COVID-19: Keine Herdenimmunität durch Impfung erreicht

Chief Epidemiologist Þórólfur Guðnason

Bei der heutigen COVID-Pressekonferenz gab es die neusten Infektionszahlen nach dem langen Reisewochenende. Demnach wurden gestern 108 Personen positiv getestet, davon waren 70 nicht in Quarantäne. Eine Person musste stationär eingewiesen werden, im Krankenhaus liegen nun 16 Patienten mit COVID-19. 45 der gestern positv Getesteten waren nicht geimpft. An der Grenze wurde eine ungeimpfte Person positiv getestet. Zur Zeit befinden sich 1304 Personen in Isolierung, 1937 in Quarantäne und 1158 in Einreisequarantäne. Aufgrund von Symptomen wurden 90 Personen positiv getestet, 18 hatten einen positiven Test während der Quarantäne und bei Zufallstests.

Die Reykjavíker Feuerwehr meldete 35 Krankentransporte wegen COVID-19 seit gestern, alleine 12 in der vergangenen Nacht. Nach Angaben von Hausleiter Gylfi Þór Þorsteinsson steht zur Zeit nicht zur Debatte, ein Pandemiehaus auf dem Land zu eröffnen. Die 265 COVID-Kranken in den ländlichen Regionen werden engmaschig überwacht. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, wird ein Transport in die Hauptstadt organisiert, um sie im Notfall in die Klinik verlegen zu können.
Nur in Neskaupstaðir hatte es ein Pandemiehaus für die Fährpassagiere gegeben, welches jedoch geschlossen wird, berichtet RÚV.

Mangelnder Impfschutz ist enttäuschend
In den vergangenen zwei Wochen hat sich COVID-19 stark ausgebreitet, nach Angaben von Chefepidemiologen Þórólfur Guðnason ist dies geschehen, nachdem die Beschränkungen im Land und an den Grenzen aufgehoben wurden. Man hatte die Lockerungen seinerzeit beschlossen, weil ein grosser Teil, oder inzwischen 70 Prozent der Landsleute geimpft ist, und weil es kaum noch Ansteckungsfälle gegeben hatte. Auch in der Gruppe der 12 bis 16-Jährigen sind 10 Prozent geimpft.
Die Tests an der Grenze hatten aufgrund von Personalmangel eingestellt werden müssen. Man habe es darauf ankommen lassen, um zu sehen, ob die Durchimpfung der Bevölkerung dem Virendruck standhalte.

Die Delta-Variante des Virus hat inzwischen alle anderen Sars-CoV2-Varianten abgelöst, und die Gesundheitsbehörden mussten erkennen, dass Geimpfte sich leicht anstecken und das Virus auch weitergeben können. Þórólfur äusserte seine Enttäuschung darüber, dass es nicht gelungen ist, eine Herdenimmunität aufzubauen.
Die Infektionen seien durch Einreisende mitgebracht worden, oft von Leuten mit einem breiten sozialen Netzwerk, von Teilnehmern an Grupenreisen nach London und Kreta, und von Kneipenbesuchern.

Regierung ist nun mit nächstem Schritt am Zug
Þórólfur bezeichnete die jetztige Lage als die grösste COVID-Welle seit Aufkommen der neuen Infektionskrankheit, auch wenn mit 24 Klinikeinweisungen auf 1400 positiv Getestete der Klinikanteil etwas niedriger liege als bei der letzten Welle. Offenbar verhindere die Impfung eine schwerwiegende Erkrankung.

Die Gesundheitsbehörden denken nun über die Verabreichung einer dritten Impfdosis nach. Der Chefepidemiologe erinnerte die Zuhörer daran, dass COVID in Island erst dann beendet ist, wenn es international unter Kontrolle sei. Die Infektionskrankheit könne mit immer neuen Überraschungen aufwarten, auf die man gefasst sein müsse.

Þórólfur gab an, er stehe in engem Kontakt zur Gesundheitsministerin. Der Ball befinde sich jetzt bei der Regierung, sie müsse entscheiden, welche Massnahmen als nächstes ergriffen werden. Er habe kein Memo an die Ministerin gesandt, möglicherweise werde er aber Vorschläge in anderer Form übermitteln.

Auch die Lage im Universitätsklinikum Landspítali kam bei der Pressekonferenz zur Sprache. Erst am Morgen hatte ein Arzt der Notaufnahme auf die katastrophale Unterbesetzung hingewiesen.
Þórólfur und Zivilschutzchef Víðir Reynison betonten einmal mehr, dass alle Massnahmen bezüglich COVID mit dem Ziel durchgeführt würden, das Gesundheitssystem und die Klinik zu schützen, welche beide am Rande ihrer Belastbarkeit operierten und nicht mal eben saniert werden könnten.