Flugzeugabsturz: Tauchverbot an der Absturzstelle

missing plane Þingvellir

Die Polizeidirektion Südisland hat entschieden, dass das Tauchen in der Bucht Ölfusvatnsvík am Þingvallavatn, wo das Flugzeugwrack TF-ABB auf Bergung wartet, ab heute verboten ist. Nach dem Flugzeugabsturz Anfang Februar, bei dem vier Insassen ums Leben kamen, hatte das Wrack nicht gehoben werden können, weil die Eisschicht auf dem gefrorenen See zu dick gewesen war. Die tödlich Verunglückten hatten von Tauchern hingegen geborgen werden können.
Die Polizei gibt an, sie wisse nicht, ob in der Zwischenzeit versucht worden sei, nach dem Wrack zu tauchen, sie wisse aber von Zeugen aus der Taucherszene, die Gespräche darüber gehört haben wollen.

Bei dem Unglück waren der isländische Pilot und seine drei ausländischen Passagiere ums Leben gekommen. Sie hatten sich noch aus dem Flugzeug retten können, waren dann aber ertrunken. Ihre Leichen hatten am 6. Februar nach einer umfangreichen Suche durch ein Radarsondenboot geortet werden können.
Das Tauchverbot soll die Daten schützen, die man am Wrack zu finden hofft, denn in dem Fall wird nun polizeilich ermittelt.
“Das Verbot wird ausgesprochen, um sicherzustellen, dass wichtige Beweisdaten nicht beschädigt werden. Diese Entscheidung ist gleichbedeutend mit einer Beschlagnahme des Flugzeugwracks auf dem Grund des Þingvallavatn.”

Zunächst hatte man das Wrack noch im Februar heben wollen, doch dann hatten die Bergungsmassnahmen abgebrochen werden müssen, weil sich dickes Eis auf dem Wasser gebildet hatte. Heute war die Lage erneut geprüft worden, eine Bergung ist jedoch weiterhin nicht möglich.
Das Verbot soll aber ganz offensichtlich auch schwere Unfälle von Laientauchern verhindern: “Es liegen keine Informationen darüber vor, ob Nicht-Zutrittsberechtigte versucht haben, zu tauchen, es sind jedoch Gespräche über solche Vorhaben bekannt unter Leuten, die möglicherweise weder Wissen noch Ausrüstung oder Erfahrung für einen Tauchgang unter derartig schwierigen Bedingungen in solcher Tiefe haben.” heisst es in der Mitteilung der Polizei.

 

70% der Isländer haben möglicherweise COVID-19 durchgemacht

Covid 19 Þríeykið

Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hat in seinem letztem Beitrag auf Covid.is geschrieben, er schätze die eigentliche Zahl der Isländer, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, auf mehr als doppelt so hoch wie die Zahl, die sich auf testbasierte Diagnosen stützt. Das würde bedeuten, dass etwa 70 Prozent aller Isländer COVID-19 durchgemacht haben.
Sollte dies der Fall sein, könnte das Land den vielbeschworenen Gipfel in den kommenden Wochen erreichen, danach würden die Infektionszahlen wieder sinken, schreibt Þórólfur.

COVID-19 immer noch ein schwerwiegendes Problem

Þórólfur erinnert die Öffentlichkeit daran, dass sich COVID-19 auch weiterhin mit hoher Geschwindigkeit in der Gesellschaft ausbreitet, und obwohl die Anzahl der Tests abnimmt, heisst das nicht dass, die Fallzahlen ebenfalls sinken.
Am 28. Februar wurden in Island 3367 Fälle positiv getestet, davon 3215 durch Schnelltests und 152 durch PCR-Verfahren.
Das Gesundheitswesen spüre die Belastung auch weiterhin deutlich.” schreibt Þórólfur. “Heute liegen 55 Personen mit oder wegen der Krankheit im Krankenhaus, drei von ihnen befinden sich auf der Intensivstation, und alle drei werden künstlich beatmet.”

Es sei wichtig, dass sich jedermann darüber im Klaren sei, dass COVID-19 immer noch eine ernsthafte gesundheitliche Bedrohung in Island sei, obwohl die Seuchenschutzmassnahmen vollständig aufgehoben wurden. “Jeder sollte auch weiterhin persönliche Präventionsmassnahmen durchführen, mit denen die Ausbreitung von COVID-19 gehemmt und eine unkontrollierbare Belastung auf unser Gesindheitssystem verhindert wird.”

Investigativer Journalist gewinnt vor Gericht gegen nordostisländische Polizei

Cover of Stundin after an injunction was filed against them for their reporting based on the leaked Glitnir documents.

Das Bezirksgericht Nordostisland hat der Berufung von Stundin-Journalist Aðalsteinn Kjartansson stattgegeben, nach der die Rechtmäßigkeit einer Ermittlung zu einer angeblichen Verbreitung von persönlich sensiblem Material durch ihn und anderen Journalisten aus dem gestohlenen Telefon eines Kapitäns der Reederei Samherji festgestellt werden sollte. Der Richter befand, dass die Polizeichefin des Bezirks Nordostisland, Páley Borgþórsdóttir, Aðalsteinn in dieser Angelegenheit zu Unrecht den Status eines Angeklagten verliehen hat, berichtet Vísir.

Gegen vier Journalisten war in Bezug auf Daten aus einem gestohlenen Telefon polizeilich ermittelt worden. Zunächst hatte es danach ausgesehen, dass die Ermittlung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über durchgesickerte Kommunikation zwischen Mitarbeitern von Samherji stand, die sich selbst die „Guerilla-Division“ des Unternehmens nannten. Dann jedoch wurden die Journalisten angeklagt, gegen die Artikel 228 und 229 des Strafgesetzbuches verstossen zu haben, einer Gesetzgebung, die geschaffen worden war, um Opfer von sexueller Gewalt zu schützen. In der Folge erhielten die vier Journalisten den Status von Angeklagten.

Datenerhalt und Prüfung ist journalistische Arbeit
Wie Stundin schreibt, hat das Bezirksgericht Nordostisland nun entschieden, dass die Journalisten kein Gesetz gebrochen haben, indem sie sensible persönliche Daten erhalten und geprüft haben, da es sich genau dabei um die Arbeit eines Journalisten handelt: Daten und Hinweise zu erhalten, und zu prüfen, ob es im öffentlichen Interesse liegt, dem nachzugehen.
Im Urteil heisst es weiter, dass es sich beim Akt des Erhalts und Öffnens von Daten, die ohne das Einverständnis des Empfängers übersendet wurden, grundsätzlich um keinen Rechtsbruch handelt.
Dem Urteil zufolge kann aus den Polizeidaten nicht geschlussfolgert werden, dass Schiffkapitän Páll Steingrímsson die Polizei wegen der persönlichen Videos in seinem Smartphone kontaktiert habe. Diese persönlichen  Videos hatte die Polizei jedoch als Grund genommen, um Aðalsteinn zum Angeklagten zu erklären.
Aðalsteinns Anwalt Gunnar Ingi Jóhannsson gab Stundin gegenüber an, das Urteil bestätige nur seine Ansicht, dass der Fall gegen die Journalisten auf Sand gebaut sei.