Gísli á Uppsölums Haus soll Museum werden

Im Haus des Einsiedlers Gísli á Uppsölum im Selárdalur in den Westfjorden soll im Jahr 2025 ein Museum eröffnet werden, berichtet Vísir. Einer Mitteilung des Lachszuchtunternehmens Arnarlax zufolge sind zu diesem Zweck neun Mio ISK an den mit dem Projekt betrauten Verein gespendet worden. Unter anderem soll von dem Geld eine Strasse gebaut werden, damit auch Touristen ohne schweren Geländewagen das Museum erreichen können. Des weiteren wird das Haus saniert und mit originalen Gegenständen eingerichtet, um dem Besucher die Lebensweise des Einsiedlers nahezubringen.

Berühmt durchs Fernsehen
Gísli Oktavíus Gíslason erlangte eine gewisse Berühmtheit im Lande, als der Reisejournalist Ómar Ragnarsson ihn im Jahr 1981 für einen seiner Kurzfilme aus den Regionen (ferðastiklur) besuchte. Damals war Gísli 74 Jahre alt und hatte bereits viele  Jahre vollkommen alleine auf seinem Hof verbracht.
Ómar erzählt in seinem Film, dass Gísli nach dem Wegzug seiner drei Brüder nur sein eigenes Zimmer, seinen Schafstall und seine Wiese benutzt habe. Das Radio welches vor 40 Jahren kaputtging, habe er nie ersetzt, weil das Programm ohnehin langweilig sei. Geld habe er niemals besessen. Kaffee und Sahne seien der einzige Luxus den er sich erlaube. Die Bauern vom Nachbarhof pflegten losen Kontakt und versorgten ihn etwa mit dem Notwendigsten. Er lebte ausschliesslich vom Fleisch seiner Schafe, Kartoffeln und Kaffee.

Möglicherweise Mobbingopfer
Gísli wurde im Jahr 1907 geboren und hatte bis zu seinem Tod in der Neujahrsnacht 1986 den elterlichen Hof kaum verlassen. Er war einer von vier Brüdern auf Uppsölum, und er hielt stets Verbindung zu seiner Verwandtschaft, schreibt die Bergsteigerin und Tourismusexpertin Vilborg Arna Gissurardóttir in einem Artikel bei mbl.is. Grossnichten und Neffen hätten den Einsiedler durchaus besucht, auch wenn die Reise in das Tal beschwerlich gewesen sei.
Gíslis Vater starb im Jahr 1916, die Mutter im Jahr 1950. Vilborg zufolge habe Gísli eine schwere Jugend gehabt, wegen seiner ärmlichen Kleidung und dem Sprachfehler sei er in der Schule offenbar gehänselt und ausgeschlossen worden, und auch mit dem anderen Geschlecht sei es nicht so gut gegangen. Sie schreibt, es sei offensichtlich, dass Gísli sich das Leben das er führte, nicht gewünscht habe, sondern eher in der Lage gelandet sei.
Er brachte sich das Lesen selber bei, sogar ein paar Worte Deutsch, und spielte im Sommer bei Tageslicht auf der Orgel der Eltern. Und nachdem im Jahr 1980 eine Stromleitung nach Uppsölum gelegt worden war, konnte er zum ersten Mal elektrisches Licht benutzen und die Orgel auch im Winter spielen.

Gísli werden zahlreiche Verse zugeschrieben, der wohl bekannteste spiegelt seinen tiefen Glauben und die Verzweiflung wider, die der Einsame durchlebte.
“Þegar raunir þjaka mig
þróttur andans dvínar
þegar ég á aðeins þig
einn með sorgir mínar.
Gef mér kærleik, gef mér trú,
gef mér skilning hér og nú.
Ljúfi drottinn lýstu mér,
svo lífsins veg ég finni
láttu ætíð ljós frá þér
ljóma í sálu minni.”

Erster Museumsplan von 2008
Im Jahr 2008 hatte es einen ersten Plan gegeben, aus dem Haus des Einsiedlers ein Museum zu schaffen, doch der wirtschaftliche Zusammenbruch Islands im gleichen Jahr machte alles zunichte.
Nun also soll das Wohnhaus auf Vordermann gebracht werden, mit einer Klärgrube und Toilette, einer Drainage rund um die alten Mauern, und im Haus will man Treppen, Fussböden, Fenster und Türen auswechseln.
Auf dem Hof stehen des weiteren der Gemüsegarten und der Schafstall zur Rekonstruktion an. Schluesslich sollen ein Parkplatz, eine Aussichtsterrasse und Wanderwege ins Selárdalur folgen.
Touristen haben nämlich zu allen Zeiten Interesse an dem einsamen Tal gezeigt, ein Museum mit Anlage könnte diese Reiselust in geordnete Bahnen lenken.
Hier kann man den Film von Ómar Ragnasson über Gísli frá Uppsölum anschauen.

 

Eisstau in der Ölfusá bei Selfoss

Ósabotnar

Der Fluss Ölfusá bei Selfoss ist durch einen Eisstau nahe Ósabotn über die Ufer getreten. Dort befinden sich die Bohrlöcher des Selfosser Wasserwerks, berichtet RÚV. Die Oberfläche des Flusses ist oberhalb des Eisstaus um mehr als einen Meter gestiegen. Die Lage wird von den Behörden engmaschig kontrolliert.
Derzeit besteht keine Möglichkeit die Bohrlöcher des Wasserwerks zu erreichen. Entstanden war der Eisstau durch eine Art von senkrechter wachsender Eisnadeln, die sich im Fluss bilden. Sie reichen vom Flussgrund bis zur Oberfläche und können durch Zusammenfrieren eine Stauung verursachen.

Sigurður Þór Haraldsson vom Selfosser Wasserwerk erklärte RÚV gegenüber, der Eisstau bedrohe den Betrieb derzeit nicht, weil die Bohrlochstrukturen oberhalb des Wasserspiegels lägen und daher von einer Überflutung nicht bedroht seien. Eine Notfallmannschaft stehe jedoch bereit, um jederzeit eingreifen zu können, falls man doch an die Bohrlöcher gelangen müsse. Allzuschlecht sehe die Lage momentan nicht aus.
“Und dann gibt es da natürlich einen Graben, der die Bohrlöcher vor dem Eis schützt,” sagt Sigurður.
Die Wettervorhersage verspricht wärmere Temperaturen für das Wochenende, und wahrscheinlich auch Regen. Das allerdings könnte zu einer noch grösseen Überschwemmung führen.

Dronenüberwachung der grossen Flüsse
Oddur Árnason, der Leiter der Selfosser Polizeidirektion, gab gestern an, dass man die Lage an der Ölfusá mit Dronen überwache. Nicht nur dort, auch in den Flüssen Hvítá und Stóri-Laxá haben sich riesige Eismassen gebildet, die sich seitlich an Land schieben und grosse Flächen dort bedecken.
“Wir haben heute auch die Lage am Fluss Skálm im Mýrdalssandur geprüft, und geschaut, ob dort die Gefahr für einen Eisstau besteht.” Für die Ölfusá bestehe zur Zeit kein grosser Grund zur Besorgnis, weil die Dronenbilder nicht zeigen, dass sich grosser Druck ansammelt. “Die Wasseroberfläche ist gefroren, und es wäre nett, wenn es jetzt kein plötzliches Tauwetter gäbe.”

Das schlimmste Szenario wäre ein Eisstau unter der Brücke über die Ölfusá, dieser könnte dazu führen, dass sich der Fluss in die Strassen längs der Ölfusá ergiesst und Keller und Erdgeschosse naheliegender Häuser überschwemmt. In solchen Fällen zieht sich das Wasser innerhalb weniger Stunden wieder zurück, und Oddur zufolge besteht derzeit kein Grund zur Sorge. Doch sei man lieber mal auf der Hut, man wisse ja nicht, ob es kommendes Wochenende regnen werde.

In jedem Fall sind Hausbesitzer gut beraten, Dachrinnen und Abflüsse zu reinigen und auf die Abflüsse auf den Strassen zu öffnen, um Überflutungen zuvorzukommen.

 

Grascob-Fabrik bei Húsavík in Planung

icelandic cows

In Nordisland soll eine Fabrik für Grascobs entstehen, berichtet Vísir. Grascobs bestehen aus feingehacktem und getrocknetem Gras, das zu kleinen Kugeln gepresst wird, und im Ausland vor allem als Pferdefutter bekannt ist.  Die Fabrik soll um die zwei Mrd. ISK kosten und, wenn alles gut geht, im Jahr 2025 in Hveravellir im Reykjahverfi ihren Betrieb aufnehmen.
Das Besondere an der Sache ist, dass für die Trocknung und Herstellung Restwärme aus dem Geothermiegebiet in Hveravellir genutzt werden soll.
Hinter dem Projekt stehen der Investor Fjárfestingarfélag Þingeyinga, der Bauernverband Suður-Þingeyinga, der Energieversorger Orkuveita Húsavíkur, KEA, die Landwirtschaftshochschule und das Ingenieurbüro Efla.
Projektleiter Pétur Snæbjörnsson erklärt, für die Grascobherstellung soll in ländlichen Regionen Gras eigens für diese Produktion angebaut und damit eine Innovation in der Landwirtschaft geschaffen werden, die nicht nur besondere Kenntnisse erfordere, sondern auch eine vermehrte Wertschöpfung aus den Resourcen vor Ort bedeute.

Derzeit werden pro Jahr 200.000 Tonnen Futtermittel importiert. Pétur findet, da sei durchaus Spielraum zur Selbstversorgung, wenn man die richtigen Hilfsmittel verwende: in diesem Fall die Erdwärme, die vielerorts geradezu verschwendet werde. Das Pelletwerk könne die Erdwärme gut nutzen. Im Reykjahverfi steigt das Wasser mit 120 Grad an die Erdoberfläche.
Wenn die Fabrik sich einst im Vollbetrieb befindet, kann sie pro Jahr 50.000 Tonnen Grascobs herstellen. Im kommenden Sommer soll eine Versuchsproduktion gestartet werden.

Grascobs waren einst gross in Mode – und verschwanden
Grascobs sind allerdings keine Neuheit auf der Insel. Schon vor mehr als 50 Jahren gab es in Gunnarsholt im Süden Islands ein solches Werk, und weitere folgten im ganzen Land. Das Gras in Säcken half den Bauern, über die Runden zu kommen, wenn ein nasser Sommer für schlechte Heuernte gesorgt hatte und senkte die Notwendigkeit, zusätzliches Kraftfutter für das Vieh zu importieren. Mit der Heuernte beschäftigt waren in Gunnarsholt die Bewohner eines Heims für Alkoholabhängige. Da die Erdwärme noch nicht so weiträumig genutzt wurde wie heute, war die Produktion eher teuer.

Im Jahr 1987 exportierte Island 70 Tonnen Grascobs aus dem Hornafjörður nach Deutschland. Hinter dem Geschäft stand der Reiter und Trainer Sigurbjörn “Diddi” Bárðarson, der die Grascobs auf dem deutschen Islandpferdemarkt verkaufen wollte. Nach dem Jahr 2000 kam die Produktion von Grascobs in Island fast vollständig zum Erliegen, vor allem, weil ausländische Importe, etwa aus Dänemark, bis zu 40% billiger waren.  Im Sommer 2014 stellte der Bauernverband die Möglichkeit in Aussicht, den Proteinbedarf von Milchvieh durch kleereiche Grascobs decken zu können, anstelle des Imports von Sojapellets.