See im Vulkankrater der Askja heizt sich immer weiter auf

Askja, Öskjuvatn, eruption

Die Erdwärme am See Öskjuvatn hat im Februar stark zugenommen und die Eisdecke auf dem See so gut wie weggeschmolzen.
In einem Facebookbeitrag der Forschungsgruppe für Vulkane und Naturkatastrophen an der Universität Islands hiess es, dass in der letzten Woche ein Wissenschaftlerteam den See überflogen habe.
Man habe eine Thermokamera dabeigehabt, die für Hitzemessungen in der Natur ausgestattet ist. Bei Auswertung der Daten stellte sich heraus, dass die meiste Hitze am Lavaabschnitt Mývetningahraun gemessen wurde, dort war das Wasser 28 Grad warm. Die heisse Strömung zieht von dort aus in den See hinaus.
Von der Mývetningahraun war man an der Küste entlang gegen den Uhrzeigersinn geflogen, auch hier zeigten die Messinstrumente klar den Unterschied zwischen dem heissen Bereich an der Mývetningarhraun und weitaus kältere Bereiche im nördlichen Teil des Sees. Am Tag des Überfluges war die dünne Eisschicht am Ostteil des Sees vollständig aufgebrochen.

Auch ein amerikanischer Satellit überfliegt das Gebiet routinemässig. Am Montag waren die Bildgebungsbedingungen für Landsat gut gewesen und die Temperaturmessung hatte eine gleichmässige Erwärmung des Sees ergeben, und zwar auf über 2 Grad Celsius, was für die Jahrezeit sehr hoch ist. Diese Messung bestätigt die Daten von 20. Februar. Der See im Vulkankrater der Askja heizt sich tatsächlich immer weiter auf.

Landhebung und Beben weisen auf Intrusion hin
Seit August 2021 war an der Askja eine Landhebung beobachtet worden, inzwischen dürfte der Vulkan sich um mehr als einen halben Meter angehoben haben, vermutet wird eine Ansammlung von Magma in der Tiefe.
Vor zwei Wochen hatte es im Tafelberg Herðubreið, ganz in der Nähe der Askja, mit einer Stärke von 3,5 ordentlich gebebt. Experten bezeichneten das Ereignis als Spannungsbeben, hinter dem möglicherweise eine Magmaintrusion im Vulkan stecke.
Polizei und Zivilschutz hatten in der vergangenen Woche die Bevölkerung im Ostland aufgefordert, sich mit den Schutzmassnahmen bei Vulkanausbrüchen vertraut zu machen, falls es zu einem grosseren Ausbruch kommen sollte.

Katastrophaler Ausbruch in 1875
Der letzte grosse Askjaausbruch hat im Jahr 1875 stattgefunden. Nach einigen kleineren vulkanischen Ereignissen rund an der Schlucht Sveinagjá kam es Ende März 1875 zu einer gewaltigen Explosion im Krater selbst, bei der Asche über 150 km weit in den Nordosten Islands hinausgeschleudert wurde. Der Wind trug die Asche bis nach Skandinavien. Viele Höfe im Osten des Landes, vor allem im Jökuldalur, waren nach der Eruption nicht mehr bewohnbar, und man geht davon aus, dass die Auswandererwelle desselben Jahres nach Kanada und die USA im direkten Zusammenhang mit diesem Vulkanausbruch steht.