185 Tonnen Geflügelfleisch ohne Genehmigung importiert

Als zwischen September 2022 und Februar diesen Jahres 185 Tonnen ukrainisches Geflügelfleisch nach Island importiert wurde, sind die gültigen Bestimmungen nicht eingehalten worden, berichtet das Bændablaðið.
Daten des Statistischen Amtes zufolge wurden 80 Tonnen vor dem Jahreswechsel und 107 Tonnen im Januar importiert, nach Angaben des isländischen Zolls standen drei Unternehmen hinter dem Import: Esja gæðafæði, Kjötmarkaðurinn und Ó. Johnson og Kaaber. Zwei weitere Unternehmen erhielten Importgenehmigungen für Produkte, die im Februar eingeführt wurden. Die Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST informiert, dass für den Geflügelfleischimport zwischen September 2022 und Januar 2023 weder eine Importgenehmigung eingeholt noch eine Mitteilung an die Behörde erfolgt ist.

Weder Importgenehmigung noch Risikobewertung
Wenn ein Importeur ein ausserhalb des europäischen Wirtschaftsraumes hergestelltes tierisches Produkt zum ersten Mal nach Island einführt, ist er verpflichtet, Informationen zum Produkt zu liefern und die Genehmigung abwarten, bevor die Ware aus dem Herkunftsland abgeschickt wird.
Tierische Produkte, die durch ein EU-Land importiert werden, aber aus einem Drittland stammen, müssen MAST angekündigt werden. Der Importeur muss nachweisen, dass das Produkt den Bestimmungen entspricht. Eine Genehmigung erfolgt auf Grundlage einer Risikobewertung, die MAST vor Erteilung der Genehmigung durchführt.
Da eine Importgenehmigung gar nicht beantragt worden war, hatte MAST auch keine Risikobewertung angefertigt, erklärt die Abteilungsleiterin für Import und Export bei MAST, Hrund Hólm, auf Anfrage des Bændablaðið.
Die Behörde habe jedoch Daten wegen der gesamten Sendung angefordert. Dazu gehören eine Bestätigung, dass die Zollkontrolle innerhalb der EU erfolgt ist, Ergebnisse einer Salmonellentestung, sowie die Bestätigung, dass das Fleisch mindestens 30 Tage vor der Zollabfertigung tiefgefroren gelagert worden war. Alle diese Daten seien vorgelegt worden.
“Insgesamt hält man es für wahrscheinlich, dass Erreger schwerwiegender Geflügelerkrankungen durch Rohfleischimport aus der Ukraine und der EU ins Land gebracht werden, aber wenig wahrscheinlich, dass diese Krankheitserreger auf lebendes Geflügel im Inland übertragen werden. Die häufigste Übertragungsweg wäre die Fütterung der Hühner mit Küchenabfällen, aber das ist verboten. Es ist wichtig dass alle, die Geflügel halten, sowohl in Betrieben als auch zuhause, sich an diese Regel halten,” erklärte Hrund.
Eine Importgenehmigung ist daher erteilt worden. Die Risikobewertung war im gleichen Monat angefertigt worden, in dem die Importanfrage gestellt wurde.

Resistente Keime in Importwaren überwachen
Die Ukraine ist Mitglied der Welttiergesundheitsorganisation und muss sich an deren Regeln halten. Insgesamt sind 14 Geflügelkrankheiten meldepflichtig, unter anderem die Vogelgrippe, die in der Ukraine nur in Wildvögeln gefunden wurde.
“Tierische Produkte aus Drittländern werden bei der Zollkontrolle auf Medikamentenspuren und resistente Keime geprüft. Diese Proben basieren auf der Risikobewertung,” erklärte Hrund. Die Zollkontrolle finde an der ersten EU-Grenze statt, wo die Ware ankomme. Da das Fleisch aus der Ukraine in Holland und Lithauen über die Grenze gebracht wurde, seien diese Stichproben ja vielleicht dort durchgeführt worden, vermutet Hrund.

Der Infektionsspezialist Prof. Karl G. Kristinsson hatte kürzlich dem Bændablaðið gegenüber erklärt, es sei wichtig, die resistenten Keime in importierten Lebensmitteln aus Ländern mit einer hohen Antibiotikaresistenz im Auge zu behalten.
Hrund Hólm sagt, MAST habe keinen Anlass gesehen, die vorgelegten Importdaten anzuzweifeln. Die Zollabfertigungen der EU-Länder, wo die Waren aus der Ukraine über die Grenze gebracht wurden, müssten nachweisen dass den Waren ein durch ukrainische Amtstierärzte ausgestelltes Gesundheitszertifikat beigefügt sei.
Der Import ohne erteilte Genehmigung liegt weiterhin bei MAST zur Prüfung. Vom Gesetzgeber sind in solchen Fällen Geldstrafen und Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren vorgesehen.
Das Geflügelfleisch war im September zollfrei importiert worden, nachdem eine entsprechende Zolbestimmung im Juni mit Gültigkeit bis 31. Mai 2023 geändert worden war.

 

Seetangfabrik im Húsavíker Hafen auf Eis gelegt

Húsavík

Das Grossprojekt des Seetangverarbeiters Íslandsþari in Húsavík ist vorerst auf Eis gelegt worden. Die Kommunalverwaltung im Norðurþing hat entschieden, eine Entscheidung zur Ausgabe zweier Grundstücke im Hafengebiet von Húsavík für das Projekt zu verschieben. Die Mehrheit im Stadtrat ist sich jedoch darüber einig, dass man die Verarbeitung von Seetang in Húsavík oder im Norðurþing weiter planen will, berichtet RÚV.

“Gemeinde und Íslandþari teilen die Ansicht, dass es sich lohnt, die Entscheidungsfindung auf unbestimmte Zeit zu verschieben, beide Parteien sind sich jedoch bewusst, dass der Wille zur Zusammenarbeit noch vorhanden ist. Forschung und weitere Detailarbeit durch Íslandþari gehen weiter, weil man in die fernere Zukunft schaut,” heisst es in einem Sitzungprotokoll der Stadt. Auch wenn man Planungstätigkeit und damit verbundene Änderungen im Flächennutzungsplan ausgesetzt habe, so die Bürgermeisterin, gebe es auch weiterhin Gespräche.

Kritik aus der Bevölkerung
Der Fabrikbau im Húsavíker Hafen war seit der ersten Verhandlungen zwischen Stadt und Íslandsþari umstritten gewesen. Vor allem der Standort der 5000 Quadratmeter grossen Fabrikhalle erntete Kritik, aber auch die zu erwartende Umweltverschmutzung und eine Verschandelung des piktoresken Hafens, der sich bei Touristen immer grösserer Beliebtheit erfreut.

Und dann war es die generelle Natur des Seetangprojektes, die nicht bei allen Ratsmitgliedern Zustimmung fand. Zwei Oppositionsmitglieder hatten kürzlich in veröffentlichten Kommentaren kritisiert, wie weit die Gemeinde das Projekt vorangetrieben habe, ohne dass Íslandsþari eine dauerhafte Forschungslizenz vom Ministerium für Lebensmittel, Fischerei und Landwirtschaft erhalten habe. Dem Unternehmen liegt bisher nur eine bis 2027 befristete Genehmigung vor.
Innerhalb diesen Zeitraumes hatte Íslandþari 40.000 Tonnen Seetang im Küstenbereich ernten und verarbeiten wollen.

Bürgermeisterin Katrín Sigurjónsdóttir bezeichnete es als normale Arbeitsweise, dass der Antrag des Unternehmens genau geprüft würde. Man glaube fest daran, dass eine dauerhafte Forschungslizenz erteilt werde, wenn das Unternehmen nachweise, dass es das Produkt auf nachhaltige Weise nutze.

 

Stärkster Bevölkerungszuwachs seit Beginn der Zählungen

Islands Einwohnerzahl wächst stetig weiter. Im Zeitraum zwischen Januar 2022 und 2023 ist die Zahl um 11.500 Personen oder 3,1% gestiegen, das ist das grösste Bevölkerungswachstum seit Beginn der regelmässigen Zählungen. Damit leben heute 387.758 Menschen in Island. Die ersten Bevölkerungszahlen reichen bis ins Jahr 1734 zurück. Seitdem ist die Bewohnerzahl noch nie in nur einem Jahr so stark gestiegen., berichtet Vísir.

Das Statistische Amt zählte 187.800 Frauen und 199.826 Männer, sowie 132 oder 0,03% Personen anderen Geschlechts, letztere Zahl ist um 80% gestiegen.
Proportional stieg die Bevölkerungszahl mit 1.941 Personen oder 6,7% am meisten im Raum Suðurnes. Der Zuwachs im Südland lag mit 4,2% ebenfalls über dem Landesdurchschnitt. Im Westen des Landes leben 3,1% mehr Personen, im Hauptstadtgebiet betrug der Zuwachs 6.651 Personen (2,8%).
Unter dem Durchschnitt liegen die Westfjorde, dort gab es nur 2,4% Anstieg, im Nordosten zwei Prozent, im Ostland 1,8%, und am wenigsten wuchs die Bevölkerungszahl im Nordwetsen, dort lebten im Januar 2023 nur 27 Personen (0,4%) mehr als im Vorjahr.

Mehr als 240.000 Menschen in Reykjavík
In acht Kommunen ging die Einwohnerzahl um 64 Einwohner zurück. Durch Zusammenlegung ging auch die Zahl der Kommunen um fünf zurück. In 29 Kommunen lag die Einwohnerzahl unter 1000, in elf Kommunen lag sie über 5000 und mehr.
Die Stadt Reykjavík war im letzten Jahr mit 139.875 Einwohnern die bevölkerungsstärkste Kommune im Land, Árneshreppur in Strandir mit 47 Einwohnern die schwächste Gemeinde. Etwa 63 Prozent aller Einwohner Islands, oder 242.995 Personen leben im Ballungsraum Reykjavík. Dazu zählen auch Hafnarfjörður und Mosfellsbær.

Das zweitgrösste Gebiet ist Keflavík mit Njarðvík (21.950 Einwohner), gefolgt vom Akureyri und Umgebung mit 19.887 Einwohnern. In Streusiedlungen leben 22.752 Personen (5,9%). Diese Siedlungsart ist definiert durch weniger als 200 Einwohner.