Impfschwindler erwischt, Saalaufsicht verstärkt

bólusetning mass vaccination Laugardalshöll

In Island finden die COVID-Impfungen in Schulen und Sporthallen statt. Da sämtliche Daten im nationalen Gesundheitsnetz Heilsuvera verzeichnet sind, kann die Impfung nach Registrierung problemlos durch Krankenpflegepersonal vorgenommen werden. So hatten in der Vergangenheit Tausende an einem Tag geimpft werden können. Den Gesundheitsbehörden sind jedoch Fälle bekannt, wo besonders Schlaue sich am Eingang registriert haben, im Saal Platz nahmen und den Saal vor Verabreichung der Spritze verliessen. Damit waren sie zwar nicht geimpft, im Gesundheitsnetz aber als geimpft verzeichnet, sie hätten damit ein Impfdokument erhalten und problemlos ins Ausland reisen können.

Es sei vorgekommen, so berichtet Vísir, dass Polizisten und Feuerwehrleute solche Personen verfolgen mussten. In einem Fall, so schreibt mbl.is, sei der Spritzenflüchtling erst im nahegelegenen Fitnesscenter eingeholt worden.
Im November hatte man die Organisation der Impfveranstaltung umgestellt, um sicherzustellen, dass niemand registriert wird, der nicht auch geimpft ist. “Das darf einfach nicht passieren, aber wenn der Vorsatz vorhanden ist, dann ist das natürlich möglich,” hatte die Leiterin der Reykjavíker Gesundheitszentren, Ragnheiður Ósk Erlendsdóttir, damals angegeben.

Kontrolle im Saal verstärkt
Auch jetzt wird genau beobachtet, wohin Leute sich nach der Registrierung begeben, und ob sie den Saal möglicherweise früher verlassen. Ragnheiður sagt, niemand wird gezwungen, sich impfen zu lassen, doch wer ungeimpft das Gebäude verlässt, weil er sichs anders überlegt hat, muss auch die Registrierung rückgängig machen.

Zur Zeit wird der Booster verabreicht, ausserdem benachrichtigen die Behörden Leute, die im letzten Jahr den Janssen-Impfstoff erhalten hatten. Dieser Impfstoff wird nicht mehr als vollständige Impfung anerkannt und muss ergänzt werden. Dazu steht das Impfzentrum in der Laugardalshalle offen, und alle, deren letzte Impfung vier Monte zurückliegt und die in Island gemeldet sind, können sich registrieren und spritzen lassen.
Die Behörden schätzen, dass in Reykjavík noch um die 50.000 Personen geboostert werden müssen. Zum Monatsende sollen dann die Kinderimpfungen fortgesetzt werden.

 

Journalistenverband verurteilt Angriffe auf Presseorgane

In der Nacht zum Freitag hat es einen Einbruch in das Büro des Webmagazins Mannlíf gegeben, wobei die Täter nichts stahlen, sondern sämtliches Material von der Webseite und aus den Dateien löschten. Bis gestern Nachmittag war die Webseite ausser Betrieb gewesen. Die Vorsitzende des isländischen Journalistenverbandes, Sigríður Dögg Auðunsdóttir, sagte Vísir gegenüber, dieser Einbruch sei der heftigste Angriff auf die inländische Presse seit langem gewesen. Der Journalistenverband betrachte den Vorfall als schwerwiegend und hoffe, die Polizei sehe das ähnlich.

“Das ist nicht wie ein normaler Einbruch, dass ist ein Einbruch in ein Pressemedium, mit dem offensichtlichem Vorsatz, Einfluss auf den Betrieb des Mediums zu nehmen, den Betrieb lahmzulegen und bereits geschriebenes Material zu löschen, ” erklärte Sigríður Dögg.

Vermehrte Attacken auf die Presse bereiten Sorge
Sigríður zufolge haben die Attacken auf Presseorgane in Island in der Vergangenheit zugenommen. Sie bezeichnet dies als besorgniserregend.
“Es gab Angriffe von Samherji auf die Journalisten von Kveikur [Investigativmagazin bei RÚV], gegen Helgi Seljan [ehem. Kveikur-Journalist], da sind Leute bespitzelt und verfolgt worden, es gab organisierte Stimmungsmache gegen sie. Aber das hier ist ein anderes und weitaus schwerwiegenderes Niveau, wenn es um einen Einbruch und Zerstörungswerk bei einem Presseorgan geht,” erklärte Sigríður.

Mannlíf-Chefredakteur Reynir Traustason glaubt, dass es sich um einen organisierten Angriff auf sein Magazin handelt. “Das sind Leute, die können das. Das lag auf der Hand. Sie gehen ins Netz, löschen und finden sogar die Zeit, den Mülleimer im Computer zu leeren und Artikel zu löschen. Das ist kein Zufall,” meint Reynir Vísir gegenüber. Er fühle sich, so sagt er, als ob er gefoltert oder in den Rücken gestochen worden sei. Aber “Wir werden den Kerl am Ende kriegen.” Gestern hatte er Vísir gegenüber angegeben, an einer Berichterstattung über den Vorstand eines Aluminiumkonzerns gearbeitet zu haben, der von ihm verlangt habe, sämtliche Daten ausgehändigt zu bekommen. Vísir zufolge weist dieser jedoch jede Veranstwortung von sich.