Landwirt bietet Gratis-Schulung für Minischlachthaus an

Nur drei landwirtschaftliche Betriebe in Island haben eine Betriebsgenehmigung für ein sogenanntes Minischlachthaus. Die Genehmigungen waren im vergangenen Jahr zum ersten Mal vergeben worden. Der Landwirt einer dieser drei Betriebe bietet seinen Berufskollegen nun Gratisschulungen an, um ihnen zu helfen, solche Einrichtungen auf dem eigenen Hof aufzubauen.
Von einem Minischlachthaus spricht man, wenn ein Landwirt im eigenen Betrieb unter Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen selbst schlachtet, anstatt das Vieh auf die weite Reise zum nächsten Schlachthof zu schicken. In Island gibt es nur noch vier grosse Schlachthöfe, und oft müssen die Tiere mehr als 400 Kilometer und viele Stunden auf dem Transporter stehen, bevor sie den Schlachthof erreichen.
Eine Gruppe von engagierten Landwirten hatte es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, genau dies zu ändern.

Gratis-Schulung für Berufskollegen
Das Landwirtspaar Þröstur Heiðar Erlingsson und Ragnheiður Erla Brynjólfsdóttir auf Birkihlíð im Skagafjörður hatten im vergangenen Jahr um eine Betriebsgenehmigung für ein Minischlachthaus ersucht. Jetzt möchten sie ihr Wissen an die Berufskollegen weitergeben, berichtet RÚV.
“Wir haben angefangen, anderen Bauern zu helfen, damit die das Rad nicht selbst neu erfinden müssen. Wir verfügen jetzt natürlich über Erfahrung, wir haben daheim geschlachtet und das ganze durchlaufen. Wir möchten dieses Wissen und die Informationen jetzt weitergeben,” erklärt Þröstur. Für dieses Projekt gab es ein Stipendium vom Marketingfonds für Schafzuchterzeugnisse, und es soll digital angeboten werden, weil natürlich kaum ein Landwirt Zeit hat, quer durchs Land zu Schulungen zu fahren.

Þröstur sagt, die Hausschlachtung bringe mehrere Vorteile. Einer davon liege im verbesserten Tierwohl, denn die Tiere müsste nicht mehr lange Wege zur Schlachtbank fahren und vorher in unbekannten Gebäuden ausharren. Ein weiterer Vorteil liege darin, dass die Bauern mehr für ihr Erzeugnis verlangen könnten. “Auf jeden Fall mal hast du eine Kette von Werten bei dir zuhause und das ist eigentlich der einzige Weg, wie man daraus Profit ziehen kann,” meint der Schafzüchter.

Mehr als nur Fleisch in der Truhe
Zusätzlich erhalte man die Eingeweide, den Kopf und das abgezogene Fell, alles Rohstoffe, die auch heute noch genutzt werden, und die das Grossschlachthaus als Teil der Transportkosten einbehält. In Island werden Schafsköpfe für das Winterfest Þorrablót geräuchert, und ein grosser Teil der Eingeweide wird ebenfalls verzehrt, wie etwa Herz und Niere. Leber und Lunge verarbeitet man zu Blutwurst und slátur. Aus dem Magen wird in der traditionellen Küche ein Beutel zur Aufbewahrung und Zubereitung von slátur genäht, Teile des Darms nutzt die Hausfrau für die Wurstherstellung. Und alles was nicht auf den Tisch kommt, wird für die Hunde eingefroren. Während die grossen Schlachthöfe sämtliche Schaffelle zum Gerben ins Ausland verkaufen, haben sich in den vergangenen Jahren im Inland immer mehr Handwerksfrauen dem Gerben zuhause zugewandt und verkaufen die handgegerbten Felle in lokalen Märkten.
Þröstur meint, die Hausschlachtung verlaufe mit mehr Ruhe und sorgfältiger. In den grossen Schlachthäusern ist nur einmal im Jahr Saison, dann werden auf Hochtouren mehr als 100.000 Lämmer in zwei Monaten geschlachtet, verarbeitet und auf den Markt geworfen, und niemand habe Zeit für Sonderleistungen.

Kritische Kunden verlangen Klarheit
Im Marktverhalten des Kunden sei jedoch Veränderung zu verzeichnen, so Þröstur. Verbraucher wollten heute genau wissen, woher eine Ware stamme. Selbst Grossmärkte zeigten daher inzwischen Interesse, statt beim Schlachthaus lieber direkt ab Hof zu kaufen, um dem Kunden solche Ware anbieten zu können. In Island wird sie als “beint frá býli” (ab Hof) vermarktet, und auf vielen Höfe findet man im Sommer eine Flagge mit dem entsprechenden Logo.
“Ich glaube, das ist die Zukunft,” meint Þröstur Erlingsson von Birkihlíð.

Beinahe-Unglück an der Reynisfjara auf Bild gebannt

Die beiden Vísir-Fotografen RAX und Vilhelm Gunnarson befanden sich gestern auf einer Tagestour, als sie unfreiwillige Zeugen eines Beinahe-Unglücks am Strand Reynisfjara wurden. Dort spielten drei Urlauberinnen mit den Wellen, eine von ihnen bezahlte fast mit ihrem Leben.

Der bei Touristen so beliebte Strand war voller Menschen, und die Brandung nach dem Unwetter vom Montag immer noch beeindruckend. Das Schild, welches vor den gefährlichen Sneaker-Wellen an der Reynisfjara warnt, denen in den vergangenen Jahren fünf Menschen zum Opfer gefallen sind, findet hingegen kaum Beachtung. Diese Wellen rollen aus grosser Tiefe an und entwickeln Sogkraft, hinzu kommt die ohnehin gefährliche Strömung an diesem Küstenabschnitt. Nach Stürmen bleibt die Brandung hier noch tagelang stark.

Die drei Frauen hatten wie viele vor ihnen versucht, sich vor einer Welle auf die Felsen zu retten, eine der Frauen wurde jedoch mitgerissen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, waren Anwesenden die Hände gebunden, wollten sie ihr eigenes Leben nicht gefährden, sie konnten nur warten, bis die Welle sich zurückzog, um der Verunglückten zu Hilfe zu kommen. Und wie durch ein Wunder war die Frau nur ein Stück weit mitgerissen worden und schaffte es aus eigener Kraft und lachend an den trockenen Strand. Die isländischen Fotografen notierten, sie habe überhaupt keine Ahnung gehabt, in welcher Lebensgefahr sie sich befunden habe.
Hier findet man die Fotos von RAX und Vilhelm.

Grösstes Filmstudio Europas könnte in Reykjavík stehen

Netflix/Lilja Jónsdóttir

Das Spielfilmunternehmen Reykjavík Studios hat eine 4000 Quadratmeter grosse Werkshalle im Stadtteil Gufunes erworben, um dort zwei Produktionsstudios für Kinofilme einzurichten. Regisseur und Produzent Baltasar Kormákur sagte RÚV gegenüber, wenn die Studios in Betrieb genommen seien, könne man dort Spielfilme wie Harry Potter aufnehmen.

Momentan ist das Gebäude noch unansehnlich, doch schon bald sollen dort gleich zwei Studios untergebracht werden. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr einem Verkauf des Grundstücks am Gufunesvegur 21 zugestimmt, wo zuvor eine alte Düngemittelfabrik untergebracht gewesen war. Reykjavík Studios und True North boten beiden, erstere erhielten den Zuschlag gegen Zahlung von rund 320 Mio ISK und können nun ihr bereits bestehendes Studio im Nachbargebäude ergänzen.

Damit entsteht dort eins der grössten Filmstudios in ganz Europa, Baltasar Kormákur zufolge möglicherweise auch ein bisschen zu gross, weswegen man plane, die Räumlichkeiten mit schallisolierten Wänden zu unterteilen und zwei kleinere Studios daraus zu machen, die besser für den isländischen Film geeignet seien. Während der Produktion der Serie Katla etwa seien vier Projekte zur gleichen Zeit im gleichen Haus gelaufen. Das neue Gebäude stehe später möglicherweise auch offen für Konzerte und andere Veranstaltungen.

Zum Herbst hin, so hofft Baltasar, könnten die Arbeiten am neuen Studio beendet sein. Dann sei es auch möglich, richtig grosse Spielfilmprojekte in der Grössenordnung von Harry Potter in Angriff zu nehmen – vorausgesetzt, die Regierung halte ihr Versprechen, die Filmindustrie auch weiter finanziell zu unterstützen, denn die Umbaukosten werden auf etwa eine Mrd Kronen geschätzt.

Winterliche Wetterkapriolen treffen Wanderer oft überraschend

Rescue Landsbjörg SAR

Der Tourist, der vor zwei Tagen durchnässt vom Mælisfellssandur geholt werden musste, war zwar passend ausgerüstet, hatte aber keine Reiseroute bei safetravel hinterlegt, weswegen die Rettungskräfte länger und mit grösserer Mannschaft nach ihm suchen mussten.
Guðbrandur Örn Arnarson, ein Freiwilliger der Rettungsorganisation Landsbjörg, sagte RÚV gegenüber, erfahrene Wanderer unterschätzten nur allzuoft die winterlichen Wetterbedingungen in Island.

“Der war offenbar weitgereist, aber das ist mal so, dass es keine Rolle spielt, wieviel Erfahrung die Leute haben, wenn sie auf den isländischen Schneematsch treffen. Der kann so richtig übel werden. Er gehört zu den Dingen, die Leute, die am Südpol, Nordpol, Grönland und Norwegen waren, einfach nicht kennen. Das sind Bedingungen, die nicht zum kontinentalen Wettergeschehen gehören.” erklärt Guðbrandur. Der amerikanische Tourist war auf der Snæbýlisheiði gefunden worden, etwa fünf Kilometer von Standort des ersten Notrufs. Guðbrandur zufolge hatte er sich offenbar unwillentlich selbst in eine Notlage gebracht, indem er einen Fluss überquert hatte, was die Rettung zusätzlich erschwerte.
Hinzu kam, dass er keine Reiseroute hinterlegt hatte. Da nur ein ungefährer Standort bekannt war, hatten die Suchtrupps aus drei Richtungen kommen müssen, was mehr Mannschaft und Fahrzeuge erforderte.

Isländisches Wetter erwischt Touristen oft kalt
Zweimal innerhalb einer Woche hatten die Freiwilligen von Landsbjörg ausländische Touristen aus dem Hochland retten müssen, zusätzlich zu Rettungseinsätzen in den zahlreichen Schneestürmen und Unwettern des noch jungen Jahres.
“Die Bedingungen in diesem Winter sind schlecht gewesen. Es hat viel Niederschlag gegeben und viele Tiefdruckgebiete, und wir, die wir hier leben, kennen das ja alles, aber die Touristen hat das kalt erwischt. Diese heftigen Niederschläge innerhalb eines Tages und über mehrere Tage kommen für ausländische Touristen immer überraschend. Wir haben morgens Starkregen, dann gefriert es und alles, was zuvor nass war, ist dann gefroren, und die Leute haben es schwer, mit diesen Bedingungen klarzukommen.” erklärt Jónas Guðmundsson von Landsbjörg.

Für solche Einsätze werde stets eine grosse Zahl an Freiwilligen benötigt, und die Arbeitsstunden gingen inzwischen in die Tausende. “Das ist lange her, dass wir einen derart einsatzreichen Zeitraum erlebt haben,” sagt Jónas Vísir gegenüber. “Wir schaffen das, wir haben ja viele Teams und viele Freiwillige, aber seit dem Jahreswechsel ist das eine harte Zeit gewesen.”
Freiwillige Retter werden vom Arbeitgeber für ihren Einsatz freigestellt, aber längst nicht jeder Arbeitgeber ist zu einer Lohnfortzahlung für die Ausfallszeit bereit.

Gelbe Wetterwarnung im ganzen Land
Für morgen gilt übrigens wieder einmal die gelbe Warnstufe, diesmal für das gesamte Land. Zu rechnen ist mit zum Teil ergiebigen Niederschlägen, auch im Tiefland mit Schnee, dazu kommen Schneeverwehungen und zunehmend schlechtere Fahrbedingungen. Reisende müssen damit rechnen, dass Abschnitte der Ringstrasse zeitweise gesperrt werden. Informationen zum aktuellen Wetter und zu Sperrungen sollten zeitnah eingeholt werden, ausserdem tut man gut daran, individuelle Reisepläne flexibel zu gestalten.

 

Nordisland muss mit Kaninchen leben lernen

Das Kaninchen ist keine urspüngliche Tierart in Island, aber offensichtlich ist es gekommen um zu bleiben. Ein Forstexperte aus dem Norden des Landes meint, den Isländern bleibe nichts anderes übrig als mit den Langohren zu leben, schreibt RÚV.
Ingólfur Jóhannsson, der Leiter der Forstdirektion im Eyjafjörður, sieht in der Ausbreitung der Kaninchen keine Plage, auch wenn man seit 2014 versuche, den Bestand im Kjarnaskógur zu verkleinern.

“Diese Kaninchen sind hier um zu bleiben, die werden wir nicht mehr los,” meint er. “Wir werden wohl lernen müssen, mit ihnen zu leben.”
So niedlich sie auch aussehen, ihr Appetit auf frisches Grün verursacht Schäden, vor allem für Setzlinge, blühende Obstbäume und Rosenbüsche. Ingólfur musste deswegen viele Bäume mit Hasendraht schützen, wie etwa seinen neugepflanzten Kirschbaum, um die Kaninchen vom Knabbern abzuhalten. Ausserdem fressen sie Baumrinde und graben Löcher, um Wurzeln zu finden, aber auch unter Gebäuden, um sich dorthin zurückzuziehen.
Und die Langohren wissen genau, wo es richtig gutes Essen gibt. Ein Gewächshaus in Akureyri musste unlängst zusätzlich zum kaninchensicheren Zaun eine Knaninchenwarnanlage installieren. “Wenn ein Kaninchen den Zaun überwindet, kann es hunderte von Pflanzen in einer Stunde fressen,” erklärt Ásgeir Þór Ásgeirsson von Sólskógar. “Das kann ziemlichen finanziellen Schaden verursachen, wenn es schafft, hier reinzukommen.”
Vor einigen Jahren hatte Sólskógar schon einmal versucht, mit Katzen der Plage Herr zu werden, die statt Mäuse lieber Kaninchen jagten. Die Kaninchen vermehrten sich jedoch schneller als die Katzen jagen konnten.

Hassliebe zum Langohr
Die Umweltbehörde der Stadt ist verantwortlich dafür, den Bestand kleinzuhalten und schiesst pro Jahr etwa 3000 Kaninchen. Doch viele Bewohner mögen die plüschigen Langohren, die im Wald umherhoppeln. Selbst Ingólfur gibt zu, seine private Haltung zu den Kaninchen sei eine andere als seine professionelle. “Eine Hassliebe,” meint er, “so kann man es wohl am besten beschreiben.”

Dabei haben die Isländer ihre Kaninchenplage selbst verursacht, denn es handelt sich mitnichten um echte Wildkaninchen, sondern um ausgesetzte Haustiere, die man so versuchte zu entsorgen. Eine genaue Bestandszahl konnte bislang nicht ermittelt werden.