Bergfrau am Unabhängigkeitstag 2022 ist ausländischer Herkunft

Heute ist der isländische Nationalfeiertag. Bei den Festlichkeiten ist es Tradition, dass die Bergfrau, nach einer aus der Romantik stammenden Idee der Personifizierung Islands, eine Ansprache hält. Die gewählte Person für die Rolle der Bergfrau ist gerne Gegenstand von Debatten, auf jeden Fall ist es eine grosse Ehre, erwählt zu werden.

In diesem Jahr wurde Sylwia Zajkowska die Ehre zuteil. Die gebürtige Polin lebt seit Jahren in Island und arbeitet als Schauspielerin im Puppentheater Handbendi. Sie trug ein Werk der Dichterin Brynja Hjálmsdóttir vor.

Bergfrau wurde am Unabhängigkeitstag geboren und ignoriert
Den ersten Auftritt der Bergfrau hatte es im Jahr 1924 in der isländischen Gemeinschaft im kanadischen Winnipeg gegeben. Seit der Unabhängigkeit Islands im Jahr 1944 tritt die Bergfrau stets am Nationalfeiertag 17. Juni mit einer Ansprache vor die Öffentlichkeit.
Die erste Bergfrau Islands war die 18-jährige Enkeltochter von Hannes Hafstein. Als es soweit war, wurde sie jedoch nicht auf die Bühne gerufen, angeblich weil das Wetter zu schlecht sei. Die Frauenrechtlerin Rannveig Kristjánsdóttir kritisierte damals die offenbar beabsichtigte Abwesenheit der Bergfrau bei den Feierlichkeiten als Symbol für die Stellung der Frau und ihre Unsichtbarkeit in der Politik.

Mit Aldís Amah Hamilton erhielt im Jahr 2019 die erste ausländische Mitbürgerin in der Hauptstadt die Ehre, als Bergfrau aufzutreten. In Hafnarfjörður hatte schon 2002 Brynja Muditha Dan Gunnarsdóttir die Ansprache gehalten.

14-köpfige Bergsteigergruppe vom Vatnajökull gerettet

Am frühen Abend ist eine der umfangreichsten Rettungsaktionen am Gletschermassiv Vatnajökull glücklich zuende gegangen. Rettungskräfte aus dem Süden und Osten des Landes hatten bei schlechtem Wetter eine 14-köpfige Bergsteigergruppe vom Gletscher geholt.
Die 12 Bergsteiger aus Polen in Begleitung zweier isländischer Bergführer befand sich auf dem Abstieg von Islands höchstem Berg, dem Hvannadalshnjúkur im Öræfi, als ihr GPS-Gerät Schaden erlitt und sie vom Weg abkamen.

Acht Stunden Warten auf Rettung
Der Notruf war gestern am Spätnachmittag eingegangen. In Absprache mit Polizei und den Rettungseinheiten blieb die Gruppe wo sie war, derweil machten sich Einsatzkräfte mit Motorschlitten auf den Weg in die Berge. Wie RÚV berichtet, erreichten die Retter die erschöpften Bergsteiger mit Essen und warmen Decken gegen Mitternacht.
Da das Wetter weiterhin sehr schlecht war und Gefahr bestand, dass die Leute auf den Motorschlitten weiter auskühlten, gruben die Rettungskräfte Schneehütten und setzten Zelte auf, wo die Bergsteiger wettergeschützt warten konnten. Währenddessen näherten die Einsatzfahrzeuge sich vom Tal aus, und wetterbedingt ging es da nur langsam voran.

Um vier Uhr morgens machten sich Bergsteiger und Rettungskräfte sich schliesslich auf den langen und schwierigen Weg zum Treffpunkt mit den Fahrzeugen und ins Tal, und von dort nach Höfn im Hornafjörður. In Höfn war eine Auffangstation errichtet worden, wo es warme Suppe für alle gab.
Insgesamt sind mehr als 130 Einsatzkräfte an der Rettungsaktion beteiligt gewesen. Ein Freiwilliger bezeichnete die Bedingungen am Gletscher als ausgesprochen schwierig.