Netzwerk ausländischer Frauen widerspricht Gewerkschaftsführerin

Efling Sólveig Anna Jónsdóttir

Das Netzwerk der Frauen multikultureller Herkunft in Island (W.O.M.E.N) hat vorgestern eine Erklärung veröffentlicht, in der es sich gegen Äusserungen von Gewerkschaftsführerin Sólveig Anna Jónsdóttir (Efling) wendet, die diese in einem Interview getätigt hatte. Sólveig Anna hatte gesagt, dass die Forderung nach besserem Zugang zu isländischen Sprachkursen von intellektuellen Eliten käme und von der Gewerkschaft Efling keine Priorität bei den im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen erhalte. W.O.M.E.N. besteht darauf, dass die Forderung nach besseren Sprachkursen von den Arbeitnehmern selbst komme.

Fast 160 Tarifverträge laufen in diesem Herbst in Island aus, sie betreffen um die 100.000 Arbeitnehmer. Efling ist die zweitgrösste Gewerkschaft des Landes, sie repräsentiert etwa 27.000 Arbeitnehmer – 53 Prozent sind ausländischer Herkunft. In einem Kommentar auf Vísir hatte Prof.em. Eiríkur Rögnvaldsson in der vergangenen Woche die Gewerkschaften aufgefordert, Isländischkurse für ausländische Arbeitnehmer während der Arbeitszeit zu fordern, die Kosten solle der Arbeitgeber tragen.

Sprachkurse unter ferner liefen
In einer Antwort auf Eiríkurs Kommentar hatte Sólveig Anna angegeben, dass ein verbesserter Zugang zu Sprachkursen bei den kommenden Tarifverhandlungen nicht weit oben auf der Liste stehe. Die Gewerkschaftsführerin will sich vielmehr auf die Verhandlung von Löhnen und bezahlbaren Wohnraum für Niedriglohnverdiener konzentrieren,
“Das ist natürlich sehr seltsam, dass die, die zu einer intellektuellen Elite gehören, jetzt die Verantwortung auf die Gewerkschaften der Arbeiterklasse und Niedriglohnverdiener übertragen, die wohl grössere und wichtigere Dinge zu bedenken haben, als Islands nationale Sprache zu bewahren,” sagte Sólveig Anna RÚV gegenüber.

Erlernen der Landessprache von grosser Wichtigkeit
Unmittelbar nach Veröffentlichung des Interviews reagierte W.O.M.E.N. mit einem Widerspruch.  “Wir weisen den Gedanken, dass der Ruf nach von Arbeitgebern [sic] bereitgestellten Isländischkursen von Bildungseliten komme, auf das schärfste zurück.” heisst es in der Erklärung.
“In Wirklichkeit kommt der Ruf in den meisten Fällen direkt von uns. Wir hoffen sehr, dass diese Gewerkschaften, die für Lohngleichheit und gleiche Rechte auf dem Arbeitsmarkt kämpfen, den Wert begreifen, den uns gleichberechtigter Zugang zur isländischen Sprache gewährt, sowie die Flexibilität und Unterstützung unserer Arbeitgeber beim Erlernen der Sprache.“

In der Erklärung wird auf eine im Jahr 2021 angefertigte Umfrage durch das Netzwerk hingewiesen, welche zeigt, dass eine überwältigende Anzahl an Befragten mehr Unterstützung für das Erlernen der Landessprache fordert, „als ob sie spürten, dass es direkte Konsequenzen für das ökonomische und soziale Wachstum habe.“ Wenn darauf nicht reagiert werde, habe dies Auswirkungen für Frauen ausländischer Herkunft, die Ungleichheit und einen beschränkten Zugang zur Karriereleiter nach oben erlebten, sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch in der Gesellschaft.“
Hier kann man die Erklärung im Ganzen lesen.

Premierministerin als Co-Autorin für isländischen Krimi

Der Bestsellerautor Ragnar Jónasson und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir haben zusammen einen Krimi geschrieben, berichtet RÚV. Das Buch trägt den Titel Reykjavík.
Auf den ersten Blick mag es merkwürdig anmuten, dass ein Premierminister schreibt, aber Katrín hat ihre Bachelorarbeit über isländische Krimis verfasst. Und Ragnars und ihr Buchprojekt war schon lange geplant gewesen. Vor zwei Jahren hatte sie erwähnt, dass man mit der Arbeit starten wolle, doch COVID bremste alle Pläne aus, zumindest kurzfristig. Vor einem Jahr hatte Ragnar dann bestätigt, dass sie mit dem Schreiben begonnen hätten.

Reykjavík spielt im Jahr 1986 und erzählt die Geschichte vom spurlosen Verschwinden eines jungen Mädchens namens Lára Marteinsdóttir von der Insel Víðey, der kleinen Insel im Kollafjörður vor der Küste Reykjavíks. Ihr Verschwinden vor 30 Jahren wog schwer auf dem Gemüt der Landsleute, vor allem weil es keine Erklärung dafür gab. Bis zum Tag als ein junger Reporter in der Angelegenheit zu recherchieren beginnt.

“In unserer Geschichte laden Katrín Jakobsdóttir und ich den Leser auf eine Reise in den Sommer ein, als Reykjavík seinen 200. Geburtstag feierte, als Bylgjan und Stöð 2 [Islands erste private Radio und TV-Sender] zum ersten Mal sendeten und als Reagan und Gorbatschov kurz davor standen, sich in Reykjavík zu treffe,” schrieb Ragnar in einem Facebookbeitrag. “Und in diesem Sommer kommen unerwartete Hinweise auf Láras Schicksal ans Tageslicht.”
Das Buch Reykjavík wird am 25. Oktober in Island erscheinen.