Reykjanes: Tausende pilgern zur Lava

Reykjanes eruption August 3 2022

Die Öffentlichkeit wird gebeten, dem Gebiet des neuen Vulkanausbruchs auf der Halbinsel Reykjanes vorerst fernzubleiben. Bislang haben die Behörden noch nichts gesperrt, sie weisen jedoch auf die Gefahren hin und bitten die Bevölkerung, von Wanderungen zur Lava abzusehen, bis man sich ein Bild der Lage machen kann, bzw bis Wanderwege gekennzeichnet wurden.
Der Ausbruch hatte gegen halb zwei heute Mittag begonnen, aus einer etwa 300 Meter langen Spalte ganz in der Nähe des alten Ausbruchsgebietes sprudelt rotglühende Lava.
Für das Gebiet gilt ein vorläufiges Überflugverbot.

Die Bitte der Behörden verhallte jedoch ungehört, und Schätzungen zufolge haben sich an die 10.000 Menschen auf den 17 Kilometer langen Weg zum Ausbruchsgebiet gemacht.
Bei der Pressekonferenz am Nachmittag schätzte der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson, dass dieser Vulkanausbruch fünf bis zehnmal grösser sei als der im vergangenen Jahr. Auch mit mehr Gasausstoss sei zu rechnen, sagte Elín Björk Jónasdóttir vom Wetterdienst, weswegen Besucher unbedingt darauf achten sollten, sich nicht in Niederungen aufzuhalten.  Kinder haben im Ausbruchsgebiet nichts verloren. Momentan verursacht das Gas noch keine Probleme, wenn sich aber zum Wochenende der Wind dreht, dürfte man das Gas auch in bewohnten Gebieten verspüren.
Die Behörden weisen darauf hin, dass die Wanderung zum neuen Ausbruchsgebiet anspruchsvoller sei als im letzten Jahr und nur für gut ausgerüstete und geübte Wanderer eeignet sei.
Hier gibt es Fotos aus der Luft von isländischen Zivilschutz.

Reykjanes: Vulkanausbruch hat begonnen

Soeben hat Magma die Erde durchbrochen, berichtet mbl.is. Wie der diensthabende Experte für Naturkatastrophen, Einar Hjörleifsson, bestätigt, sprudelt Lava aus einer etwa 100 Meter langen Spalte unterhalb der Meradalir am Fagradalsfjall.
Schon zuvor war genau dort Rauch aufgestiegen.

Noch vor knapp einer Stunde hatte es gehiessen, dass es keine Anzeichen für vulkanische Aktivitat oder Tremor gebe. Für die brennende Vegetation, die in der vergangenen Nacht in dem Gebiet aufgefallen war, hatte es zunächst keine Erklärung gegeben.
Die Behörden prüfen nun die Lage und aktivieren entsprechende Einsatzpläne.
Die Webcam findet man hier.

Update 14.00 Uhr
Vísir präzisiert, dass die Lava etwa 1,5 Kilometer nördlich des Stóra-Hrútur an die Oberfläche tritt. Starke Gasentwicklung ist zu verzeichnen.
Neugierige werden gebeten, sich nicht in das Gebiet zu begeben. Ein Hubschrauber mit Experten an Bord ist in die Region unterwegs.

Schlagregen und Flutgefahr im Norden

weather warning north iceland

Für den Nordteil der Insel steht heute heftiger Regen auf dem Programm, vor allem im Nordosten und auf der Halbinsel Tröllaskagi muss mit steigenden Flusspegeln und Überflutungen gerechnet werden. Dazu besteht die Gefahr von Steinschlägen und Schlammlawinen. Für die Region gilt daher die gelbe Warnstufe.
Von Wandern und anderen Outdooraktivitäten wird abgeraten, denn es wird nass, sehr stürmisch und kalt. Wer dennoch unterwegs ist, sollte sich unbedingt bei vedur.is und vegagerdin.is über Wetter- und Strassenbedingungen informieren.
Gegen Abend dürften sich Wetter und Reisebedingungen dann bessern. Der Rest des Landes kann sich heute über mildes Wetter freuen.

 

Waljagd: Erlegter Wal musste viermal beschossen werden

Das Walfangschiff Hvalur 8 hat gestern zwei erlegte Wale in der Zerteilstation im Hvalfjörður angelandet, wobei einer von ihnen, ein Bulle, vier Harpunen in seinem Körper trug. Das bedeutet, dass er viermal beschossen werden musste, bis er verendete.

Entsprechende Fotos der Anlandung lieferte die Walschutzorganisation Hard to Port. Arne Feuerhahn von Hard to Port sagte Kjarninn gegenüber, der Wal habe einen langen Todeskampf hinter sich. Einer Studie der Fischereibehörde aus dem Jahr 2014 (in englischer Sprache verfasst) zufolge dauert nur das Nachladen der Harpunen um die acht Minuten, bevor man dann möglicherweise merkt, dass der Schuss nicht sitzt und das Tier immer noch lebt. In der genannten Studie waren 50 Wale verfolgt worden, 42 von ihnen starben gleich nach dem Einschuss, acht von ihnen kämpften bis zu 20 Minuten lang mit dem Tod. In diesem Sommer hatte Hard to Port von gleich mehreren Fällen Beweisfotos geliefert, wo Wale mehrfach beschossen werden mussten, weil der erste Schuss nicht sass.
Drei Harpunen sind auf Feuerhahns aktuellen Fotos deutlich zu sehen, die vierte kam bei der Zerteilung des Kadavers zum Vorschein. Zwei der Sprengladungen waren nicht explodiert und mussten entschäft werden, Feuerhahn berichtet von verärgerten Arbeitern.

Tierschutzbeauftragter soll an Bord die Tötung filmen
Die zuständige Ministerin für Fischerei Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte Kjarninn gegenüber kürzlich angegeben, es sei vollkommen klar, dass wenn eine Branche, die auf Tierhaltung oder Jagd basiere, das Töten der Tiere nicht auf humane Art und Weise durchführen könne, sie “keine Zukunft in der modernen Gesellschaft” habe.
Eine von ihr vorgelegte Bestimmungsänderung sieht vor, dass der Kapitän eines Walfängers einen Mann aus der Mannschaft als Tierschutzbeauftragten ernennen muss, der nach einem absolvierten Kursus Jagd und Tötung sämtlicher Wale filmisch dokumentieren muss. Das Filmmaterial geht zur Überprüfung an die Veterinäraufsichtsbehörde. Ab dem kommenden Jahr soll sich dann ein Amtstierarzt an Bord befinden.
Sowohl das Walfangunternehmen Hvalur ehf als auch die Interessenverbände der Seeleute hatten sich scharf gegen diesen Plan ausgesprochen und argumentiert, dass es für eine solche Bestimmung keine rechliche Grundlage gebe und man keiner Privatperson eine Verantwortung aufbürden könne, die eigentlich eine Behörde zu tragen hat.

Kontrollmechanismen in Planung
In der vergangenen Woche hatte es zu den Vorkommnisse des Sommers ein Treffen der Behörden gegeben. Auf Nachfrage von Kjarninn hatte die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, angegeben, MAST prüfe, ob und wie offizielle Personen “noch strenger” kontrollieren könnten, ob die Tierschutzgesetze beim Töten der Wale befolgt würden.
Dem Gesetz zufolge muss MAST die Jagd auf wilde Tiere nicht kontrollieren, sie ist lediglich zuständig für das Tierwohl, und in Bezug auf die Jagd muss sie kontrollieren, dass Tiere so rasch und schmerzlos wie möglich getötet werden. Jägern widerum ist es dem Tierschutzgesetz nach verboten, einem erlegten Wildtier unnötige Verstümmelungen und Qualen zuzufügen.
Von der Walschutzorganisation Hard to Port verlautete, die Jagd auf einen Wal, der viermal beschossen werden muss, bevor er verendet, stehe in klarem Gegensatz zu diesem Gesetz.

“Dieser neue und gruselige Vorfall zeigt doch, wie wichtig es ist, diese Jagd dort auf hoher See mitzuverfolgen, wo sie auch stattfindet. Wenn Hvalur ehf grundsätzliche Richtlinien des Tierschutzes bei der Jagd nicht einhalten kann, was sie ja offenbar nicht können, dann sollten sie auch keine Lizenz zum Walfang bekommen,” sagte Arne Feuerhahn von Hard to Port.

Reykjanes: Brennendes Moos als Eruption missdeutet

Mit der inzwischen beinahe permanenten Erdbebentätigkeit auf der Halbinsel Reykjanes und einem möglichen Vulkanausbruch in Aussicht liegen nun wieder tausende im In- und Ausland vor den Webcams, um den Moment der Eruption mitverfolgen zu können. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen für einen Ausbruch, und auch keinen Tremor, obwohl neusten Satellitenbildern zufolge sich die Magma auf einen Kilometer unter der Erdoberfläche hochgearbeitet hat. Vulkanologen gehen davon dass dass ein neuer Ausbruch nur eine Frage von Tagen oder Wochen ist.

Brennendes Moos in der Webcam
In der vergangenen Nacht entdeckten dann aufmerksame Beobachter Flammen im Gebiet der erstarrten Lava am Fagradalsfjall und alarmierten Polizei und Zivilschutz. Mitglieder des Grindavíker Rettungsteams machten sich auf die Suche, aus der Luft wurde das Gebiet vom Hubschrauber der Küstenwache abgeflogen und es stellte sich heraus, dass sich trockenes Moos entzündet hatte.
Eine Brandursache ist bislang unklar, berichtet RÚV.

Sigríður Kristjánsdóttir, eine Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, hatte ebenfalls zusammen mit den diensthabenden Kollegen in der letzten Nacht die Webcam mitverfolgt und gedacht, dass da möglicherweise wirklich ein Ausbruch beginnt. Sigríður zufolge gab es jedoch keinen Tremor.
Das Feuer war an einem der alten Wanderwege zum Fagradalsfjall ausgebrochen, dort waren auch keine Erdbeben aufgezeichnet worden. “Das war sehr merkwüdig, aber die Natur überrascht uns doch immer wieder,” meint Sigríður.
Die Bebentätigkeit der letzten Nacht sei verhältnismässig ruhig gewesen. “Es fielen ein paar kleine Beben an, dann kam ein kräftiges gegen halb sechs,” berichtet sie. Dieses Beben hatte eine Stärke von M4,6 und seinen Ursprung 3,4 Kilometer südöstlich des Fagradalsfjall.

Lava könnte nach Norden oder Süden strömen
Neusten Messungen zufolge strömt die Magma jetzt in einen Gang, der in den kommenden Tagen oder Wochen aufbrechen könnte. Experten halten es für am wahrscheinlichsten, dass ein Vulkanausbruch sich über die Gemeindegrenzen von Grindavík und Vogur am Vatnasleysuströnd zieht, und damit über die Wasserscheide auf der Halbinsel Reykjanes. Das würde bedeuten, dass Lava aus einer sich dort öffnenden Erdspalte nach Süden oder nach Norden strömen kann. In jedem Fall wäre eine der beiden Hauptverkehrsadern der Halbinsel betroffen.