Herkunftsbezeichnung bei Lebensmitteln oft irreführend

meat, kjöt

Wer im isländischen Supermarkt isländische Produkte einkaufen will, sollte unbedingt das Kleingedruckte lesen. Ein Wirrwarr der Produktinformationen herrsche nämlich bei landwirtschaftlichen Produkten hierzulande, und zwar quer durch die ganze Handelskette, sagt die Vorsitzende des isländischen Bauernverbandes, Vígdís Häsler. Produkte wirken durch ihre Etikettierung isländisch, sind es aber gar nicht.
Dieses Irreführung bereitet den Islands Landwirten schon länger Sorge. Bændablaðið berichtet von 80 Tonnen Geflügelfleisch, die im vergangenen Jahr aus der Ukraine importiert worden waren und jetzt in Verpackungen der isländischen Fleischindustrie in der Ladentheke liegen. Und das sei kein Einzelfall, oft ist die Ware, Pilze, Salat und Fleisch, auf isländisch ausgezeichnet, manche Etiketten trügen sogar die isländischen Farben, doch komme das Produkt ganz woanders her, berichtet RÚV.

Herkunftsbezeichnung irreführend
Vígdís bezeichnet die Angelegenheit als ein riesiges Verbraucherproblem. “Das reicht quer durch die ganze Kette, das sind die Lebensmittelhersteller, das sind die Geschäfte, es ist ja sinnlos, über die Gesundheit isländischer Produkte zu sprechen, ob nun Fisch oder Fleisch, wenn man gleichzeitig kaum sieht, woher die Lebensmittel eigentlich kommen, die dann in einem Regal nebeneinander liegen,” kritisiert Vígdís. Diese Praktik sei irreführend für den Verbraucher, und oft genug werde die isländische Fahne auch missbraucht, während irgendwo kleingedruckt ein ganz anderes Herkunftsland aufgeführt ist.
Die Isländer seien gute Konsumenten und wollten anständig aufgeklärt werden. In einer Umfrage hatten sich 72 Prozent der Befragten unzufrieden damit erklärt, dass ausländisches Fleisch unter isländischem Warennamen verkauft wird, und 20 Prozent gaben an, schon einmal ausländische Produkte wegen irreführender Auszeichnung gekauft zu haben.

Isländische Herkunftslizenz seit letztem Jahr
Im vergangenen Jahr hatte die Ministerin für Lebensmittel, Fischerei und Landwirtschaft ein neues Zertifikat für die isländische Herkunft von Lebensmitteln und Blumen eingeführt. Der isländische Bauerverband besitzt und betreibt dieses Herkunftszertifikat. Das Lizenzsymbol darf nur nach erteilter Genehmigung aufgedruckt werden und soll vor irreführenden Produktauszeichnungen schützen.

Verarbeitetes Fleisch muss nicht herkunftsbezeichnet sein
Ágúst Andreson vom Kaupfélag Skagfirðingar, einem Grossimporteur und Hersteller von Fleischwaren, sagte dem Bændablaðið gegenüber, sein Unternehmen verarbeite das importierte Fleisch weiter, man mariniere etwa, und koche alles mögliche vor. Damit handle es sich um verarbeitetes Fleisch, welches nicht herkunftsbezeichnet werden müsse. Man habe dies in den Nettó-Supermärkten jetzt aber geändert und die Waren mit einem Herkunftsland bezeichnet. Grundsätzlich sei es so, dass nur isländische Ware herkunftsbezeichnet war. Bei importierten Waren sei es mitunter schwierig bis unmöglich, das Herkunftsland zu vermerken, weil sich die Warenwege schon in Europa verwischen und man aus Dänemark unter Umstände Hähnchen importiert, die in Thailand gezüchtet worden seien.

 

Arbeitskampf: Streikgeld während der Aussperrung ist neuer Zankapfel bei Efling

Sólveig Anna Jónsdóttir

Die gestern von 94% der isländischen Arbeitgebern beschlossene Aussperrung von 20.000 Mitgliedern der Gewerkschaft Efling verursacht grosse Sorge bei den betroffenen Niedriglohnverdienern. Auf der anderen Seite gibt es keine Regelung, die die Gewerkschaft davon abhält, ihre Mitglieder während der Aussperrung finanziell zu unterstützen, so die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Agnieszka Ewa Ziółkowska.

Ihre Aussage steht im Gegensatz zu den Angaben von Gewerkschaftsführerin Sólveig Anna Jónsdóttir, denenzufolge Efling im Fall einer Aussperrung solche Zahlungen an die Mitglieder nicht leisten würde.
In einem Facebookbeitrag schrieb Agnieszka, die Nichtzahlung finanzieller Unterstützung an von der Aussperrung betroffene Gewerkschaftsmitglieder sei Sólveigs persönliche Entscheidung. Sie kritisierte Sólveig, diese habe den Willen, ihre Niedriglohnmitglieder leiden zu lassen.

Die Entscheidung des Arbeitgeberverbandes (SA), die 20.000 Beschäftigten ab dem 2. März auszusperren war nur die letzte Eskalation in einer vollkommen vor die Wand gefahrenen Tarifauseinandersetzung zwischen SA und Efling. Während der Aussperrung dürfen der Gewerkschaft angeschlossene Mitarbeiter nicht an ihrem Arbeitsplatz erscheinen und erhalten im Gegenzug weder Lohn noch Urlaubsanspruch oder Rentenbeiträge.

Zur Zeit zahlt Efling den seit zwei Wochen Streikenden eine finanzielle Unterstützung aus der Streikkasse. Einer Mitteilung der Gewerkschaft war zu entnehmen gewesen, dass im Fall einer Aussperrung nicht gezahlt werde: “die Gewerkschaft ist nicht für eine Aussperrung verantwortlich, und die Streikkasse kann solche Zahlungen nicht aufrechterhalten.”
“Die Mitglieder von Efling haben das Recht zu wissen, dass die Bestimmungen ihre Vorsitzende nicht davon abhalten, im Fall einer Aussperrung aus der Streikkasse zu zahlen,” schrieb Agnieszka. “Das ist nur ihre Entscheidung.” Ihrer Ansicht nach sei die finanzielle Unterstützung der von Aussperrung betroffenen Arbeitskräfte “der richtige Weg.”