500 Norröna-Reisende sitzen in Seyðisfjörður fest

Um die 300 Besucher von den Färöerinseln, sowie gut 100 Fährgäste der Fähre Norröna sitzen im Hafenstädtchen Seyðisfjörður fest, weil in der Stadt, vor allem aber auf der Bergstrasse Fjarðarheiði, ein Unwetter tobt. Die Fähre verlässt erst morgen abend wieder den Hafen, berichtet Vísir.
Das Schiff hatte heute mit etwa 500 Passagieren angelegt, verteilt auf 5 grosse Reisebusse und 80 Privatfahrzeuge. Als nach Angaben von Hafenmeister Rúnar Gunnarsson alle von Bord gegangen waren, war klar, dass das Unwetter auf der Fjarðarheiði – die Strasse die alle nehmen müssen, egal wohin ihre Reise führt – keinen Verkehr zulassen würde.

Minikreuzfahrt heute: einmal durch Seyðisfjörður
Viele der Passagiere seien Reisende auf sogenannter ‘Minikreuzfahrt’, erzählt Rúnar. “Die gehen bei uns in Dänemark oder auf den Färöerinseln an Bord und dann auf eine Rundfahrt. Das sind diesmal um die 300 von den Färöerinseln und 100 Deutsche.” Die Tagestouristen sind in den Bussen unterwegs. Manche wollten sich Stuðlagil anschauen, andere hatten das Badezeug dabei und wollten in die Vök-Lagune nach Egilsstaðir. Doch aus der Tagestour ist nichts geworden, statt Island konnten die Leute sich Seyðisfjörður anschauen und auf dem Schiff Schutz vor den Sturmböen suchen, berichtet RÚV.

300 Leute von den Färöerinseln klingt jetzt nicht besonders viel. Die Bewohnerzahl der Inselgruppe beträgt allerdings nur 54.000, damit befinden sich ein halbes Prozent der färöischen Bevölkerung heute Nacht in Island. In Seyðisfjörður leben 669 Einwohner. Die 300 Färinger machen damit heute Nacht 28% der Bevölkerung aus, und die Deutschen immer noch neun Prozent.

Man gibt sich alle Mühe, es den Gestrandeten so bequem wie möglich zu machen. Für die Wohnmobile etwa wurde auf dem Campinplatz der Schnee extra geräumt, damit die Touristen an die Steckdosen kommen.
“Die Leute aus Seyðisfjörður sind sehr gastfreundlich, und wir nehmen alle mit offenen Armen auf, ob sie hier wegkommen oder nicht,” meint Rúnar. “Aber das zeigt ja auch den Bedarf für ein Loch im Berg [ein Tunnel]. Das sind vor allem wir, die in Schwierigkeiten geraten. Wenn man hier durch den Berg kommen würde, müsste niemand hier festhängen.”

 

Fast 14.000 Kreuzfahrtgäste an einem Tag in Ísafjörður

Am 7. Juli diesen Jahres erwartet das Städtchen Ísafjörður in den Westfjorden 13.700 Kreuzfahrttouristen am gleichen Tag. Bürgermeisterin Arna Lára Jónsdóttir wiegelt ab, natürlich sei dies eine Belastung für die Infrastruktur der Stadt, aber die 13.000 Leute hielten sich ja nicht alle zur gleichen Zeit in der Stadt auf, berichtet Fréttablaðið.

Bei der letzten Stadtratsversammlung war ein Sitzungsprotokoll der Hafenverwaltung vorgelegt worden, welches die Möglichkeit einer Höchstzahlbegrenzung für Passagiere aus Kreuzfahrtschiffen an einem Tag erörtert. Am 7. Juli diesen Jahres werden im Hafen die Schiffe Star Legend, Norwegian Prima, Azamara Journey, Zuiderdam und das riesige Kreuzfahrtschiff MSC Grandiosa im Hafen erwartet. Neben den insgesamt 13.643 Passagieren befinden sich auch 4500 Besatzungsmitglieder an Bord der Schiffe.

“Wir können nicht über die Belastungsgrenze der Einwohner gehen. Es muss verhindert werden, dass die Leute überfordert sind, und man muss einen Gleichgewichtspunkt finden. Auch wenn wir sehr gastfreundlich sind und gerne Leute in der Stadt haben,” sagte Arna. Der Hafenbetrieb benötige ebenfalls Spielraum.
“Die Gefahr besteht, dass da viel zu viele Leute sind, aber man darf auch nicht vergessen dass die meisten der Fahrgäste gut verteilt werden. Da finden den ganzen Tag über zweiteilige Touren statt, vor und nach Mittag, und die Leute werden überall hingefahren,” erklärt Arna.

Neues Zentrum für Handschriften wartet auf Manuskripte aus Dänemark

icelandic manuscript heimskringla

Die dänische Regierung will auf die Anfrage des Árni Magnússon Institut für isländische Studien eingehen, langfristig isländische Manuskripte auszuleihen, berichtet RÚV. Die Handschriften sollen dann in einem neuen Zentrum für Manuskriptforschung ausgestellt werden. Ein Name für dieses im Jahr 2005 finanzierte Zentrum muss noch gefunden werden, damit ist zur Zeit eine Jury betraut, die den Namen aus einer Liste mit Vorschlägen auswählt. Bei der Eröffnung des Hauses im April soll der Name dann verkündet werden.

Wissenschaftler sehen Umzug kritisch
Allerdings ist nicht jeder vom Umzug der Manuskripte begeistert. Dänische Wissenschaftler etwa haben sich gegen den Umzug ausgesprochen, weil die Handschriften auch Teil des dänischen Kulturerbes seien.
Auch von isländischer Seite kam Kritik zum Plan, die Manuskripte zurück auf die Insel zu bringen. Im Jahr 2019 hatte Prof. Viðar Pálsson angemerkt, er wisse aus rein akademischer Sicht nicht, ob und in welcher Weise ein Umzug der Manuskripte die Lehre im Land stärken würde. Auch der Transport an sich sei nicht ungefährlich für die kostbaren Schriften.

Und sind sie jetzt eigentlich isländisch, oder vielleicht doch eher dänisch?
“In den vergangenen Jahrhunderten haben die Leute definiert, welche Manuskripte als isländisch bezeichnet wurden. Viele dieser Handschriften würden in eine Grauzone fallen, faktisch sind jedoch alle Manuskripte, von denen wir sagen können, dass sie hauptsächlich isländisch sind, zurückgebracht worden. Aber es gibt auch einige, die wir als eher isländisch als alles andere bezeichnen könnten, die wir auch irgendwann zurückhaben möchten. Natürlich gibt es Manuskripte in den dänischen Archiven, die berühmte isländische Sagas enthalten, dann gibt es welche mit mehr prosaischem, juristischem Inhalt, königliches Erzählmaterial, und so weiter, was aus Island stammt, aber nicht notwendigerweise isländischen Inhalt zeigt.”

Präsentation mit neuster Technologie
Trotz der Einwände hat die Ministerin für Kultur und Handel, Lilja Dögg Alfredsdóttir, hart daran gearbeitet, die Handschriften für das Árni Magnússon Institut für isländische Studien zurückzubekommen.
Die Handschriften würden – sollten sie auf die Insel kommen – mit der neusten Technik im neuen Zentrum ausgestellt werden. Eine Langzeitausleihe würde Kosten für 250 Mio ISK (1,7 Mio EUR) verursachen. RÚV zufolge wird die Bitte um Ausleihe derzeit vom Arnamagnæan Institut in Kopenhagen bearbeitet, man rechnet sehr bald mit einer Antwort.