Lange Wartezeit für Transgender-Operationen in Island

Seit dem Jahr 2020 sind in Island keine operativen Geschlechtsangleichungen mehr durchgeführt worden, berichtet das Fréttablaðið. Transsexuelle Menschen, die eine solche Operation wünschen, müssen sich auf eine lange Wartezeit gefasst machen. Bríet Blær Jóhannsdóttir, eine 27-Jährige transsexuelle Frau, die seit 65 Wochen auf der Warteliste steht, findet dass operative Geschlechtsangleichungen als dringend eingestuft werden müssten.

Bríet hat sich im November 2020 auf die Warteliste setzen lassen. “Mir wurde gesagt, dass in dem Jahr, 2020, keine solche Operationen durchgeführt worden seien. Aber sie bereiteten vier Operationen für Dezember vor, ich bekam diese Information im November.” Im Januar 2022 erfuhr Bríet, dass seit jenem Dezember 2020 keine operativen Geschlechtsangleichungen mehr durchgeführt worden waren, was bedeutet, dass ihre Wartezeit nicht nur vorbei ist sondern noch länger dauert. Die Nachricht traf sie hart.

“Meiner Ansicht nach sind transsexuelle Menschen sehr verletzlich, dass ist eine verletzliche Gruppe in der Gesellschaft, ausgehend von dem, was wir unser ganzes Leben lang haben aushalten müssen und wie schwierig dieser Prozess ist,” erklärt Bríet. “Dann bekommt man diesen Schlag ins Gesicht, dass man nach einem Jahr Wartezeit noch mal zwei Jahre warten muss – das einzige was einem dazu einfällt, ist ein Schlag in die Magengrube.”

Langwieriger Prozess vor der OP
Bríet sagt, dass der gesamte Geschlechtsanpassungsprozess in Island sehr langwierig und voller Hindernisse ist, auch vor der Pandemie war das schon so.
“Es beginnt mit Arztbesuchen über einen Zeitraum von sechs Monaten, um zu bestätigen, dass sich die Person physisch, mental und sozial in einem guten Zustand befindet, um den Prozess überhaupt zu beginnen.” erklärt sie. “Danach kommt eine sinnlose sechsmonatige Wartezeit, bevor man mit der Hormontherapie beginnen darf. Dann, nach einem Jahr wird man auf die Warteliste für die OP gesetzt, die Wartezeit dauert wieder ein Jahr. Es dauerte also drei Jahre, vor COVID.”

Bríet führt aus, die operative Geschlechtsangleichungen sei in Island formal nicht als dringende OP eingestuft, diese Einstufung sei jedoch falsch. “AusPerspektive der psychischen Gesundheit ist das etwas, was passieren muss. Ich kann nur für mich selber sprechen, aber als ich die Nachricht erhielt [über die zusätzliche Wartezeit] dachte ich nur: Kann ich zwei weitere Jahre leben? Es ist wirklich schwer, so zu leben.”
Die Tatsache, dass sie nicht in den Genuss einer OP komme, gehe auf Kosten ihrer Beziehungen, ihrer Aktivitäten und selbst der Auslandsreisen, zusätzlich zu der Gefahr, Belästigung und Aggression ausgesetzt zu sein.
“Es gibt so viele Dinge, die für Transsexuelle heutzutage schwierig sind. Aber die OP ist etwas, was man ändern kann, jetzt. Man kann nicht von jetzt auf gleich ändern, wie Leute über einen denken, aber man kann [mit dieser OP] helfen.”