Blutstuten: Isländisches Fohlenfleisch in deutschem Tierfutter, Monopolstellung der Ísteka

Das Pharmaunternehmen Ísteka ist mit 600 lebenden Pferden Islands grösster Pferdebesitzer, schreibt das Bændablaðið. Weil das Unternehmen diese Pferde für seine Blutgewinnungszwecke benutzt und aus dem Blut Produkte herstellt, handelt es sich dabei um eine vertikale Unternehmenskonzentration, die durch aufeinanderfolgende Verarbeitungs- und Handelsstufen gekennzeichnet ist. Bændablaðið zufolge nimmt Ísteka damit eine marktbeherrschende Position ein, nicht zuletzt weil es keinerlei Wettbewerb auf dem isländischen Blutmarkt gibt.
Eine marktbeherrschende Position liegt nach dem 4. Paragraphen (44/2005) des isländischen Wettbewerbsgesetzes vor, wenn ein Unternehmen die wirtschaftliche Macht hat, einen Wettbewerb auf dem Markt zu behindern und tätig zu sein, ohne Rücksicht auf andere Unternehmen, Kunden und Konsumenten nehmen zu müssen. Paragraph 11 des Wettbewerbsgesetzes verbietet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Position. Missbrauch liegt unter anderem vor, wenn direkt oder indirekt unfaire Preise oder Geschäftsbedingungen geboten werden.

Geheimniskrämerei um Blutwerte
Vor zwei Jahren hatte ein Landwirt im Blutstutengeschäft einen Beschwerdebrief an die Wettbewerbsbehörde geschickt und über Betriebspraktiken des Blutaufkäufers geklagt. Unter anderem beschwerte sich Kristján Þorbjörnsson von Gilsstaðir darüber, dass die Landwirte keinerlei Informationen über den Hormonertrag pro Stute und Blutgewinnungstag erhalten, also nicht wissen, welchen an der Hormonmenge gemessenen Wert die jeweilige Stute für den Hof hat. Ísteka verfüge über diese Informationen, gebe sie aber an die Stutenbesitzer nicht heraus.
Des weiteren beklagte der Landwirt, dass das Unternehmen selbst mehrere Höfe besitze und Land gepachtet habe und dort auf Betriebskosten Pferdezucht betreibe, die darauf abziele, besonders hochwertige “Blut”-Stuten zu züchten. Doch erfolge auch diese Arbeit hinter verschlossenen Türen. Weder gebe es einen Forschungsplan für die Zuchtexperimente, noch werde ein anerkannter Experte genannt, der diese Experimente fachlich begleite und verantworte. Der Landwirt zitierte in seinem Brief eine Bemerkung der Unternehmensleitung, man produziere bei Ísteka das “teuerste Blut” für die PMSG-Herstellung.
Als Kristján im August 2019 die neue Preisliste der Ísteka übersandt wurde, hatte er nicht unterschreiben wollen. Das Unternehmen habe ihm daraufhin zur Wahl gestellt, wenn er nicht unterschreiben wolle, den Vertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen oder aber das Blut selbst zu verarbeiten.
Die Wettbewerbsbehörde antwortete dem Landwirt etwa drei Monate später. Man betrachte den Brief als Hinweis, prüfe den Fall jedoch nicht, da andere Angelegenheiten Vorgang hätten.

Keine Stutenblutpräparate in Island
Ísteka extrahiert aus dem Blut der 5400 tragenden und laktierenden Blutstuten das Hormon PMSG, welches Verwendung in Fruchtbarkeitsmedikamenten für die Nutztierzucht findet. Einer der Hauptabnehmer ist die deutsche Schweinezucht. In Island selbst, so zitiert das Bændablaðið den Tierarzt Gísli Sverrir Halldórsson, der seit sieben Jahren in der Blutgewinnung arbeitet, kommen für die hormonelle Besamungvorbereitung nur künstlich hergestellte Präparate zur Anwendung. Das Stutenblutpulver gehe ausschliesslich in den Export, und im Ausland sei die Nachfrage danach sehr hoch. Weltweit gibt es nur vier Länder, die PMSG produzieren, neben Island sind das Argentinien, Uruguay und China.
Ístekas Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson hatte angekündigt, die Blutausbeute in den kommenden Jahren von 170 Tonnen auf 600 Tonnen aufzustocken. Ein entsprechender Antrag liegt zur Bearbeitung bei der isländischen Umweltbehörde. Bis einschliesslich zum 22.12. 2021 kann man dort noch schriftlich Einwände erheben. Für die Aufstockung wären Berechnungen zufolge dann etwa 20.000 Stuten notwendig, statt bislang 5400. Der Gesamtpferdebestand in Island wird auf etwa 70.000 Tiere geschätzt, und würde sich dann auf ca. 90.000 erhöhen, die Fohlen nicht mitgerechnet.

Isländisches Fohlenfleisch in deutschem Hundefutter
Die Fohlen aus diesen Stuten landen fast ausschliesslich in der Schlachtung. Auf dem isländischen Markt finden sich insgesamt 68 Prozent des produzierten Pferdefleischs wieder, der Rest wird exportiert, berichtet das Bændablaðið.
Grösster ausländischer Kunde für Pferdefleisch aus Island ist mit 40 bis 45 Prozent der Gesamtexportmenge die Bundesrepublik Deutschland. Allein im Jahr 2021 wurden dort 124 Tonnen isländisches Pferdefleisch importiert. Dabei wandert minderwertiges Fohlenfleisch zusammen mit Pferdeschlachtabfällen in die deutsche Tierfutterindustrie.
Nach Europa gelangen 87 Prozent des isländischen Pferdefleischs (Belgien 13.255 kg, Holland 93,825 kg, Italien 5.675 kg, Schweiz 36.609 kg) der Rest wird nach Russland (39.000 kg), Japan (7.518 kg) und China exportiert.

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COVID-Transporte durch Touristunternehmen soll Feuerwehr entlasten

Die isländische Krankenversicherung hat ein Abkommen mit dem Fremdenverkehrsunternehmen Gray Line zum Transport von COVID-Patienten abgeschlossen, berichtet RÚV. Damit soll die Belastung der Hauptstadtfeuerwehr, die bislang alle COVID-Transporte vorgenommen hatte, abgemildert werden.
Erkrankte die liegend transportiert werden müssen oder medizinische Betreuung beim Transport benötigen, sollen auch weiterhin von der Feuerwehr betreut werden.
In einer Regierumgserklärung heisst es, dass die COVID-Transporte in der Vergangenheit eine umfangreiche Aktivtät der Hauptstadtfeuerwehr gewesen seien. Es sei vorhersehbar dass der Bedarf solcher Transporte infektionsbedingt weiter ansteige.
Gray Line wird die Transporte mit PKW oder Kleinbussen durchführen, maximal sollen vier Personen pro Fahrt befördert werden. Die Transporte sind gedacht für Personen, die infiziert sind, oder wo der Verdacht einer Infektion besteht, transportiert wird zwischen Wohnung und Ort der Isolierung oder Quarantäne, vor allem in der Hauptstadtregion, möglicherweise jedoch auch ins Sommerhaus im Süden des Landes. Der Fahrdienst muss mindestens während der Öffnungszeiten der COVID-Ambulanz im Landspítali zwischen acht Uhr morgens und 23 Uhr bereitstehen, schreibt Vísir.
Dazu sollen fünf bis sechs neue Fahrer eingestellt werden, die Fahrzeuge müssen für den Transport von Infizierten geeignet sein und desinfiziert werden. Das Unternehmen geht davon aus dass der Fahrdienst ab dem 1. Januar angeboten werden kann, vielleicht sogar schon früher.

 

COVID: 20 Personen- und Zweimeterregel gelten für die nächsten drei Wochen

Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson hat nach einer Kabinettssitzung am Vormittag die neuen Seuchenpräventionsmassnahmen der Regierung vorgestellt.
Demnach wird die erlaubte Personenzahl an einem Ort auf 20 begrenzt und die Zweimeterabstandsregel wieder eingeführt. Schwimmbäder und Fitnesszentren dürfen nur noch die halbe erlaubte Gastzahl einlassen, für grössere Veranstaltungen ist ein COVID-Schnelltest zwingend erforderlich.

Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hatte die Vorschläge gestern Abend vorgelegt. Er hatte auch empfohlen, die Weihnachtsferien der Schulen zu verlängern, doch diese Empfehlung setzte Willum Þór nicht gleich in die Tat um. Stattdessen werde, so Willum, der Bildungsminister die Lage in den kommenden Tagen intensiv beobachten und dann eine endgültige Entscheidung treffen.
Die neuen Bestimmungen betreffen nicht die Öffnungszeiten von Geschäften, Bars oder Restaurants. Auch die Einreiseregelung an den Grenzen bleibt unverändert

In den vergangenen 10 Tagen waren die Infektionszahlen in Island stetig gestiegen, gestern war mit 286 positiv getesteten Fällen ein neuer Tagesrekord erreicht worden. Tausende werden ihre Weihnachtstage in Isolierung und Quarantäne verbringen. Allein aus dem isländischen Parlament befinden sich inzwischen acht Volksvertreter in COVID-bedingter Isolierung.
Experten hatten davor gewarnt, dass die Omikron Variante sich in den kommenden Wochen rasant ausbreiten und zu einem steilen Anstieg der Fallzahlen führen werde. Már Kristjánsson, der Chefarzt der Infektionsabteilung am Landspítali, hatte gestern in einem Interview bei RÚV angegeben, dass bei anhaltender Entwicklung die Fallzahlen auf bis zu 600 pro Tag steigen würden.
De neuen Bestimmungen treten heute Nacht in Kraft und gelten mindestens für die kommenden drei Wochen.

 

COVID-Ausbruch im Parlament schränkt Tätigkeit ein

Sechs Abgeordnete im isländischen Parlament Alþingi, ein Nachrückparlamentarier und vier Mitarbeiter befinden sich derzeit wegen einer COVID-Erkrankung in Isolierung, berichtet RÚV. Damit sitzt die gesamte fünfköpfige Fraktion der Reformpartei in COVID-bedingter Isolierung, für sie rückten die Ersatzleute ein, von denen vier noch nie zuvor einen parlamentarischen Sitz innegehabt hatten. Gestern kam ein siebenter Abgeordneter, diesmal von der Unabhängigkeitspartei, hinzu.
Bei der gestrigen Parlamentssitzung hatte es daher nur einen Tagesordnungspunkt gegeben: die Nachrückabgeordneten mussten ihre Ehrerklärungen unterzeichnen, um als Parlamentarier ihre Sitze einnehmen zu können.
Parlamentssprecher Birgir Ármannsson hatte angegeben, angesichts der aktuellen Lage werde man die Tagesordnungen weitestgehend einschränken. Auch die Ausschussitzungen würden zusammengestrichen.
Einige Tagesordnungspunkte können jedoch nicht verschoben werden, wie etwa den Haushaltsentwurf, der vor dem 1. Januar verabschiedet werden muss. Heute Nachmittag trifft das Parlament erneut zusammen, und Birgir erwartet, dass die zweite Lesung für den Haushalt 2022 erfolgt. Die dritte Lesung ist dann in der Woche nach Weihnachten an der Reihe.

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