Landesverband der isländischen Reitvereine entfernt Johann R. Skúlason aus Nationalmannschaft

Die Leitung des isländischen Landesverband der Reitvereine (Landssamband hestamannafélaga, LH) und der Ausschuss für das Reiternationalteam haben einer Ankündigung auf der Webseite zufolge die Entscheidung getroffen, ein Mitglied aus der isländischen Nationalmannschaft der Reiter zu entfernen.

Der Entschluss wurde gefasst, nachdem Informationen zu einem Gerichtsurteil bekannt geworden waren, nach dem das Mitglied der isländischen Nationalmannschaft wegen eines Sexualverbrechen verurteilt worden war. Weder Vereinsleitung noch Ausschuss hätten von dem Urteil gewusst, heisst es in der Bekanntmachung.

Die Leitung des LH hält es für unhaltbar, dass Personen, denen schwere Sexualverbrechen vorgeworfen werden oder die deswegen verurteilt wurden, der Nationalmannschaft angehören, ganz gleich, ob sie in Island leben oder im Ausland. In solch einem Fall wird das Image des LH, des Landes und des Reitsportes im Ganzen beschädigt, ausserdem läuft es den Werten zuwider, für die der LH steht. Der Verband wendet sich ganz klar gegen jegliche Form von Gewalt.

Der LH ist ein Sonderverband innerhalb des isländischen Sport- und Olympiaverbands (ÍSÍ), und dem Gesetz nach darf der ÍSÍ keine Person, die nach dem XXII. Artikel des Strafgesetzbuches ein Urteil wegen Sexualverbrechen erhalten hat, für eine Tätigkeit innerhalb des Sportverbandes einsetzen. Dies gilt sowohl für Personen, die als Freiwillige tätig sind als auch für Personen, die ein Gehalt beziehen.

Die Verbandsleitung hat sich bei ihrer Entscheidung unter anderem auf diese Bestimmung bezogen, als sie den Reiter der Nationalmannschaft verwies. Zusätzlich bezog sie sich auf eine vergleichbare Bestimmung, die bei der FEIF Jahreshauptversammlung 2019 beschlossen worden war und im Anhang 9 des Verbandsregelwerkes zu finden ist.
Bei LH und ÍSÍ ist vereinsintern damit begonnen worden, das gesamte Regelwerk rund um Gewalt und Sexualverbrechen zu überarbeiten und festzulegen, welche Voraussetzungen ein Auserwählter erfüllen muss, um für den Verband in einem sportlichen Wettbewerb antreten zu dürfen.

Verband steht hinter seiner Entscheidung
LH-Verbandsvorsitzender Guðni Halldórsson sagte Vísir gegenüber, dies sei wohl die grösste Entscheidung gewesen, die ein Sonderverband jemals habe treffen müssen: seinen stärksten Sportler und grössten Namen der Szene aus der Nationalmannschaft zu entfernen.
“Wir sehen es als nicht haltbar für uns an, als einer der grössten Sonderverbände innerhalb des ÍSÍ uns nicht mit solch einer Angelegenheit zu befassen. Sexualverbrechen, ganz besonders wenn es um Kinder geht, können und werden in unsere Frontmannschaft nicht geduldet.” sagte Guðni.

In der Ankündigung des LH wird der Name des Reiters nicht genannt, doch Vísir zitiert das Magazin Mannlíf, welches das Gerichtsurteil über den in Dänemark ansässigen isländischen Nationalreiter Johann Rúnar Skúlason vorliegen haben soll. Demnach habe Skúlason im Alter von 24 Jahren eine 13-Jährige in einem Geschäft belästigt und später im seinem Auto sexuell missbraucht. Er wurde damals zu einer Bewährungsstrafe von vier Monten verurteilt.

Zuletzt hatte es grosse öffentliche Diskussionen um Sexualverbrechen von Sportlern gegeben, wie etwa im Herrenfussball, wo der Verbandspräsident des KSÍ von seinem Posten zurückgetreten war und einige Spieler nicht mehr im Nationalteam vertreten sind. Alle seien sich der Lage bewusst, die nun aufgekommen sei, sagt Guðni.

“Natürlich spielt dort alles hinein, was Teil unserer Gesellschaft ist, und es gibt heute eine andere Debatte und man geht anders an die Dinge heran als noch vor fünf Jahren. Ich kann nicht sagen, ob es anders gelaufen wäre, wenn solch eine Angelegenheit damals aufgekommen wäre, aber so ist der Stand eben heute.” erklärt der Verbandsvorsitzende des LH.
“Diese Entscheidung ist in Anlehnung an die heutige Umgebung und Lage gefällt worden, und wir stehen hinter ihr.”

Tunnel Norðfjarðargöng nach Deckenschaden gesperrt

Neskaupstaður

Aus der Decke des Tunnels Norðfjarðargöng sind heute gegen 12.30 Uhr Teile der Verkleidung gebrochen und zu Boden gefallen, berichtet RÚV. Der Tunnel wurde daraufhin für den Verkehr auf unabsehbare Zeit gesperrt.
Wie die Strassenverwaltung informiert, war ein Müllfahrzeug im Tunnel unterwegs gewesen, als sich die Verkleidung löste, der LKW-Fahrer schaffte es so gerade noch, um den Geröllhaufen herumzufahren.
Der Schaden ereignete sich fünfeinhalb Kilometer vom Tunneleingang in Eskifjörður. Durch den Vorfall gab es am Nachmittag keine Möglichkeit, ins Fjorðungskrankenhaus nach Neskaupstaðir zu gelangen.

Gegen halb sechs ist dann der alte Tunnel Oddskarðsgöng für den PKW-Verkehr geöffnet worden. Grosse Fahrzeuge dürfen den Tunnel nicht benutzen. Die Bergstrasse Oddskarð wurde vom Schnee geräumt, doch die Strassenverwaltung weist darauf hin, dass Pass und Tunnel nur für unbedingt notwendige Fahrten genutzt werden sollten.

Neue Regierung muss auf Ermittlungsergebnisse warten

Island kann keine neue Regierung bekanntgeben, bevor nicht die Ermittlungen rund um die Auszählung der Wahlzettel im Wahlbezirk Nordwest abgeschlossen sind. Das hat Premierministerin Katrín Jakobsdóttir heute in einem Interview erklärt.
Die formalen Koalitionsgespräche zwischen der Linksgrünen Bewegung, Fortschrittspartei und Unabhängigkeitspartei pausieren in dieser Woche, weil zwei der Parteivorsitzenden sich auf Konferenzen im Ausland aufhalten. Katrín sagte, es sei in Island ungewöhnlich, dass eine amtierende Regierung wiedergewählt werde, und das schaffe Gewissheit, trotz der andauernden Ermittlungen im Wahlbezirk Nordwest.

Handhabung der Wahlzettel in einem Wahlbezirk bedarf Klärung
Ungewissheit hingegen hängt über den Resultaten der Wahlbezirks im Nordwesten nach den Parlamentswahlen vom 25. September. Mehr als ein Dutzend Klagen sind nach der Handhabung der Wahlzettel in dem Bezirk bei Gericht eingegangen. Am Abend der Wahl waren die Wahlzettel zwischen der eigentlichen Wahl und der Nachzählung am nächsten Morgen unversiegelt und unbeaufsichtigt geblieben. Die Polizeidirektion in Westisland hatte angegeben, keine Hinweise darauf gefunden zu haben, dass mit den Wahlzetteln hantiert worden sei, doch sie konnte dies nicht mit Sicherheit bestätigen.

Katrín erklärte, eine neue Regierung werden erst dann vorgestellt, wenn die Ermittlungen des zuständigen Wahlausschusses in dem Fall abgeschlossen seien, doch trotz der Ungewissheit in dem Wahlbezirk seien die Gesamtergebnisse klar. Es gebe eine amtierende Regierung, und die Regierung konnte ihre Mehrheit bei den Wahlen halten.
“Es gibt also eigentlich überhaupt keine Ungewissheit zu Regierung oder Mehrheit.” sagte die Premierministerin. Die Verhandlungen der Koalitionspartner finden derzeit auf der Grundlage statt, dass Katrín auch weiterhin als Premierministerin fungieren wird. Zur Verteilung der übrigen Ministerposten ist bislang nichts bekannt geworden.

Katrín Jakobsdóttir befindet sich derzeit zusammen mit Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson und Tourismusministerin Þórdís Kolbrún R. Gylfadóttir beim COP26 Klimagipfel in Glasgow. Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannsson reiste nach Kopenhagen zur Tagung des Nordischen Rates.