Junggesellen zum ersten Mal beim Eheleuteball im Fáskrúðsfjörður erlaubt

JunggesellInnen, Geschiedene und Alleinstehende dürfen in diesem Januar zum ersten Mal seit 125 Jahren am traditionellen Eheleuteball (hjónaball) in Fáskrúðsfjörður teilnehmen. Mit der Änderung reagierte man auf Kritik an der zuvor steifen Regel und richtet sich nach dem Willen der meisten Ehepaare vor Ort.

Der Eheleuteball läuft nach ganz ähnlichem Muster wie die Þorrablótfeste: es gibt Kabarett mit regionalem Bezug und Gesellschaftstanz, statt der sauren Þorri-Speisen lockt jedoch ein normales Büffet. Zum Eheleuteball wird im Fáskrúðsfjörður länger geladen als die ältesten Mitbürger sich erinnern, schreibt RÚV.
In alten Zeiten war hjónaball der Abschied von Eheleuten nach der Weihnachtszeit, wenn viele Männer wieder zur See fuhren oder einer Saisonarbeit in einem anderen Landesteil nachgingen und das gemeinsame Heim verliessen. Ursprünglich wurde nur zur Kaffeetafel und einer Abschiedszeremonie geladen.

60% wollen Ball für alle öffnen
Im Fáskrúðsfjörður galten bis zuletzt die strengen Regeln, und nur Verheiratete, Verwitwete oder Paare die dauerhaft zusammenlebten, durften teilnehmen. Während der COVID-Pandemie wurden dann keine Bälle veranstaltet, doch schon zuvor hatten Alleinstehende darüber geklagt, dass sie zum Ball nicht zugelassen wurden.
Nun gab es im Vorfeld des diesjährigen Balles eine Umfrage unter den Ehepaaren, ob diese Regel geändert werden sollte, und 60 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, den Ballsaal für alle ab 25 Jahren zu öffnen, also auch Junggesellen/innen und Geschiedene.
Das isländische Wort für Jungeselle heisst übrigens píparsveinn (Pfeifenjunge), eine Junggesellin ist eine píparmey (Pfeifenjungfrau).

Früher gab es kaum Singles
“In den Zeiten, als der Eheleuteball entstand und diese Regeln geschaffen wurden, gab es natürlich keine wirtschaftliche Grundlage dafür dass Leute sich trennten. Selbst wenn sie sich trennen wollten. Das war ein grosses Ereignis, wenn ein Ehepaar sich scheiden liess. Aber heutzutage ist das ja fast alltäglich,” meint Eiríkur Ólafsson, der Vorsitzende des diesjähigen Ballkomitees.
Mancher fürchte sich natürlich vor jeder Änderung, aber man erwarte viel Spass. “Ich bin bislang viermal im Komitee gewesen, und bei allem Repekt vor den vorigen, da ist dies das dynamischste Komitee, dem ich je beigesessen habe. Und es gibt noch Eintrittskarten, aber nicht mehr viele.”

 

Luftverschmutzung in Reykjavík hat bereits Jahreslimit erreicht

pollution, mengun

Die Luftverschmutzung im Grossraum Reykjavík ist im neuen Jahr bereits 19 Mal über den zulässigen Grenzwert gestiegen, das ist mehr als die Anzahl an pro Jahr zulässigen Überschreitungen, berichtet RÚV. Das Gesetz erlaubt, den Individualverkehr an Tagen, wo der Grenzwert überschritten wird, einzuschränken, doch solche Massnahmen müssten erst in die Tat umgesetzt werden.

Die Messinstrumente der isländischen Umweltbehörde sind Tag und Nacht in Betrieb, die ermittelten Werte werden stündlich aktualisiert. Gestern Abend gegen 18 Uhr wurde der Grenzwert zum 19. Mal im noch jungen Jahr 2023 überschritten. Pro Jahr ist dies nur 18 Mal erlaubt, und die Verschmutzungsgrade sind nach Angaben von Svava S. Steinarsdóttir von den Reykjavíker Gesundheitsbehörden beispiellos hoch.
Die dicke Luft in Reykjavík dürfte mehrere Ursachen haben. Nicht nur der stetig wachsende Verkehr kraftstoffbetriebener Fahrzeuge, auch das Wetter spielt eine grosse Rolle: die Wetterlage der vergangenen Tage, Windstille bei kalten Temperaturen, sorgt dafür, dass die Schadstoffe sich über der Stadt sammeln und dort verbleiben.

Ein Fahrverbot oder Einschränkungen des Individualverkehrs wären gesetzlich zwar möglich und auch ein Verbot von benagelten Autoreifen wird immer wieder diskutiert, doch sind solche Massnahmen bisher nicht implementiert worden.
Solange den Behörden also keine konkrete Handhabe eingeräumt wird, bleibt es auch weiterhin nur bei Appellen, das Auto stehen zu lassen und umweltfreundliche Verkehrsmittel zu benutzen.