Heisswassermangel in Selfoss bremst Bautätigkeit

Die aktuelle Bautätigkeit in der Gemeinde Árborg in Südisland, vor allem der Stadt Selfoss, führt dazu, dass das örtliche Wasserwerk mit der Heisswasserversorgung an seine Grenzen kommt, berichtet mbl.is. Im schlechtesten Fall kann es zu Verzögerungen bei bereits genehmigten Bauprojekten kommen, sowie bei Vorhaben, die kurz vor der Genehmigung stehen. Auch die Ausweisung von neuen Baugebieten könnte sich verzögern. Das Selfosser Wasserwerk arbeitet derzeit an neuen Bohrlöchern und sucht zusätzlich nach weiteren Heisswasservorkommen.
Nach Angaben der Umwelt- und Baubehörde Árborg gilt ein Grundstück erst nach der vollen Erschliessung als bebaubar. Dennoch waren 549 Wohnungen bereits genehmigt worden, ohne dass sie an die Heisswasserversorgung angeschlossen waren.

Ausweisung von Baugebieten verzögert
In einem Schreiben der Umwelt- und Baubehörde wird vorgeschlagen, die Genehmigung weiterer Bauvorhaben solange auszusetzen, bis die Erschliessung der Grundstücke erfolgt ist. Bei einer Sitzung gestern wurde kritisiert, dass die Infrastruktur der Gemeinde angesichts des grossen Bevölkerungszuwachses vernachlässigt worden sei. Auch habe es Verzögerungen bei der Bautätigkeit gegeben. Die Stadt könne erst mal keine neuen Baugrundgebiete ausweisen.

Vom Wasserversorger hiess es, man arbeite derzeit daran, zwei Bohrlöcher an die Förderung anzuschliessen, um damit die bereits genehmigten Gebiete zu versorgen. Von dort komme genügend Heisswasser. Allerdings könne es zu einem Strommangel kommen, falls man keine neuen Heisswasservorkommen finde. Zur Zeit wird an drei Stellen nach heissem Wasser gesucht.

Doch nicht nur in Selfoss arbeiten die Baukräne rund um die Uhr, auch in Hella und Hvolsvöllur wird kräftig gebaut. In Hella entstehen zur Zeit 110 Wohnungen und 11 Gewerbehäuser. Allein in dieser kleinen Stadt soll diesen Sommer in 17 Strassen gebaut werden.

Bevölkerung Islands wächst weiter
Die Einwohnerzahl der Insel vom 1. Januar 2022 betrug nach Angaben des Statistischen Amtes 376.248 Personen, und ist um zwei Prozent oder 7.456 Personen seit dem Vorjahr gestiegen. Darunter befinden sich 193.095 Männer und 183.153 Frauen. Die Zahl der ansässigen Männer stieg zwischen den Jahren um 2,1 Pozent, die der Frauen um 1,9 Prozent.
In Grossraum Reykjavík (Hafnarfjörður bis Mosfellsbær) leben zur Zeit 236.518 Personen, das sind 63 Prozent der Gesamtbevölkerung. Hinzugekommen sind seit dem dem letzten Jahr 4.354 (1,8%).

Den meisten proportionalen Zuwachs aller Landesteile erlebte das Südland, hier zogen 1049 Personen oder 3,3 Prozent zu. Auch in Suðurnes entwickelte sich die Bevölkerungszahl proportional mit 3,2 Prozent (913 Personen) nach oben. Weitaus geringer sieht das Bevölkerungswachstum im Westen (1,9%), Nordland (1,8%), Ostisland (1,7 %) und den Westfjorden (1,4%) aus. In den Nordwesten zog es innerhalb einen Jahres nur fünf Personen (0,07%)

 

Polizei bedauert irrtümliches Anhalten eines dunkelhäutigen Jungen

Die isländische Polizeibehörde hat gestern Abend eine Erklärung an die Medien herausgegeben, nach der die Behörde es bedauere, dass ein unschuldiger, dunkelhäutiger Teenager in einen Einsatz der Spezialeinheit der Polizei verwickelt wurde.

Die Polizei hatte einen Hinweis aus der Bevölkerung erhalten, nachdem sich ein zur Fahndung ausgeschriebener 20-jähriger Mann in einem Bus des öffentlichen Nahverkehrs aufhalte. Als die Mitglieder der Spezialeinheit den Bus anhielten und in den Fahrgastraum eindrangen, stellte sich heraus, dass es sich nicht um den Gesuchten handelte. Mitreisende gaben an, der versehentlich angehaltene Junge sei nach dem Vorfall so verängstigt gewesen, dass sie ihm ein Taxi rufen mussten, damit er nach Hause fahren konnte.
Bei der isländischen„sérsveit“ handelt es sich um eine schwerbewaffnete Einsatztruppe, normale Polizisten sind in Island unbewaffnet unterwegs.

Befürchtung, wegen des Aussehens festgenommen zu werden
Die Mutter des 16-jährigen Jungen äusserte sich zu dem Fall in einem Facebookbeitrag und kritisierte die Polizei scharf für die Vorgehensweise. Sie drückte ihre ernste Besorgnis darüber aus, dass junge Angehörige von Minderheitsgruppen jetzt befürchten könnten, aufgrund ihres Aussehens irrtümlich festgenommen zu werden.

In ihrer Erklärung liess die Polizei wissen, sie werde auf die Äusserungen aus dem Gespräch mit der Mutter reagieren. Ausserdem plane man ein Gespräch mit der Öffentlichkeit über Vorurteile.
Die Suche nach gefährlichen Personen dürfe nicht dazu führen, dass Angehörige von Minderheiten verunsichert werden oder befürchten müssten, dass Mitreisende grundlos Anzeige bei der Polizei erstatten.
Des weiteren wurden rassistische Kommentare auf Beiträge der Polizei in den sozialen Medien beseitigt und die Beiträge für weitere Kommentare gesperrt. Sachdienliche Hinweise zu dem Vorfall können auch weiterhin unter der Nummer 112 zu Protokoll gegeben werden.

upate 12.30 Uhr

Wie um die Mittagszeit bekannt wurde, hat die Polizei den gleichen Jungen ein weiteres Mal angehalten, diesmal ereignete sich der Vorfall heute in einer Bäckerei, und die Mutter des Jungen befand sich neben ihm. Ihrer Aussage nach halte der Junge sich nun zuhause auf, wie ein Gefangener im eigenen Heim, weil er nicht mal zusammen mit ihr sicher sei.
Die Polizei äusserte sich nicht zu dem Vorfall und verweist auf ihre Erklärung von gestern Abend.

 

Behörden sollten gegen Hassrede aktiv werden statt zu schweigen

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Wenn Hassrede keine Konsequenzen für den hat, der sie in Island von sich gibt, dann könnte das als Zeichen gelten, dass Hassrede akzeptabel ist, glaubt die Anthropologin und Assistenzprofessorin für Polizeiwisssenschaften, Eyrún Eyþórsdóttir. Eyrún sagte RÚV gegenüber, nun liege es in der Hand der isländischen Behörden, konkrete Massnahmen gegen Hassrede zu ergreifen.
Das isländische Nachrichtenmagazin Kjarninn hatte vorgestern ein Interview mit der Ersatzparlamentarierin Lenja Rún Taha aus dem Internet genommen, nachdem der Artikel in den sozialen Medien mit einer Flut von persönlichen Angriffen gegen Lenya Rún kommentiert worden war, darunter hatte es auch auch rassistische Äusserungen und Hassrede gegeben.
In dem Interview beschrieb Lenya Rún die Respektlosigkeit und den Rassismus, gegen den sie in Island als Person mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit zu kämpfen hat.
„Die Tatsache dass Leute unter ihrem eigenen Namen (in den sozialen Medien) erscheinen und sich in dieser Weise ausdrücken, das kann vielleicht auf den Umstand zurückgeführt werden, dass es bislang in Island nur wenig Konsequenzen für  Personen gegeben hat, die Hassrede nutzen,“ erklärt Eyrún. „Vielleicht hat es für Hassrede ein Beispiel gegeben, und wenn das dann so stehengelassen wird, dann schafft das eine gewisse Anerkennung, dass das auch so sein darf.“

Kein Kommentar von Behördenseite zu hören
“Von der Obrigkeit ist nichts zu hören gewesen, sie haben diese Art von Hass nicht verurteilt, der da gegen bestimmte Mitglieder der Gesellschaft ausgeteilt wurde, und das ist eine Schande.” beobachtet die Wissenschaftlerin. “In vielen Ländern haben die Behörden Pläne und Geld bereitgestellt, sie haben Task Forces innerhalb der Polizei gegründet, und all sowas, weil auf die Bekämpfung von Hassrede ein starker Schwerpunkt gelegt wird.”
Eyrún hatte zuvor ein solches Team innerhalb der Hauptstadtpolizei geleitet, doch die Abteilung ist abgeschafft worden.

Der Vorfall rund um das Interview mit der Parlamentarierin kam nur kurz nach einer rassistischen Bemerkung von Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson auf einer Jahrestagung des Bauernverbandes im letzten Monat. Sigurður Ingi war beschuldigt worden, den parlamentarischen Ethikkodex mit seiner Bemerkung verletzt zu haben. Ausser einer öffentlichen Entschuldigung auf seiner Facebookseite war von dem Minister weiter dazu nichts gekommen, und er hatte es abgelehnt, sich zu dem Vorfall zu äussern.

“Hassrede ist so gestaltet, dass je bekannter und mächtiger die Menschen sind, die sie verwenden, desto schlimmer ist ihre Wirkung in der Gesellschaft,“ sagt Eyrún. Das könne dazu führen, dass andere den Sprachgebracuh übernehmen, „weil sie glauben, dass wenn politische Führer einer Nation sich erlauben, so zu reden, dann ist das in Ordnung.“

 

Vierte COVID-19 Impfung für über 80-Jährige

Chief Epidemiologist Þórólfur Guðnason

Islands Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hat entschieden, den über 80-Jährigen im Land eine vierte Impfdosis gegen die COVID-19 Erkrankung anzubieten, sowie allen Bewohnern von Pflegeheimen, berichtet Vísir. Diese Entscheidung beruht auf Daten aus dem Ausland, die zeigen, dass COVID-Infektionen bei älteren Menschen zu schwereren Verläufen führen, selbst wenn die Patienten dreimal geimpft worden waren.

Þórólfur erwartet, dass die Infektionsrate im Sommer auch weiterhin niedrig bleibt, es sei jedoch ungewiss, wie lange die Immunität durch Impfung und eine überstandene COVID-Erkrankung vorhalte.
„Es gibt Daten aus Übersee und Europa, aus denen hervorgeht dass Infektionen bei Personen, die dreimal geimpft wurden, dennoch sehr schwerwiegend verlaufen können, viel schwerwiegender und schlechter als bei jüngeren Patienten, die dreimal geimpft waren.“ sagte Þórólfur. „Es gibt Empfehlungen aus dem Europäischen Zentrum für Krankheitsvorsorge und Kontrolle sowie aus der Europäischen Arzneimittelbehörde, diesen Personen eine vierte Dosis anzubieten, und auf dieser Grundlage wollen wir das durchführen.“

Chronisch Kranke erhalten bereits vierte Dosis
Zuvor war die vierte Dosis nur für solche Patienten empfohlen worden, die an chronischen Erkrankungen leiden. Þórólfur sagt, die Teilnahme dieser Gruppe an der vierten Impfung sei weniger rege gewesen als erhofft. Die isländische Allgemeinheit soll jedoch vorerst auch weiterhin keine vierte Dosis erhalten. Zur Zeit sind 81 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, und 56 Prozent haben die dritte Dosis erhalten.

Dauer der Immunität weiterhin ungewiss
Zur Zeit werden zwischen 10 und 200 neue COVID-19 Fälle pro Tag diagnostiziert, doch die Behörden glauben, dass die Dunkelziffer höher liegt. In stationärer Behandlung befanden sich gestern 17 Patienten. Für den kommendne Herbst und Winter kann man Þrórólfur zufolge keine Prognose treffen, weil COVID-19 eine jahreszeitlich gehäuft auftretende Infektion ist, und weil bislang nicht bekannt ist, wie lange die Immunität durch Impfung oder überstandene Infektion andauert.
“Es gibt Viren, die im Herbst und Winter auf dem Vormarsch sind, und ich denke es ist ziemlich wahrscheinlic,h dass wir eine gute Zeit im Sommer haben werden. Dann ist die Frage was im Herbst passiert. Da müssen wir einfach abwarten. Ich sehe nicht notwendigerweise etwas Schlechtes, aber wir müssen die Situation intensiv beobachten.”