Textilien mit giftigen Substanzen: Sondermüllcontainer und Regalverbot

Islands Müllverwertungsunternehmen Sorpa behandelt Textilien des chinesischen Herstellers Shein als Giftmüll, weil sich gesundheitsschädliche Stoffe in den Produkten finden. Der Secondhandshop Hringekjan (Karussell) nimmt als erstes Geschäft in Island Kleidungsstücke und Accessoires dieses Herstellers aus dem Verkauf, berichtet Kjarninn.
Jana Maren Óskarsdóttir, eine der beiden Besitzerinnen von Hringekjan, gab an, die Produkte von Shein passten nicht zur Ideologie des Unternehmens, etwas gegen Textilverschwendung zu unternehmen und einen gesunden Kleidungseinkauf zu unterstützen. Hringekjan hatte Anfang 2021 eröffnet und ist eins von mehreren Geschäften, in denen man ein Regal mieten kann, um gebrauchte Kleidung und Accessoires zu verkaufen.

Onlineshop auch in Island beliebt
Das Unternehmen Shein gibt es seit 2008. Unternehmensgründer Chris Xu war nicht als Textilproduzent bekannt gewesen, aber er verstand sich auf Suchmaschinen im Internet und schaffte es dadurch, den auf inzwischen 100 Milliarden Dollar geschätzten Onlineshop an vorderster Stelle zu platzieren. Obwohl die Kunden vor allem in den USA, Frankreich und Spanien sitzen, erfreut sich der Shop auch in Island steigender Beliebtheit, hier hält er bereits acht Prozent des Marktanteils bei im Internet gekaufter Kleidung, Schuhen und Accessoires.

Hringekjan wirft Shein-Kleidung aus dem Regal
Diese Produkte fanden sich in letzter Zeit vermehrt auch in den Regalen des Secondhandshops, teilweise noch mit Preisschild versehen. Eine gefährliche Entwicklung, findet Jana Maren, denn offenbar bestellten die Leute gleich mehrere Kleidungsstücke zum Probieren und verkauften sie dann weiter.
„Das ist genau das, was wir eben nicht unterstützen wollen,“ erklärt sie. „Dass man sich was im Internet bestellt und das dann weiterverkauft.“ Je mehr sie sich belesen hätten, desto klarer hätte auf der Hand gelegen, dass Hringekjan da nicht mitmachen wolle. „Wir wollen das nicht in unseren Geschäften haben.“
In Kleidungsstücken für Kinder und Schwangere etwa waren einem Bericht des kanadischen Nachrichtenmagazins CBS zufolge grosse Mengen an giftigen Substanzen wie Blei, PFAS und Phtalate gefunden worden.

Sorpa sortiert Shein-Produkte wie Giftmüll
Nach der Entscheidung, die Shein-Produkte vom Weiterverkauf auszuschliessen, hatte Jana Maren sich an das Müllverwertungsunternehmen Sorpa gewandt und erfuhr dort, dass man diese Produkte dort ohnehin in den Sondermüllcontainer sortiere, weil sie gifte Substanzen enthielten. Solche Kleidungsstücke gehörten daher keinesfalls in die Spendencontainer der Wohltätigkeitsorganisationen.

Inzwischen prüft Hringekjan auch Produkte anderer Hersteller auf giftige Substanzen und behält sich vor, sie vom Weiterverkauf auszuschliessen. Das Kundenecho zu der Entscheidung sei überraschend positiv, sagt Jana Maren. Ziel der ganzen Aktion sei es, die Leute zum Nachdenken über ihr Kaufverhalten zu bringen und Umweltbewusstsein zu wecken.