Hubschrauber rettet Wanderer nach Eingang von französischem Notrufsignal

Kjölur, highlands

Ein Hubschrauber der isländischen Küstenwache hat gestern Abend zwei französische Bergwanderer in der Nähe der Gæsavötn am Nordrand des Vatnajökull an Bord genommen. Die Leute waren nass und ausgekühlt, aber unverletzt. Der Hubschrauber war von der nordisländischen Polizei angefordert worden, bei der um die Mittagszeit die Nachricht einer französischen Notfallhotline eingegangen war, dass im Hochland nördlich des Vatnajökull ein Notrufsignal empfangen worden sei, berichtet RÚV.

Bei Überprüfung der Sachlage stellte sich heraus, dass der Sender sich in der Nähe der Berghütte an den Gæsavötn befand. Die Polizei versuchte mehrfach, jedoch ohne Erfolg, Kontakt zu dem offensichtlich französischen Absender des Signals aufzubauen, der zu Wochenbeginn vom Mývatnssveit aus ins Hochland aufgebrochen war.
Das Gebiet ist zur Zeit noch schlammig und für Fahrzeuge kaum befahrbar, daher forderte die Polizei Rettung aus der Luft an. Ausserdem wurde zur Koordinierung ein Einsatzzentrum in Húsavík eröffnet, und die Rettungskräfte aus dem Mývatnssveit, Reykjadalur und Aðaldalur aktiviert, falls doch über Land hätte gefahren werden müssen.

Wandergebiet schlammig und nass
Der Hubschrauber erreichte die Gæsavötn gegen 20 Uhr und sammelte die nassen Touristen ein. Sie wurden nach Reykjavík geflogen.
Nach Angaben der Polizei war das Wetter der vergangenen Tage alles andere als wanderfreundlich, die Temperaturen hatten unter dem Gefrierpunkt gelegen, dazu kamen steifer Wind aus Nord, Regen, Schneematsch und Schneefall.

Wer sich in Island zum Wandern ins Hochland begibt, tut gut daran, sich über die Wetterbedingungen zu informieren und gegebenenfalls seine Pläne zu ändern.  Die Wettervorhersage findet man auf vedur.is.
Bei safetravel gibt es die Möglichkeit, die geplante Wanderroute registrieren zu lassen, damit man im Notfall schneller gefunden werden kann.

Walfangsaison hat begonnen, die ersten beiden Wale angelandet

whaling Hvalur hf

Nachdem vorgestern zwei Walfangschiffe des Unternehmens Hvalur hf. zur diesjährigen Fangsaison ausgelaufen waren, ist gestern bereits der erste Wal erlegt worden, ein 59 Meter langer Finnwal. Ein weiterer Wal wurde in der Walfangstation im Hvalfjörður am Abend erwartet.
Seit vier Jahren hat in Island kein kommerzieller Walfang mehr stattgefunden, nur im Jahr 2021 war ein Zwergwal getötet worden. Die Walfanglizenz des Unternehmens läuft im kommenden Jahr aus, und die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Svandis Svavarsdóttir, hatte angedeutet, dass es danach keinen Walfang mehr geben könnte.

Die diesjährige Quote liegt nach Empfehlungen des Marineforschungsinstitutes bei 161 Finnwalen und 217 Zwergwalen. Diese Quote basiert auf Berechnungen der nordatlantischen Meeressäugerkommission und der internationalen Walfangkommission. RÚV zufolge ist der Bestand der Finnwale in isländischen Gewässern seit 1987 kontinuierlich gestiegen. Im CITES-Register ist diese Spezies jedoch weiterhin als “gefährdet” gelistet. Seit 2018 befindet sich der Zwegwal in der Kategorie weniger gefährdet der IUCN Roten Liste.

Im Clinch mit MAST
Die Fangsaison dauert von Juni bis Ende September und bringt um die 150 Arbeitnehmer in Lohn und Brot, sie sind auf den Schiffen, in der Zerteilstation im Hvalfjörður und in der Fabrik in Hafnarfjörður tätig.
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte angegeben, der Hauptgrund für das Aussetzen des Walfangs in den letzten vier Jahren liege in den Streitigkeiten zwischen dem Unternehmen und der Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST in Bezug auf die Zerteilstation. Dort werden die getöteten Wale unter freiem Himmel zerteilt. Kristján hatte auch schon mal die Marktlage für Walfleisch und die COVID-Pandemie als Gründe angeführt.

Hvalur hf. in den Schlagzeilen
Das Unternehmen hatte sich in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen wiedergefunden. Einen öffentlichen Aufschrei hatte es gegeben, als in 2018 ein trächtiges Finnwalweibchen und ein seltener Hybridwal erlegt wurden. Nachdem in den Jahren 2014, 2015 und 2018 keine Logbücher über die Jagdaktivitäten vorgelegt worden waren, stand zur Debatte, dass Hvalur hf seiner Lizenz verlustig gehe. Zudem war es von drei seiner Aktionäre und von Antiwalfangaktivisten angezeigt worden.

Letzte Fangsaison?
Anfang des Jahres hatte die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir, angegeben, sie sehe nur wenig Grund, die Walfanglizenz nach deren Auslaufen in 2023 zu erneuern. In einem Beitrag im Morgunblaðið hatte sie seinerzeit ihrem Zweifel Ausdruck verliehen, dass der Walfang Island kommeerziellen Nutzen bringe. Auch die Fangmethode habe negative Auswirkungen auf die Nation, selbst wenn das schwer zu beziffern sei. Die Wale werden mit Sprengladungen harpuniert. Experten und Tierschützer gehen nach Beobachtungen und Messungen auf hoher See von einem bis zu halbstündigen Todeskampf der Meeressäuger aus.  Eine von Svandís gegründete Arbeitsgruppe soll noch in diesem Jahr ein Gutachten über den ökonomischen Nutzen und die sozialen Auswirkungen des Walfanges erstellen.