Linksgrüner schlägt Atomkraftwerk vor, um Debatte anzuheizen

Auf der Gemeinderatssitzung im ostisländischen Múlaþing ist gestern Abend der Vorschlag, die Möglichkeit eines Atomkraftwerk in der Gemeinde zu prüfen, mit sechs zu fünf Enthaltungen abgeschmettert worden. Die Idee stammte vom Gemeinderatsvertreter der Linksgrünen, Helgi Hlynur Ásgrímsson, und auch wenn sie sich vollkommen übertrieben anhöre, so gebe es da einen ernsten Hintergrund. Er habe vor allem eine Diskussion zu den Ideen für Windradparks im Land anzetteln wollen, berichtet Vísir.
“Ich wollte die Dinge in einen grösseren Zusammenhang bringen. Diese Windparkpläne, die es da gibt, die sind doch vollkommen irre. Da wird über unglaubliche Mengen und überall im Land geredet. Ich wollte daher die Frage aufwerfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Möglichkeit zu prüfen, ein Atomkraftwerk zu bauen, anstelle von tausenden von Windrädern, die den Leuten sehr unsichere Energie liefern würden.” erklärte Helgi Hlynur.
Sein Wunsch ging in Erfüllung, Helgi bekam seine Debatte im Gemeinderat. Am Ende wurde sein Vorschlag von der Ratsmehrhet abgelehnt, die Opposition enthielt sich der Stimme.

Wndparks sind “irre Ideen”
In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde, so Helgi, mögliche Standorte für Windparks innerhalb der Gemeindegrenze prüfen lassen. Um die fünf Mio. ISK seien in diese Gutachten geflossen.
“Das sind irre Ideen, die es da gibt. Ich wollte eine Diskussion anstossen.” meint der Linksgrüne.
Die Energiedebatte sei in letzter Zeit machohaft und einzig nach Kriterien der ausländischen Konzerne geführt worden, welche Möglichkeiten witterten, in grossem Stil Windparks auf der Insel zu betreiben.

Wasserkraft wäre im Zugzwang
In Anbetracht des derzeitigen Strompreises in Island sollte allen klar sein, dass diese Rechnung wirtschaftlich nicht aufgehe.
“Und wie soll diese Verwindradung dann in Bezug auf das isländische Stromnetz funktionieren? Soll Landsvirkjun die Einspeisung in das Stromnetz für die ausländischen Unternehmen ausgleichen? Soll Landsvirkjun die Produktionskapazität seiner Wasserkraftwerke erhöhen, damit es möglich wird, die Produktion bei viel Wind zu reduzieren und bei Windstille zu erhöhen, und dafür Hunderte von Milliarden ausgeben? Oder ist etwa ein Kabel nach Europa geplant?“ sagte Helgu Hlynur in seiner Rede vor dem Gemeinderat.

Am Ende einigte man sich darauf, dass die Möglichkeit eines Atomkraftwerkes in Múlaþing nicht geprüft werde, denn niemand habe Interesse an solch einem Betrieb in der Gemeinde. Der Vorschlag wurde mit sechs Nein-Stimmen zu fünf Enthaltungen abgelehnt.

Heisses Wasser aus Krýsuvík für Reykjavík im Gespräch

Krýsuvík - Seltún - hverasvæði - Reykjanes

In diesen eisigen Tagen dreht sich alles ums heisse Wasser. Der Umwelt- und Bauausschuss der Gemeinde Hafnarfjörður drängte bei der letzten Gemeinderratssitzung auf die Wichtigkeit, eine Nutzung der Erdwärme in Krýsuvík zu prüfen. Wenn dies auf die richtige Art und Weise durchgeführt werde, so der Bürgermeister, könne die Erdwärme zu einer wichtigen Resource für das Hauptstadtgebiet werden.

Eine Absichtserklärung zur wissenschaftlichen Prüfung einer solchen Option war bereits zwischen Gemeinde und dem Energieunternehmen HS Orka unterzeichnet worden. Nun könnte es nach Einschätzung von Bürgermeisterin Rósa Guðbjartsdóttir bald losgehen.
Der Umwelt- und Bauausschuss hatte zuvor seiner Sorge über einen möglichen Heisswassermangel Ausdruck verliehen und den Kraftwerkplan ins Spiel gebracht. Ein solches Kraftwerk in Krýsuvík könnte mit dem Leitungssystem der Hauptstadt verbunden werden und die Belastung der Kraftwerke Hellisheiði und Nesjavellir mindern, bzw 30 Prozent ihrer Kapazität liefern, schreibt Fréttablaðið.

Bevölkerungszuwachs und Tourismus
Es gebe daher gute Gründe, die Prüfung eines solchen Projektes voranzutreiben, zumal für die kommenden Jahre mit einem signifikanten Bevölkerungszuwachs im Hauptstadtgebiet zu rechnen sei. Auch mit dem wachsenden Touristenstrom – für das kommende Jahr werden 2,2 Millionen Besucher auf der Insel (365.000 Einwohner) erwartet – steige die Nachfrage nach heissem Wasser.
Ein beschränktes Angebot an heissem Wasser sei in Kälteperioden inzwischen an der Tagesordnung, eine Nutzung der Erdwärme in Krýsuvík könne da Abhilfe schaffen und Versorgungssicherheit im Hauptstadtgebiet gewährleisten.
Rósa verweist darauf, dass es vieles zu bedenken gebe, bevor man eine Zusammenarbeit beschliesse, nicht zuletzt gelte es, die Natur in dem Gebiet zu schützen. “Es ist wichtig, das mit Vernunft und im Gleichgewicht mit der Natur zu betreiben, weil dies ein sensibles und schönes Gebiet ist. Diese Debatte gibt es schon länger und wir wollen das mit Umweltschutz im Fokus verwirklichen.”