“Eine unsichtbare Gruppe von Ausländern, die hinter uns herputzt”

cleaning equipment

Reinigungspersonal in Island arbeitet unter zu hohen Belastungen, und ihre Arbeitsbedingungen sind inakzeptabel, meint der Vorsitzende der Gewerkschaft SGS, Flosi Eiríksson.
Gebäudereinigung wird immer häufiger ausgelagert, was dazu führt, dass das Personal Gefahr läuft, in der Isolierung zu landen. Flosi zufolge bereitet die Gewerkschaft Tarifvertragsverhandlungen für dieses Jahr vor, wo sie auf verbesserte Arbeitsbedingungen für die Reinigungskräfte pochen will.
Die letzte Tarifvereinbarung hatte eine Überprüfung von Arbeitstempo und Arbeitsumgebung der Reinigungskräfte enthalten sollen, doch war diese nie durchgeführt worden. Die SGS hatte das Amt für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz (Vinnueftirlit) kontaktiert, und dort hatte man festgestellt, dass die Reinigungskräfte einer extremen körperlichen Belastung bei der Arbeit ausgesetzt sind.
“Sie sollten viel zu schnell arbeiten, was zu muskulären und Gelenkproblemen führte, zu Krankmeldungen und so weiter und so fort.”

Vollzeitkräfte mit inakzeptabel harter Arbeit
In der Vergangenheit waren Reinigungskräfte bei den Unternehmen und Institutionen angestellt gewesen, doch nun werden sie immer häufiger von grössen Reinigungsfirmen angeheuert, die dann von den Unternehmen beauftragt werden. Vor dieser Entwicklung hatten viele Leute als Teilzeitkräfte gearbeitet, stundenweise nach der Arbeit oder nach der Schule. Jetzt sind die meisten vollzeit tätig.
Vinnueftirlitið bestätigte, dass die Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften vergleichbar seien mit einem 10 Kilometer-Marsch pro Stunde, in jeder Stunde, in der sie arbeiten. Das, so Flosi, sei inakzeptabel.

Gesellschaftliche Isolierung der Putzkolonnen
Hinzu kommt, dass Reinigungskräfte einem höheren Risiko von gesellschaftlicher Isolierung ausgesetzt sind, wenn die Reinigung ausgelagert wird. “Du bist besonders gekennzeichnet, du trinkst keinen Kaffee mit Kollegen, du bekommt möglicherweise kein betriebliches Weihnachtsgeschenk, du gehst nicht zur Mitarbeiterparty und so weiter,” erklärt Flosi. “Manchmal sehen wir diese Leute gar nicht. Hier in der Hauptstadtregion sind möglicherweise 80 bis 90 Prozent dieser Leute ausländischer Herkunft. Vielleicht schaffen wir da gerade in gewisser Weise eine kleine unsichtbare Gruppe von Ausländern, die uns hinterherputzt.”
Flosi weist auch darauf hin, dass Regierungsbehörden mit dem Auslagern von Reinigungsarbeiten nicht mehr an den Tarifvertragsverhandlungen für angestellte Reinigungskräfte teilnehmen.

Flugzeugabsturz: Mini-U-Boot konnte Unfallopfer bergen, Tauchgang zu gefährlich

missing plane Þingvellir

Die für heute morgen angesetzte Bergungsaktion der vier Flugunfallopfer im Þingvallavatn hatte auf den Nachmittag verschoben werden müssen, da sich die Temperaturen in dem Gebiet im zweistelligen Minusbereich befanden und der See drohte zuzufrieren. Am Nachmittag besserten sich die Bedingungen und die Taucher machten sich in Booten auf den Weg in die Bucht Ölfsvatnsvík.

Gegen 18 Uhr waren drei der Toten geborgen, allerdings auf andere Weise als ursprünglich geplant. Dazu vermeldete die Polizeidirektion Südisland:

“Nach einer Beratung mit allen Einsatzkräften, bei der die Bedingungen noch einmal geprüft wurden, stellte sich heraus, dass die Bedingungen für einen Tauchgang wegen der starken Kälte und der Eisbildung auf dem Þingvallavatn sehr gefährlich sind. Man untersuchte, ob es andere Möglichkeiten als die zuvor geplanten gebe. Dann wurde ein Mini-U-Boot mit Kameraausrüstung und Greifarm organisiert, welches sich von einem Kahn auf der Wasseroberfläche fernsteuern lässt. Das Mini-U-Boot suchte die Toten auf dem Seegrund und brachte sie zur Wasseroberfläche, wo sie von Tauchern übernommen wurden, die sie auf das Rettungsboot hievten und an Land brachten. Zur Stunde sind drei Opfer am Ufer angekommen, nach dem vierten wird gerade gesucht.”

Nach Angaben von Polizeichef Oddur Árnason hatten Schlauchboote einen Kreis um die Unfallstelle gebildet, um das Eis zu brechen und eine weitere Eisbildung zu verhindern. Jeweils zwei Taucher hatten sich bei der Bergung im Wasser befunden, um den Toten vom U-Boot in Empfang zu nehmen, die anderen Taucher hatten auf dem Kahn gewartet, um nötigenfalls einzugreifen. Insgesamt waren 60 Mann an der Bergung beteiligt.

Morgen soll Oddur zufolge nach Mittag das Flugzeug gehoben werden.

update 19.30 Uhr:

RÚV berichtet, dass auch der vierte Tote geborgen und an Land gebracht worden konnte. Die heute Bergungsaktion ist damit beendet.

Sturm schleuderte 30.000 Rotbarsche an Land

Mindestens 29.000 Fische sind bei dem Unwetter in der Montagnacht bei Stóra Sandvík auf der Halbinsel Reykjanes an den Strand geworfen worden und verendet, berichtet das Fréttablaðið. Einer Mitteilung des Marineforschungsinstitutes zufolge handelt es sich vor allem um kleine Rotbarsche.
Bei dem Unwetter waren extrem hohe Wellen gemessen worden, an vielen Orten hatte es Monsterwellen von 20 Metern und mehr gegeben. Am Dienstagnachmittag erfuhr das Institut, dass sich am Strand von Stóra Sandvík Tausende von Fischkadavern befinden.
Auf einem Kontrollgang fanden Institutsmitarbeiter am Mittwoch in der etwa ein Kilometer langen Bucht eine Menge toter Fische, die auf mindestens 29.000 Exemplare geschätzt wurde, und möglicherweise mehr, weil ein Teil auch davon geweht sein dürfte, denn die kleinsten der Rotbarsche sind nur etwa fünf Zentimeter lang.
Neben Rotbarsch fand man Seequappen, zwei Brosmen, Kabeljau, Seelachs, Stintdorsch und Sandaale, sowie tote Seevögel: fünf Basstölpel, zwei Trottellummen, Eissturmvögel und Eiderenten.
“Auch am Leuchtturm von Garðskagi wurde der Strand kontrolliert, dort waren viele Algen angespült worden, sowie Dutzende von kleinen Rotbarschen. Letztere fanden sich auch am Strand von Sandgerði, in Sandhöfn am Hafnaberg und bei Ísólfsskáli an der Südküste von Reykjanes,” heisst es in der Institutsmitteilung.
Das Marineforschungsinstitut bittet darum, weitere Funde per Email zu melden: hafog­vatn@hafog­vatn.is

 

In Untersuchungshaft nach Schiesserei in Grafarholt

Metropolitan Police

Ein Mann um die dreissig befindet sich in Untersuchungshaft, nachdem es in der vergangenen Nacht zwischen drei und vier Uhr eine Schiesserei im Reykjavíker Ortsteil Grafarholt gegeben hatte. Einer Pressemitteilung der Polizei zufolge waren ein Mann und eine Frau angeschossen worden, während sie sich vor einem Haus befanden. Beide wurden in die Notaufnahme gebracht, wo ihre Wunden versorgt wurden. Keiner von ihnen befindet sich in Lebensgefahr.
Die Spezialeinheit der Polizei war alarmiert worden und hatte den Schützen am frühen Morgen in Reykjavík verhaften können. Polizeiliche Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang, doch sei, so heisst es in der Pressemitteilung, die öffentliche Sicherheit nicht in Gefahr gewesen.
Am Mittag wurde ein zweiter Mann festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht, berichtet RÚV. Die Polizei betrachtet die Angelegenheit als sehr schwerwiegend. Weitere Einzelheiten soll es zu dem Fall vorerst nicht geben.

Opposition stimmt mit Enthaltung zum “Míla-Gesetz”

Alþingi Icelandic parliament

Islands Parlament hat heute den Antrag für das sogenannte “Míla-Gesetz mit 33 Stimmen angenommen, berichtet RÚV. Mit Enthaltung stimmten 15 Abgeordnete, alle aus den Oppositionsparteien. Der Gesetzesantrag soll die nationale Sicherheit gewährleisten, in Anbetracht der Tatsache, dass die isländische Telekommunikationsgesellschaft Míla an das französche Investmentunternehmen Ardian verkauft worden war.

Míla besitzt und betreibt das gesamte Netz der nationalen elektronischen Kommunikationssysteme, die Privathaushalte, Geschäftswelt und Behörden versorgen. Im Vorfeld des Verkaufs hatten viele ihre Sorge darüber ausgedrückt, dass eine derart wichtige Infrastruktur an ein ausländisches Unternehmen verkauft wird. Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte die elektronische Kommunikationsinfrastruktur “ein zentrales Thema der nationalen Sicherheit in jeder Gesellschaft” genannt.
Ardians Kauf der Míla war im Nationalen Sicherheitsrat diskutiert worden, und man hatte ein neues Gesetz ausgearbeitet, mit dem erklärten Ziel, die Rechtsgrundlage für die elektronische Kommunikation im Hinblick auf die nationale Sicherheit zu stärken und zu sichern.

Helga Vala Helgadóttir, die Abgeordnete der Sozialdemokratischen Allianz, hatte kritisiert, dass es viele Merkwürdigkeiten in der Art und Weise gebe, wie die Regierung das Thema behandelt habe, und dass der Gesetzentwurf die Sicherheit der Konsumenten nicht gewährleiste.
Das heute verabschiedete Gesetz, das während der Amtszeit der vormaligen Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir eingereicht worden war, modifiziert das Gesetz über elektronische Kommunikation, die Rechtsvorschriften für das isländische Amt für elektronische Kommunikation (ECOI) und die Vorschriften zu ausländischen Investitionen in Geschäftsbetrieben.