Mangelnde Cybersicherheit stellt Risiko für Infrastrukturen dar

Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir Icelandic minister

Island liegt bei Wissen und Ausbildung rund um die Internetsicherheit nur unter ferner liefen, was das Risiko für Cyberattacken erhöht, berichtet RÚV. Die Ministerin für Universitäten, Innovation und Industrie, Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir kündigte für das kommende Jahr ein neues Hochschulprogramm an, welches sich ganz auf die Cybersicherheit konsentrieren soll. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 verzeichnet Island sechsmal mehr Angriffe auf die Netzwerke isländischer Institutionen.

“Im Vergleich zu anderen Ländern liegen wir im Bereich Cybersicherheit ziemlich weit hinten und gehören zu Ländern, mit denen wir uns eigentlich nicht vergleichen möchten,” sagte Áslaug Arna. Der Sicherheitsmangel könnte Islands Infrastruktur zum Ziel für Cyberangriffe machen – darunter auch den Energiesektor oder das Gesundheitssystem.
Vor zwei Wochen hatte das Parlament Nachbesserungen zur nationalen Sicherheitsgesetzgebung verabschiedet. Ausser militärischen und Cyberbedrohungen deckt die neue Gesetzgebung auch gesellschaftliche Bedrohungen wie finanzielle Sicherheit, Epidemien, Klimawandel und Naturkatastrophen ab.

 

CO2-neutrale Methode zur Ammoniakherstellung geht international

Die in Island entwickelte CO2-neutrale Methode der Ammoniakherstellung ist auf dem Weg ins Ausland. Der saudiarabische Konzern Sabic, ein Tochterunternehmen des Ölriesen Aramco, hat sich das Verwertungsmonopol auf die Methode gesichert, berichtet das Fréttablaðið. Entwickelt worden war die neue Methode vom isländischen Chemieunternehmen Atmonia.

“Das war eine Zeitenwende in unserem Betrieb,” sagt Atmonia-Geschäftsführerin Guðbjörg Rist Jónsdóttir, „Der Vertrag mit den Saudis ist weitreichend und ruft nach mehr Mitarbeitern und Kapital.” Die Unternehmensleitung sucht derzeit nach 20 Mio Dollar (3 Mrd ISK) zusätzlichem Kapital, um den Betrieb noch weiter zu entwickeln.
Atmonia ist in Forschungslaboren der Universität Islands entstanden, die Unternehmensgründung erfolgte 2016, Guðbjört Rist stiess 2018 als erste Angestellte dazu. Inzwischen sind 18 Mitarbeiter bei der Atmonia beschäftigt. Dort konzentriert man sich auf eine neue, einfacherer und umweltfreundlichere Herstellung der Chemikalie, die wichtiger Bestandteil von Düngemitteln, Kältemittel, sowie Farbstoffen ist. Studien des Fraunhofer-Institutes stellen zudem eine Verwendung der Chemikalie als Treibstoff der Zukunft in Aussicht.
Die herkömmliche Methode in der Ammoniakherstellung zieht Umweltverschmutzung nach sich, weil grosse Mengen an fossilen Brennstoffen verwendet werden müssen. Hauptproduzenten der Chemikalie sind China, Russland und Indien.

“Unsere Technologie ist ganz anders,” erklärt Guðbjörg Rist. “Unser Ammoniak ist grün und CO-neutral.” Es wird mit elektrochemischem Verfahren gewonnen, ohne schädliche Gase freizusetzen. Auch eine grosse Fabrik im Dauerbetrieb, um die für die Produktion notwendige Hitze zu halten, ist nicht mehr vonnöten.
Mit dem Vertrag hat die saudiarabische Sabic sich das Monopol auf die isländische Produktionsmethode in Saudiarabien, Kuwait, Bahrein und dem Jemen gesichert.
“Das ist unser erster Vertrag dieser Art, und er zeigt dass der Markt diese Lösung bemerkt hat. Der bringt uns Wind in die Segel, weil die Verkaufsmöglichkeiten auf der ganzen Welt gross sind,” meint Guðbjörg Rist.

Isländisches Lammfleisch erhält geschütztes Herkunftslabel in der EU

lambakjöt lamb Páll Stefánsson

Die Europäische Kommission hat vorgestern die erste geschützte geografische Herkunftsbezeichnung für ein isländisches Lebensmittel festgelegt, und zwar für isländisches Lamfleisch, Íslenskt lambakjöt. Der Produktname umfasst Fleisch von reingezogenem isländischen Lamm, welches in Island geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde. Die Schutzbezeichnung ist die gleiche die zB für Champagner gilt. Damit darf ein Produkt, welches die obengenannten Voraussetzungen nicht alle erfüllt, nicht mehr als isländisches Lammfleisch bezeichnet werden.

“Schafzucht hat eine lange und reichhaltige kulturelle Tradition in Island,” heisst es in einer Notiz der EU-Kommission. “’Íslenskt lambakjöt‘ zeichnet sich vor allem durch einen hohen Grad an Zartheits und Wildgeschmack aus, weil die Lämmer in wildem Bergland frei umherlaufen und in den wilden natürlichen Regionen Islands aufwachsen, wo sie sich von Gras und anderen Pflanzen ernähren. Die lange Tradition der Schafzucht, die über Generationen weitervermittelt wurde, hat zu einem hohen Standard bei Herdenmanagement und Beweidungsmethoden geführt.”

Die Schafzucht in Island hat eine 1000-jährige Tradition und reicht bis zur Besiedelung der Insel zurück. Im Jahr 1978 betrug die Zahl der Schafe noch 890.000, im Jahr 2018 wurden nur noch 432,780 Schafe gezählt, die niedrigste Anzahl seit 1948.
Der Lammfleischverzehr war seit den frühen 1980ger Jahren immer weiter gesunken. In den vergangenen Jahren konnte er sich auf etwa 20 Kilo pro Einwohner im Jahr stabilisieren. Isländisches Lammfleisch hat inzwischen auch ausländische Märkte erobert, darunter China. Die neue Herkunftsbezeichnung könnte isländischem Lammfleisch in den kommenden Jahren den Weg in ausländische Märkte noch weiter ebnen.

Isländisches Lammfleisch ist damit das zweite Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Der isländische Wollpullover lopapeysa war bereits geschützt worden und isländischer Whiskey könnte das nächste Produkt werden.