Ruhe am Mýrdalsjökull, Ungewissheitsstufe bleibt

Seit der vergangenen Nacht hat es in der Nähe des Katlakraters keine nennenswerten Erdbeben mehr gegeben. Dort hatten sich gestern Morgen mehrere Erdbeben ereignet, das stärkste davon war mit M4,8 aufgezeichnet worden. Eine Expertin für Katastrophenschutz in der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst sagte RÚV gegenüber, es sei unmöglich zu sagen, ob die drei heftigen Erdbeben ein Einzelereignis gewesen seien, oder der Anfang von etwas Grösserem.  Der Bebenschwarm war bereits gestern Nachmittag zurückgegangen, seit Mitternacht wurde nur noch ein kleiner Tremor aufgezeichnet.

Die Expertin für Naturkatastrophen, Kristín Elísa Guðmundsdóttir, sieht Notwendigkeit, sich beide Sichtweisen offenzuhalten: dass es sich bei den Beben um ein Einzelereignis handelte, oder um den Beginn einer vulkanischen Aktivität.
Inzwischen ist der gestern in gelb geänderte Flugcode für den Luftverkehr wieder grün, aber Reisende sollten dem Vulkan und seinen Flussarmen auch weiterhin fernbleiben, weil sich Fluten nicht ankündigen und jederzeit giftige Gase aus dem Wasser entweichen können.

RÚV zufolge wurden die Beben möglicherweise eher durch geothermale Ereignisse als durch Magmabewegung verursacht, denn sie ereigneten sich im Wassereinzugsgebiet des Flusses Múlakvísl. Dort hat sich bislang nichts verändert, und auch die Konduktivität des Wassers ist nicht angestiegen.

Die vom Zivilschutz verhängte Ungewissheitsstufe für die Region bleibt jedoch weiterhin bestehen, und von Wanderungen auf oder zum Vulkan wird strikt abgeraten. Wer geführte Touren in der Region gebucht hat, sollte sich unbedingt vorher beim Touranbieter nach der Verfügbarkeit erkundigen. Gestern war die Zufahrt zum Kötlujökull gesperrt und die Gletschertouren des Tages gecancelt worden.

Schwarzäugige Basstölpel mit Antikörper gegen Vogelgrippe

Neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge hat sich die Augenfarbe von Basstölpeln, die die Vogelgrippe überlebt haben, von hellblau in schwarz geändert, berichtet Vísir. Dese Entdeckung könnte wichtig bei der Zuordnung der Vogelart werden. An der Untersuchung waren auch Wissenschaftler der Universität Íslands und des Versuchslabors Keldur beteiligt gewesen, Ergebnisse sind in der Zeitschrift bioRxiv zu finden.

Der Basstölpel brütet im nordwestlichen Atlantik, die Untersuchung war auf der Insel Bass Rock in Schottland durchgeführt worden, wo sich eine der grössten Basstölpelkolonien der Welt befindet. Die veränderte Augenfarbe des Seevogels war im vergangenen Juni aufgefallen. Daraufhin wurden aus Vögeln mit blauer und schwarzer Augenfarbe Blutproben entnommen, und es stellte sich heraus, dass die Schwarzäugigen Antikörper gegen das H5N1-Vogelgrippevirus in sich trugen.  In einem nächsten Schritt will man nun untersuchen, ob die veränderte Augenfarbe Auswirkungen auf die Seekraft des Vogels hat, ob sich eine solche Veränderung auch bei anderen Arten finden lässt, und was hinter der Veränderung stecken könnte.

Vogelgrippe raffte Wildvögel dahin
Der Basstölpel ist eine der grössten Tölpelarten der Welt. Seinen Namen erhielt er einst, weil er wie ein Tölpel auf Schiffen landete und damit leichte Beute für Seeleute darstellte.  Am wohl bekanntesten ist der Vogel für seinen spektakulären Sturzflug beim Fischen, wie in diesem Video zu sehen ist.
Die grössten Brutkolonien befinden sich in Kanada und auf dem Felseiland Bass Rock in Schottland. In Island brütet der Vogel vor allem auf der unter Naturschutz stehenden Insel Eldey vor der Südküste. Einst hatten sich dort zwischen 15.000 und 18.000 Paare alljährlich eingefunden, im letzten Jahr hatte der Eldey-Bestand dann schwer unter der Vogelgrippe zu leiden. Einem Elektriker, der vor 14 Jahren eine Webcam auf dem Eiland aufgestellt hatte, waren zahllose tote Vögel in den Kameraufnahmen aufgefallen. Auf Bass Rock war die Lebenserwartung des Basstöpels aufgrund der Vogelgrippe um 42 % gesunken, insgesamt war die Todesrate in allen 53 Tölpelbrutgebieten im Nordatlantik um 75 % gestiegen.

Auch Gänse und Schwäne hatten ganz offensichtlich unter der Vogelgrippe zu leiden. Die Vogelwacht, die das Gebiet zwischen Tví­sker im Öræf­i und Hval­nes in Lón überwacht, hat beobachtet dass viel weniger der Vögel ins Land kämen als sonst. Auch von Landwirten ist zu hören, dass sich längst nicht soviele heimkehrende Gänse und Schwäne wie in Vorjahren auf den Wiesen versammeln.