Erosionsstaub trübte Sicht über Südisland

In Reykjavík wurde heute Vormittag bis in den Nachmittag hinein eine hohe Feinstaubbelastung gemessen. Ähnliches gab es im Südwesten des Landes, doch dort stammte der Feinstaub nicht aus dem Vulkanausbruch, sondern von den Strandregionen im Süden, berichtet RÚV.
Wind aus südöstlicher Richtung wirbelte den sandigen Küstenstaub auf und trug ihn weit ins Land hinein. Stundenlang hing der Staub wie ein gelbbrauner Nebel in der Luft und verschluckte den Horizont.

In der Hauptstadtregion gibt es ein dichtes Netz von Messstationen, die die Luftqualität kontrollieren. Der höchste Wert wurde heute mit 200 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter in Kópavogur gemessen, er liegt über dem Grenzwert.
Die Südlandwolke diskutierte Feinstaubexperte Þorsteinn Jóhannsson am Nachmittag in einem Radiointerview auf Rás2.
“Das ist Erosionsstaub von den Stränden des Südlandes,” erklärte er. “Der kommt oft von der Sandfläche bei Landeyjar mit dieser Windrichtung, und das ist die unschädlichste Verschmutzungsart, mit der wir rechnen können angesichts der hohen Zahlen. Das ist groberer Staub als etwa der durch den Verkehr verursachte Feinstaub. Es gibt keine Russpartikel oder andere durch den Verkehr verursachte Partikel in diesem Staub.”
Die Partikel seien auch grösser als die aus dem Strassenverkehr. Die Schwefeldioxidbelastung war heute im Hauptstadtgebiet nicht sehr hoch gewesen, allerdings hatte es in Reykjanesbær eine Schwefedioxidwolke aus südöstlicher Richtung gegeben, wenn auch nicht mit besonders hohen Schadstoffwerten.

“Die Luftverschmutzung durch den Vulkanausbruch ist viel schwerwiegender. Da haben wir reizende Stoffe, Schwefelpartikel. Der Erosionsstaub vom Strand ist da noch das kleinste Übel. Empfindliche Personen können jedoch Symptome an sich verspüren, vor allem, wenn sie joggen gehen.”

Piratenpartei drängt auf Wahlbeobachter für die Parlamentswahl im Herbst

Alþingi Icelandic parliament

Die Fraktion der Piratenpartei im isländischen Parlament hat bei der OSZE einen förmlichen Antrag zur Entsendung von Wahlbeobachtern für die im Herbst anstehende Parlamentswahl eingereicht, berichtet Vísir.

Der Piratenabgeordnete Andrés Ingi Jónsson sagte heute vor dem Parlament, die Lage sei sehr ernst, und er verwies auf Nachrichten um eine sogenannte “Guerillatruppe” des Fischereimulti Samherji, welche gegen Journalisten und Medien vorgehe und auch versucht habe, Einfluss auf die Wahl des Vorsitzenden im isländischen Journalistenverband, sowie in der Wahlmannschaft der Unabhängigkeitspartei zu nehmen.

“Das ist sehr ernst. Für die Wahlen, bei denen es unter anderem um das Eigentum des Volkes an den Fischereiresourcen gehen wird, ist es brandgefährlich, dass ein finanzstarkes Fischereiunternehmen sich auf diese Weise gegen ganz normale Mechanismen der Demokratie betätigt. Den Profit aus genau diesen Resourcen für Kriegszüge gegen politische Gegner, gegen öffentliche Debatte und gegen freie Nachrichtenverbreitung benutzt,” sagte Andrés vor dem Parlament.

In der vergangenen Woche hätten sich Vertreter der OSZE mit verschiedenen Personen hier in Island getroffen, um den Bedarf für eine beobachtende Kontrolle der Wahlen im Herbst zu eruieren.
“Ich war bei zwei dieser Treffen anwesend. Dort habe ich Besorgnis zur Stellung der Medien geäussert, vor allem weil wir da wussten, wie Samherji in den vergangenen Monaten gegen Helgi Seljan [investigativer Journalist des RÚV-Magazins Kveikur] wegen der Nachrichten um die Vorgehensweise des Unternehmens in Namibia agitiert hat. Solche Aktionen können ohne Weiteres eine abkühlende Wirkung auf kritisch gestimmte Medien haben, was widerum einen negativen Effekt auf unsere Möglichkeit zu freien und fairen Wahlen hat,” erklärte der Abgeordnete.

Seit den Treffen mit den OSZE-Vertretern habe sich die Lage in Island dramatisch geändert. Die beiden Nachrichtenmagazine Stundin und Kjarninn hätten offengelegt, dass Samherjis Manipulationen weitaus organisierter und tiefgehender ausgefallen waren als zuvor angenommen. Daher habe seine Partei entschieden, der OSZE einen Antrag auf organisierte Beobachtung der Wahlen im Herbst zu schicken.

Zuletzt hatte die OSZE in den Jahren 2019 und 2017 Wahlbeobachter ins Land geschickt, um die Wahlabläufe zu überprüfen und die Finanzierung von Parteien und Kandidaten im Zusammenhang mit den Wahl zu prüfen. Ein Expertenteam hatte eine ganze Liste mit Empfehlungen für durchsichtigere und demokratischere Wahlabläufe vorgelegt.

 

Ultramarathon im isländischen Hochland geplant

Fjallabak - syðra highland

Die isländische Umweltbehörde hat dem Unternehmen Arctic Yeti Ltd. erlaubt, in diesem Sommer den sogenannten “Ultramarathon” im Hochland abzuhalten. Damit findet zum ersten Mal solch eine Veranstaltung in Island statt: die Teilnehmer haben vom 26. Juni bis zum 3. Juli sechs Tage Zeit, die 280 Kilometer zurückzulegen. Javi Gálves, der Geschäftsführer von Arctic Yeti, sagte mbl.is, sein Unternehmen hoffe, den Marathon zu einer jährlichen Veranstaltung zu machen.

Um die 50 Teilnehmer werden erwartet. Der Marathon soll in den Naturschutzgebieten Fjallabak und Þjórsárdalur stattfinden. Die Route setzt sich aus einer Mischung aus Strassen, Pisten und Wanderwegen zusammen.

Übernachtet wird während des Marathons auf Campingplätzen im Þjórsárdalur, die Arctic Yeti aufsetzt, das Unternehmen stellt dabei Zelte und andere Notwendigkeiten zur Verfügung. Die Teilnehmer müssen während des Laufs Tüten für Biomüll und für die Notdurft mit sich führen, welche an gekennzeichneten Orten entsorgt werden.
Arctic Yeti ist eine spanische Reiseagentur, die sich auf Reisen in die nordischen Länder spezialisiert hat. Zuvor hat das Unternehmen einen Ultramarathon in Costa Rica abgehalten.

Britisches Unternehmen will Windparks in isländischen Gewässern errichten

Das britische Unternehmen Hecate Independent Power Limited (HIP Atlantic) will Windparks vor den Küsten Süd- und Ostislands errichten, welche Grossbritannien per Seekabel mit Strom versorgen sollen. Mit dem isländischen Stromnetz sollen diese Windparks nicht verbunden werden. Das Unternehmen hat jedoch noch keinen Kontakt zu Islands Energiebehörde aufgenommen, welche das Projekt genehmigen müsste.

Einer Pressemitteilung des Unternehmens zufolge wären die Windparks um das Jahr 2025 fertiggestellt. “Entscheidend ist, dass die HIP Atlantic HVDC Übertragungskabel niemals an das isländische Übertragungsnetz anschliessen würde: die hochverfügbare Windkapazität wird ausschliesslich mit dem Vereinigten Königreich verbunden und über das nationale Netz verteilt.” heisst es in der Meldung. HIP betreibt bereits Windparks in der Irischen See und in der Nordsee.
Die Windparks in Island würden in unterschiedlichen meteorologischen Einzugsgebieten errichtet, um eine Stromversorgung zu gewährleisten, wenn die anderen Windkraftanlagen des Unternehmens mangels Wind still stehen.

Isländische Investition und 500 Arbeitsplätze
Die anfängliche Investition von isländischer Seite für die ersten 2000 MW der Pilotphase belaufen sich auf 2,9 Mio Pfund (3,3 Mio EUR) im Jahr 2021. Sie sollen dann bis 2025 auf 144 Mio. Pfund (166,6 Mio EUR) anwachsen. Das Unternehmen erwartet, dass das Projekt bis zu 500 Arbeitsplätze im Süden und Osten der Insel während der Pilotphase schaffen würde, und bis zu 15.000 Jobs in Grossbritannien.
Durchgeführt wird das Projekt durch Hecate Wind LLC, ein Tochterunternehmen des US-Unternehmens Hecate Holdings LLC, welches für die Entwicklung von erneuerbaren Energien steht. Unternehmensleiter ist Sir Tony Baldry, ein ehemaliger britischer Energieminister.

Beispielloser Plan in isländischem Hoheitsgebiet
Bislang hat es in der Geschichte keinen Fall gegeben, wo ein ausländischer Staat in isländischem Hoheitsgebiet Energie produziert und diese in sein eigenes Energienetz einspeist. Jónas Ketilsson, der Stellvertretende Leiter der isländischen Energiebehörde gab an, erst ein Unternehmen, die isländische North Tech Energy, habe in der Vergangenheit um eine Forschungslizenz ersucht, um auf dem Meer Energie zu produzieren, doch diese Lizenz sei im Jahr 2017 ausgelaufen.
“Verwaltungstechnisch kommt alles in Frage, und wir prüfen die Anträge so wie sie eingehen,” sagte Jónas dem Fréttablaðið auf die Frage, wie durchführbar solch ein Windpark in Island wäre. “Aber wir haben noch nie zuvor eine vergleichbare Anfrage erhalten. Da gäbe es allerhand zu prüfen.”

Er selbst hege Zweifel zur Wirtschaftlichkeit des von HIP angekündigten Projektes, vor allem in Anbetracht der Entfernung. “Windparks draussen auf dem Meer bergen versteckte Kosten, weil die Transportkosten an Land vom Stromverteilernetz getragen werden, und nicht vom Produzenten,” erklärt Jónas.
Das Unternehmen habe mit der isländischen Energiebehörde noch keinen Kontakt aufgenommen. Eine isländische Genehmigung ist Voraussetzung für die Durchführung des Projektes.

Seekabel nach Grossbritannien schon lange in Planung
Ein Seekabel, welches Strom von Island nach Grossbritannien transportiert, ist schon seit Jahren immer wieder Gegenstand von Verhandlungen gewesen. Zuletzt hatte im Jahr 20216 der damalige Premierminister Sigmund Davíð Gunnlaugsson mit seinem Amtskollegen David Cameron entsprechende Pläne besprochen, und der damalige Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson hatte sich in Verhandlungen eingeschaltet. Auch der staatliche Energieversorger Landsvirkjun zeigte grosses Interesse an einem Seekabel, um in Island produzierten Strom im Ausland teurer verkaufen zu können. Bei diesem Seekabel würden jedoch stets isländische Unternehmen in isländischem Hoheitsgebiet als Stromproduzenten agieren.