Vernachlässigte Pferde und langsame Behörden

A close-up of an Icelandic horse

Im Stalldorf der westisländischen Stadt Borgarnes hat sich heute jemand an die Presse gewendet, weil die Behörden auf einen Fall von Tierquälerei offenbar nicht ausreichend reagieren. Vísir zitiert die Organistin der Borgarneskirche, Steinunn Árnardóttir, die in einem Facebookbeitrag von unterernährten Jungpferden schreibt, die in ihrem Nachbarstall eingesperrt sind. Der Zustand der Pferde, so Steinunn, sei bereits von mehreren Personen an die Behörden gemeldet worden. Die meisten Leute hätten jedoch Angst vor dem Besitzer der Pferde und würden daher den Mund halten. RÚV zufolge habe der Pferdebesitzer Leute mit einer Waffe bedroht.
“Ich nehm das auf mich,” sagt Steinunn. “Diese Tiere sind im Stall neben mir. Wenn ich da nur zugucke und nichts unternehme, beteilige ich mich daran.”
Die Pferde auf Steinunns Fotos sind in keinem guten Zustand. Sie seien auch selten draussen. Insgesamt befänden sich 17 oder 18 Jungpferde in dem für 10 Pferde ausgelegten Stall. Sie habe mehrfach Meldung an MAST erstattet und wisse, dass sie nicht die Einzige sei. RÚV schreibt von 30 Pferden, und dass der zuständige Inspektor für Tierschutzkontrollen auf die Meldungen weder geantwortet, noch zurückgerufen habe.

Sensibler Fall, Ende offen
Von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST verlautete, dass der Fall in juristischer Bearbeitung sei. Man habe die Lage im Griff, die Angelegenheit befinde sich jedoch in einem sensiblem Stadium. Auf Nachfrage von Vísir gab die leitende Tierärztin für Pferde, Sigríður Björnsdóttir, an, es sei unklar, wie dieser Fall ausgehen werde. In Fällen wie diesem werde Personen eine Widerspruchsfrist eingeräumt, und dann eine weitere Frist, um auf behördliche Einwände zu reagieren. Wenn der Fallausgang unter die Informationspflicht der Behörde falle, werde man eine Pressemitteilung veröffentlichen. Zu einzelnen Fällen könne sie sich nicht äussern.

Kritisiert Tatenlosigkeit der Behörden
Steinunn ist mit dieser Antwort von MAST nicht einverstanden. Ihrer Ansicht nach erhalte der Pferdebesitzer offenbar endlose Fristen. Die Kontrolle der Behörde sei dergestalt, dass man vorher anrufe und das Kommen der Kontrolleure ankündige. So könnte der Pferdebesitzer noch schnell etwas ändern, und so sei das da stets gelaufen. Sie habe die Pferde des Nachts auf dem Paddock gesehen, während im Pferdestall gemistet wurde. Tagsüber seien die Jungtiere fast immer im Stall. Steinunn berichtet, neuerdings befänden sich in einer fensterlosen Scheune auch zahlreiche Rinder.
Bei der Person handle es sich, so Steinunn, um einen Landwirt, der Milchkühe, Schafe und Pferde halte. Die Schafe befänden sich seit drei Jahren in einem geschlossenen Stall, und auch die Milchkühe würden nicht gut behandelt. Auch hier sei MAST schon mehrfach benachrichtigt worden, doch nie sei etwas passiert.

update 1.9.22
In der vergangenen Nacht ist offenbar der Pferdestall geleert und die Jungpferde an einen unbekannten Ort abtransportiert worden, berichtet RÚV am Morgen. Steinunn sagte RÚV gegenüber, es handle sich um ungezähmte Jungpferde, die sicher nicht freiwillig auf den Hänger gestiegen seien. Sie fragt sich, in welchem Stall sie nun versteckt würden, denn in ihrem jetztigen körperlichen Zustand könne man sie wohl kaum auf eine Herbstweide bringen.

Gefischter Lachs in den Westfjorden könnte Zuchtlachs sein

fish farming iceland

In den Westfjorden gefangene Lachse stehen im Verdacht, aus industriellen Lachsfarmen entkommende Fische zu sein. Das ist einer Mitteilung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST zu entnehmen. Die Fische waren am 26. August gemeldet worden, daraufhin hatte die Behörde Proben entnommen, um die Herkunft der Lachse bestimmen zu können. Aus den Zuchtbecken entkommene Lachse stellen eine Gefahr für den Bestand der Wildlachse dar, weil Kreuzungen die Überlebenschancen der Wildlachse mindern.

Die isländische Fischzuchtindustrie ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen, und kaum ein Fjord in den Westfjorden oder im Osten ist mehr ohne Zuchtanlagen. Die meisten Lachse werden in offenen Meeresbecken gezüchtet, einige wenige Unternehmen produzieren an Land in Meerwasserbecken. In den wenigsten Fällen befinden sich die Unternehmen in isländischer Hand. Die Kayakerin Veiga Grétarsdóttir hatte im vergangenen Jahr Unterwasseraufnahmen von zerrissenen Netzen, erkrankten Fischen und verschmutztem Meeresboden veröffentlicht.

Die Expansion der Industrie hat heftige Kritik von Umweltgruppen und Anwohnern auf sich gezogen. Im Jahr 2019 war dem isländischen Parlament eine Petition mit 18.000 Unterschriften gegen eine neue Zuchtanlage im Meer überreicht worden.
Entkommene Zuchtlachse hat es seit 2018 schon mehrfach gegeben. MAST will mehr Informationen zu dem Fisch veröffentlichen, sobald die DNA bestimmt worden ist.

 

Klimawandel wird Küstengebiete in Island kosten

Auch in Island müssen sich die Menschen auf Auswirkungen des Klimawandels gefasst machen, glaubt der Leiter der isländischen Wetterbehörde, Veðurstofa Íslands. Denn selbst wenn man von heute auf morgen alle Treibgase auf Null reduzieren würde, sei es nicht mehr möglich, klimabedingte Naturkatastrophen noch zu verhindern.
Die Versauerung der Meere und der Anstieg des Meeresspiegel gehören zu diesen Auswirkungen, und sie sind in den Eishöhlen deutlicher zu sehen als anderswo. Neusten Forschungen zufolge könnte das Abschmelzen des Grönlandgletschers zu einem Anstieg des Meeresspiegels von bis zu 30 Zentimetern führen, und das noch vor der nächsten Jahrhundertwende. Pessimistischste Prognosen gehen sogar von einem Anstieg von bis zu zwei Metern aus. Das würde Island direkt und dramatisch betreffen.

Ein Sommer wie 2022 könnte bald normal sein
Árni Snorrason, der Leiter der isländischen Wetterbehörde, sagt, die Entwicklung sei schon heute nicht mehr aufzuhalten. Klar sei das schon lange in Bezug auf Schnee und Eis in den Bergen, in den Alpen und anderen Hochgebirgen, aber nun sei es kaum noch möglich, den Prozess abzuwenden.
Hinzu komme ein dramatischer Trinkwassermangel in Europa, der Boden sei staubtrocken. In den Alpen sei kaum Schnee gefallen, dafür schmelzen die Gletscher wie nie zuvor. Man müsse der Tatsache ins Auge blicken, dass ein Sommer wie dieser um das Jahr 2100 herum ähnlich und ausfallen oder sogar als normal gelten werde.

Bebaubare Küstenstreifen werden verschwinden
In Island stelle der Anstieg des Meeresspiegels eine grosse Herausforderung dar, weil bislang bebaubare Küstengebiete verschwinden würden, ähnlich wie in Bangladesh. Darauf müsse beim Neubau von Infrastrukturen in Reykjavík und andernorts im Lande geachtet werden.
“Da muss man natürlich Szenarien und Risikogutachten vorlegen, um diesen Herausforderungen zu begegnen, damit unsere Reaktion darauf am wenigsten kostet,” meint Árni.
Mit der Energiebranche arbeite man schon lange zusammen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt, die Gletscher und vieles andere zu untersuchen. Die Regierung bereite ein Regelwerk zur Anpassung vor und habe ihre Ziele in einem Weissbuch niedergeschrieben. Ausserdem sei ein Massnahmenkatalog für die meisten Bereiche der Gesellschaft vorgesehen.
“Es ist vollkommen klar, dass die Veränderungen der Weltmeere eines der Schlüsselthemen der Zukunft sind. Aber auch in den Kommunen gibt es Veränderungen im Wasserfluss, bei der Entwässerung und den Abwasserthemen, die eine große Herausforderung darstellen.“ erklärt Árni Snorrason.