COVID-19: Island verschärft Inlandsmassnahmen

Heute um Mitternacht greifen in Island wieder striktere Seuchenschutzmassnahmen. Das haben Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir heute Mittag nach einer Kabinettssitzung angekündigt. Basierend auf Empfehlungen von Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason wird die erlaubte Personenzahl an einem Ort von 20 auf 10 gesenkt, Bars und Clubs müssen schliessen. Veranstaltungen und Vorstellungen werden nicht mehr gestattet. Zuvor hatten 200 Gäste einer Vorstellung beiwohnen können, wenn sie einen negativen Schnelltest vorlegten.
Schwimmbäder und Fitnesscenter dürfen 50 Prozent der erlaubten Besucherzahl einlassen. Der Schul- und Kindergartenbetrieb soll vorerst unverändert weiterlaufen, doch beobachten die Behörden, wie sich die Lage entwickelt und sind zum Eingreifen bereit, wenn es nötig wird.
Die neuen Bestimmungen gelten bis 2. Februar.

Auf der Pressekonferenz kündigte Katrín Jakobsdóttir an, dass die Regierung Hilfspakete für Tourismusindustrie und Kulturveranstalter schnüre. Auch die Fristen für Versicherungen und Steuerzahlungen sollen verschoben werden, um die finanzielle Belastung in der Gastronomie zu erleichtern.

Gestern sind in Island 1,113 neue Fälle gemeldet worden, insgesamt gibt es zur Zeit 9671 COVID-Erkrankte. Þórólfur Guðnason sagte, die tägliche Fallzahl müsse auf 500 gesenkt werden, um das Gesundheitssystem zu schützen. Die Universitätsklinik Landspítali läuft im Krisenbetrieb, etwa 140 Krankenschwestern sind infiziert und in Isolierung. Stationär versorgt werden derzeit 43 COVID-Patienten, acht Patienten befinden sich auf der COVID-Intensivstation. Vier Patienten sind in der aktuellen Welle an den Folgen der Infektion verstorben.
Auch wenn Omikron in Island dieser Tage die vorherrschende Virusvariante ist, so hat die Deltavariante doch schwere Krankheitsfälle verursacht und die Belastung der Klinik zusätzlich erhöht.

 

Gemeinde und Anwohner gegen Wiederöffnung von Siliziummetallwerk

Stakksberg Silicon Plant Helguvík.

Die isländische Arion Bank plant, das Siliziummetallwerk im südisländischen Helguvík an die PCC BakkiSilicon zu veräussern. Die beiden Geschäftsparteien haben dazu unlängst eine entsprechende Kaufabsichtserklärung unterzeichnet. Kjarninn berichtet, dass sowohl Anwohner als auch Gemeindeleitung gegen die Wiederöffnung der umstrittenen Fabrik sind.

Die Fabrik war im Jahr 2016 eröffnet worden, doch kurz nach Inbetriebnahme war es immer wieder zu Störungen und Unfällen gekommen, dann ging das Unternehmen bankrott, während gleichzeitig in der Öffentlichkeit Proteste gegen die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit durch die Fabrik laut geworden waren.
“Der Gemeinderat von Reykjanesbær hat wiederholt seine Ansichten zum Betrieb des Siliziummetallwerkes an die Arion Bank übersendet,” erklärte das Gemeinderatsmitglied Friðjón Einarsson und betonte, bei Anwohnern und im Gemeinderat sei man dagegen, dass die Fabrik wieder ans Netz gehe. “Wir haben formal verlangt, mit der Bank kooperieren, um die Fabrik abzuwickeln und gemeinsam daran zu arbeiten, die Beschäftigungssituation in Helguvík zu verbessern. Leider ist das nicht passiert.”

Planungsbüro beurteilt Auswirkungen als negativ
Vielmehr hat die Arion Bank Pläne aus der Schublade geholt, in denen es um Sanierung, Wiedereröffnung und Expandierung der Fabrik geht. Diese Pläne waren an die isländische Planungsbehörde gegangen, die am 31. Dezember ihr Gutachten abgegeben hatte. Darin hiess es, die Veränderungen würden sehr wahrscheinlich die Störanfälligkeit der Fabrik mindern, unter denen der Betrieb zuvor gelitten hatte. Auch wenn die Veränderungen anfallende Schadstoffemmissionen verringerten, so sei die Auswirkung in der ersten Öffnungsphase doch weiterhin negativ, und sehr negativ, sobald sich alle vier Öfen gleichzeitig in Betrieb befänden.
“Wir werden alles versuchen, um die Wiedereröffnung zu stoppen und werden auch weiterhin von der Bank verlangen, ihre Pläne ad acta zu legen,” verspricht Friðjón. “Meiner Ansicht nach hat die Bank kein Recht, so zu handeln, und es ist absolut unglaublich, dass die Bank nicht auf die Anwohner hört.” Er weist darauf hin, dass Arion Banki das gesamte Projekt finanziert habe, ein Projekt, welches “vollkommen baden ging, und die Bank ist verantwortlich dafür, wie das gelaufen ist.”
Friðjón sagt, den Behörden in Reykjanesbær sei zu Ohren gekommen, dass es Interesse aus dem Ausland gebe, die Fabrik zu kaufen, abzuwickeln und die Einzelteile ins Ausland zu bringen. Nach Friðjóns Angaben hätte die Gemeinde der PCC BakkiSilicon mitgeteilt, dass die Anwohner keinerlei Interesse an einem Kauf und Wiedereröffnung der Fabrik hätten und dagegen kämpfen würden.