwohl und Lebensmittelsicherheit entspreche.
“Ausserdem kommt Island seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und der EES-Gesetzgebung zur Kohlenstoffemission nicht nach. Wir halten es für offensichtlich, dass mit dieser Jagderlaubnis sowohl Tierwohl als auch Lebensmittelsicherheit und Klimaverpflichtungen gefährdet sind.” Man habe bei der ESA um eine beschleunigte Bearbeitung gebeten, da die Waljagd in wenigen Wochen beginnen soll. “Wenn die Ministerin nicht reagiert, hoffen wir dass die Aufsichtsbehörde der EFTA, die auch Aufsicht über Island führt, schnell reagiert,” so Védís.

Die Walfanglizenz ist damit die zweite der ESA vorliegenden Tierschutzklagen aus Island. Erst in der vergangenen Woche war im Ministerium ein Schreiben eingegangen, wonach die isländische Regierung mit ihrem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten gegen die Richtlinie der EFTA zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere verstösst. Im Fall der Blutstuten hat Island zwei Monate Zeit, um auf den Brief zu reagieren.

Irischer Premier spricht Walfang an
Der Walfang war auch beim gerade vergangenen Europagipfel in Reykjavík in einem Gespräch zwischen dem irischen Premierminister Leo Vardakar und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir thematisiert worden. Vardakar hatte auf die kürzlich veröffentlichte Studie zum langen Todeskampf von Walen hingewiesen, und dass die Ergebnisse Aufsehen und Entsetzen hervorgerufen hätten. Er habe die Waljagd nicht kritisiert, sondern nur angesprochen. Katrín Jakobsdóttir habe ihm gesagt, es sei noch unklar, ob es für die kommenden Jahre eine neue Jagdlizenz geben werden, doch sollte das der Fall sein, dann könnte die Lizenz strengere Voraussetzungen in Bezug auf das Tierwohl enthalten als bisher.
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte kürzlich wissen lassen, dass sein Unternehmen an neuen Tötungsmethoden arbeite, mit denen die Jagd effizienter werde. Unter anderem teste man eine zusätzlich mit Strom geladene Harpune.

Vardakar zufolge sei die Irische See eine Art Schutzzone für Wale, und dort sei die Zahl der Wale und Delphine in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies sei wichtig für den Tourismus und die Biodiversität. Man wolle anderen Ländern nicht vorschreiben, wie sich sich zu verhalten hätten, so Vardakar, man wolle über Zusammenarbeit reden, immerhin teile man das Meer miteinander, damit sei die Biodiversität ein Diskussionsthema für alle.

Müll im Mer: Webseite für Strandsäuberung eröffnet

Das isländische Umweltministerium hat gemeinsam mit der Umweltbehörde eine Webseite eröffnet, auf der man eine erfolreiche Strandreinigungsaktion eintragen kann, berichtet RÚV. Island hat eine 5000 Kilometer lange Küstenlinie, die in den kommenden Jahren von Müll befreit werden soll. Auf der Webseite kann jeder Freiwillige eintragen, wo er einen Strandabschnitt gereinigt und wieviel Müll er eingesammelt hat.

Die Webseite Strandhreinsun.is war gestern online gegangen, als Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarson und die Leiterin der Umweltbehörde, Sigrún Ágústsdóttir, einen Strandabschnitt in Geldinganes säuberten. Sie ist Teil des Aktionsplanes Úr viðjum plastsins der Regierung in Sachen Plastik, der im September 2020 vorgelegt worden war und um die 150 Mio ISK kosten soll.

Strand ist Islands Landesgrenze
Es ist nicht so einfach, die wirkliche Mülmenge an den Stränden der Insel zu beziffern. Bislang hatten nicht genügend Daten vorgelegen, um beurteilen zu können, ob die Menge wächst oder zurückgeht. In den vergangenen Jahren hatte die Umweltbehörde die Strände überwacht und regelmässig festgehalten, wieviel Mül aus dem Meer an den Strand gelangt.
Katrín Sóley Bjarnadóttir, eine Expertin bei der Umweltagentur, gab an, die Müllmenge sei zumindest nicht grossartig mehr geworden. Im Ausland sei sie dort wo es eine regelmässige Überwachung gebe, sogar zurückgegangen. “Die Strände sind sehr unterschiedlich, jenachdem wieviel Müll sich dort verfängt. Manche sind richtige Müllfallen. Da türmt sich der Müll, während an anderen Stränden, die eher aus Sand bestehen, der Müll wieder zurück ins Meer geschwemmt wird und sich nicht an Land verfängt. Das ist sehr unterschiedlich zwischen den Strandgebieten des Landes,” beschreibt Katrín Sóley das Problem.
Nach Berechnungen der Umweltorganisation Plastic Oceans landen jedes Jahr 10 Mio Tonnen Plastik in den Weltmeeren, und etwa 70% der Gesamtmüllmenge, 15% von schwimmt auf dem Meer und 15% werden an die Strände gespült.
“Island ist eine Insel und unsere Grenze ist die Strandlinie. Wir bekommen den Müll, der überall auf der Welt im Meer landet. Das hört nicht auf, bevor diese Einleitung von Müll ins Meer nicht beendet wird,” sagt Katrín Sóley. “Der ganze lose Müll endet in der Umwelt und an den Stränden. Es ist sehr wichtig, dass das gesäubert wird, damit es den geringstmöglichen Schaden für Flora, Fauna und Mensch verursacht. Das wird nicht aufhören, eine Notwendigkeit zu sein, bevor nicht das Grundproblem vom Tisch ist,” erklärt sie.

Gefährliche Strände meiden
Jeder kann an dem Strandreinigungsprojekt teilnehmen, ganz gleich ob Einzelperson, Schulklasse, Unternehmen oder Verein. Sammelwillige registrieren einen Strandabschnitt auf der Webseite, nach erfolgter Säuberung soll der Müll gewogen und kurz beschrieben werden, um was für einen Müll es sich handelt. Die Ergebnisse erscheinen dann auf der interaktiven Karte. Die Umweltbehörde bietet während der kommenden drei Jahre auch finanzielle Unterstützung für Reinigungsaktionen.

Allerdings sollte man aufpassen dass man sich bei der Strandsäuberung nicht selbst in Gefahr bringt. Gerade die gefährlichen Strände sollten nicht aufgesucht werden. “An manchen Stränden kann man das nicht, die sind einfach nicht zugänglich. Wir würden niemals alle Strände ablaufen. Ich rate niemandem, nach Látrabjarg zu gehen und dort Müll zu sammeln,” warnt Katrín.
Sie hofft, in den kommenden Jahren Erfolge zu sehen, um dann beurteilen zu können, was zukünftig nötig ist.
Schon jetzt werden Strandabschnitte in Island regelmässig von grossen Gruppen Freiwilliger gesäubert. Das Blaue Heer etwa ist eine dieser Gruppen, und Sprecher der Organisation gehen davon aus, dass sich etwa eine Tonne Müll an jedem einzelnen Kilometer Strand in Island findet.