Eltern an Islands schlechtester Strasse wollen Schulkinder zuhause lassen

Die Eltern schulpflichtiger Kinder, die den Vatnsnesvegur in Nordisland nutzen müssen, denken darüber nach, ihre Kinder zuhause zu halten, wenn die Schule wieder beginnt, und der Schulbus täglich bis zu 70 Kilometer Schlaglochpiste vor sich hat. Sie haben sich diesbezüglich auch schon mit dem Kinderbeauftragten in Verbindung gesetzt. Eine Mutter gibt an, die Fahrt über die Piste verursache Unwohlsein und Angstzustände bei den Kindern, berichtet RÚV.

Die Schlaglochpiste von Vatnsnes ist schon oft in den Medien thematisiert worden. Auf der 70 Kilometer langen Strecke zwischen Hvammstangi und Vatnsnes haben sich zudem zahlreiche Unfälle ereignet. Grundschullehrerin Guðrún Ósk Steinbjörnsdóttir muss die Piste jeden Tag fahren und sagt, sie sei nie schlechter als in diesem Jahr gewesen.  “Der Weg ist auf langen Abschnitten einfach unbefahrbar, wenn man das so sagen darf. Die Autos kriechen dahin und die Leute müssen ja von A nach B kommen, aber der Weg ist einfach schrecklich.” Mit Regenfällen verschlechtert sich der Zustand nur noch mehr, an manchen Stellen kann man nur 10 km/h fahren.

Bis zu 50 Kilometer Schlaglochpiste, jeden Tag
Um die 30 Kinder müssen hier im Schulbus ebenfalls täglich entlang, manche bis zu 50 Kilometer bis zur Schule. Die Eltern, so Guðrun, hätten die Nase gestrichen voll und prüften nun rechtliche Grundlagen, um ihre Kinder daheim zu halten, solange der Strassenzustand derartig sei.
“Ich habe eine Anfrage an den Kinderbauftragten geschickt und warte auf Antwort, wir versuchen, da Unterstützung zu bekommen, weil das einfach kein hinnehmbarer Zustand für kleine Kinder ist.”
Die Kinder klagten nicht nur über Unwohlsein. “Lehrer haben ihre Besorgnis darüber ausgedrückt, dass Grundschulkinder oft nicht am Unterricht teilnehmen können, wenn sie zur Schule kommen.” Als Grundschullehrerin sei ihr das Problem bekannt, auch bei ihr gebe es Kinder, die regelrecht Angst vor der Fahrt zur Schule hätten.

Drei Milliarden Reparaturgeld für 2030
Der Landesverkehrsplan sieht drei Mrd. ISK für Ausbesserungen am Vatnsnesvegur vor. Allerdings sollen die erst in den Jahren 2030 bis 2034 zur Verfügung stehen. Die Grundschulkinder von heute sind dann längst auf weiterführenden Schulen und haben aber zehn Jahre auf der Rumpelpiste zugebracht, ärgert sich Guðrún. “Wir bekommen ja nicht mal eine Antwort, wir haben versucht, Kontakt zur Strassenverwaltung aufzunehmen, zu Parlamentsabgeordneten und alles mögliche, aber überall nur Schweigen.”
Im vergangenen Jahr hatte die Bürgermeisterin von Húnaþing schon einmal ein Crowdfunding in die Wege geleitet. Für die allernotwendigsten Ausbesserungsarbeiten hatte sich nach Aussage von Strassenamtsleiter Pétur G. Matthíasson kein Unternehmen gemeldet.
Das Video im Nachrichtenlink stammt von Ólafur Benediktsson, einem Besamer, der den Vatnsnesvegur ebenfalls jeden Tag fahren muss.

 

Egilsstaðir als Flughafenalternative im Rennen

Die Gemeindeverwaltung im ostisländischen Bezirk Fljótsdalshérað möchte die Infrastruktur des Flughafens von Egilsstaðir stärken und ausbauen, nachdem die seismische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes offenbar ein längerfristiges Phänomen zu werden scheint, berichtet RÚV.

Wissenschaftler hatten schon zuvor Vermutungen angestellt, dass die Eruptionen aus dem letztem und diesem Jahr den Beginn einer neuen und langen Periode vulkanischer Unruhe auf der Halbinsel markieren, welche Gefahren für den internationalen Flughafen in Keflavík mit sich bringen. Der Flughafen liegt an der Spitze der Halbinsel, auf dem Gebiet des ehemaligen amerikanischen Militärstützpunktes. Es gibt mit Reykjanesbraut nur eine direkte Strassenverbindung zwischen Reykjavík und dem Flughafen, sowie einen Umweg an der Südküste entlang.

Der Südküstenweg könnte wie schon im letzten Jahr während des Ausbruchs am Fagradalsfjall durch Lavafluss bedroht werden, denn das Meradalir ist beinahe gefüllt. Bislang ist unklar, in welche Richtung die Lava von dort aus fliessen könnte, Suðurstrandavegur ist eine Möglichkeit. In diesem Fall wäre die Strassenverbindung zwischen den Orten Grindavík und Þorlákshöfn auf unbestimmte Zeit abgeschnitten.

Alternativflughafen geniesst breite politische Unterstützung
Führende Politiker, darunter Premierministerin Katrín Jakobsdóttir und Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson, sind einer Meinung über die Wichtigkeit einer Flughafenalternative an einem anderen Ort der Insel.
Egilsstaðir im Osten ist nicht die einzige Stadt, die sich um Entwicklungsgelder bemüht. In der vergangenen Woche hatte die Abgeordnete der Fortschrittspartei, Halla Signý Kristjánsdóttir sich für einen Flughafen in Mýrar im Borgarfjörður starkgemacht. Auch Akureyri im Norden der Insel ist im Gespräch gewesen.

Vilhjálmur Jónsson, einer der Lokalpolitiker der Region Fljótsdalshérað, hält Egilsstaðir für ausgesprochen geeignet. “Die Bedingungen in Egilsstaðir sind in vielerlei Hinsicht geeigneter und ich denke auch dass wenn es diese wöchentlichen Unterbrechungen gibt, es gut wäre, den Flugverkehr auf andere Flughäfen zu verteilen, falls es da einen grösseren Vorfall gibt.”
Die Lage sei ja nicht neu. “Aber diese Erdbeben in Reykjanes werden die Sache jetzt vielleicht endlich vorantreiben.”