Blutstuten: Landwirtschaftsministerin setzt Arbeitsgruppe ein, Ergebnis bis 1. Juni erbeten

Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hat heute wie angekündigt eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten (“Blutstuten”) zu diskutieren, berichtet Vísir. Die Arbeitsgruppe soll in den kommenden Tagen ihre Tätigkeit aufnehmen und den Blutbetrieb selbst, das gesetzliche Rahmenwerk dazu und die Aufsichtsführung prüfen.
Die Ministerin hatte um Nominierungen für die Besetzung gebeten und sich dabei an die Veterinäraufsichtsbehörde MAST und das Institut für Ethik der Universität Islands gewandt.
Vorsitzende ohne Nominierung ist Iðunn Guðjónsdóttir, eine Expertin beim Ministerium für Beschäftigung und Innovation. Nominiert wurden Sigríður Björndóttir, leitende Fachtierärztin von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, sowie der Ethikprofessor Ólafur Páll Jónsson von der isländischen Universität. Der Ausschuss hat der Ministerin vor dem 1. Juni Vorschläge zu unterbreiten. Die Deckperiode für im Sommer benutzte Blutstuten beginnt Mitte/Ende Mai.

Arbeitsgruppe und MAST-Untersuchung voneinander getrennt
Die Veterinäraufsichtsbehörde untersucht zur Zeit tierquälerische Vorgänge bei der Blutgewinnung aus tragenden Stuten, die ein mit versteckter Kamera aufgenommenes Video zweier Schweizer Tierschutzorganisationen im November veröffentlicht hatten. Die Kontrollaufsicht über Tierwohl und Tiergesundheit gehört zu den Aufgabenbereichen der Behörde.
Nach Bekanntwerden der Zustände auf den gefilmten Höfen kamen Hintergründe aus der Branche ans Licht, die der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt gewesen waren, wie etwa die entnommene Blutmenge, die in Island weitaus höher liegt als im Ausland zugelassen, wobei eine wissenschaftliche Untermauerung der Menge, sowie Daten über den körperlichen Zustand der tragenden Stuten und Fohlen bislang weder von MAST noch von Ísteka geliefert wurden; die Monopolrolle des blutaufkaufenden Pharmaunternehmens Ísteka auf einem inländischen Blutmarkt, der keiner ist, oder die Tatsache, dass das Fohlenfleisch nach Deutschland als Tierfutter entsorgt wird. Ebenfalls bekannt wurde, dass Ísteka seine Ausbeute von 170 Tonnen Blut auf 600 Tonnen erhöhen will und dafür den Blutstutenbestand von 5400 auf 20.000 Tiere ausbauen müsste. Auch die Zucht einer speziellen “Blutlinie” soll zu dem Zweck betrieben werden. Mit etwa 600 eigenen Blutstuten auf drei Höfen ist Ísteka grösster Pferdebesitzer in Island. Der Löwenanteil des Blutes stammt von Höfen, wo Stuten für diesen Zweck gehalten und benutzt werden. MAST kontrolliert die Pferdehaltung der Blutfarmen über das Jahr, Ísteka führt mit eigenen Tierärzten die Kontrollaufsicht an den jeweiligen Blutgewinnungsterminen.
Über eine Genehmigung zum Ausbau des Blutgeschäfts befindet zur Zeit die isländische Umweltbehörde, ein Ergebnis soll noch vor Ende Januar vorliegen, schreibt das Fréttablaðið.

In der Ankündigung des Ministeriums für Beschäftigung und Innnovation hiess es heute, die behördliche Untersuchung rund um das Video verlaufe getrennt von den Aufgaben der ministeriellen Arbeitsgruppe. Die Untersuchung durch MAST war im Dezember jedoch von der obengenannten in der Arbeitsgruppe sitzenden Pferdefachtierärztin angekündigt und erläutert worden.

Bevölkerung erhält Gelegenheit, sich zu äussern
Die ministerielle Arbeitsgruppe soll sich mit Interessensvertretern treffen, Einzelheiten dazu wurden nicht bekannt. Ausserdem wird die Allgemeinheit Gelegenheit erhalten, sich im Konsultationsweb der Regierung zu Wort zu melden, sobald ein Empfehlungspapier der Arbeitsgruppe vorliegt. Samráðsgátt ist ein demokratisches Werkzeug, welches eine Art Kommunikation zwischen Bevölkerung und Regierung ermöglicht. Sämtliche Empfehlungen, Gesetzesentwürfe und Änderungen werden aufgeführt und jedermann hat die Gelegenheit, seine Meinung zum Thema dort kundzutun, bevor das jeweilige Papier im Parlament bearbeitet wird.  Seit Bekanntwerden des Videos hatte sich bereits eine Vielzahl von Organisationen und Interessensgruppen öffentlich und in den Medien gegen das Blutgeschäft ausgesprochen.
Den tragenden und laktierenden Stuten wird bis zu zehnmal pro Sommer jeweils fünf bis acht Liter Blut abgelassen. In dem Video war zu sehen gewesen, dass den Tieren für das Setzen der bleistiftdicken Entnahmekanüle und den Abfüllprozess der Kopf in einer erhobenen Zwangshaltung fixiert wird. Eine solche Fixierung verbietet das isländische Pferdeschutzgesetz. Die beteiligten Veterinäre hatten nicht eingegriffen.
Aus dem Blut der Islandstuten wird das Hormon PMSG gewinnen, welches im europäischen Ausland in der Schweinezucht Verwendung findet.
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Touristin von der Lava geholt, hohe Temperaturen gemessen

Am Silvestertag hatte die Rettungstruppe aus Grindavík, Þorgbjörn, ausrücken müssen, um eine Frau von der Lava herunterzuholen. Nach Angaben der Retter war sie zum Krater gelaufen und hatte sich nicht mehr auf dem gleichen Weg zurückgetraut.

Auf der Facebookseite der Rettungsgruppe steht dazu zu lesen, dass man seit Beginn des Vulkanausbruchs davor gewarnt habe, die Lava zu betreten, weil sie instabil und gefährlich sei. Diesen Tag, drei Monate nachdem die letzte Lava an die Oberfläche gekommen sei, habe man zum Anlas genommen, die Möglichkeit einer Rettungsaktion zu Fuss über die Lavafläche zu prüfen.
Die Gruppe hatte sich dort auf den Weg gemacht, wo der Weg am kürzesten erschien und wo die Dicke der Lavadecke am geringsten war. Mit sich führte sie ein Temperaturmessgerät und ein Brecheisen.
Nach nur wenigen Metern drehte die gut ausgerüstete Gruppe wieder um und rief den Hubschrauber, um die Frau weit draussen aus ihrer misslichen Lage zu holen.

Die Rettergruppe informiert die Öffentlichkeit über folgendes:
– Die Oberfläche der neuen Lava ist sehr instabil und zerbrechlich, wie das Foto beweist. Es besteht ein hohes Risiko, dass man durch die Oberfläche hindurchbricht, hier besteht das Risiko, dass Hitze nach oben steigt, sowie die Gefahr, dass man sich an den scharfen Bruchkanten am Bein oder Fuss verletzt.
– Wir wissen nicht, was sich unter der Oberfläche verbirgt, und wo sich Gänge oder Höhlen gebildet haben. Während es in den Gebiet seismische Aktivität gibt, kann die Oberfläche der Lava jederzeit ohne Vorwarnung einstürzen.
– An vielen Stellen auf der Lavaoberfläche ist grosse Hitze festzustellen. An manchen Stellen sahen wir auf dem Temperaturmessgerät, dass die Hitze auf über 200 Grad ging. Es braucht nur einen falschen Schritt, um sich ernsthafte Verbrennungen zuzuziehen.
– Die Rettungsteams werden nicht auf die Lava hinausgehen, wenn solche Bedingungen vorherrschen. Wenn Leute auf die Lava gehen und verunglücken, können sie nur mit dem Hubschrauber abgeholt werden.
Der Einsatz heute war der 94. in diesem Jahr.
In Island gibt es drei Rettungshubschrauber, die nicht nur zur Personenrettung, sondern auch für dringende Krankentransporte genutzt werden.

 

Bullenmast mit Bier

Die Mastbullen auf dem Hof Hvammur in Ölfus sind wohl die einzigen Rinder in Island, die mit Bier gemästet werden, berichtet Vísir. Jeden Tag erhalten sie abgelaufenes Bier und Biertrester, und nach der Schlachtung hat ihr Fleisch einen Biergeschmack, den so manchen Grillmeister entzückt.

Davíð Clausen Pétursson, der Bierbauer von Hvammur, findet es toll, wie seine Mastrinder die Diät aus Bier und Gerste geniessen.
“Ja, die schlingen das runter, die finden kaum etwas besser. Sie sind auch sehr zahm, jedenfalls von meiner Seite des Gitters aus. Aber sie riechen immer nach Alkohol, ich bin nicht sicher, ob sie beim Pusten auf Null Promille kommen würden,” grinst der Bauer.
Die Steaks aus der Herstellung sind zart, marmoriert und mit viel Fett im Fleisch und schmecken am besten einfach nur mit Salz.
Davíð erzählt, seine Bullen hätten durchschnittlich um 40 Kilo zugenommen, seit er mit der Bierdiät begonnen hat. Statt 260 Kilo Schlachtgewicht komme er jetzt auf 300 Kilo. Und er findet, dass noch mehr Rinderzüchter Bier an ihre Tiere verfüttern sollten.

Die Bierfütterung in der Bullenmast ist im Ausland vor allem aus der Wagyu-Zucht bekannt, einer japanischen Rinderrasse, die wegen ihres fetten Fleischs Liebhaber hat. Wagyu-Rinder leben den Sommer über in Weidehaltung und benötigen für die Winterhaltung sehr viel Stallraum zur Bewegung. Das Bier erhalten die meisten Bullen nur vor der Schlachtung im Rahmen einer besonderen Kraftfuttermischung, die jeder Züchter selbst herstellt.

Heisswasser sparen nach Schaden im Kraftwerk

Seit gestern gibt es in den Bezirken Rangárþing ytra, eystra und Ásahreppur heisses Wasser nur noch durch eine Notversorgung mit niedrigem Druck in den Leitungen, liess der Wasserversorger der Region die Einwohner wissen.
Für Grossverbraucher wurde die Wassermenge eingeschränkt, Wasser sparen gilt jedoch für alle Bewohner des Gebietes während der Reparaturarbeiten, um den Hahn nicht ganz abdrehen zu müssen, heisst es in einer Erklärung des Wasserversorgers.

Man geht davon aus dass es im Wasserkraftwerk Burfell an der Þjórsá zu Stromschlägen gekommen ist, die zu Stromschlägen im Aluminiumwerk Rio Tinto in Straumsvík geführt haben. Das verursachte einen Kurzschluss in der Pumpe, die sich nach dem Ausfall nicht wieder in Gang setzen wollte.
Für die Reparaturarbeiten musste Material, Mannschaft und ein Kran zum Kraftwerk im Þjórsárdalur gebracht werden, um die Pumpe aus dem Loch zu heben, was wegen des Unwetters zunächst nicht möglich war. Eine Ersatzpumpe soll die Reparaturarbeiten dann überbrücken.
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Arbeiten am Mittwoch abgeschlossen sein werden. Bis dahin greifen Notfallpläne, wie die Inbetriebnahme einer weiteren Heisswasserquelle in Laugarland, eine Druckminderung in den Leitungen und die dringende Bitte um Wassersparen.

Wassersparen heisst in Island auch, die Fenster zu schliessen und Haustüren nur für notwendige Gänge zu öffnen, denn um die 90 Prozent des heissen Wassers wird für die Beheizung der Häuser benutzt. In diesen Tagen herrschen in dem Gebiet Minustemperaturen von bis zu -8 Grad bei Ostwind.