Ísteka sieht unverhohlenen Angriff auf die Blutbranche

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Den Gedanken, dass das Hormon eCG nicht mehr benutzt werde, dürfe man gar nicht zuende denken, denn der ende als Schande für die Isländer. Diese starke Worte stammen von Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson als Kommentar auf die geplante Änderung bei der Blutgewinnung aus tragenden, lakierenden Stuten in Island. Sein Unternehmen Ísteka ehf. ist das einzige in Island, welches das Blut aus den 5400 Produktionsstuten aufkauft und daraus ein Hormon gewinnt, das im Ausland zur Zyklussteuerung vor allem in der Schweinezucht Verwendung findet. Die wirtschaftlichen Interessen sind daher nicht gerade ohne, berichtet Kjarninn.

Weniger Blut führe zu Umsatzeinbussen
Ísteka verzeichnete im Jahr 2020 einen Umsatz von 1,722 Mio ISK, vor Steuern macht das einen Gewinn von 740 Mio ISK, netto kamen immer noch 592 Mio ISK aufs Konto. Die Aktionäre durften sich in 2020 über eine Ausschüttung von 300 Mio ISK freuen. Hauptaktionär des Unternehmens ist Hörður Kristjánsson mit 44,5 Prozent, zweitgrösster Aktionär die Klara ehf, die zu grossen Teilen ebenfalls Hörður gehört. Die verbleibenden 19,2 Prozent stehen im Besitz von Holmfríður H. Einarsdóttir, sowie vier Prozent im Besitz zweier nicht namentlich genannter Personen.

An zwei Fakten stört sich die Ísteka ganz besonders: dass der neuen Bestimmung zufolge jetzt nur noch sechsmal statt bisher achtmal Blut gezapft werden darf, und dass die Ísteka die Auszahlungen an die Stutenbesitzer nach Hormonausbeute einstufen muss. Mit anderen Worten, eine Stute mit viel Hormongehalt soll mehr Geld für den Liter bringen. Bislang waren alle abgelieferten Blutliter gleich entlohnt worden.
Wenn das zur Durchführung komme, so Arnþór, dann vernichte es das Einkommenspotential der gesamten Branche und stoppe Entwicklung und Qualitätsmanagement, was sich zweifellos auf den Tierschutz auswirke. Die geplante Bestimmung schränke legitime Aktivitäten erheblich ein, und führe möglicherweise sogar ihr Ende herbei.

Imageschaden und Einzelfälle
Seit fast 50 Jahren gebe es die Branche, die auf wissenschaftlichen und wirtschaftlichem Boden stehe und das Wohl der Tiere im Fokus habe. Im Winter, so schreibt der Geschäftsführer, sei der Branche jedoch ein Imageschaden zugefügt worden. Im November hatte der Schweizer Tierschutzbund AWF ein Video veröffentlicht, wo mit versteckter Kamera tierquälerische Methoden und grobe Gewalt bei den Blutgewinnungsaktionen gefilmt worden waren, und das nicht nur auf einem Hof. Ísteka bezeichnete die Vorfälle im Video als “Einzelfälle”, es handle sich keineswegs um ein systematisches Problem.

Die neuen Regeln sehen nun eine Blutgewinnungsperiode von maximal sechs Wochen vor, statt bislang acht. Damit landen nur noch höchstens 30 Liter im Ísteka-Kanister, statt bislang 40. Für diese Änderung sieht Arnþór überhaupt keinen Anlass, aber durch sie werde die ganze Branche in Aufruhr geraten, denn dann gewinne man 13 Prozent weniger Hormonmenge, möglicherweise sogar noch weniger, weil der Hormonanteil im Blut der Stuten ja Schwankungen unterliegt und gegen Ende des Sommers ohnehin abnimmt.

Um Boden gut zu machen, müsse unbedingt der Bestand der Blutstuten erhöht werden, rechnet Arnþór vor, und zwar um 1500 Stuten, von 5400 auf 6900 Stuten. Damit steige natürlich auch die Belastung des Weidelandes, völlig unnötigerweise, ebenso wie die Menge an benötigtem Dünger, Diesel, Land und anderem zu kaufendem Material.

eCG-Hormon ist gut für Tierschutz und Umwelt
Die Blutbilder aus dem Ísteka-Labor zeigten, dass, dass es keinen Unterschied gebe zwischen Stuten, die oft zur Blutgewinnung benutzt werden und solcher, die seltener geholt werden. Diese menschengezogene Linie von sechs Blutgewinnungsterminen sei daher unverständlich. Arnþór sieht in der neuen Verordnung eher einen unverhohlenen Angriff auf einen einzelnen Agrarzweig. Das Gespräch um die oft beschworenen eCG-Alternativen sei verwirrend und wie der Vergleich von Kuhmilch und Mandelmilch.
Vielmehr bringe das in Island gewonnene Hormon nur Gutes für die Umwelt: die Anwendung von eCG aus Island spare der Welt bis zu einer Million Tonnen Tierfutter pro Jahr, ein Verbot habe damit grosse negative Auswirkungen auf den ökologischen Fussabdruck der Landwirtschaft in den Ländern, die das Hormon verwenden. Hinzu kämen lange Transportwege für das Futter, Arbeitsleistung, Düngebedarf. Unterm Strich, so ist der Geschäftsführer des Pharmaunternehmens überzeugt, habe isländisches Stutenhormon positive Auswirkungen auf den CO2 Ausstoss der Landwirtschaft.

Verschwinde hingegen das Hormon aus der Welt, führe dies zu einem Umwelt-GAU, und die Auswirkungen kämen in einer Grössenordnung, die die wenigsten Isländer sich vorstellen könnten. Wenn es in Island keine Blutstuten mehr gebe, dann würden sie an einem anderen Ort der Welt auftauchen, wo ihr Wohl nicht gesetzlich festgeschrieben sei.
In den Turbulenzen der vergangenen Monaten seien alle möglichen schwachen Nichtargumente gegen die Blutproduktion angeführt worden, der sich in Island ohnehin nur wenige Landwirte, sowie die Ísteka widmeten. Viele grosse Parteien seien auf die Hinterfüsse gestiegen, um die Branche zu kritisieren und all die negativen Auswirkungen an die Wand zu malen, schreibt die Geschäftsführer. Dies habe verständlichen Einfluss auf die Politiker. Der Kritik seien jedoch keine Beweise gefolgt, und so hoffe man bei der Ísteka, dass Entscheider und Behörden sich über derartige Plädoyers erhöben und ihre Entscheidungen allein auf verfügbare Fakten gründeten.

Anfang Juni waren in Reaktion auf das oben genannte Video sowie nationale und internationale Proteste die Bestimmungen für die Blutgewinnung verschärft worden. Allem voran ist die Aktivität von nun an genehmigungspflichtig, nachdem sie jahrzehntelang ungestört und ungesehen wirtschaften konnte. Da aktuelle wissenschaftliche Daten zum Gesamtblutvolumen von Islandstuten auch weiterhin fehlen, ist die erlaubte Blutmenge zur Entnahme gesenkt worden. Die Branche hat für drei weitere Jahre grünes Licht erhalten, dann läuft die Lizenz aus und man will neu über die Zukunft des Blutfarmings nachdenken.
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Neue Regel sieht vor, dass jeder Walfang filmisch dokumentiert werden muss

Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat vorgestern eine Anpassung der Walfangbestimmungen vorgelegt, welche sicherstellen soll, dass die Wale beim Töten nicht unnötig leiden. Demnach muss der gesamte Prozess von Tötung bis Anlandung filmisch dokumentiert werden. Der Ratgeber des Internationalen Tierschutzbundes und des Verbands der Walbeobachter glaubt, diese Anpassung könnte der Anfang vom Ende des Walfangs sein.

Wale seien nicht nur die grössten Tiere auf Erden, sondern hätten auch ein hochentwickeltes Nervensystem und könnten daher spüren und leiden, erklärte die Ministerin gestern in einem Radiointerview. „Es ist sehr wichtig, dass das Töten von Walen ähnlich erfolgt wie bei anderen Tieren, die Leiden verspüren können. Dem Gesetz nach dürfen wir bei den Walen keine anderen Bedingungen stellen als bei anderen Tieren. Deshalb werden ich zwei Dinge tun, ohne ein Gesetz ändern zu müssen, und ohne durch das Parlament zu müssen, mit allem was dazugehört.“

Svandís’ Regelanpassung sieht vor, dass zukünftig verpflichtend auf jedem Walfangschiff ein Besatzungsmitglied als Tierschutzbeauftragter ernannt werden muss, der bei einem Kursus bei der Veterinäraufsichtsbehörde lernt, welche Punkte beim Töten eines Wals beachtet werden müssen. Dieser Tierschutzbeauftragte an Bord muss dann das gesamte Prozedere jeder einzelnen Waljagd vom Harpunieren bis zur Anlandung in der westisländischen Zerteilstation filmisch dokumentieren. Die Videos werden anschliessend von einem Amtstierarzt bei MAST ausgewertet.

Gleiche Bedingungen für Schlachthaus und Walfänger
„Damit erhalten wir einen besseren Überblick darüber, wie das eigentlich abläuft und ob das Tierschutzgesetz greift.“ erklärte Svandís. „Ab kommenden Sommer will ich noch einen Schritt weiter gehen und einen Amtstierarzt an Bord haben, der das Prozedere mitverfolgt. Damit werden für den Walfang die gleichen Ansprüche erfüllt wie für die Schlachtung von Rindern oder Schafen – dass ihr Todestag so kurz und schmerzlos wie nur irgend möglich ausfällt.“
Zusätzlich zu diesen Massnahmen prüfe man die wirtschaftlichen Faktoren, um herauszufinden, ob sich die Waljagd volkswirtschaftlich lohnt, und ob es zu rechtfertigen sei, die oben genannte Regeländerung auch nach Ende 2023 aufrecht zu erhalten. Die derzeitige Jagdlizenz für das Unternehmen Hvalur eh. ist bis 2023 gültig. Sie habe die Regeländerung nicht im Kabinett besprochen, gab Svandís im Interview mit RÚV an, weil es sich einfach nur um die praktische Anwendung einer bereits vorhandenen Bestimmung handle, die über ihren Schreibtisch als Ministerin für Fischerei gehe.

Könnte der Anfang vom Ende sein
Sigursteinn Másson, der Ratgeber des internationalen Tierschutzbundes und des Verbandes der Walbeobachter in Island begrüsst die Initiative der Ministerin. Seiner Ansicht nach wird dies dazu führen, dass die Jagd auf Grosswale bald der Vergangenheit angehören wird. Noch besser wäre allerdings gewesen, wenn der Amtstierarzt schon jetzt an Bord der Walfänger gehen müsse.
“Aber das ist ganz klar ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist sehr wichtig, dass dort die ganze Zeit gefilmt werden muss, während der Jagd und bis der Wal in der Zerteilstation an Land gezogen wird.” Ein Seemann aus der Mannschaft sei nur mit den Videoaufnahmen befasst. Die Veterinäraufsichtsbehörde müsse sich darum kümmere, dass dies mit soviel Anstand wie möglich passiere.

Neue Regelung liefert handfeste Beweise
Sigursteinn kritisierte das Festhalten an der Jagd auf Finnwale, die er für unwirtschaftlich hält und weist auf Untersuchungen auf Norwegen hin, wonach der Todeskampf eines Finnwals bis zu 25 Minuten dauern kann, nachdem die Harpune mit vier Kilogramm Sprengstoff im Wal gelandet ist. “Das ist natürlich absolut unbefriedigend.”
Im Jahr 2014 hatte die Fischereibehörde eine Studie zur Länge des Todeskampfes von Finnwalen für das Ministerium für Fischerei angefertigt. Nach dieser Studie dauerte der Todeskampf von acht (aus 50) Walen zwischen sechs und 15 Minuten, weil nachgeschossen werden musste. Die Ergebnisse der Studie hatten damals keine Konsequenz gehabt.
Die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, sagte RÚV gegenüber, es gebe keine Hinweise darauf, dass in Island beim Walfang das Tierschutzgesetz nicht befolgt werde. Allerdings sei es bislang schwierig gewesen, einen Beweis abzuliefern, dass man sich an das Gesetz halte. Die neuen Regeln schafften genau da Abhilfe.