Ernährungsbedingter Jodmangel durch veränderte Essgewohnheiten

Fish Shop Nanna Rögnvaldardóttir fiskur

Isländer essen lange nicht mehr soviel Fisch und Milchprodukte wie in früheren Zeiten, daher kommt Jodmangel heute weitaus häufiger vor als früher, berichtet RÚV. Ernährungsfachleute zeigen sich über diese Situation besorgt, denn bei schwangeren Frauen kann Jodmangel zu Entwicklungsverzögerungen des Embryo führen.
Fisch und Milchprodukte sind die Hauptquellen für Jod, wenn man in industriellen Ländern lebt. Die Ernährungsphysiologen betonen die Wichtigkeit der Jodeinnahme vor allem während der Schwangerschaft, denn Kinder, die im Mutterleib nicht genügend Jod erhalten haben, zeigen schlechtere Resultate bei den Vorsorgeuntersuchungen. In manchen Ländern wird jodiertes Salz in fertigen Backwaren benutzt, um einer Bevölkerung, die kaum noch Fisch oder Milchprodukte zu sich nimmt, das lebenswichtige Jod durch die Hintertür zu verabreichen. Diese Möglichkeit prüft man derzeit auch in Island, sie könnte aber eigene Probleme schaffen. Wenn den Backwaren und Broten künstlich Jod zugesetzt würde, dann laufen Kleinkinder Gefahr, zuviel Jod zu konsumieren.

Kurzer Abriss der isländischen Altagskost
Die typisch isländische Alltagskost war im Jahr 1939 zum ersten Mal genauer untersucht worden. Professor Júlíus Sigurjónsson fand damals heraus, dass der Ort wo ein Mensch sein Leben verbringt, in der Regel bestimmt, was er zu sich nimmt. Júlíus’ Erhebungen zufolge konsumierten an der Küste lebende Isländer sehr viel Fisch, wohingegen Isländer, die im Inland lebten, grosse Mengen an Milch zu sich nahmen.
Die nächste grössere Studie zu Ernährungsgewohnheiten der Isländer fand erst 1990 statt. Zu dem Zeitpunkt hatte der Lebensstil der Bevölkerung einen unglaublichen Wandel durchlaufen, und ihre Alltagskost erzählte davon: Beinahe die gesamte Energie in den 90ger Jahren stammte aus Protein und Fett. Ein Isländer verzehrte im Durchschnitt ein halbes Kilo Milchprodukte und vier Scheiben Brot pro Tag. Wasser stand nur an vierter Stelle bei den Getränken, nach Kaffee (vier Tassen pro Tag im Durchschnitt), Milch und süsse Softdrinks. Die Cholesterolwerte waren hoch und koronare Erkrankungen auf dem Vormarsch. Gleichzeitig konsumierten die Isländer proportional aber immer noch die grösste Fischmenge in ganz Europa.

2002 – 2010
Eine Folgestudie im Jahr 2002 zeigte noch dramatischere Verschiebungen: zu dem Zeitpunkt waren Fisch, Milch und Kartoffeln bei den meisten Isländern durch Gemüse, Frühstückscerealien und Nudeln ersetzt worden. Die Bevölkerung hatte auch eine Vorliebe für Schweinefleisch und Hühnchen entdeckt. Diese beiden Fleischsorten hatten zuvor kaum auf dem Speisezettel gestanden. Jugendliche tranken nicht mehr einen halben Liter Limonade, sondern einen ganzen Liter.
Im Jahr 2010 schienen sich die Essgewohnheiten der Isländer dann wieder in die richtige Richtung zu ändern. Die Leute assen mehr Obst, Gemüse, unbehandeltes Brot und nahmen Fischöl zu sich. Proteindrinks wurden die Hauptquelle für Eiweiss. Der Konsum von süssen Limonaden ging zurück, auch wenn zuckerfreie Limonaden weiterhin beliebt waren. Der Milchkonsum ging zurück.

2019 – 2021
Die letzte Erhebung zu isländischen Essgewohnheiten wurde in den Jahren 2019 bis 2021 durchgeführt. Sie zeigt, dass der Obstkonsum abnimmt, dafür steigt der Konsum von gesättigten Fettsäuren. Das Gesundheitsamt empfiehlt, nicht mehr als 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs durch gesättigte Fettsäuren zu decken, doch der Studie ist auch zu entnehmen, dass sich gerade mal zwei Prozent der Landsleute daran halten. Vollkornbrot etwa gibt es erst seit kurzem im ganzen Land zu kaufen. Ernährungsfachleuten zufolge haben Isländer inzwischen die Möglichkeit, nicht nur mehr Vollkornprodukte, sondern auch Bohnen, Nüsse und Saaten zu sich zu nehmen. Der geringe Konsum von Ballaststoffen erregt Besorgnis.

“Wenn wir uns die häufigsten Gründe für vorzeitige Todesfälle anschauen, dann ist der Mangel an Ballaststoffen einer der ausschlaggebenden Faktoren,” sagt Jóhanna Eyrún Torfadóttir, eine Ernährungsspezialistin beim Gesundheitsamt. “Wenn das Muster von viel gesättigten Fettsäuren und wenig Ballaststoffen weiter anhält, steigt das Risiko für Krebserkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Typ 2 Diabetes – unsere schwersten Langzeiterkrankungen, die die meisten Todesfälle verursachen.”

Vielseitige Ernährung, grosses Speiseangebot
Heutzutage ist der isländische Speisezettel vielseitiger als in der Vergangenheit. Viele Isländer leben vegan oder vegetarisch, andere verfolgen Low-carb und andere Diäten. Damit wird es für das Gesundheitsamt schwieriger, Ernährungsempfehlungen für die Bevölkerung zu veröffentlichen, so wie es einst gehandhabt wurde.
So bleibt es bei der generellen Empfehlung, sich abwechslungsreich und von moderaten Portionen zu ernähren. Dazu gehören Obst und Gemüse, mehr Vollkornprodukte, zwei bis dreimal pro Woche Fisch, und Fleisch in Maassen. Empfohlen werden fettreduzierte Milchprodukte und ungesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker in Masssen, sowie die tägliche Zufuhr von Vitamin D.

.