MAST legt neue Bestimmungen für Blutgewinnung vor

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat neue Bestimmungen für die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten für das Jahr 2022 veröffentlicht.
Wie das Bændablaðið berichtet, darf der Tierarzt darf nur noch bei drei Stuten gleichzeitig Blut ablaufen lassen, eine Herde darf statt 100 Stuten nur noch 70 Stuten umfassen, und das Höchstalter für Stuten zur Blutgewinnung wurde auf 24 Jahre festgelegt.  Ausserdem muss der Tierarzt sofort mit der Blutentnahme aufhören, wenn das Pferd sichtbar leidet oder Angst hat. Verletzungen müssen sofort behandelt werden, im Notall muss sofort euthanaisiert werden. Zusätzlich gibt es verschärfte Anforderungen für die interne Betriebskontrolle, so sollen ab jetzt etwa sämtliche Vorkommnisse, wie Krankheitsfälle und Todesfälle von Stute oder Fohlen notiert werden. Auch Vorkommnisse bei der Blutabnahme, wie Angst oder Stress, müssen festgehalten werden. Ausserdem soll der Hämoglobinwert regelmässig kontrolliert und den Fohlen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Diese neue Buchführung ist MAST einmal jährlich abzuliefern.

Blutgewinnung schadet nicht der Gesundheit

Die Behörde ist der Ansicht, dass die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten, so wie sie in Island nach Gesetzen, Bestimmungen und Voraussetzungen von MAST durchgeführt wird, nicht gegen das Gesetz zum Tierwohl Nr. 55/2013 verstösst.
Sie sieht auch keine Hinweise darauf, dass die entnommene Blutmenge zu hoch sei. Es gebe keine negativen Auswirkungen auf den Bluthaushalt der Stuten.
Im Winter hatten zwei Schweizer Tierärzte die Gesamtmenge von 40 Litern pro Stute und Sommer scharf kritisiert. International anerkannte Daten legen nahe, dass die Menge für eine Islandstute viel zu hoch ist, zumal wenn sie tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat.

Die schwerwiegenden Vorfälle, die zwei Tierschutzorganisationen auf Video gebannt hatten, riefe nach Reaktion und vermehrter Kontrolle. In den Videoaufnahmen war zu sehen, wie Stuten sowohl von Helfern als auch von Tierärzten während Aufstallung und Blutgewinnung wiederholt zum Teil schwer misshandelt wurden. Gegen die namentlich bekannten Personen hatte es keine Ermittlung wegen Tierquälerei gegeben. Wie schon einige Male zuvor hatte das Pharmaunternehmen Ísteka stattdessen Verträge mit einzelnen Höfen aufgekündigt.

Mehr Kontrolle, bessere Haltung
Von den 2340 Pferdezuchten in Island betreiben 119 die Blutwirtschaft. In etwa zehn Prozent der Fälle sei es in den letzten fünf Jahren laut MAST zu schwerwiegenden Vorfällen in der Pferdehaltung gekommen, zumeist ging es dabei um mangelnde oder fehlende Fütterung im Winter.
Im vergangenen Jahr hatte auf 782 Höfen eine Kontrolle stattgefunden. Allerdings erfolgt die MAST-Kontrolle über das Jahr verteilt, während die Inspektion  der Blutgewinnung selbst durch die agierenden Tierärzte der Ísteka als betriebsinterne Eigenkontrolle betrieben wird. MAST hatte im letzten Jahr bei der Blutstutenhaltung nichts zu beanstanden gefunden. Die gefilmten Vorfälle hatten sich auf mehreren Höfen während der Blutgewinnung ereignet, als die betriebsinterne Kontrolle der Ísteka hätte greifen müssen.
Laut MAST haben in den letzten fünf Jahren acht Höfe ihren Betrieb eingestellt, sowie drei weitere nach Beschwerden in den Jahren 2017, 2019 und 2020.

Arbeitsgruppe unter Zeitdruck, Ansichten unterschiedlich
Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte zu Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Grundlagen des Gewerbes prüfen soll. Sie hat der Ministerin bis zum 1. Juni ein Ergebnis vorzulegen. In der Arbeitsgruppe befinden sich unter anderem ein Ethikprofessor, sowie eine Tierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde, die die Blutgewinnungspraktik verteidigt.
Gestern hatte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses angegeben, er glaube nicht, dass zum Thema Blutstuten vor der Sommerpause eine Entscheidung falle, weil die Ansichten gar zu verschieden seien.
Auch vom Pferdezuchtverband waren gestern noch einmal mahnende Worte gekommen, der Verbandsvorsitzende Sveinn Steinarsson hatte vor der Arbeitsgruppe angegeben, die Blutstutenbranche sei in Island weitaus mehr gewachsen als wünschenswert ist, und viele Züchter befürchteten, dieser Wirtschaftszweig könnte der Reitpferdezucht und dem Image Islands als Pferdeland Schaden zufügen.

Vertrauen in die Regierung fällt nach Bankenskandal

Wenn heute Wahltag wäre, dann würde die Regierungskoalition 12 ihrer 38 Sitze und damit die Mehrheit verlieren. Die drei Regierungsparteien Linksgrüne Bewegung, Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei würden nur noch 26 Parlamentssitze erringen. Für eine Mehrheit sind aber 32 Sitze nötig. Diese aktuellen Zahlen stammen aus einer Umfrage von Prósent für das Fréttablaðið.

Alle drei Regierungsparteien verlieren Stimmen
Sieben Monate nach der letzten Parlamentswahl und fünf Monate seit Ernennung des Kabinetts haben alle drei regierenden Parteien an Gefolgschaft eingebüsst, fand die Umfrage heraus. Den grössten Absturz erlebte die Unabhängigkeitspartei, von 24,4 Prozent auf 17,9 Prozent. Die Fortschrittspartei wird von 12,4 Prozent der Wähler unterstützt, zuvor von 17,3 Prozent. Premierministerin Katrín Jakobsdóttirs Partei der Linksgrünen ist von 12,9 Prozent auf 9,6 Prozent in der Umfrage gefallen.

In der Opposition herrscht hingegen Aufwind, hier haben sowohl die Piratenpartei als auch die Sozialdemokratische Allianz seit den Wahlen kräftig aufgeholt, und auch die Reformpartei geniesst mehr Unterstützung als zuvor – sie liegt inzwischen gleichauf mit den Linkgrünen. Die Volkspartei und die Zentrumspartei büssten seit vergangenem Herbst Unterstützung ein. Die Sozialistische Partei, die bei den Wahlen keinen Parlamentssitz erringen konnte, würde drei Sitze gewinnen, wenn heute gewählt würde.

70 % haben kaum Vertrauen in Finanzminister
Einer anderen Studie von Maskína zufolge hat das Vertrauen in die Kabinettsminister seit dem vergangenen Jahr sehr nachgelassen. Die Zahl der Befragten, die angaben, Finanzminister Bjarni Benediktsson zu vertrauen, fiel von 37 Prozent auf 18 Prozent. Mehr als sieben von zehn Befragten gab an, kein oder nur sehr geringes Vertrauen in Bjarni zu hegen.
Das mag mehrere Gründe seit der Regierungsübernahme haben, der grösste ist sicher im hochumstrittenen Aktienverkauf der Íslandsbanki zu finden. Die Art und Weise, wie die Regierung sowohl den Verkauf als auch die Nachlese betrieben hat, brachte ihr scharfe Kritik aus der Opposition und öffentliche Proteste und Demonstrationen der Bevölkerung ein. Aber auch die rassistische Bemerkung von Kabinettskollege Sigurður Ingi Jóhannsson dürfte dem Ansehen der Regierung geschadet haben.

 

Islands Wildnis liegt jetzt als detaillierte Karte vor

Hálendi Landmannalaugar Highland Iceland

Wissenschaftler haben die isländische unbewohnte Wildnis jetzt detaillierter als je zuvor kartographiert. Eine neue Studie zu dem Projekt, welches beim Wildland Research Institute (Wri) für die isländische Initiative Óbyggð kortlagning angefertigt wurde, stellt Information zur Verfügung, die dem Gesetzgeber und Naturschützern dabei helfen kann, diese Regionen in ihrer bestmöglichen Form zu bewahren. Vorangegangene Studien für das Wildnisregister der Europäischen Union hatte aufgezeigt, dass Island mit seinen 43 Prozent Wildnis an der Spitze aller europäischen Länder thront.
Etwa die Hälfte des zentralen Hochlandes fallen unter den Begriff der unbewohnten Wildnis. In der Studie wird diese Region in 17 Gebiete unterteilt. Ein Drittel der unbewohnten Wildnis, die für das Projekt kartiert worden war, befindet sich in privatem Besitz, zwei Drittel sind öffentliches Land. Die Kartographierung war nach internationalen Standards durchgeführt worden.

Kartographierung wichtig für organisierten Naturschutz
WRi Direktor Dr. Steve Carver gab RÚV gegenüber an, es sei wichtig für die Isländer, ganz klar zwischen Wildnis und anderen Regionen unterscheiden zu können, zumal Wildnisregionen weltweit auf dem Rückzug seien. Islands Wildnis wird damit immer wertvoller.

“Wenn wir uns die Ziele für Biodiversität nach 2020 anschauen, dann liegt die erste Priorität beim Schutz der übriggebliebenen unzerstörten Gebiete,” erklärte Dr. Carver. “Deswegen müssen sie kartographiert werden. Sobald einmal auf der Karte eine Linie gezeichnet wurde, kann man sie in einen rechtlichen Zusammenhang bringen, im isländischen Gesetz in Bezug auf den Naturschutz. Dann kann man Entscheidungen treffen, wo gebaut werden darf, wo Hochspannungsleitungen verlegt werden, und wo Kraftwerke gebaut werden können, um diese wichtige Resource nicht zu zerstören.”
Das isländische Naturschutzgesetz Nr. 60/2013 verlangt die Kartierung der gesamten Insel bis zum Juni 2023.

Kraftwerksprojekte bedrohen die Wildnis
Die Studie nennt vier historische Gefahren für die Wildnis: Auswirkungen durch die Infrastruktur von Geothermal- und Wasserkraftwerken, Tourismus, Allradfahren als Freizeitvergnügen, und Offroadfahren. “Diese Faktoren haben in den letzten 80 Jahren zu einer stetigen Abnutzung von Wildnisarealen geführt. Viele dieser Bedrohungen gehen Hand in Hand mit dem weiteren Ausbau der Stromerzeugung und der damit verbundenen Übertragungsinfrastruktur.“ heisst es in dem Bericht.
Vorschläge, die Wasserkraft, Geothermie und Windkraft im zentralen Hochland noch weiter auszubauen, seien „besonders besorgniserregend,“, so die Autoren des Berichts, weil sie „alle in der Lage sind, die Qualität der Wildnis weitreichend negativ zu beinflussen.“
Den vollständigen Bericht findet man hier.