Blutstuten: Gesetzantrag zum Verbot kontrovers aufgenommen

Für den Gesetzantrag zum Verbot der Blutstutenhaltung in Island ist inzwischen eine lange Liste an Kommentarschreiben beim parlamentarischen Ausschuss eingegangen. Die Liste der Einsendungen wird täglich ergänzt und findet Erwähnung in den Tagesmedien. Auch ausländische Interessensvertreter haben sich mit Standpunkten zu Wort gemeldet. Wie RÚV berichtet, hatte der parlamentarische Ausschuss für Beschäftigung 14 Institutionen, Unternehmen und Verbände um Kommentierung des Gesetzantrags gebeten, darunter die Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Ísteka, den Pferdezüchterverband, den Tierärzteverband und das Ethikinstitut der Universität. Die Einsendefrist läuft am 17.1.2022 ab, und nur vom Verband der isländischen Vegetarier ist bislang ein Schreiben eingegangen, in welchem die Blutindustrie abgelehnt wird, weil sie mit dem geltenden Tierschutzgesetz nicht in Einklang zu bringen sei. Insgesamt sind inzwischen 28 Einsendungen verzeichnet, doch nur ein Teil der Dokumente ist bislang einsehbar.

Harte Worte gegen Gegner des Blutfarmings
In einigen Beiträgen fallen harte Worte, wie etwa dass die ständigen Behauptungen über Gewaltanwendung bei den Blutgewinnungen ein “verwerflicher Angriff auf die Ehre und Reputation der in der Blutgewinnnung tätigen Landwirte” sei, der Gesetzentwurf sei eine “Geringachtung des Parlaments”, das Video der Tierschutzorganisationen wird als “Fälschung” und “Propaganda” bezeichnet und isländische Medien als “Erfüllungsgehilfen der Organisationen”. Ausserdem verringere die isländische Blutwirtschaft den ökologischen Fussabdruck in der internationalen Schweinezucht, heisst es in einem Brief.
Ein französischer Verband zur Zuchtverbesserung von Ruminanten schrieb in seinem Beitrag, man unterstütze die Blutgewinnung für die PMSG-Produktion, weil es keine Alternative zum Stutenhormon für die Besamung von kleinen Ruminanten gebe.

Alternativen zu PMSG sind vorhanden
Aus der Antwort des BVL auf eine kleine Anfrage zu PMSG im Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2018 geht hervor, dass allein in Deutschland zusätzlich zu zoologischen Massnahmen 36 synthetische Präparate für Brunstinduktion, Zyklussteuerung und Superovulation zugelassen und verfügbar sind.
Der isländische Reiterdachverband LH unterstützt den Gesetzantrag und verlangt ein Verbot der Blutgewinnung aus tragenden Stuten. Ähnliches hatte zuvor auch die FEIF vertreten, ihr Schreiben ist beim Parlament zwar gelistet, aber nicht einsehbar.
Die Tierschutzorganisationen AWF und TSB weisen in ihrem Schreiben unter anderem darauf hin, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten in Island als Tierversuch deklariert sei, was der Gesetzgeber in der EU und in Island nur dann gestatte, wenn es keine Alternative gebe. Eine Alternative stehe jedoch mit den synthetischen Präparaten zur Verfügung. Nach Ansicht der Tierschützer verstossen sowohl die gewaltvollen Praktiken bei der Blutgewinnung, ohne die keine Venenpunktion möglich ist, gegen das Pferdeschutzgesetz von 2014, als auch die Tatsache, dass hier invasive Prozeduren ohne medizinische Notwendigkeit am Pferd stattfinden. Die invasive Prozedur (Venenpunktion) diene vielmehr ökonomischen Zwecken.

40 Jahre alte wissenschaftliche Grundlage
Eine Landwirtin schreibt, man beziehe sich bei den Blutentnahmen auf Untersuchungen von vor 40 Jahren, als Pferdezüchter in Zusammenarbeit mit Forschern eine “vertrauenswürdige Grundlage für Vorgang, Stalleinrichtung und Kontrolle der Stuten, aus denen Blut gewonnen wurde,” angelegt hätten. Es habe bei der Versuchsanstalt Keldur damals eine dreijährige Untersuchung zur Auswirkung der Blutgewinnung auf die Gesundheit von Stuten und Fohlen gegeben.
Kritiker des Blutfarmings werfen Ísteka und MAST vor, bis heute weder veraltete noch neue wissenschaftlichen Daten vorgelegt zu haben.

Kritik an Blutmenge pro Stute
Das Fehlen von wissenschaftlichen Daten, welche die beispiellos hohe Blutausbeute pro tragender Stute in Island rechtfertigen, hatten in der vergangenen Woche zwei Schweizer Tierärzte in einem Schreiben an isländische Behörden und Medien kritsiert. Drs. Barla Barandun und Ewald Isenbügel schrieben, dass es den Bestimmungen von MAST zufolge erlaubt sei, fünf Liter Blut aus jeder tragenden Stute ab vier Jahren zu entnehmen, ungeachtet von Grösse, Gewicht und Futterzustand, wobei das Gewicht der Pferde per Massband ermittelt werde. Gehe man von einem Gewicht von 350 Kilo aus und schätze die Gesamtblutmenge auf sieben Prozent des Körpergewichts, komme man auf eine Litermenge von 24,5 Litern, bei acht Prozent auf 28 Liter. Fünf Liter Blut stellen 15 Prozent der Gesamtblutmenge dar, was doppelt soviel ist wie in anerkannten internationalen Bestimmungen zu Blutentnahme bei Pferden angegeben. Im Ausland haben die Pferde ein bis zwei Monate zur Erholung vom Blutverlust, in Island bekommen sie dafür acht Tage Zeit. Die tragenden und laktierenden Stuten müssten damit rechnerisch in den acht Wochen Blutgewinnungsperiode ihren Gesamtblutgehalt einmal erneuern, heisst es in dem Schreiben von Barandun und Isenbügel.
Die beiden Tierärzte weisen darauf hin, dass die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten in der Europäischen Union und in der Schweiz verboten ist.
Barandun und Isenbügel kritisieren weiter mangelhafte Einrichtungen zur Blutgewinnung, sowie die gängige Praktik, die Stuten für die Punktion in unnatürlicher erzwungener Kopfhaltung und am Körper zu fesseln, und die Tatsache, dass Tierärzte die bleistiftdicken Punktionsnadeln nicht auswechseln und die Stuten offenbar immer wieder mit stumpfen Nadeln gestochen werden. Ausserdem kritisieren sie, dass weder beteiligte Veterinäre noch die Veterinäraufsichtsbehörde gegen diese offenkundigen Missstände einschreiten.

PMSG-Forschungsarbeit mit Praktikum am Pferd
Vísir zitiert aus einem Gespäch mit der amerikanischen Wissenschaftlerin Anne Elyse Lally, die im Jahr 2014 im Rahmen ihrer Recherchen Zeit auf einem Bauernhof verbracht hatte, wo Blut aus tragenden Stuten gewonnen wurde. Im Interview beschreibt sie die Umstände der Blutgewinnung ähnlich, wie sie im Video zu sehen sind. Die Stuten wurden Lally zufolge in den Pferch getrieben, von ihren Fohlen getrennt, in den Fixierstand verbracht, wo ihr Kopf am Halfter aufgehängt wurde, damit der Tierarzt die Punktionsstelle rasieren und die Venenpunktion vornehmen konnte.

Lally beschreibt das Verhalten einiger Stuten, die bei jedem Blutgewinnungstermin den Fixierstand beinahe auseinandernahmen oder sich auf den Boden fallen liessen. In ihrer Arbeit über zirkulatorische Nahrungsmittelsysteme, in der sie das isländische Blutfarming und die Durchlässigkeit des weiblichen Agrarkörpers untersucht, beschreibt sie auch, dass den Stuten zusätzlich zu den wöchentlichen Venenpunktionen zur Blutgewinnung im Vorfeld immer wieder Blutproben entnommen werden, um den Hormongehalt zu bestimmen. Blutaufkäufer Ísteka blase zur Blutgewinnung in den Fixierständen erst dann, wenn die Hormonmenge bei allen Stuten ausreiche, heisst es in Lallys Arbeit.
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Fischereiunternehmen pflanzen Wald zur Klimaneutralisierung

Neskaupstaður

Das Fischereiunternehmen Sildarvinnslan hf. hat die Länderei Fannardalur im Norðfjörður erworben und will dort bis zu 400 Hektar Wald anpflanzen, heisst es auf der Unternehmenswebseite. Damit will man auf eine Klimaneutralität des Betriebs hinarbeiten, berichtet mbl.is.
Die Schonungen sollen in Zusammenarbeit mit der isländischen Forstbehörde angelegt werden und alle Voraussetzungen für eine Zertifizierung zur Klimaneutralität, sowie Eingang in die isländische Klimaliste erhalten.

Das Interesse an einer Klimaneutralisierung wächst auch bei Islands Fischereiriesen. Eskja hf. im Eskifjörður war das erste Unternehmen, welches ankündigte, auf dem frischerworbenen Hof Freyshólar im Fljótsdalshérað Wald anzupflanzen, um seinen ökologischen Fussabdruck auzugleichen. Der Fischereimulti Samherji hatte im Oktober angekündigt, seine landgebundene Lachszucht im Öxarfjörður auszubauen und dafür auf der erworbenen Länderei Akursel Wald anzupflanzen. Fischkompost aus den Zuchtbecken soll dabei als Dünger dienen.

Kraftwerksoptionen im Fannardalur
Im Fannardalur winkt allerdings noch mehr als nur Wald. Síldarvinnslan hat die vier wasserreichen Flüsse des Tals im Visir, für die man nun Staumöglichkeiten prüft, ausserdem suchen Experten nach heissem Wasser.
Gelänge es, im Fannardalur Strom zu produzieren, könnte das Abhilfe schaffen bei der Energiewende im Transportbetrieb zu Wasser: seit Beginn des Jahres nutzen Schiffe, die vor der Fischmehlfabrik in Neskaupstaðir ankern, keinen Diesel mehr, sondern erhalten bei der Landung Strom vom Land aus, um den Fisch zu kühlen und die Landungsmaschinen zu betreiben. Nicht nur hier steigt der Strombedarf, auch die Fischmehlfabrik hat ihren Betrieb auf Strom umgestellt und Elektroautos angeschafft.

Mit einem Waldgebiet im Fannardalur soll es dann auch ein Ausflugsgebiet für die Bewohner von Neskaupstaðir geben, heisst es auf der Webseite. Die Länderei ist die letzte in dem 10 Kilometer langen Tal und seit 1956 nicht mehr bewohnt. Am Fuss des Tals thront der 1000 Meter hohe Gletscher Fönn, und hier findet sich auch ein alter Fuss-und Reitweg, der einst den Norðfjörður mit dem Hérað verband.

 

Asphaltbluten bringt LKW-Verkehr im Osten zum Erliegen

Auf einem 200 Kilometer langen Strassenabschnitt im Südosten des Landes hatte gestern eine Gewichtsbeschränkung für LKW eingeführt werden müssen, nachdem Asphaltbluten zu Strassenschäden geführt hatte, berichtet RÚV. Um weitere Schäden zu verhindern, durften zwischen Almannaskarð und Fáskrúðsfjörður nur noch LKW mit einem Maximalgewicht von sieben Tonnen verkehren. Die Gewichtsbeschränkung brachte den gesamten Schwerlastverkehr zum Erliegen. Betroffen waren vor allem der Warenverkehr und der Transport von Zuchtlachs.

Der Fisch sollte von Djúpavogur und Fáskrúðsfjörður nach Þorlákshöfn aufs Schiff transportiert werden. Statt durch den Süden musste der LKW die viel längere und teure Nordroute nehmen, der restliche Fisch wartet in Djúpavogur auf Freigabe, gab Arnar Sverrisson von der Smyril Line an.
Aber auch die Grosstransporteure Eimskip und Samskip sassen mit ihrem Fisch aus Djúpavogur, Breiðdalsvík und Stöðvarfjörður fest. Auf der anderen Seite des betroffenen Strassenabschnitts im Hornafjörður warteten LKW mit Molkereiwaren, Lebensmitteln und Kraftstoff darauf, in den Osten zu gelangen und Geschäfte und Tankstellen zu versorgen.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr gab es dann ein Aufatmen, als die Strassenverwaltung die Gewichtsbeschränkung auf 10 Tonnen anhob. Damit könne man zumindest fahren, wenn man die LKW nicht voll belade, kommentierte Agnar. Die Wettervorhersage für den Osten verheisst jedoch nichts Gutes für den Asphalt, und so kann es sein, dass sehr bald wieder sieben Tonnen Maximalgewicht gelten, um die Ringstrasse vor weiteren Schäden zu schützen.

In weniger befahrenen Regionen wird in Island eine kostengünstigere Asphaltmischung verwendet, die bei Temperaturschwankungen eher zum Bluten neigt. Der Schwitzfilm auf dem Asphalt bleibt an PKW-Reifen hängen, schwere LKW reissen ihn jedoch von der Strasse und verursachen Löcher in der Fahrbahn.