Island lockert Quarantäne für dreifach und zweifach Geimpfte

Minister of Health Willum Þór Þórsson

Mit dem heutigen Tag gelten in Island neue Bestimmungen für die Quarantäne. Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson hatte sie auf Empfehlung von Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason vorgestellt, berichtet RÚV.

Die neuen Bestimmungen gelten für Personen, die dreifach geimpft sind und die letzte Impfdosis mehr als 14 Tage vor dem Infektionskontakt erhalten haben, sowie für Personen, die sich von einer bestätigten COVID-19 Infektion erholt haben und zweifach geimpft sind, insofern sie die zweite Impfdosis mehr als 14 Tage vor dem Infektionskontakt erhalten haben.
Diese Personen dürfen zukünftig:
– zur Arbeit und in die Schule gehen, notwendige Besorgungen machen, zum Arzt gehen, in Lebensmittelgeschäfte und Apotheken gehen und den öffentlichen Nahverkehr benutzen.
Sie dürfen nicht:
– an Versammlungen mit mehr als 20 Personen teilnehmen, ausser im obigen Zusammenhang.
– Arztpraxen und Pflegeheime aufsuchen, ausser mit expliziter Genehmigung der Institution.
Sie müssen verpflichtend:
– überall Maske tragen, ausser im Umgang mit ihren Nächsten. Die Maskenpflicht gilt auch, wenn zwei Meter Abstand gehalten werden können.
– Den Kontakt zu Personen vermeiden, die durch eine Ansteckung besonders gefährdet wären.

Die Beschränkungen enden erst, wenn am fünften Tag der Quarantäne ein negatives PCR-Testergebnis vorliegt.
Wenn eine Person irgendwann in diesen fünf Tagen Symptome verspürt, muss sie sich sofort einem PCR-Test unterziehen. Die Quarantänezeit ist niemals kürzer als fünf Tage. In einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums heisst es, die Entscheidung basiere auf fachlicher Einschätzung und der hohen Impfrate in Island. Die Regelung ist heute in Kraft getreten und gilt daher auch schon für alle obengenannten geimpften Personen, die sich derzeit in Quarantäne befinden.

Die Änderung beschert allen dreifach Geimpften nun weitaus weniger Beschränkungen im Alltag. In Island sind inzwischen 160.000 Personen (von ca. 370.000 Einwohnern) dreifach geimpft. Auch zweifach Geimpfte können sich unter bestimmten Umständen wieder freier bewegen.
Islands Chefepidemiologe weist darauf hin, dass Untersuchungen aus Grossbritannien und Dänemark zufolge die Dreifachimpfung das Risiko einer Ansteckung stark senke, vor allem mit der Delta-Variante, aber auch gegen die derzeit grassierende Omikron-Variante, auch wenn der Schutz da schwächer ausfalle.

Auf der Webseite der Regierung wird Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson zitiert: “Wir müssen die Gesellschaft im Gang halten, koste es was es wolle, ob wir die Schulen betrachten, die öffentliche Wohlfahrt oder alle möglichen Betriebe, und so wie sich die Lage derzeit darstellt, ist dies eine unbedingt notwendige Reaktion.”

 

MAST reicht Blutstutenuntersuchung an die Polizei weiter

bloodmare

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat einer Mitteilung auf der Webseite zufolge die Untersuchung von mit versteckter Kamera gefilmten tierquälerischen Vorfällen bei der Blutgewinnung aus Blutstuten an die Polizei übergeben.
Die Behördenleiterin gab RÚV gegenüber an, MAST sei mit der Untersuchung nicht weiter gekommen, weil die Behörde das ungeschnittene Filmmaterial nicht erhalten habe, daher müsse nun die Polizei übernehmen.
Die Misshandlungen von Blutstuten bei der Blutgewinnung, die in einem im November von Schweizer Tierschutzorganisationen veröffentlichten Video zu sehen sind, hatten im In- und Ausland für heftige Reaktionen gesorgt.
Die leitende Tierärztin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte, ihre Behörde habe das Video intensiv geprüft und Informationen zu den Aufnahmetagen erhalten. “Da konnten wir wissen, wo das aufgenommen wurden und was für Personen da vor Ort waren. Auch wenn sie in dem Video nicht namentlich genannt wurden,” erklärte Sigurborg.

Einschätzung an Polizei übersandt
Im Rahmen der Untersuchung hat MAST von den ermittelten Personen Erklärungen erbeten, eine Zusammenfassung erstellt und eine Einschätzung an die Polizei übersandt, zu deren Inhalt Sigurborg sich jedoch nicht äussern wollte.
“Das wichtigste Ergebnis ist, dass wir mit der Untersuchung nicht weiterkommen. Wir können diese Angelegenheit nicht abschliessen, weil wir nicht über das ungeschnittene Video verfügen, wir haben das nicht ausgehändigt bekommen. Es ist schwierig, auf geschnittene Videos aufzubauen, weil man mit Schnitt alles mögliche veranstalten kann, wie wir das aus Kinofilmen kennen.”

Auf Nachfrage von RÚV, ob nicht offensichtlich sei, was in den Aufnahmen passiere, antwortete Sigurborg,”Ja, aber es fehlt, wie lange das war, werden da die gleichen Sachen immer wieder gezeigt, es ist so schwierig, das auf einem geschnittenen Video zu erkennen, und das ist von Belang, wenn es um die Schwere des Vergehens geht.”
Auf die Frage, ob es sich nicht trotz allem eher um ein schweres Vergehen handle, was man in dem Video sehe, gab die Tierärztin an, “Wir können das nicht basierend auf diesem geschnittenen Video beurteilen, daher muss für die Schwere des Vergehens das ungeschnittene Video her.”

Die Tierschutzverbände AWF und TSB hatten Anfang Dezember in einem offenen Brief an Behörden und Presse mitgeteilt, man werde das ungeschnittene Material aus Personenschutzgründen nicht an MAST übergeben (die Personen im Video sind unkenntlich gemacht). Sollte jedoch die Staatsanwaltschaft in dem Fall ermitteln, seien AWF und TSB bereit zur Zusammenarbeit.
Mehr zum Thema Blutstuten.

 

Ein-Mann Wiederaufforstungsprojekt auf der Mosfellsheiði

Tausende Jahre vor der Besiedelung Islands waren der grösste Teil der Insel in Küstennähe und auch Teile des Hochlandes von Birkenwäldern bedeckt. Während Bruchstücke der alten Wälder immer noch existieren und sich mit der Klimaerwärmung, sowie dank Schutzmassnahmen vor dem Verbiss durch Schafe ausgebreitet haben, ist der Rest des Landes eigentlich eher für seine Baumlosigkeit bekannt.
Nach einem Apell der UN zu Schutz und Wiederbelebung von Ökosystemen auf der ganzen Welt hat der Biologe Atli Jósefsson die Sache in seine Hände genommen und versucht nun, zumindest einem kleinen Teil des Landes die alte Vegetation widerzugeben.

Steine und nackter Erdboden kein ursprünglicher Zustand
Die Heide Mosfellsheiði ist das, was Isländer unter einer typischen Landschaft verstehen. Beerenbedeckte Mooshügel, dazwischen steinige Gebiete mit nacktem Erdreich. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte es hier jedoch noch ursprüngliche Birkenwälder gegeben. Und um einer weiteren Bodenerosion zuvorzukommen, sind heute weite Bereiche der Region abgezäunt. Genau hier will Atli seine Ein-Mann-Mission stattfinden lassen.
Der Biologielehrer am Gymnasium Hamrahlíð hat jahrelang Physiologie an der Universität gelehrt. Von Aufforstung oder Waldwirtschaft versteht er nicht viel, aber Islands Natur hat ihn schon immer fasziniert. Und über die durch jahrhundertelange Misswirtschaft heruntergekommenen Bezirke rund um die Hauptstadt habe er schon oft geklagt, sagte er unlängst dem Bændablaðið gegenüber. “Die meisten Hauptstadtbewohner halten die steinige und moosige Mosfellsheiði mit ihren nackten Erdflächen für den normalen Zustand der dortigen Vegetation. Ich glaube, wir sind es uns selber schuldig, einen Teil der früheren Landqualität zurückzugewinnen und seine Biodiversität wiederherzustellen. Da die Behörden nicht genug in der Region getan haben, hab ich mich entschieden, meine eigene Mission zu beginnen, so klein sie auch sein mag, in der Hoffnung, dass es andere inspiriert.”

Aufforstung ist Erfolgskonzept
Für eine gelungene Wiederherstellung der Natur gibt es durchaus Beispiele, eins davon ist die Þorsmörk, die im 19. Jahrhundert gerodet wurde und danach stark erodierte. Um 1920 herum entschied man, die Rodungen zu verbieten und die Schafe auszuzäunen, und seitdem gibt es dort wieder Gebüsch und üppige Birkenwälder, wie in den ganz alten Zeiten.
Ein anderes Beispiel ist der Wald Hafnarskógur am Fuss des Hafnarfjall vor dem Borgarfjörður. Dieser Wald gilt als eine der Stellen, die schon zur Zeit der Besiedlung bewaldet war, und möglicherweise sogar seit der letzten Eiszeit. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Boden des Hafnarskógur eins der karbonhaltigsten Erdreiche in ganz Island ist, was darauf hindeutet, dass die Aufforstung mit Birkenwäldern Karbon langfristig binden könnte.

Atli möchte den Südwestteil der Mosfellsheiði, Elliðakotsheiði, mit Birken aufforsten. Das Land gehört zur schaffreien Zone der Hauptstadt, und die Landbesitzer haben ihm erlaubt, die ursprüngliche Vegetation wiederherzustellen. Nur einheimische Bäume sollen hier dann wachsen, wie die Moorbirke, Brockenweide, und die Wollige Weide, ausserdem Grassamen für die erodierten Flächen zwischen den Gesteinsbrocken.
Das Projekt begann mit Vorbereitungen in 2020, im letzten Frühjahr gab er sich ans Pflanzen, zehn Schuhkartons mit Birkensamen, 1000 Weidensetzlinge und 500 Birkensetzlinge. In diesem Jahr sollen noch mal 1000 Birken hinzukommen. Die Setzlinge pflanzte er in Gruppen zusammen, sodass sie nach einem Jahrzehnt die Aussamung selbst übernehmen können. Das hat schon bei den grossflächigen Wiederaufforstungen rund um den Vulkan Hekla gut funktioniert, wo man Erosion mit Birken bekämpfte.
“Nach allem was wir wissen, ist der Birkenwald das natürliche Endstadium von Vegetation im isländischen Tiefland. Zum Ende der letzten Eiszeit befand sich Island an einem Anfangspunkt der Vegetation, und das Ergebnis von tausenden Jahren isolierter Entwicklung war ein Land, welches von Birkenwäldern bedeckt war.” Bis der Mensch auf die Insel kam.
Natürlich gibt es keinen Erfolgsgarant, aber es ist durchaus möglich, dass die Birkenwälder von selber wiederkommen, wenn man sie für ein paar Jahrzehnte sich selbst überlässt. “Ich helfe nur, das ein bisschen zu beschleunigen,” meint Atli.

Fünf Rücktritte an einem Tag nach Missbrauchsvorwürfen

Mehrere einflussreiche Geschäftsmänner und eine bekannte Person aus den Medien haben gestern ihren Rücktritt von den jeweiligen Posten angekündigt oder wurden in Urlaub geschickt, nachdem Vorwürfe zu sexuellem Missbrauch lautgeworden waren, berichtet RÚV. Einer von ihnen ist der Vorstandsvorsitzende von Festi, einem der grössten Investmentunternehmen Islands, das mehrere grosse Ketten betreibt.

Vítalía Lazareva hatte in einem Interview der Podcastplattform Eigin konur beschrieben, wie sie zwei voneinander unabhängige Erlebnisse von sexuellem Missbrauch von Hand mehrerer mächtiger und in der Öffentlichkeit stehender Personen erlitten habe.
Das erste Ereignis hatte sich im Sommerhaus ihres Lebensgefährten zugetragen, wo es zu sexuellen Übergriffen im heissen Bad durch drei Freunde des Lebensgefährten gekommen sei. Vítalía beschrieb die Vorgänge als “über alle Grenzen hinaus gehend”. Über Wochen hinweg hatte es Gerüchte um die Identität der männlichen Personen gegeben, nach Veröffentlichung des Interviews waren Namen im Internet zu lesen gewesen, und gestern trat einer nach dem anderen von seinem Posten zurück.

Ari Edwald verlässt seinem Posten als Exportleiter der Ísey, eines Schwesterunternehmens der Molkerei MS. Zuvor war Ari als Direktor der 365 Media, als Geschäftsführer des Unternehmerverbandes und als Staatssekretär eines Ministers tätig gewesen.
Hreggviður Jónsson schrieb in einer Erklärung gestern, er verlasse den Vorstand von Veritas Capital und angeschlossenen Unternehmen. Er bedauere, sich aus der von Vítalía beschriebenen Situation nicht entfernt zu haben, ihre Seite der Geschichte zu hören sei schwer zu ertragen. Er nehme die Angelegenheit sehr ernst, aber er habe niemals das Gesetz gebrochen. Hreggviður ist Begründer der Veritas, die mehrere Unternehmen im Gesundheitswesen besitzt. Zuvor war er als Vorstandsvorsitzender des isländischen Handelsrates und als Direktor der Norðurljós Media tätig gewesen.
Das Investmentunternehmen Festi ist Islands viertgrösstes Unternehmen und besitzt die Ketten N1, Krónan, Elko und weitere. Es kündigte gestern an, dass Vorstandsvorsitzender Þórður Már Jóhannesson verlangte habe, von seinem Posten zurücktreten zu können. Um das Jahr 2000 hatte Þórður Már als Leiter der Straumur Investmentbank gearbeitet, dann hatte er das Investmentunternehmen Gnúpur gegründet, welches nach einer Finanzkrise Insolvenz anmelden musste. Festi-Direktor Eggert Þór Kristjánsson war für einer Stellungnahme gestern nicht erreichbar.
Die vierte Person der Missbrauchsgeschichte ist Arnar Grant, damaliger Lebensgefährte von Vítalía und einer der bekanntesten Fitnesstrainer Islands, der seinen Posten im Fitnesscenter World Class gestern verlassen hat.

Der zweite Vorfall hat sich Vítalía zufolge während eines Golfausflugs von Arnar und seinen Freunden zugetragen, wo eine weitere Person mit einem Schlüssel das Hotelzimmer der beiden betrat. Vítalía gab an, sie habe sich wie eine Prostituierte gefühlt, als ihr Lebensgefährte den Besucher einlud, sie vor seinen Augen sexuell zu missbrauchen.
Dabei geht es um den K100 Radiomoderator Logi Bergmann. Der ging gestern nur kurz auf den Vorfall in seiner Radiosendung ein. “Ich habe mich schon mal besser gefühlt, aber wir werden hier Radioprogramm machen. Ich bringe jetzt eine Sendung, und dann nehme ich ein bisschen frei, und dann sehen wir was passiert.” Weder Logi noch K100 Intendant Magnús E. Kristjánsson waren zu Stellungnahmen bereit.