Tödlicher Unfall am Kirkjufell: Landbesitzer in Sorge

kirkjufell iceland

Nach dem tödlichen Kletterunfall am Kirkjufell vor zwei Tagen, als ein ausländischer Tourist in die Tiefe stürzte, drücken Ortsansässige und Landbesitzer ihre grosse Sorge über die zunehmenden Unfälle am Kirkjufell aus, berichtet RÚV. Das Interesse ausländischer Besucher an dem markanten Berg in Grundarfjörður hatte in den vergangenen Jahren stark zugenommen, und damit stiegen auch die Unfallzahlen. In den vergangenen vier Jahren hat es drei tödliche Unfälle gegeben.
Rettungssanitäter Tómas Freyr Kristjánsson war als erster vor Ort gewesen. “Das kommt immer regelmässiger vor, das ist der fünfte Unfall in fünf Jahren,” klagt er. Bei den Rettungsaktionen müssten die Bergretter sich jedesmal selbst in Lebensgefahr begeben, vor allem bei Regen und Nässe. Tómas kritisiert vor allem die schlechte Ausrüstung der ausländischen Besucher.

Lebensgefährlicher Berg, sagen Einheimische
Bürgermeister Bjarni Sigurbjörnsson zufolge hat der Strom der Touristen in den letzten Jahren ganzjährig zugenommen, und sehr viele dieser Leute strebten auf den Berg. “Der Berg ist das ganzeJahr über lebensgefährlich, aber vor allem um diese Jahreszeit.” sagt Bjarni. Er verspüre jedesmal einen Knoten im Magen, wenn er den Rettungshubschrauber höre. Man vermute sofort einen Unfall am Kirkjufell.
“Das ist eine ernste Sache und überhaupt nicht lustig, wenn die Leute da hochlaufen, sich verirren und sterben. Der ganze Ort sorgt sich, die Bewohner sorgen sich, und das bringt unseren Ort in Bedrängnis, wenn so ein Unfall passiert.”
Der Kirkjufell befindet sich im Besitz einiger weniger Personen, sodass Grundafjörður nur wenig unternehmen kann. Man könne die Landbesitzer nur unterstützen, aber die Frage sei, was die Landbesitzer eigentlich tun können. Dürften sie das Betreten des Berges untersagen? “Das ist halt die Frage,” sagt Bjarni.
Es gibt bereits eine Informationstafel am Fuss des Berges, die nach dem ersten tödlichen Unfall von Gemeinde und Landbesitzern gemeinsam aufgestellt worden war. Dort findet man alles Wissenswerte über die Gefahren am Kirkjufell, sowie Empfehlungen, wie die Wanderausrüstung auszusehen hat. Trotzdem, so Bjarni, liefen auch Leute in Sandalen und kurzen Hosen auf dem Berg herum.

Einheimische laufen im Winter nicht auf den Berg
Jóhannes Þorvarðarson und Kolbrún Reynisdóttir gehört ein Teil des berühmten Berges. Sie sagen, alle Unfallopfer seien ausländische Touristen gewesen. Offensichtlich funktioniere die Information zur Problematik des Berges nicht. Man sehe im Herbst und Winter keine Leute aus Grundarfjörður und nur selten Isländer auf dem Berg herumkraxeln. Seit 1946 habe es am Kirkjufell keinen Unfall gegeben, bei dem ein Landsmann zu Schaden gekommen sei.
Kolbrún findet es schwer, zuzusehen, wie die Leute das ganze Jahr über dort hochlaufen. “Im Sommer mag das ja angehen, wenn alles trocken ist und das Wetter gut, aber wenn es nass ist und die Erde geforen, dann ist das sehr gefährlich.” Die Leute sollten doch eigentlich selbst erkennen, dass man bei kaltem und nassem Wetter nicht zu Bergspitze gelangen könne.

Jóhannes möchte eigentlich niemandem verbieten, den Berg zu besuchen. Ungewiss sei auch, ob ihnen das überhaupt erlaubt sei. Daher wolle man sich mit anderen Landbesitzern treffen und den Rat von Sachverständigen einholen, denn so könne es nicht weitergehen.
“Das geht einfach nicht, dass da ein oder zwei tödliche Unfälle pro Jahr passieren. Damit können wir nicht leben.”

 

Scrapie: Auch Schafe mit schützendem Genotyp müssen gekeult werden

Das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel hat einen Antrag der Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST auf Ausnahmegenehmigung im Rahmen des Tierseuchengesetzes positiv beschieden, demnach dürfen nun Lämmer und Zuchttiere mit dem vor Scrapie schützenden Genotyp auch über die Seuchenschutzgrenzen in andere Gebiete verkauft und transportiert werden, berichtet das Bændablaðið.
Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Scrapie, wenn also ein Tier positiv getestet wird, bleiben jedoch unverändert: erkrankt ein einziges Schaf oder eine Ziege an Scrapie, muss die gesamte Herde gekeult werden, ganz gleich ob Tiere in der Herde das schützende Gen tragen oder nicht.

Neues Regelwerk zu Seuchenschutz und Tiergesundheit in Arbeit
Die leitende MAST-Tierärztin Sigurborg Daðadóttir hatte vor zwei Jahren eine Überprüfung der Bestimmungen zur Scrapiebekämpfung angefertigt. In dem Jahr hatten sich mehrere Scrapiefälle ereignet, tausende Schafe im Norden des Landes waren daraufhin gekeult worden. Im Dezember 2021 wurde der Bericht an das Ministerium übersendet, wo nun an neuen Bestimmungen gearbeitet wird, nachdem sich herausstellte, dass auch in Sachen Tiergesundheit Nachbesserungsbedarf besteht.

Zucht mit schützendem Genotyp kann beginnen
Während die Schafzüchtergemeinschaft auf die Ergebnisse wartet, werden die wertvollen Schafe mit dem schützenden Gen über das Land verteilt, vor allem dort, wo ein Scrapieausbruch am ehesten zu befürchten ist. Diese Regionen geniessen einer Definition von MAST zufolge Priorität beim Verkauf der begehrten Zuchttiere.
Bislang sind 128 Schafe mit entweder dem ARR oder dem T137 Gen in Island gefunden worden. Vier Böcke werden ihren Dienst in der nationalen Zuchtanstalt beginnen, wo man imWinter dann Material für die künstliche Besamung bestellen kann: Gimsteinn, Gullmoli und Hornsteinn vom Hof Þernunes, sowie Austri vom Hof Stóra-Hámundastaðir.

In Europa schützt Genotyp vor Keulung
Züchterische Arbeit in Europa geht schon länger dahin, den Tierbestand mit schützenden Genotypen zu stärken. Im Allgemeinen gilt dort die Regel, dass man im Fall eines Scrapieausbruchs sofort die Genotypen der Tiere in der Herde überprüft, um die Infektionswahrscheinlichkeit einzuschätzen. Üblicherweise verschont man Schafe mit dem ARR-Genotyp, während Schafe ohne den Genotyp gekeult werden.
In Island werden alle Schafe gekeult, gleich ob sie den Genotyp tragen oder nicht. Damit ist es züchterisch nicht möglich, den Einfluss des Genotyps auf Bestand und Krankheit langfristig zu sichern, bzw. einen genetisch geschützten Bestand aufzubauen.

Scrapie ist bis heute unheilbar. Die Erkrankung kam vermutlich im Jahr 1878 durch Import eines englischen Schafbocks über Dänemark in den Skagafjörður, eine der noch heute am schwersten betroffenen Regionen Islands. In den 70ger Jahren war zwei Drittel des isländischen Schafbestandes erkrankt und musste getötet werden, seit 1986 gilt die Keulungsbestimmung, dass bei Auffinden eines einzigen erkrankten Tieres der gesamte Bestand vernichtet wird. Weil der Erreger auch Winter überdauert, müssen Züchter mehrere Jahre warten, bis sie wieder Schafe halten dürfen.

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