Neue Einreiseregel könnte nicht-infektiöse Inselbewohner ohne Staatsbürgerschaft vom Boarding ausschliessen

Keflavík Airport

Isländische Staatsbürger, Personen mit Wohnsitz in Island, Personen, die eine Arbeitserlaubnis haben oder erwarten, sowie Asylbewerber, allesamt vollständig geimpft, könnten bei ihrer Rückkehr nach Island unter Umständen Schwierigkeiten bekommen, wenn sie sich auf ihrer Auslandsreise mit COVID-19 anstecken. Die PCR-Tests könnten genetisches Virenmaterial noch lange nach der Genesung des Betreffenden finden, was die jeweilige Person dann vom Boarding in ein Linienflugzeug nach Island ausschliessen könnte.

“Die Behörden in Dänemark waren sprachlos über diese isländische Bestimmung,” sagt eine Isländerin, die aus diesem Grund seit mehr als einer Woche in Dänemark festsitzt.

Eine neue Bestimmung des Gesundheitsministeriums verlangt, dass Passagiere einen negativen PCR-Test vorlegen müssen, bevor sie das Flugzeug nach Island besteigen.
Wie Fréttablaðið berichtet, fehlt in der Bestimmung jedoch eine Klausel für all die Passagiere, die eine COVID-19 Erkrankung überstanden haben, aber trotzdem positiv testen.

Einer kürzlich veröffentlichten Studie zu dem Phänomen zufolge “können sich genetische Sequenzen aus der RNA des SARS-CoV-2 Virus per Rücktranskription in das Genom der Gastzelle integrieren. Diese Sequenzen des Genoms können dann in die RNA eingelesen und von PCR-Tests gefunden werden.”
Isländer und alle oben Genannten, die sich im Ausland infizieren, könnten bis zu sechs Monate warten müssen, bis sie per Linienflug nach Island zurückkehren dürfen, selbst wenn sie die Quarantäne absolviert haben und nicht länger als ansteckend gelten.

Problematik ist seit letztem Jahr bekannt
Runólfur Pálsson, der Leiter der COVID-Ambulanz an der Universitätsklinik, sagte dem Fréttablaðið gegenüber, er erinnere sich, dass genau dieser Sachverhalt im vergangenen Sommer eine “grosse Sache” gewesen sei, als die Grenzen noch vor der Impfaktion geöffnet wurden.

“Personen, die sich zuvor infiziert hatten, erhielten ein positives Testergebnis bei der Ankunft. Wir mussten ermessen, ob es sich um eine aktive Infektion handelt, oder um eine ältere, und wir fanden das mit dem Antikörpertest heraus. Wenn man die Menge des Virusmaterials testet, wird es allerdings ziemlich kompliziert.” Runólfur erklärt, eine solche Herangehensweise bringe den Tester in eine “hoffnungslose Lage”, weil es schwierig sei zu ermessen, ob die Person ansteckend sei oder ob sich immer noch Spuren der Virus-DNA in ihren Atemwegen finden, die aus einer überstandenen Infektion stammen, aber nicht mehr infektiös sind. Solche Personen dürften nach der Quarantäne wieder in die Gesellschaft, auch wenn es möglich sei, dass sie kein Linienflugzeug nach Island besteigen dürften.

Laut isländischer Verfassung darf “einem isländischen Staatsbürger weder der Zutritt zu Island verwehrt noch er des Landes verwiesen werden.” Eine Fluggesellschaft kann dem Staatsbürger jedoch den Zutritt zum Flugzeug verwehren. Für Personen, die keine Staatsbürgerschaft haben, aber dauerhaft in Island leben, könnte es noch komplizierter werden.

Behörden und Ministerien wussten keinen Rat für Gestrandete
Nanna Þórdís Árnadóttir, eine Kindergärtnerin aus Reykjavík, war am 17. Juli mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern nach Dänemark geflogen. Zwei Tage nach ihrer Ankunft testete Nanna positiv auf COVID-19. Nach zwei Wochen Quarantäne (auch ihre Kinder testeten positiv) verlängerte die Familie ihren Aufenthalt, wollte aber in der vergangenen Woche nach Island zurückkehren. Ein positiver PCR-Test vor dem Boarding machte dann sämtliche Pläne zunichte:
“Die COVID Mitarbeiter in Dänemark waren sprachlos über die isländischen Bestimmungen. Ich hatte von den dänischen Behörden einen COVID-Gesundheitspass ausgestellt bekommen, weil ich nicht länger ansteckend war, aber ich durfte das Linienflugzeug nach Island nicht besteigen.”

Nanna wandte sich an der isländische Gesundheitsministerium, welches sie ans Aussenministerium verwies. “Die sagten, sie könnten nichts tun. Jeder war sehr freundlich, aber sie alle sagten, sie hätten einen Rat für mich. Und dann hab ich mit den COVID-Mitarbeitern hier in Island gesprochen, die mir sagten, ich müsse mit einem Krankentransport nach Hause fliegen.”
Zum Glück liess Nanna einen zweiten PCR-Test machen, und der verlief negativ. “Du kannst dir vorstellen, wie wenig ich beim Warten auf das Resultat geschlafen habe … auch wenn wir gerne hier sind, das Gefühl, Dänemark zu besuchen, wenn man festsitzt und nicht nach Hause kann, ist schon etwas anderes. Was wird, wenn wir unseren Aufenthalt um eine Woche verlängern? Einen Monat? Wir müssten uns einen Ort zum wohnen suchen, Arbeit finden, Finanzen … das ist so schon ziemlich teuer für uns geworden.”
Morgen wird die Familie nach Island zurückkehren.

 

Grímsey war für ein paar Tage wegen COVID “geschlossen”

Auf der Insel Grímsey haben sich fünf Einwohner mit der COVID-19 Krankheit angesteckt. Die ersten beiden Infektionen waren in der vergangenen Woche bekannt geworden und fast alle Inselbewohner hatten sich daraufhin in Quarantäne begeben. Die auf Grímsey lebende Karen Nótt Halldórsdóttir erzählt, die Insel habe einige Tage einer Geisterinsel geähnelt und völlig lahmgelegen, doch nun sei die Quarantäne bei den meisten beendet.
Auf der Insel leben um die 50 Einwohner dauerhaft. Die Infektionsfälle haben den Alltag von Grímsey stark beeinträchtigt, denn Geschäft, Hotdog-Stand, Schwimmbad und Restaurant hatten während der Quarantäne geschlossen werden müssen.

“Wir sind gestern aus der Quarantäne gekommen. Wir sind am Sonntag getestet worden. Alle drei Wochen kommt ein Arzt aus Akureyri zu uns, diesmal kam er mit den Booster-Impfdosen für alle die, die den Janssen-Impfstoff erhalten hatten. Er hatte da dann auch die Ausrüstung für die Tests dabei,” berichtet Karen in einem Radiointerview am Vormittag.
Vergangenen Dienstag seien bei dem Arztbesuch zwei positiv getestet worden, am Sonntag waren dann drei Personen hinzugekommen.
Die ersten, die ihre Quarantänetage beendet hätten, seien eingesprungen und hätten unter anderem das Geschäft geöffnet. In einer so kleinen Gemeinschaft wie Grímsey sei man es gewöhnt, füreinander einzuspringen und auszuhelfen, sagt Karen.
Bislang seien die Bewohner von Grímsey ohne Infektion davongekommen, doch in diesem Sommer seien mehr Touristen nach Grímsey gekommen als noch im letzten Sommer. Es war Karens Ansicht nach nur eine Frage der Zeit, wann das Virus auf die Insel komme.

 

Island muss Verantwortung für Afghanistan schultern, sagt Premierministerin

Prime Minister Katrín Jakobsdóttir

Die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir sagte, es sei unglaublich zu sehen, wie schnell die Taliban in den vergangenen Wochen quer durch Afghanistan die Macht hatten ergreifen können. Dabei sei klar, dass die Entwicklung Auswirkungen auf den Status der Frauen in dem Land haben werde. Als NATO Mitglied müsse Island seine Verantwortung gegenüber der internationalen Gemeinschaft schultern.

“Es ist wichtig, dass wir Isländer unsere Verantwortung in dieser Sache sowohl als Mitglied der NATO und als Mitglied der internationalen Gemeinschaft und als Vertreter im UN-Rat für Menschenrechte schultern.” sagte die Premierministerin in einem Interview mit RÚV. “Wir machen uns alle grosse Sorgen, dass uns in Afghanistan eine Menschenrechtskrise bevorsteht.”

Der isländische Flüchtlingsausschuss wird die Lage in Afghanistan in diesr Woche auf Verlangen von Sozialminister Ásmundur Einar Daðason prüfen. Katrín gab an, es sei besonders wichtig, dabei an die Frauen zu denken, die in Afghanistan für Menschenrechte gekämpft hätten.

Island werde sich an der internationalen Debatte um die Afghanistan-Krise beteiligen, innerhalb der NATO wie auch im Kreis der Nordischen Länder. Die Regierung werde auch ein erweitertes Flüchtlingskontingent für Island in Betracht ziehen. Islands Quotenflüchtlinge für die Jahre 2020 und 2021 sind wegen Verzögerungen durch die COVID-19 Pandemie noch nicht im Land angekommen. Zuvor hatten die begörden bekanntgegeben, dass die Verzögerungen aufgearbeitet würden und icht etwa dazu führen würden, dass Island weniger Flüchtlinge als geplant aufnehmen werde.