Walfang: Crewmitglieder klagen wegen Überwachungsvideo

Zwei Besatzungsmitglieder eines Walfangschiffes, das für das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. unterwegs ist, haben die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST und die Fischereibehörde verklagt, berichtet RÚV. Die beiden sehen ihr Recht auf Datenschutz und Persönlichkeitsrecht durch die Videoaufnahmen an Bord im letzten Sommer verletzt.

Diese Videoaufnahmen waren Teil des Überwachungspaketes, welches die Regierung für die Fangsaison 2022 angeordnet hatte. Demnach filmte ein Mitarbeiter der Fischereiehörde an Bord den gesamten Jagdvorgang, die Aufnahmen wurden dann später von Experten untersucht. Die beiden Kläger sind in dem Video erkennbar und glauben, ihr Persönlichkeitsrecht werde verletzt. Weder Videos noch Einzelheiten der Studie sind bislang veröffentlicht worden.

Die Überwachungstätigkeit der letzten Saison hatte jedoch zutage gefördert, dass die Praktiken des Walfangs nicht den isländischen Tierschutzrichtlinien entsprechen. Die zuständige Ministerin, Svandís Svavarsdóttir, hatte die Daten als “schockierend” bezeichnet und eine Neubewertung des Walfangs gefordert.
Hvalur hf hält für dieses Jahr noch eine Jagdlizenz. Die Ministerin hatte angedeutet, dass die Regierung nach diesem Jahr keine weiteren Lizenzen ausgeben werde.

Walfanglizenz kann nicht eingezogen werden, sagt Ministerin

Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmitel, Svandís Svavarsdóttir, sagte RÚV gegenüber, es sei nicht möglich, die Jagd auf Wale in der diesjährigen Saison zu stoppen, obwohl im letzten Jahr gesammelte Daten einwandfrei beweisen, dass die Tötungspraktik nicht dem Tierschutzgesetz entspricht. Das einzige Walfangunternehmen im Lande, Hvalur hf., hatte angegeben, zwei Tötungsmethoden zu testen, mit denen die Jagd effizienter wird.

Die Studie war gestern von der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST in groben Zügen veröffentlicht worden, und sie zeigte auf, dass etwa ein Drittel aller erlegten Wale nicht sofort verenden. Etwa 14 Wale mussten mehr als einmal mit der Harpune beschossen werden, bei zwei Walen waren vier Schüsse notwendig. Im Durchschnitt dauerte der Todeskampf 11,5 Minuten, in einem Fall kämpfte ein Wal zwei Stunden mit dem Tod. Ein Wal wurde in den Rücken getroffen und musste über fünf Stunden lang verfolgt werden. Der Wal entkam.

Rechtliche Grundlage fehle
Die Ministerin hatte die Ergebnisse als “schockierend” bezeichnet, sie würden förmlich danach rufen, den Walfang in Island erneut zu prüfen. “Ich finde, dass diese Daten darauf hinweisen, dass diese Branche mehr ein Ding der Vergangenheit als der Zukunft ist,” sagte Svandís. Zur Zeit praktiziert nur ein Unternehmen (Hvalur hf.) den Walfang in Island. Nach Angaben der Ministerin sei es jedoch trotz der Ergebnisse nicht möglich, die ausgestellte Jagdlizenz für diese Saison einzuziehen.
“Es braucht eine rechtliche Grundlage, um diese Lizenz einzuziehen. Diese rechtliche Grundlage liegt nicht vor, soweit ich durch mein Ministerium informiert bin,” sagte Svandís. Sie hatte schon zuvor angedeutet, dass die Regierung nach der Saison 2023 keine weiteren Walfanglizenzen ausstellen werde.

Zwei neue Tötungsmethoden im Test
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte insgesamt 76 Einwände gegen die im letzten Sommer angefertigten Daten erhoben und es damit geschafft, die Veröffentlichung dreimal zu verzögern. Unter anderem wies er die Annahme zurück, dass ein Wal erst dann als tot gilt wenn er sich nicht mehr bewegt. Tiere, so Kristján, könnten sich auch nach dem Tod noch bewegen.
Als Reaktion auf die gestern schliesslich eröffentlichten Ergebnisse gab Hvalur hf an, dass das Unternehmen zwei neue Methoden entwickle, mit denen die Waltötung effizienter werde.
Bei einer Methode kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz, welche die Treffgenauigkeit der Harpunen verbessert. Die andere Methode umfasst den Einsatz von elektrischem Strom in der Harpune, der ausgelöst wird wenn der Wal durch den Harpunenschuss selbst nicht verendet.
Hvalur hf. nutzt Harpunen mit Granatenspitze, um Wale zu erlegen. Diese Harpunen sollen im Idealfall etwa einen Meter tief in den Wal eindringen und dort explodieren. Durch die Explosion werden gefederte Widerhaken in das Fleisch gefeuert. In der MAST-Studie heisst es, zwei Drittel der Tiere verendeten dadurch sofort.

 

Angellizenzen grösstenteils ausverkauft

salmon fishing iceland

Die Angellizenzen für die meisten Lachsflüsse in Island sind ausverkauft. Jón Helgi Björnsson, der Vorsitzende der isländischen Flussbesitzer (Landsamband Veiðifélaga) gab RÚV gegenüber an, dass es trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage auf der Insel und im Ausland ein sehr gutes Jahr für Angellizenzen sei, und viele der besten Standorte seien bereits komplett ausgebucht.

Die Lizenzen verkauften sich zwar gut, dennoch sei der beliebte Sport leicht rückläufig. “Die besten Angelplätze befinden sich möglicherweise in Ostisland,” sagte Jón Helgi, “aber es gab dort im letzten Jahr eine Menge kleiner Lachse dort. Ich denke wir können dieses Jahr eine Verbesserung erwarten, letztes Jahr war kein so gutes Jahr.”
Die Sportangler sähen ihren Sport immer häufiger als Naturerelebnis und soziales Ereignis und es ginge weniger um den Fisch. Dieser Trend führe dazu, dass immer mehr Fische nach dem Fang in den Fluss zurückgelassen würden.
“Diese Praxis ist aber auch notwendig, weil diese Bestände unter einem hohen Umweltdruck stehen. Es ist wichtig, diese Bestände verantwortlich zu behandeln, und in den vergangenen Jahren haben wir durch unsere Anstrengungen auch Erfolge sehen können.”

Interessierte können eine Angellizenz für 36 Seen in Island erwerben. Für Flüsse auf Privatland, vor allem die Lachsflüsse, benötigt man eine spezielle Lizenz, und die Tagespreise können je nach Standort schwindelnde Höhen erreichen.
Die ersten Lachse auf dem Weg zu ihren Laichplätzen werden um den 20. Mai herum erwartet, die Angelsaison beginnt dann Anfang Juni.