Wasserlosigkeit bereitet Kraftwerksbetreiber Probleme

Die Lage in der Wasserwirtschaft ist für Islands Kraftwerksbetreiber Landsvirkjun zu Zeit extrem schwierig, denn die Talsperren sind noch weniger gefüllt als im Januar prognostiziert. Auch weiterhin wolle man alles tun, um Stromkunden mit Priorität zu beliefern.
In einer Mitteilung von Landsvirkjun heisst es, dass die Drosselungen an Grosskunden aufgrund der derzeitigen Lage bis Ende April andauern werden. Darüber hinaus kümmert sich Landsvirkjun um den Rückkauf von Strom von Großverbrauchern, insofern entsprechende vertragliche Genehmigungen dies zulassen.

„Das aktuelle Wasserjahr ist eines der schwierigsten in der Geschichte von Landsvirkjun. Die Trockenheit im vergangenen Sommer und Herbst führten dazu, dass sich das Þórisvatn nicht gefüllt hat, welche die wichtigste Talsperre im größten Gewinnungsgebiet des Unternehmens ist. Im Februar fegten zwar viele Tiefdruckgebiete über das Land, sie waren jedoch kalt und brachten Schnee, keinen Regen, sodass kein Wasser ins Hochland gelangte.“

Der Schnee lande zwar irgendwann in die Talsperren, doch das helfe in der aktuellen Lage nur wenig. Der Wasserstand im Þórisvatn sinkt pro Woche um einen Meter, was bedeutet, dass sich bis spätestens Mitte April Tauwetter eingestellt haben muss, damit das Reservoir nicht ganz leerläuft. Auch der Zufluss in die Tungnaá misst derzeit weniger als im Jahr 2014, als man zuletzt zu Kürzungen in der Stromzuteilung hatte greifen müssen.
Das schwere Unwetter im Februar habe ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht, als man nach einem grossen Schaden an den Überlandleitungen die Stromweiterleitung zwischen den Landesteilen drosseln musste. Hinzu kommen unwetterbedingt verminderte Leistungen an den Kraftwerken Vatnsfell, Sultartagi und Burfell im oberen Teil der Þjórsá.
Landsvirkjun hofft, im späten Frühling aus der Wasserlosigkeit zu entkommen und wie gewohnt liefern zu können.

Energiewende benötigt Studie zufolge bis zu 125% mehr Energie

Krafla Mývatnssveit power plant electricity

Island müsste seine Energiegewinnung um 125 Prozent ausweiten, um einen vollständigen Wandel hin zu grüner Energie zu vollziehen, heisst es in einer aktuellen Studie der Regierung. Der isländische Umweltminister sagt, die Studie kann als Basis zur Entscheidungsfindung dienen, es sei jedoch Sache der Behörden, wie sie die Informationen aus der Studie nutzen. Die Vorsitzende der isländischen Umweltschutzorganisation Landvernd kommentierte, mit zusätzlichen Kraftwerke opfere man die isländische Natur und sie seien kein notwendiger Schritt, um die Umweltziele des Landes zu erreichen.

“Klar ist, dass dies nötig ist, wenn wir die Energiewende schaffen wollen,” meint der Minister für Umwelt, Energie und Klima, Guðlaugur Þór Guðlaugsson. “Es gibt jedoch viele Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Und das ist auch kein politisches Programm. Es ist eine Studie und sie erläutert, wie die Lage aussieht. Jetzt müssen Parlament und Regierung daran arbeiten, wie man die Sache am besten angeht.”

Innovation braucht verfügbare Energie
Die Studie legt sechs Zukunftsszenarien für eine Energiegewinnung in Island vor, fünf von ihnen würden zusätzliche Produktion bedeuten. Nur vier Szenarien gehen davon aus, dass das Land die Energiewende im Jahr 2040 vollzogen hat: dazu gehört der vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe innerhalb der kommenden 18 Jahre. Wenn dieses Ziel gelten würde, und gleichzeitig mehr energieintensive Industrie betrieben würde, dann müsste Island 125 Prozent mehr Energie produzieren als heute. Dafür würden dann nicht nur zusätzliche Kraftwerke benötigt, auch die Effizienz der bestehenden Kraftwerke müsste gesteigert werden, ausserdem bräuchte es Energiesparmassnahmen, sowie eine effizientere Energienutzung.

Energiegewinnung ist ein Schlüsselfaktor für Innovation und Arbeitsplatzbeschaffung im ganzen Land, so Sigríður Mogensen vom isländischen Industrieverband und eine der Autorinnen der Studie. “Es hat viele in Entwicklung befindliche Projekte gegeben, wie etwa in der Lebensmittelproduktion, Biotechnologie, Algenzucht, und ich könnte weiter aufzählen, die aufgrund von Strommangel oder der schlechten Stromübertragung leider nicht möglich gewesen sind.“

Natur opfern für mehr Energie?
“Es ist eine Frage davon, welche Entscheidungen wir treffen. Wenn dies Realität wird, dann treffen wir die Entscheidung, die isländische Natur zu opfern,” kommentierte Auður Önnu Magnúsdóttir, die Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation Landvernd, die Studie. Ihrer Ansicht nach braucht es keine Mehrproduktion von 125 Prozent um die Energiewende zu vollziehen.
Schon zuvor hatte Auður für echte Energiesparmassnahmen plädiert, wie “Diversifikation des Tourismus, Küstenschifffahrt, passiven Hausbau, Wärmepumpen, und echte Massnahme für mehr Energieeffizienz wie etwa die Abwärme aus Kraftwerken zu nutzen. Heute gehen 80 Prozent der produzierten Energie direkt in die Schwerindustrie. Das ist keine sinnvolle Priorisierung.”